Speziesismus: Was hinter dem Begriff steckt

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Speziesismus ist Rassismus gegen Tiere. Tierschützer prangern damit die Ausbeutung von Tieren an. Was genau hinter dem Konzept steckt und was du tun kannst, erfährst du hier.

Was ist Speziesismus?

Speziesismus bedeutet, Tiere als Lebewesen zweiter Klasse zu behandeln. Tieren haben wie alle Lebewesen ein Recht zu leben. Sie haben Grundbedürfnisse wie essen, trinken oder einen sicheren Ort zum Ausruhen.

Speziesismus ist, wenn der Mensch Tieren diese Grundrechte verweigert und ihre Bedürfnisse missachtet. Tiere erfahren so eine pauschale Diskriminierung, weil sie einer anderen Spezies angehören.

Einige Beispiele für Speziesismus, dem wir täglich begegnen können:

  • Tierversuche: Um Wirkstoffe in Medikamente oder Kosmetika zu testen, sind Tiere reine Versuchsobjekte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Ratten, Mäuse, Hunde oder Menschenaffen handelt. Jedes Tier verspürt Schmerzen und leidet darunter.
  • Massentierhaltung: Wegen wirtschaftlicher Interessen behandelt der Mensch Tiere wie eine Ware. Kühe, Schweine oder Hühner vegetieren unter anderem in zu engen Käfigen dahin.
  • Küken schreddern: Allein der Nutzen, den das Tier für den Mensch hat, entscheidet, ob es leben darf oder nicht. Männliche Küken von Legehennen legen keine Eier, also sind sie wertlos. Der Schredder nimmt den Küken, kurz nach dem sie geschlüpft sind, das Leben.

Speziesismus begegnet uns jeden Tag

Haustiere erhalten meist mehr Wertschätzung als Nutztiere.(Foto: CC0/pixabay/cathepis)
Haustiere erhalten meist mehr Wertschätzung als Nutztiere.

Der Begriff Speziesismus stammt aus der Tierethik. Ethik im allgemeinen ist ein Zweig der Philosophie, die sich damit beschäftigt, wie moralisch Menschen handeln. Laut Gablers Wirtschaftslexikon geht es bei der Tierethik darum, welche moralischen Pflichten der Mensch gegenüber Tieren hat. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Tiere wie Menschen zu behandeln sind. Vielmehr soll der Mensch die speziellen Bedürfnisse der Tiere in seinem Handeln berücksichtigen.

Speziesismus ist eine Form von Diskriminierung – genauso wie Sexismus oder Rassismus. Wenn Menschen Diskriminierungen erfahren, weil sie beispielsweise einer anderen Ethnie angehören oder eine andere Religion haben, ist dies ein Verstoß gegen das deutsche Grundgesetz. Artikel 3 GG besagt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“.

Anderes sieht es bei Tieren aus. Hier ist die Diskriminierung so geläufig, dass sie kaum jemand hinterfragt. Beispielsweise ist die Unterscheidung zwischen Haus- und Nutztieren bei näherer Betrachtung willkürlich. Haustieren bringen Menschen viel eher Mitleid entgegen, als Nutztieren.

Die Tierschutzorganisation PETA führt ein eindringliches Beispiel an. Es zeigt, wie sehr die Wertschätzung von Tieren von dieser Einteilung abhängig ist:

  • Ein Hund muss im Sommer in einem überhitztem Auto warten. Zu Recht sind Passanten wütend und versuchen dem Hund zu helfen.
  • Dagegen sind den wenigsten die Leiden von Millionen von Kühen und Schweinen bewusst, die in engen Transportern ihre Fahrt zum Schlachthof antreten. Auf oftmals stundenlangen Fahrten verenden viele Tiere qualvoll in der Sommerhitze oder erfrieren im Winter.

Je nach Kulturkreis kann die Wertschätzung für Tierarten unterschiedlich sein:

  • Bei uns ist für die meisten die Vorstellung abwegig, Hunde- oder Pferdefleisch zu essen. In anderen Kulturen findet sich das Fleisch dieser Tier durchaus auf dem Speiseplan.
  • Hindus in Indien würden nicht auf die Idee kommen, das Fleisch von Rindern zu essen. Die Tiere gelten in ihrer Religion als heilig. In vielen anderen Ländern dagegen ist ein Rindersteak eine Delikatesse.

Für Speziesismus gibt es keine Rechtfertigung

Delfine in engen Becken zu halten, ist seit langem umstritten.(Foto: CC0/pixabay/christels)
Delfine in engen Becken zu halten, ist seit langem umstritten.

Die Tierethik wendet sich gegen die Ausbeutung von Tieren. Aus ihrer Sicht gibt es kein objektives Argument, Tiere nicht artgerecht zu behandeln. Viele der Rechtfertigungen für Speziesismus lassen sich anfechten:

  • Tiere sind nicht so intelligent wie Menschen: Auch Menschen haben nicht alle die gleiche Intelligenz, gemessen am Intelligenzquotienten (IQ). Ein Menschenaffe oder ein Delfin können intelligenter sein als ein Säugling. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet beispielsweise von Delfinen, die unsere Gebärdensprache erlernten. Trotzdem sperrt der Mensch Delfine in zu kleine Wasserbecken, die nicht dem Bewegungsdrang der Tiere entsprechen.
  • Tiere sind keine fühlenden Wesen: PETA zitiert den Philosophen Jeremy Bentham aus dem 18. Jahrhundert. Von ihm ist überliefert: Es kommt nicht darauf an, ob Tiere denken oder reden können – sondern, ob sie leiden können. Tiere empfinden, sie können Leid und Trauer ausdrücken. Das Wissensmagazin Spektrum berichtet von Beispielen, wie Tiere um tote Artgenossen trauern.

Kannst du Speziesismus vermeiden?

Um Speziesismus zu vermeiden, bleibt nur die Alternative, keine Tiere zu nutzen und keine Tierprodukte zu essen – also ein veganer Lebensstil.

Ob diese radikale Schlussfolgerung gerechtfertigt ist, ist unter Tierethikern umstritten. Ist Tierhaltung grundsätzlich Speziesismus? Hierin besteht jedoch Einigkeit: Tieren zu quälen, ist moralisch nicht vertretbar.

  • PETA empfiehlt, seine eigenen Handlungen dahingehend zu überprüfen, ob sie Tieren Schaden zufügen. Die Tiere sollen in Ruhe leben können.
  • Im Magazin Cicero vertritt der Philosoph Norbert Hoerster einen pragmatischeren Weg. Nutztiere sollten ohne Qualen leben und einen schnellen Tod erleiden. Dann sei es legitim, das Fleisch zu essen.

Ob du nun ganz vegan lebst oder ab und an mal ein Stück Käse oder Fleisch aus artgerechter Tierhaltung isst – das ist eine Entscheidung, die du für dich selbst treffen musst. Sei dir bewusst, dass du mit deinem Kaufverhalten Signale zum Wohle der Tiere setzte kannst.

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(1) Kommentar

  1. Nutztiere, also ausgenutzte Tiere, leben immer unter Qualen. Das geht gar nicht anders. Artgerechte Tierhaltung ist ein Wunschdenken. Schweine, Kühe, Hühner etc. würden sich niemals artgerecht milllionenfach Jahr für Jahr vermehren um dann eine schnelle Tötung zu erleiden. Mord bleibt Mord, ob mit schneller oder langsamer Erleidung. Artgerchte Kühe würden sich niemals die Muttemilch für ihre Kälber maschinell absaugen lassen, um sie dann an die Molkerei zu verkaufen. Und die Kühe würden sich niemals artgerecht nach ca. fünf Jahren artgerecht töten lassen, weil die Milchleistung dann nicht mehr gewinnbringend ist. Eine Kuh hat ja eine duchschnittliche Lebenserwartung von 20 Jahren, aber eben nur artgerecht. Der Link auf PETA ist empfehlungswert gut. Die Meinung von Norbert Hoerster beruht auf durch und durch diskrimierenden Denkmustern.