Samenfestes Saatgut: Das steckt dahinter

Samenfestes Saatgut
Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Samenfestes Saatgut ist nachhaltiges Saatgut, aber nicht immer leicht zu bekommen. Gerade in herkömmlichen Gartencentern und Baumärkten gibt es nur Hybridsamen. Wir erklären dir, welche Vorteile samenfestes Saatgut hat.

Samenfestes Saatgut gehört zu einem nachhaltigen Garten fest dazu. Denn im Gegensatz zu Hybridsaatgut lassen sich bei samenfesten Pflanzen die Samen auch für die Aussaat im nächsten Jahr ohne Probleme verwenden. Das ist bei Hybridsamen nicht ohne Abstriche möglich. Allerdings ist es nicht sinnvoll, samenfestes Saatgut und Hybridsaatgut wie schwarz und weiß gegenüberzustellen – denn beides hat seine Vor- und Nachteile. Wir erklären, warum samenfestes Saatgut trotzdem besser ist.

Samenfestes Saatgut: Was ist das?

Aus samenfestem Saatgut lässt sich neues Saatgut gewinnen.
Aus samenfestem Saatgut lässt sich neues Saatgut gewinnen. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Saatgut gibt es schon lange, doch über samenfestes Saatgut und Züchtungen machen sich die Menschen erst seit rund 100 Jahren Gedanken. Denn mit Beginn der Pflanzenzucht und den Kreuzungen verschiedener Pflanzen hat sich der Genpool der Pflanzen stark verändert und es kam zu einer Sortenverarmung. Neue Sorten entstanden und alte Sorten wurden nicht weiter fortgeführt – sie gibt es heute nicht mehr. So funktioniert die Züchtung:

  1. Zuerst wird eine Pflanze etwa zehnmal mit sich selbst gekreuzt. So entstehen reinerbige Inzuchtlinien, also eine recht reine Sorte. Jede dieser Kreuzungen mit sich selbst berücksichtigt nur die stärksten und gesunden Inzuchtlinien.
  2. Dann kreuzen Züchter zwei solcher reinerbigen Pflanzen und es entsteht F1-Saatgut. Die Eins steht für die erste Generation. Bei den beiden Pflanzenlinien, die zusammenkommen, handelt es sich um Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften, die das neue F1-Saatgut haben soll. Zum Beispiel ist ein „Elternteil“ des F1-Saatguts resistent gegen Mehltau und der andere hat große Früchte.
  3. Das so geschaffene F1-Saatgut hat also beide gewünschten Eigenschaften der Elternpflanzen und besticht durch einen höheren Ertrag (Heterosiseffekt). Zudem sind die F1-Pflanzen in ihren Eigenschaften identisch, denn sie haben die gleiche Reifezeit, Größe und Wasserbedarf. Das macht sie für den Anbau großer Flächen attraktiv.

Dieses F1-Saatgut mit seinen guten Eigenschaften ist allerdings nicht samenfest. Das bedeutet, aus ihm lässt sich kein neues, brauchbares Saatgut gewinnen. Denn würde man dieses F1-Saatgut vermehren, würde es bei der nächsten Generation zu einer genetischen Aufspaltung kommen. Die Folge: Die Eigenschaften würden zufällig auftreten und beispielsweise nur manche Pflanzen gegen Mehltau resistent sein. Auch der Ertrag ist geringer und viele Pflanzen wachsen nicht richtig. Deshalb eignet sich F1-Saatgut nur für den einmaligen Anbau und muss jedes Jahr neu gekauft werden. Das sorgt für eine Abhängigkeit von Saatgut-Konzernen wie Monsanto und die Sortendiversität nimmt ab. Samenfestes Saatgut lässt sich dagegen auch im nächsten Jahr wieder nutzen.

Samenfestes Saatgut vermehren

Pflanzen aus samenfestem Saatgut kannst du in einer Anzuchtschale groß ziehen.
Pflanzen aus samenfestem Saatgut kannst du in einer Anzuchtschale groß ziehen. (Foto: CC0 / Pixabay / shimulnath)

Um samenfestes Saatgut beziehungsweise samenfeste Pflanzen zu vermehren, hast du verschiedene Möglichkeiten:

  • Blumen: Wenn die Blumen im Beet irgendwann vertrocknet sind, fallen sie auf die Erde und verteilen dort ihre Samen. Du musst nichts weiter tun.
  • Obst und Gemüse: Bei Fruchtgemüse wie Kürbis ist der Samen bereits reif, wenn du das Gemüse erntest. Entferne das Fruchtfleisch und trockne die Samen für drei Wochen an einem warmen Ort. Bei Schoten wie Bohnen lässt du die Frucht an der Pflanze, bis sie getrocknet ist und trocknest dann die Samen noch an einem warmen Ort nach.
  • Kräuter: Wie Blumen kannst du auch Kräuter einfach im Beet oder Blumenkasten stehen lassen und im Herbst Stecklinge ziehen. Sie sollten frostfrei überwintern.

Beachte: Wenn du samenfestes Saatgut verwendest und ähnliche Pflanzen dicht beieinander pflanzt, kann es hier zu einer (unbeabsichtigten) Verkreuzung kommen – zum Beispiel durch Insekten, die diese Pflanzen nacheinander bestäuben. Dies kann zum Beispiel bei Tomatensorten, Zucchini und Kürbissen vorkommen.

Vor- und Nachteile von samenfestem Saatgut

Vorteile:

  • Samenfestes Saatgut hat den Vorteil, dass es sich zuverlässig vermehren lässt.
  • Wenn viele reine Sorten und damit ein großer Genpool und die Diversität erhalten bleiben, kann dies dabei helfen, neue robuste Sorten zu züchten – zum Beispiel Sorten, die mit bestimmten klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen. Gehen solche Sorten aber verloren, kann dies die Lebensmittelversorgung gefährden. Mehr Hintergründe im Film „Unser Saatgut“.
  • Samenfestes Saatgut ist in der Regel nicht gentechnisch modifiziert. Anders ist es bei vielen F1-Saamen, sogenannten CMS-Hybriden.
  • Samenfestes Saatgut reift (im Gegensatz zu Hybridsaatgut) meist nicht gleichmäßig. So kannst du über einen längeren Zeitraum Gemüse ernten und musst nicht alles auf einmal verbrauchen.

Nachteile:

  • Samenfestes Saatgut ist im Gegensatz zu F1-Hybridsaatgut in der Regel weniger resistent gegen Schädlinge.
  • Es gibt in Gartencentern und Baumärkten nur wenig bis gar kein samenfestes Saatgut. Die Auswahl ist bei Bio-Saatgut dagegen sehr gut, hier handelt es sich fast immer um samenfestes Saatgut.

Wie du siehst, überwiegen die Vorteile von samenfestem Saatgut deutlich. Deshalb ist es auch das „bessere“ Saatgut und für einen ökologischen Garten empfehlenswert.

Hier bekommst du samenfestes Saatgut

Das meiste Bio-Saatgut ist samenfest – aber nicht alle. Deshalb solltest du genau auf der Verpackung nachschauen, ob dort „F1“, „Hybridsaatgut“ oder eine ähnliche Bezeichnung aufgedruckt ist. Nur die Bezeichnung „samenfest“ weist auf samenfestes Saatgut hin. Solches Saatgut gibt es zum Beispiel von Bingenheimer in Demeter-Qualität.

Außerdem gibt es zahlreiche Onlineshops, die samenfestes Saatgut verkaufen. Viele Hobbygärtner:innen tauschen auch Saatgut. Dort weißt du aber nicht sicher, ob es sich um Bio-Qualität handelt und ob (versehentlich) eine Verkreuzung stattgefunden hat und du F1-Saatgut bekommst.

Wenn du regional samenfestes Saatgut kaufen oder tauschen möchtest, hilft dir die Umkreissuche von erstmal-regional.de.

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