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Umweltethik: Welche Verantwortung haben wir?

Umweltethik
Foto: CC0 / Pixabay / geralt

Die Umweltethik hinterfragt das menschliche Verhältnis zur Natur. Wie Ökologie, Philosophie und Ethik zusammenwirken können, erfährst du in diesem Artikel.

Welchen Platz nehmen wir als Menschen in der Natur ein? Welche Verantwortung tragen wir gegenüber unserer Umwelt? Und welche menschlichen Eingriffe in die Natur sind moralisch vertretbar? Mit diesen Grundfragen setzt sich die Umweltethik auseinander. Je nachdem, aus welcher Perspektive man dabei argumentiert, ergeben sich unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Umweltbewusstsein.

Was ist Umweltethik?

Die Umweltethik im engeren Sinne entwickelte sich in den frühen 1970er Jahren. In dieser Zeit verbreiteten sich weltweit zunehmend Informationen über verschiedene ökologische Krisen. In Deutschland waren vor allem Atomkraft, Luftverschmutzung und Tierschutz zentrale Themen einer neuen Umweltbewegung. In vielen Teilen der Gesellschaft wurden sich Menschen so immer mehr ihrer Rolle als Verursacher:innen dieser Zustände bewusst.

Innerhalb der Ethik kamen nun Fragen auf, wie der Mensch auf moralisch vertretbare Weise in der Natur agieren kann. Grundsteine für die Umweltethik finden sich schon bei Pythagoras. Der antike Philosoph schuf bereits ein Bewusstsein dafür, dass auch Tiere leidensfähig sind und vom Menschen geschützt werden müssen. Diesen Ansatz führt die Tierethik als Teilbereich der Umweltethik fort.

Später entwickelte sich die Theorie, dass auch die unbelebte Natur einen inhärenten Wert hat, den Menschen schützen, aber auch zerstören können. So widmete sich die Umweltethik etwa dem menschlichen Umgang mit endlichen Ressourcen (wie Wasser, Boden oder Rohstoffen) sowie mit ganzen Ökosystemen und Landschaften. Auch dieser Ansatz findet sich bereits bei Philosophen wie Paracelsus, Leibniz oder Herder. Sie betrachten den Menschen als Teil der Natur und nicht als davon losgelöstes Lebewesen. Das bedeutet, dass jede Veränderung, die der Mensch in seiner Umwelt vornimmt, letztendlich auf ihn selbst zurückfallen wird.

Mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre stieg das Bewusstsein dafür, dass der Mensch mittels umweltzerstörerischer Maßnahmen die Macht hat, die Lebensgrundlagen für sich selbst und andere Arten grundlegend zu verändern. Daraus ergab sich die Vorstellung, dass die Natur selbst einen moralischen Anspruch an den Menschen stellt.

Die anthropozentrische Umweltethik

Die anthropozentrische Umweltethik sieht den Menschen als Mittelpunkt der Erde.
Die anthropozentrische Umweltethik sieht den Menschen als Mittelpunkt der Erde.
(Foto: CC0 / Pixabay / Mrexentric)

Im Gegensatz zur Umweltethik, die der Natur einen moralischen Anspruch gegenüber dem Menschen zugesteht, etablierte sich die anthropozentrische Umweltethik. Diese vertritt die Ansicht, die Natur müsse dem Menschen dienen. Jegliche menschliche Eingriffe in die Umwelt seien folglich legitim, solange sie dem Menschen nutzten.

Der Mensch gilt dabei als Mittelpunkt der Welt, der die Natur nach seinen Vorlieben neu ordnen kann. Auch diese Vorstellung hat eine lange Tradition. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel die Philosophen René Descartes und Francis Bacon, die beide im 16. und 17. Jahrhundert lebten.

Selbst das Artensterben ist nach den Thesen der anthropozentrischen Umweltethik kein moralisches Problem: Stattdessen rechtfertigen Anhänger:innen es als natürlichen Prozess der Evolution. Aufgrund seiner Sonderstellung habe der Mensch demnach das Recht, andere Arten auszurotten.

Heute existiert diese Interpretation der Umweltethik auch in einer abgemilderten Variante. Diese sieht den Menschen zwar immer noch als höher gestelltes Wesen, spricht ihm aufgrund dessen aber auch eine größere Verantwortung gegenüber der Natur zu. So habe der Mensch die Pflicht, die Umwelt zu schützen, um das Fortbestehen der Menschheit zu sichern. Umweltschutz praktizieren Menschen nach dieser Sichtweise ausschließlich um ihrer selbst willen – und nicht für die Natur an sich.

Kritik und offene Fragen

Auch innerhalb der Umweltethik gibt es zahlreiche offene Fragen, die vermutlich nie wirklich abschließend geklärt werden können.
Auch innerhalb der Umweltethik gibt es zahlreiche offene Fragen, die vermutlich nie wirklich abschließend geklärt werden können.
(Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Besonders die Grundannahmen der klassischen anthropozentrischen Umweltethik stehen heute zunehmend in der Kritik. So finden innerhalb der Philosophie zahlreiche Debatten statt, die sich mit der Stellung des Menschen gegenüber der Natur auseinandersetzen. Kommt uns tatsächlich eine Sonderstellung zu? Oder ist der Mensch lediglich ein weiteres Säugetier?

Auch menschliche Fähigkeiten, die uns von anderen Tierarten unterscheiden – wie moralisch-ethisches Handeln – spielen in der Debatte eine Rolle. Wie wir diese Fähigkeiten im Sinne einer ökologischen Lebensweise nutzen können, ist ein Thema, das noch nicht abschließend geklärt ist und es eventuell auch nie sein wird.

Einige Wisssenschaftler:innen kritisieren auch die Variante der Umweltethik, die die Natur ins Zentrum ihrer moralischen Überlegungen stellt. Ihre Argumente seien zu kognitiv und theoretisch-abstrakt. Um tatsächlich wirksame Handlungsalternativen formulieren zu können, brauche es hingegen auch emotionale Aspekte.

Wenn du dich selbst stärker mit Umweltethik auseinandersetzen möchtest, kannst du dies auch im Rahmen eines Studiengangs tun. So kannst du dich zum Beispiel in Augsburg für das Masterstudium Umweltethik bewerben.

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