Rohmilch und Rohmilchkäse: Worauf du beim Verzehr achten solltest

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Seit Jahren gibt es Debatten um die gesundheitlichen Risiken von Rohmilch und Rohmilchkäse. Wir verraten dir, was Rohmilch ausmacht und worauf du beim Verzehr achten solltest.

Rohmilch und Rohmilchkäse: die unbehandelte Milch

Als Rohmilch wird die nicht-pasteurisierte, unbehandelte Milch von Nutztieren bezeichnet. Sie stammt wie auch die pasteurisierte Milch vorwiegend von Milchkühen. Laut Richtlinien der EU dürfen als Rohmilch deklarierte Milcherzeugnisse weder über 40 Grad erhitzt, noch durch Mikrofiltrierung gefiltert werden. 

Um Produkte aus Rohmilch herrscht seit Einführung der Pasteurisierung ein regelrechter Streit zwischen zwei Fronten:

  • Befürworter der Rohmilch schwören unter anderem auf ihren angeblich höheren Nährwert durch mehr Enzyme und Mineralien. Außerdem gehen sie davon aus, dass durch den Verzehr der bakterienhaltigen Rohmilch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden. Diese Annahmen konnten bis heute aber nicht wissenschaftlich belegt werden.
  • Im Gegenteil: Bereits 1974 warnte der Bundesgesundheitsrat davor, dass „der Verzehr von Rohmilch ernährungsphysiologisch keine Vorteile bietet, dass er aber im Vergleich zum Verzehr von erhitzter Milch ein gesundheitliches Risiko für den Menschen darstellt.“
  • Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung rät dazu, Milch vor dem Verzehr immer abzukochen, also zu pasteurisieren. 

Rohmilchkäse: Wie gesund ist er wirklich?

Rohmilchkäse kann gesundheitlich bedenklich sein.
Rohmilchkäse kann gesundheitlich bedenklich sein.
(Foto: CC0 / Pixabay / jackmac34)

Befürworter der Rohmilch sorgen sich ganz besonders um den Rohmilchkäse:

  • Rohmilchkäse ist bekannt für seinen charakteristisch aromatischen Geschmack. Dieser wird besonders von den ihn besiedelnden Bakterienkulturen erzeugt. Sie regen die Reifungsprozesse des Käses an und sorgen für Aromenvielfalt.
  • Doch genau jene Bakterien sind es, die auch für die Gesundheit des Menschen bedenklich sind. 

Käsesorten wie Camembert de Normandie und Roquefort AOC sind geschützte Sorten, die ausschließlich aus Rohmilch hergestellt werden dürfen. Bei anderen Sorten ist es den Herstellern überlassen, ob sie Rohmilch oder pasteurisierte Milch verwenden. Wieder andere Sorten werden zwar aus Rohmilch hergestellt, sie werden während des Herstellungsprozesses für eine längere Haltbarkeit aber dennoch auf über 40 Grad erhitzt. Dazu zählen vor allem Hartkäse wie:

  • Brie,
  • Parmigiano Reggiano D.O.P.,
  • Gruyère,
  • Emmentaler AOC und Allgäuer Emmentaler,
  • Hobelkäse.

Bakterienkulturen sind jedoch nicht immer ausschlaggebend für den aromatischen Geschmack von Käse. So spielen eine Vielzahl von Faktoren in der Herstellung eine wichtige Rolle für den Genuss. Ein Käse aus pasteurisierter Milch kann durch optimale Lagerung und die richtige Luftfeuchtigkeit ebenso aromatisch schmecken, wie ein vergleichbarer Rohmilchkäse.

Rohmilch: Risiken und Richtlinien

Rohmilch enthält eine Vielzahl an Bakterien.
Rohmilch enthält eine Vielzahl an Bakterien.
(Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Dass durch den Verzehr von Rohmilch oder Rohmilchkäse gesundheitsschädigende Bakterien in den Körper gelangen, ist niemals gänzlich auszuschließen. Während in den USA ein striktes Verkaufsverbot für Rohmilchprodukte herrscht, ist der Verkauf bei uns in der EU zugelassen. Zwar unterliegt die Produktion strengen Hygienevorschriften sowie regelmäßigen Kontrollen, dennoch erkranken jährlich zahlreiche Menschen an Listeriose. Listeriose ist eine ernstzunehmende Krankheit, die unter anderem durch die in Rohmilch vorkommenden Bakterien ausgelöst wird. Sie äußert sich zunächst durch grippeähnliche Symptome und kann im ungünstigen Verlauf zu Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen führen. 

Ein deutlich höherer Schutz vor Bakterieninfektionen besteht bei pasteurisierten Milchprodukten. Doch auch hier kann aufgrund industrieller Herstellungsprozesse und gelegentlichen Verunreinigungen keine vollständige Sicherheit gewährleistet werden. 

Vorsicht vor Rohmilch in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft solltest du Rohmilch vermeiden.
In der Schwangerschaft solltest du Rohmilch vermeiden.
(Foto: CC0 / Pixabay / DanielReche)

Mit dem Verzicht von Rohmilchprodukten minimierst du auf jeden Fall gesundheitliche Risiken.

  • Konsequent auf Rohmilch verzichten solltest du aber in jedem Fall während der Schwangerschaft. Eine Listerieninfektion kann für dich selbst zwar im besten Fall unbemerkt und harmlos verlaufen, für das ungeborene Kind kann sie allerdings lebensbedrohlich werden. Der noch nicht vollständig ausgebildete Organismus ist noch nicht resistent genug, um mit den Bakterien umzugehen.
  • Auch ältere Menschen, Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten aufgrund der Infektionsgefahr den Konsum von Rohmilchprodukten reduzieren oder ganz darauf verzichten. 

Alternativen zu Rohmilch

Junges Kalb am Euter der Mutter.
Junges Kalb am Euter der Mutter.
(Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Die Milch dient natürlicherweise zur Ernährung der Kälbchen in den ersten Monaten. Unter unserem hohen Milchkonsum leider aber viele Kühe: Sie sind dauerträchtig und sind hochgezüchtet, sodass sie mehr als zehnmal so viel Milch geben, wie eine Kuh normalerweise für ihr Junges. Die Lebenserwartung liegt gerade einmal bei sieben Jahren. Wenn du auf Milch nicht komplett verzichten möchtest, achte darauf, möglichst Bio-Milch aus der Region zu kaufen. 

Wenn du auf Nummer sichergehen möchtest, verzichtest du konsequenterweise ganz auf Milchprodukte. Der Markt an pflanzlichen Milchalternativen wächst und verbessert sich rasant, sodass dies keine große Umstellung ist.

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