Vorsicht bei gefärbten Eiern!

Fotos: Christin Klose, Tran-Photography / stock.adobe.com

Rot, gelb, blau und grün – Ostereier aus dem Supermarkt leuchten in satten Farben. Aber Achtung: Meist handelt es sich bei gefärbten Eiern um Sorten, die du bestimmt nicht kaufen willst. Eine klitzekleine gute Nachricht gibt es hier jedoch zu vermelden: Verbraucher:innen-Wünsche werden mehr und mehr berücksichtigt.

Die Auswahl an gefärbten Eiern in den Supermärkten ist gewaltig. Und die Versuchung, eine Packung der glänzenden und schillernden Eier mitzunehmen, ist groß. Für Tierschützer:innen sind die bunten Ostereier aus dem Supermarkt aber ein absolutes No-Go: Noch immer verschleiern die gefärbten Eier zum Teil ihre Herkunft und stammen aus einer Haltung, die nichts mit glücklichen Hühnern zu tun hat. Viele Verbraucher:innen möchten vor allem die Käfighaltung nicht unterstützen – tun es aber, ohne es zu wissen, doch, wenn sie zu Ostern bunte Eier kaufen.

Gefärbte Eier müssen nicht gekennzeichnet sein

Rohe Eier müssen EU-weit gekennzeichnet sein. Die Kennzeichnungspflicht ist streng, aufgedruckt werden müssen Hinweise zur Herkunft, Haltung und Frische der Eier:

  • 0 steht für ökologische Erzeugung
  • 1 für Freilandhaltung
  • 2 für Bodenhaltung und
  • 3 für Käfighaltung.

Das nachfolgende Kürzel bezeichnet das Herkunftsland. Zum Schluss kommt die Identifikationsnummer des Herstellungsbetriebes. Mehr Details findest du hier:

Gefärbte Eier = Tierquälerei?

Anders ist das bei gefärbten Eiern. Sie gelten als „verarbeitetes Eiprodukt“. Auf der Packung müssen hier nur der Hersteller und das Haltbarkeitsdatum aufgedruckt sein. Das bedeutet: Auf der Packung muss es keine Angabe dazu geben, ob die Eier aus Käfighaltung aus dem Ausland kommen.

Bislang gab es in den Supermärkten fast ausschließlich bunte Eier ohne Kennzeichnung. Die Vermutung liegt nahe, dass hier allermeist Eier aus Käfighaltung verkauft wurden. Als rohe Eier wären diese im Handel mit einer „3“ gekennzeichnet. In den Läden sind diese Eier gar nicht  mehr zu finden. Ganz einfach, weil die Verbraucher:innen die Käfighaltung nicht unterstützen möchten. Offiziell wurde die Käfighaltung  2012 in der EU verboten, doch sogenannte „ausgestaltete Käfige“ sind weiterhin erlaubt. Die Käfige müssen nur 0,075 Quadratmeter groß sein – also etwa 30 mal 25 Zentimeter. Verwendet werden die Eier aus Käfighaltung für Nudeln, Kuchen, Mayonnaise – und eben Ostereier.

„Die Diskrepanz zwischen der Kennzeichnung von frischen und gefärbten Eiern ist frappierend“, kritisiert Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Der Gesetzgeber sollte bei bunten Eiern ebenfalls die Kennzeichnung der Haltungsform vorschreiben“, so ihre Forderung.

„Ein Schritt in die richtige Richtung“

Der Gesetzgeber ist hier bislang nicht aktiv geworden – getan hat sich dennoch etwas: Unsere Recherche zeigt dieses Jahr ein anderes, minimal optimistischeres Bild: Immer mehr Supermärkte und Discounter verkaufen bunte Eier mit Kennzeichnung – zumeist aus Bodenhaltung, zu einem kleinen Teil aus Freilandhaltung.

Beim Eierkauf solltest du aber bedenken: Auch die Eier aus Bodenhaltung sind mit Tierleid verbunden und stammen nicht von glücklichen Hühnern. Außerdem: Die Verpackung lässt nach wie vor zu wünschen übrig: Die Eier sind – unnötigerweise – in Plastik verpackt.

Neu im Supermarkt: Bunte Eier mit Kennzeichnung, hier von Lidl
Neu im Supermarkt: Bunte Eier mit Kennzeichnung, hier von Lidl (Foto: Utopia.de / bw)

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. wertet die freiwillige Kennzeichnung „als Erfolg und Schritt in die richtige Richtung“. Die Politik darf sich für diese Verbesserung allerdings nicht rühmen, verantwortlich für die freiwillige Kennzeichnung der Handelsunternehmen sind der Druck von Tierschützern und der Wunsch vieler Verbraucher:innen.

Vorsichtig sein sollten Verbraucher:innen nach wie vor bei lose verkauften Ostereiern, warnt der Deutsche Tierschutzbund: „Unserer Kenntnis nach findet man bei Bäckereien, in Kantinen oder Imbissbuden noch bunte Eier, die an der Theke einzeln und ohne Angabe zur Haltungsform verkauft werden.“

Gefärbte Eier mit KAT-Siegel stammen nicht aus Käfighaltung 

Wer sicher gehen möchte, dass die Eier im Osternest mindestens aus Bodenhaltung und garantiert nicht aus Käfighaltung stammen, sollte auf das „KAT“-Logo achten. „Dieses garantiert, dass das Ei aus alternativer Haltung – also Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung – stammt und es sich nicht um ein Ei aus Käfig- oder Kleingruppenhaltung handelt“, erklärt Dietmar Tepe, Geschäftsführer von KAT (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen).

Wie gefährlich ist die bunte Farbe?

Wurde vor einigen Jahren noch vor den Farbstoffen in der Schale der bunten Eiern gewarnt, muss sich hier inzwischen keiner mehr Sorgen machen. Greenpeace Österreich hat sich alle erhältlichen Eier in den Supermärkten angeschaut und gibt grünes Licht für die Farben auf den fertigen Ostereiern. Eier aus deutschen Supermärkten wurden bei der Marktstudie zwar nicht berücksichtigt, aber hier kann Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Entwarnung geben: „Bei bunten Eiern werden dieselben Farbstoffe verwendet, die wir auch über Süßigkeiten zu uns nehmen. Da muss keiner Angst vor Giftstoffen haben.“

Anders sieht es bei den Farben fürs Selberfärben aus, warnt Greenpeace: „Wie der Greenpeace-Marktcheck zeigt, enthält mehr als die Hälfte der Produkte zum Selberfärben in den Supermärkten problematische Stoffe.“ Die sogenannten Azofarbstoffe können bei Kindern möglicherweise die Aktivität und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und stehen im Verdacht, Allergien und die Entstehung von Asthma zu begünstigen. Durch kleine Risse in der Schale kann die Farbe ins Innere gelangen und dann in unseren Körper, wenn wir das gefärbte Ei essen.

Tipp: Achte beim Farbenkauf also darauf, dass die Farben frei von den Azofarbstoffen Tartrazin (E102), Gelborange S (E110), Azorubin (E122) und Cochenillerot A (E124 A) sowie von Chinolingelb (E104) sind. Am besten sind Bio-Farben.

Viel zu bunt, um gut zu sein!
Viel zu bunt, um gut zu sein! (Foto: Utopia.de / bw)

Utopia empfiehlt: Nimm Bio-Eier!

Utopia empfiehlt, grundsätzlich Bio-Eier (Code 0) zu kaufen, am besten welche mit zusätzlichen Siegeln von Bioanbauverbänden wie Bioland, Demeter, Naturland. Manchmal sind Freilandeier (Code 1) aber auch die bessere Wahl: Billige Bio-Eier vom Discounter stammen nicht zwangsläufig von glücklichen Hühnern und sind aus Nachhaltigkeitssicht schlecht, zum Beispiel wenn das Futter vom anderen Ende der Welt kommt. Freilandeier vom kleinen Eierhändler aus der Region sind zwar nicht Bio, dafür leben die Hühner hier nicht selten unter besseren Bedingungen und werden mit lokalem Futter gefüttert. Wie die Hühner leben, kannst du dir bei Eiern aus der Region anschauen.

Bei gefärbten Eiern sind Bio-Eier (die sind nur mit natürlichen Farbstoffen und färbenden Naturmaterialien gefärbt) aus Bruderhahn- oder Zweinutzungshuhn-Projekten die beste Wahl. Oder du färbst die rohen Bio-Eier selbst. Das macht am meisten Spaß! Hier findest du Tipps zum Ostereierfärben mit Naturfarben:

Auch bei Fertigprodukten auf Eier achten

Wenn Fertigprodukte oder Ostergebäck nicht bio-zertifiziert sind, stammen darin enthaltene Eier häufig aus Bodenhaltung, schlimmstenfalls aus Käfighaltung. Vermeide darum besser Produkte, in denen Eier unbekannter Herkunft verarbeitet sind.

Oder doch lieber kein Ei?

Wie bei allen Produkten tierischen Ursprungs gilt selbstverständlich auch für Bio-Eier: Bewusst und vor allem in Maßen konsumieren!

Ei lässt sich in vielen Fällen problemlos ersetzen. Wie, das erfährst du hier:

Ostereier stammen oft aus Käfighaltung

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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(1) Kommentar

  1. Wird unser Konsumverhalten zum Spießrutenlauf für unser Gewissen?
    Wenn weder Bio-Läden noch Bauern in der Nähe sind, kann man dann überhaupt noch mit gutem Gefühl einkaufen?

    Da ich zumeist mit dem Fahrrad kleinere Einkaufstouren unternehme, habe ich mir für Ostern „gefärbte Eier“ bei tegut gekauft. Obwohl ich nach Bio-Eiern gegriffen habe, beschlich mich anschließend ein ungutes Gefühl. Da es mir keine Ruhe ließ, habe ich dann Zuhause recherchiert. Die Eier stammen von der Westerwald Bio GmbH aus ökologischer Erzeugung und sind mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet, was offenbar nicht von so großer Bedeutung ist, da die Richtlinien dieses Siegels im Vergleich zu denen von Demeter oder Bioland vergleichsweise schwach seien, die beiden letztgenannten hätten deutlich stärkere Kontrollen und strengere Vorgaben, sagt mir das Internet.
    Was mich zudem noch irritiert hat, ist die Kunststoffumhüllung. Das ist mir nicht ökologisch-konsequent genug. Die Verpackung stammt zwar von Ovotherm, dieses Unternehmen wirbt für innovative Lösungen: Einheitliche Form, daher ideal zu Stapeln, weniger Gewicht und Volumen und das bedeutet angeblich 50% weniger Umweltbelastung im Vergleich zu konventionellen Eierverpackungen. Alles gut und schön, ist aber trotzdem noch Plastik!

    Ich muss nachträglich gestehen: Nur aus reiner Bequemlichkeit habe ich wohl dennoch zugegriffen, denn ich wollte bunte Bio-Eier und im Laden gab es keine Alternative! Trotzdem denke ich, das war das letzte Mal, dass ich gefärbte Eier gekauft habe. In Zukunft konsumiere ich ganzjährig nur noch „haehnlein Bio-Eier“ (die gibt es auch bei tegut), die dann entweder selbstgefärbt oder in Naturfarben auf den Ostertisch kommen. Dann beschleicht mich wenigstens das beruhigende Gefühl, einen (wenn auch minimalen) Beitrag gegen das grausige Schreddern der männlichen Eintagsküken geleistet zu haben.