Ocean Plastic: Greenwashing mit Plastikmüll?

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Mit Ocean Plastic bewerben viele Hersteller ihre angeblich nachhaltigen Materialien. Doch woher stammt das Plastik wirklich und ist es tatsächlich empfehlenswert?

Viele Tiere verwechseln Plastik im Meer mit Futter oder verletzen sich daran, daher ist es problematisch. Plastikverpackungen aus „Ocean Plastic“ vermitteln den Eindruck, die Hersteller würden aktiv solches Plastik aus dem Meer fischen und daraus ihre Materialien herstellen. Doch genau dieser Eindruck täuscht – und dennoch sind Gegenstände aus Ocean Plastic oft die (etwas) bessere Wahl.

Ocean Plastik: Das steckt wirklich hinter dem Plastik

Ocean Plastic kommt in der Regel gar nicht aus dem Meer.
Ocean Plastic kommt in der Regel gar nicht aus dem Meer. (Foto: CC0 / Pixabay / kakuko)

Mittlerweile gibt es Schuhe aus Ocean Plastic und große Drogerieartikelhersteller stellen damit Verpackungen von Duschgel und anderen Kosmetikprodukten her. Wieder andere fertigen Brillen oder Rucksäcke aus dem Ozean-Plastik. Das Problem: Es gibt keine gesetzlich bindende Definition, was Ocean Plastic genau ist. Die Hersteller können daher viele Rohstoffe zu „Ocean Plastic“ erklären – und tun das auch.

Wie beispielsweise Adidas gegenüber dem WDR einräumt, stammt der Plastikmüll „von Stränden und aus Küstenregionen und wurde recycelt, bevor er in die Ozeane gelangen konnte„. Plastik aus dem Meer steckt also nicht in den Ocean-Plastic-Schuhen.

Auch bei anderen Produkten handelt es sich fast nie um echtes Plastik aus dem Meer. Stattdessen verwenden Hersteller oft „Social Plastic“ – aufgesammeltes Plastik in Küstenregionen (nicht einmal zwangsläufig am Strand). Der Grund: Die Aufbereitung von Plastik aus dem Meer wäre viel zu teuer, erklären die Wissenschaftler im WDR.

Ist Ocean Plastic Greenwashing?

Plastik im Meer ist für viele Tiere problematisch.
Plastik im Meer ist für viele Tiere problematisch. (Foto: CC0 / Pixabay / A_Different_Perspective)

Ocean Plastic steht inzwischen als Greenwashing in der Kritik. Denn entgegen der Annahme vieler Kunden handelt es sich eben nicht um Plastikmüll aus den Weltmeeren. Genau dies suggerieren aber die meisten Hersteller durch geschickte Werbefotos und Videoclips. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert dies auch bei Coca-Cola, dem größten Plastikverpackungsproduzenten der Welt. Das Unternehmen hat Einweg-Plastikflaschen herausgebracht, die aus 25 Prozent Ocean Plastic sind. „Statt der Umwelt etwas Gutes zu tun, dient der angeblich innovative Recyclingansatz wohl eher dazu, die Vermüllung der Meere mit Plastikabfällen zu legitimieren und sogar als etwas Positives darzustellen“, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Die Unternehmen verpassen sich ein grünes Image, ohne wirklich umweltfreundlicher zu sein. Hinzu kommt, dass die Produkte in der Regel nicht zu 100 Prozent aus recyceltem Plastikmüll sind, sondern einen Anteil an Neuplastik beinhalten.

Aber nicht immer ist Ocean Plastic tatsächlich Greenwashing. Das kleine spanische Unternehmen Seaqual arbeitet mit lokalen Fischern zusammen, die Plastikmüll aus den Ozeanen abschöpfen. Gerade für solche echten Ocean-Plastic-Verwender ist es ärgerlich, wenn das Konzept durch das Greenwashing großer Konzerne in Verruf gerät. Doch das Plastik an der Meeresoberfläche macht nur einen Bruchteil der Gesamtmenge im Meer aus. Das meiste Plastik liegt auf dem Meeresgrund, und da wird es immer mehr.

Ein weiteres Problem bei Produkten aus Kunststoffen: Ob Sportschuh oder Trikot – bei jeder Wäsche lösen sich winzige Kunststofffasern, die über das Abwasser (wieder) im Meer landen.

Ocean Plastic nicht verteufeln

Besser als jedes Produkt aus Ocean Plastic ist jenes, das erst gar nicht hergestellt wird. Denn um das Ocean Plastic zu reinigen, zu färben und wieder zu einem brauchbaren Rohstoff zu machen, fallen viele Ressourcen an. Aber nachhaltiger, als neues Plastik herzustellen, ist Recycling allemal – auch Ocean Plastic aus Küstenregionen. Denn es verringert die Abfallberge und spart Erdölressourcen, die für die Plastikproduktion sonst nötig wären.

Dennoch sehen Umweltverbände bessere Lösungen. Verpackungen aus 100 Prozent recyceltem Plastik sind technisch längst möglich, aber noch zu selten, kritisiert der NABU. Die Deutsche Umwelthilfe fordert einen Verzicht auf Einweg-Plastikflaschen und stattdessen ein verpflichtendes Pfandsystem.

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