Upcycling-Kleidung: diese 5 Labels machen Mode aus Textilabfällen

Upcycling Kleidung Mode-Labels
Foto: © milch.tm/aluc

Der Begriff Upcycling-Kleidung steht für mehr als nur eine umweltfreundliche, sozial gerechtere Mode: Statt neue Stoffe zu produzieren werden hier vorhandene Textilreste und Altkleider verwendet. Wir stellen dir Upcycling-Labels wie Aluc, Globe Hope oder Reet Aus vor, die außergewöhnliche Mode machen.

Die folgenden Upcycling-Labels arbeiten mit Stoffresten aus der Massenproduktion, ausgemusterter Arbeitskleidung oder Altkleidern. Dabei achten sie auf kurze Produktionswege und faire Arbeitsbedingungen. Labels wie Aluc, Globe Hope, Reet Aus und andere gehen dabei sehr verschiedene Wege – und produzieren fair, nachhaltig und einzigartig.

Limitierte Upcycling-Kleidung von Aluc

Das Berliner Label Aluc schneidert exklusive Hemden und Blusenkleider – von klassisch über business bis casual. Als Materialien dienen industrielle Reststoffe, die bei der Produktion abfallen, sowie Farb- und Musterproben. Diese Stoffe sind natürlich nur begrenzt verfügbar, deswegen gibt es die Kollektionen nur limitiert, einzelne Teile sind sogar Unikate.

Upcycling-Kleidung vom Label Aluc aus Berlin
Aluc aus Berlin produziert Hemden und Blusenkleider. (Foto: © Aluc)

Aluc bezieht die Stoffreste von Webereien aus Österreich und der Schweiz. Sie sind unter anderem bluesign-zertifiziert, was eine umweltfreundliche und ressourceneffiziente Herstellung und die Sicherheit der Mitarbeiter beim Umgang mit chemischen Gefahrenstoffen verspricht. Produziert werden die Hemden und Blusen in sozialen Werkstätten in der Region Berlin.

Upcycling-Mode des Labels Aluc
Den Hemdkragen des Berliner Upcycling-Labels Aluc kann man austauschen. (Foto: © aluc/Caterina Gili)

Das Markenzeichen von Aluc ist ein Hemdkragen, den man abknöpfen kann. Das klingt erst einmal komisch, hat aber seinen Grund: Der Kragen verschleißt normalerweise als erstes Teil am Hemd und kann auf diese Weise einfach ausgetauscht werden.

Hinter Aluc stehen die drei Modedesignerinnen Arianna Nicoletti, Luise Barsch und Carina Bischof sowie der BWLer Jonathan Leupert. Das Team eröffnete gemeinsam den „Upcycling Fashion Store“ in Berlin, zudem organisieren die vier Unternehmer den Fashion Revolution Day in Deutschland mit.

Upcycling-Kleidung in Massen von Reet Aus

Reet Aus hat es geschafft, Upcycling-Kleidung auch in Massen zu produzieren. Hinter dem Label steht die estländische Modedesignerin Reet Aus. Sie schrieb ihre Doktorarbeit über Upcycling und fand heraus: Allein mit den Stoffabfällen der Textilproduktion könnte man 15 Prozent mehr Kleidung herstellen.

Upcycling Kleidung des Labels Reet Aus
Die Upcycling Mode von Reet Aus wird in Massen produziert. (Foto: © Ethical Fashion Show Berlin / Reet Aus)

Zusammen mit dem Textilproduzenten Beximco (produziert Kleidung für Calvin Klein, Zara und H&M) entwickelte sie ein einmaliges System namens Upmade. Damit hat man schon während der Produktion die Wiederverwertung im Blick und achtet etwa beim Zuschneiden darauf, dass sich auch die Reste sinnvoll verwerten lassen.

Seit 2012 produziert Reet Aus jedes Jahr eigene Kollektionen. T-Shirts, Blusen, Hemden, Kleider und Hosen setzt die Designerin aus kleinen Quadraten, Rechtecken und Rauten zusammen. Auf den Etiketten steht, wie viel Wasser, Strom und CO2 bei der Herstellung jedes einzelnen Teils gespart wurde. Die Streetstyle-Designs sind lässig, tragbar und erschwinglich.

Wo kann man diese Upcycling-Kleidung kaufen? Offline in verschiedenen Shops in Deutschland, zum Beispiel bei Phasenreich in München und Okkidokki in Köln.

MILCH: Upcycling-Fashion aus Männermode

Die studierte Innovationsmanagerin Cloed Priscilla Baumgartner gründete 1998 das Wiener Label MILCH. Sie hat sich auf klassische Männeranzüge und Hemden spezialisiert, die sie in originelle Kleider, Röcke, Westen, Kappen und Accessoires für Sie und Ihn verwandelt.

Upcycling-Kleidung vom Label MILCH
Die Designerin des Labels MILCH verwendet ausrangierte Herrenanzüge und Hemden. (Foto: © milch.tm)

MILCH steht für bewusste und nachhaltige Upcycling-Kleidung. Die Produktionskette berücksichtigt ökologische und gesellschaftliche Aspekte: Das Rohmaterial kommt aus der Altkleidersammlung der Wiener Volkshilfe und wird in einer sozialen Reinigung und Schneiderei weiterverarbeitet – dafür stellt Baumgartner die Prototypen und Schnitte bereit.

Kaufen kann man MILCH offline im Y5 Open Space Wien.

Globe Hope: Upcycling-Kleidung aus ungewöhnlichen Materialien

2001 gründete die finnische Textilunternehmerin Seija Lukkala das Label Globe Hope. Um die Textilbranche nachhaltiger zu gestalten will sie vor allem die Verschwendung von Ressourcen reduzieren. Mit ihrem Label Globe Hope setzt sie das in die Tat um. Das brachte ihr einige Preise ein, unter anderem den Amnesty International Designer of the Year Award 2005. Völlig zu Recht, finden wir, denn ihre Upcycling-Kleidung ist nicht nur ökologisch und ethisch korrekt hergestellt, sie ist zudem schick, originell und alltagstauglich.

Als Materialien dienen alte Militärdecken, Werbebanner, Sitzgurte oder unverkäufliche Textilien. Globe Hope produziert größtenteils lokal in Finnland und Estland, jeweils bei Spezialisten für ausgesuchte Materialien. So kommen Produkte aus Sicherheitsgurten zum Beispiel aus Mikkeli in Finnland.

Upcycling-Fashion vom Label Globe Hope
Das Kleid stammt aus der aktuellen Sommerkollektion von Globe Hope. (Foto: © Globe Hope)

Zu kaufen gibt es jedes Jahr zwei Kollektionen: Frühling/Sommer und Herbst/Winter. Zudem bietet das Label eine saisonunabhängige Kollektion, sie beinhaltet alle Bestseller. Die Upcycling-Kleidung bekommst du online** z. B. im Avocadostore.

Reclothings by Daniel Kroh: Upcycling-Unikate

Daniel Kroh ist gelernter Herrenschneider und Modedesigner, er widmet sich seit 2006 dem Thema Upcycling-Kleidung. Seine Maxime: Wertloses in Wertvolles verwandeln. Als Ausgangsmaterial verwendet Kroh beim Label Reclothings Arbeitskleidung wie Malerkittel und Blaumänner. Die Stücke werden in Berlin und zu 100% in Handarbeit gefertigt.

Bei seinen Schnitten berücksichtigt der Designer stets das aufbereitete Material und sucht zum Beispiel nach spannenden Gebrauchsspuren: Brandlöcher vom Schweißer, Farbflecken vom Maler, geflickte Risse vom Dachdecker. So wird jedes seiner Stücke zum Unikat. Das hat seinen Preis – etwa 350 Euro muss man für ein Jackett der Marke Reclothings auf den Tisch legen.

Upcycling- Mode von Daniel Kroh: Reclothings
Daniel Kroh wertet Arbeitskleidung auf, es entstehen hochwertige Unikate mit Charakter. (Foto: © Daniel Kroh)

Reclothings by Daniel Kroh gibt es offline zum Beispiel bei DearGoods.

Fazit: Upcycling-Kleidung ist tragbar und nachhaltig

Laut Greenpeace werden in Europa jährlich 50 Millionen Tonnen Textilien weggeworfen. Dazu zählen Altkleider, Stoffreste aus Produktion und Zuschnitt sowie Ausschuss. Verantwortlich für diese massive Verschwendung sind häufig wechselnde Kollektionen und wir Verbraucher, die wir ständig neue Mode kaufen. Quillt der Kleiderschrank über, werden Teile aussortiert und landen auf dem Müll. Upcycling-Kleidung liefert endlich eine Antwort auf die Frage: Warum neue Stoffe herstellen, wenn wir zugleich jeden Tag riesige Mengen an Textilien wegschmeissen?

Habt ihr schon Upcycling-Kleidung gekauft? Welche Labels und Shops in eurer Nähe sind euch bei nachhaltiger Kleidung positiv aufgefallen? Schreibt uns in den Kommentaren!  

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(5) Kommentare

  1. Tolle Idee, mit dem ein oder anderen Haken. Hab mir mal die Seite von Aluc angesehen und abgesehen davon, dass sie mit fragwürdigen Poker-Links vollgespamt ist, hat sie eine Kollektion, wo ehemalige Rana Plaza arbeiter LOKALE Reststoffe verwerten. An sich eine nette Idee diesen armen, ausgebeuteten Mensch eine gute Arbeit zu geben und Reste zu verwerten, wenn da nicht die schrecklichen Chemikalien und Giftstoffe in den LOKALEN Reststoffen wären. Alles was aus der Gegend kommt ist mega stark belastet und möchte ich nicht auf meiner Haut tragen und finde es sehr, sehr schlimm, dass die Menschen vor Ort den ganzen Schadstoffen ausgesetzt sind!

  2. Liebe Amy, vielen Dank für deinen Kommentar und wertvolle Anregungen! Das Projekt ist noch am Anfang und es war uns wichtig, dass wir Oporajeo durch unseren Auftrag Hoffnung geben und sie dabei unterstützen eine faire Produktion aufzubauen. Dabei haben wir Reststoffe verwertet, die zumindest Öko-Tex 100 zertifiziert sind. Auch in Bangladesch gibt es GOTS zertifiziertes Material, jedoch stehen wir bis dato noch vor logistischen und quantitativen Hürden.

  3. Naja, dass die Öko-Tex Zertifikate kaum Kontrollen unterliegen und eigentlich nichts mehr aussagen, weiß man ja inzwischen. Aber ist natürlich gut wenn es aus GOTS zertifizierte Sachen gibt.

  4. Kennt Ihr schon unser Label njusd?

    njusd ist ein Hamburger Modelabel für Frauen und Mütter, die gerne nachhaltige und besondere Mode für sich und ihr Kind kaufen.
    Der Name des Labels ist eine Verbindung der beiden Worte NEW und USED und spiegelt somit die Philosophie der Marke wider.
    Die Materialien bei njusd stammen von erlesenen Second Hand Artikeln, die durch den Prozess des Upcyclings in eine neue Form gebracht werden.
    Hierbei entstehen einzigartige und bequeme Einzelstücke.

    Macht Euch gerne selbst ein Bild und besucht unsere homepage http://www.njusd.de

    Und Ihr könnt Euch freuen: zum Oktober kommt unsere neue Kinder-Kollektion raus!

  5. Die für mich wichtigste Frage bleibt seltsamer Weise konsequent unbeantwortet:

    WOHIN SCHICKE ICH MEINE NICHT MEHR OHNE UPCYCLING TRAGBAREN KLAMOTTEN UND SCHUHE?

    Habe inzwischen einn Sack voll und durchsuche das Netz nach ein Lösung,.. bisher vergeblich

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