Rezyklat: Diese Rolle spielt es bei Verpackungen

Foto: CC0 / Pixabay / Hans

Rezyklat ist die Bezeichnung für alten Kunststoff, der für die Herstellung neuer Plastikprodukte verwendet wird. Häufig kommt Rezyklat zum Beispiel in PET-Flaschen vor.

Was passiert mit alten PET-Flaschen, die im Leergutautomaten landen? Sie werden nach Farben sortiert, gewaschen und dann zu PET-Flakes zerhäckselt. So entsteht das begehrte Rezyklat, aus dem Unternehmen dann zum Beispiel Funktionsjacken herstellen können. Inzwischen ist Rezyklat zu einem wichtigen Rohstoff geworden, aus dem sich zahlreiche unterschiedliche Produkte herstellen lassen. Doch die Aufbereitung ist aufwendig und es gibt strenge Vorschriften.

Rezyklat: Kunststoff-Recycling – aus Alt mach Neu

Aus 100% Rezyklat besteht etwa diese PET-Flasche von LIDL.
Aus 100% Rezyklat besteht etwa diese PET-Flasche von LIDL.
(Foto: LIDL Presse)

Rezyklat nennen Expert*innen die zerkleinerten Kunststoffteilchen aus altem Kunststoff, der recycelt werden soll. Es gibt eine Vielzahl an Kunststoffen, doch nicht jeder ist recycelbar. In der Praxis kommen vor allem folgende Kunststoffe zur Verarbeitung zu Rezyklat zum Einsatz:

Der Vorteil von Rezyklat: Das wiederverwendete Plastik hat bereits einen Lebenszyklus hinter sich und wird nun ein weiteres Mal genutzt, anstatt neuen Kunststoff herzustellen. Dadurch sind weniger Rohstoffe und weniger Energie nötig. Einwegflaschen können durch die Umstellung auf Rezyklat sogar eine bessere Ökobilanz als Glasflaschen haben, da Glasflaschen aufwendig mit heißem Wasser gereinigt werden müssen. Zu diesem Schluss kommt die Doku „Der Glasflaschenrebell“ – Studien dazu gibt es aber noch nicht.

Der Rezyklatanteil der PET-Flaschen variiert stark: Einige Mineralwasseranbieter nehmen ausschließlich neuen Kunststoff, andere setzen auf 50 Prozent Rezyklat und einige sogar auf 100 Prozent Rezyklat. Die gesetzlichen Vorgaben fallen dagegen sehr niedrig aus: In der EU müssen PET-Flaschen ab 2025 einen Rezyklatanteil von mindestens 25 Prozent aufweisen, ab 2030 sind es mindestens 30 Prozent.

Produkte aus Rezyklat: Mehr als PET-Flaschen

Rezyklat wird in der Regel aus PET-Flaschen hergestellt
Rezyklat wird in der Regel aus PET-Flaschen hergestellt
(Foto: CC0 / Pixabay / fotoblend)

Aus rund der Hälfte des Rezyklats entsteht neues Verpackungsmaterial, zum Beispiel Folien zum Einschweißen von Produkten, so das Fachmagazin K-Zeitung. Die andere Hälfte des Rezyklats wird zu vielen verschiedenen Produkten weiterverarbeitet, zum Beispiel zu:

  • Jacken
  • Schulranzen
  • Taschen
  • PKW-Innenraumausstattung
  • Kinderwägen
  • Küchenfronten
  • Fleece-Pullover
  • Schlafsäcke
  • Dämmmaterialien
  • Verpackungen, zum Beispiel für Kosmetikprodukte

PET-Flaschen lassen sich besonders gut als Rezyklat nutzen, da sie aus einer Kunststoffart bestehen und nicht mit anderen Kunststoffen oder Materialien vermischt sind.

Doch es gibt auch Hürden: Damit aus einer alten PET-Flasche eine neue PET-Flasche wird (Bottle-to-Bottle-Recycling), sind spezielle Reinigungsprozesse notwendig, so die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). In Europa schreibt die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA demnach sogenannte „super-clean“ Recyclingprozesse vor, die von der Behörde zuvor zugelassen werden müssen.

Nur wenig Plastik wird zu Rezyklat

Obwohl inzwischen die meisten PET-Flaschen aus 50 Prozent Rezyklat bestehen, wird kaum Plastik recycelt: Das meiste Plastik wird verbrannt, denn wiederverwendetes Plastik muss den Standard der Lebensmitteltauglichkeit erfüllen, schreibt das Handelsblatt. Das würde zu sehr hohen Kosten bei der Aufbereitung des Plastiks führen, sodass nur bestimmtes Plastik – wie die PET-Flaschen – aufbereitet und zu Rezyklat verarbeitet werden. Die Herstellung von neuem Plastik ist zudem so billig, dass viele Produzenten kaum Anreiz verspüren, auf Rezyklat zurückzugreifen. Denn das ist laut Umweltausschuss des Bundestags etwa 25 Prozent teurer als die Neuproduktion.

Allerdings fordert die Politik schon länger, dass mehr Plastikpodukte zu Rezyklat recycelt und aus Rezyklat hergestellt werden. Im Umweltausschuss hieß es 2019: „Die Branche habe sich das Ziel gesetzt, bis 2025 90 Prozent recycling- oder mehrwegfähige Verpackungen auf den Markt zu bringen, aktuell liege die Quote bei 75 Prozent“. Probleme gebe es bei der Lebensmitteltauglichkeit, der Verfügbarkeit sowie bei der Qualität. Unklar seien sich die Unternehmen auch bei der Preistoleranz der Kund*innen und bei den fehlenden Qualitätsstandards.

Rezyklat in der Zukunft: Quote und Steuern?

Expert*innen und Branchenverbände fordern schon länger, den Rezyklatanteil verbindlich für Verpackungen vorzuschreiben. Dr. Henning Wilts (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) sieht in einer Quote zum Beispiel Anreize für Investitionen und Forschung und zudem für eine verlässliche Nachfrage. Das sagte er im Umweltausschuss des Bundestags. Denn die Nachfrage ist bisher so gering, dass bei Rezyklatherstellern Unsicherheit herrscht. Andere Expert*innen fordern eine Unterscheidung zwischen dem Zweck der Rezyklate: Für Kosmetikverpackungen sollen niedrigere Standards gelten als für Lebensmittelverpackungen, um die Kosten niedriger zu halten und Rezyklat attraktive zu machen. Eine andere Entwicklung gibt es in Großbritannien: Dort hatte die Regierung eine Steuer auf die Herstellung und Einfuhr von Kunststoffverpackungen mit einem Recyclinganteil von weniger als 30 Prozent vorgeschlagen.

In der EU gibt es zudem einen Aktionsplan, wonach alle Verpackungen bis 2030 recyclingfähig sein sollen. Der EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft sieht vor, dass Kunststoff als Rezyklat wiederverwendet wird. Konkrete Verordnungen gibt es dazu aber noch nicht. Laut Fachmedien könnten Lösungen sein, Unternehmen mit recycelten oder recycelbaren Produkten mit niedrigeren Gebühren zu belohnen, Steueranreize zu schaffen und neue Produktkennzeichnungen einzuführen, ähnlich einem Siegel.

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