Upcycling: aus Alt mach Neu

Upcycling Möbel Taschen
Fotos: © Bruno Alder / freitag, reditum, © giromin - Fotolia.com

Was für die einen Müll ist, ist für die anderen eine wertvolle Ressource: Schrott und andere Abfallprodukte erscheinen durch Upcycling in neuem Glanz. Upcycling ist nicht nur Trend für schicke Möbel und Accessoires, er ist auch nachhaltig – weil man alte Produkte aufwertet muss nichts Neues produziert werden.

Upcycling: Definition

Von Upcycling spricht man, wenn aus (vermeintlichem) Abfall neue Produkte entstehen. Es wandelt vorhandene Materialien aber nicht nur um (man spricht dann von Recycling), sondern wertet sie auf und ermöglicht ihnen so einen erneuten Produktzyklus.

Upcycling kann man als Gegenbewegung zur Wegwerfgesellschaft verstehen. Indem man nämlich die bereits vorhandenen Materialien und Stoffe benutzt, reduziert man die Abfallmenge und vermeidet die Neuproduktion von Dingen.

Upcycling Möbel Reditum
Upcycling bei Reditum: Sitzsack (sessio) aus einem alten Militär-Seesack, einer Felddecke, einem Fahrradschlauch und Autogurt. Daneben das Regalsystem „moveo“. Es besteht (unter anderem) aus Einwegpaletten und gebrauchten Fahrradschläuchen. (© reditum)

Nachhaltiges Wirtschaften

Unsere Ressourcen sind begrenzt. Daher gelten Recycling und Upcycling als wichtige Elemente nachhaltigen Wirtschaftens. Einige Unternehmen haben das bereits erkannt und benutzen zum Beispiel Recycling-Fasern von Plastikflaschen, um Outdoor-Kleidung herzustellen. Zudem werden mehr und mehr kleinere Labels gegründet, deren Konzept sich am Aufwerten und Weiterverwenden ausrichtet.

Daneben findet Upcycling auch bei Designern, Künstlern und Hobby-Heimwerkern Anklang. Für sie birgt es kreative Potentiale für einzigartige Produkte. Gleichzeitig möchten sie mit ihren Erzeugnissen das Bewusstsein für Umweltprobleme und Verschwendung stärken.

In ärmeren Ländern ist Upcycling längst angekommen. Wegen dort knapper Geldmittel ergibt es sich oft schon aus der schieren Notwendigkeit – siehe unser Beitrag zu Maker in Afrika.

Upcycling: Ideen und Anleitungen

Fahrradschläuche werden zu Gürteln, Kaffeesäcke zu Kissenbezügen und Euro-Paletten zu Gartenmöbeln. Upcycling erfordert Kreativität und Handarbeit. Bei der Verarbeitung alter Materialien muss man zudem auf ihre Eigenschaften eingehen. So entstehen keine immer gleichen Produkte, sondern wertige Unikate mit Charakter.

Upcycling Kissen Kaffeesack
Kissenbezug aus einem alten Kaffeesack. (Foto: © www.-upcycling-deluxe.de)

Wer kreativ und motiviert ist kann vieles selbst bauen. Ausrangierte Paletten sind bereits ein Klassiker unter den Materialien. Aus ihnen kann man Gartengarnituren, Schuhregale und Couchtische bauen. Auch alte Obst- oder Weinkisten sind beliebt: und lassen sich als Sitzgelegenheiten oder Regal-Elemente wiederverwerten. Lies dazu auch: 9 kreative Upcycling-Ideen, die jeder schafft.

Die DIY-Bewegung

DIY steht für „Do It yourself“ und beschreibt eine Bewegung, in der es ums Selbermachen geht. Das beinhaltet auch, alte Dinge aufzuwerten. Geeignet dafür sind zum Beispiel alte Schraubgläser. Sie sind zum Wegwerfen viel zu schade. Aus ihnen lassen sich Laternen- und Windlichter zaubern, man kann sie als Gewürzbehälter und Trinkgläser nutzen. Als hängende Blumenvasen machen sie sich wunderbar in der Wohnung oder auf dem Balkon. 12 erstaunliche Ideen für eure leeren Schraubgläser haben wir für euch zusammengetragen.

Upcycling mit Schraubgläsern
Ungewöhnliche Deko: Schraubgläser als hängende Blumenvasen (Foto: "Green Hanging Jar" von Wesley Eller unter CC-BY-2.0)

Ideen und DIY-Anleitungen gibt es außerdem bei Handmade Kultur. Auf deren Internet-Seite findet man spannende Upcycling-Tipps. Es gibt dort auch ein Magazin, dass du dir bestellen kannst. Hier gibt es noch mehr Anleitungen, Ideen, Tipps und anderes wissenswertes zum Thema Wiederverwertung und Wiederverwendung.

Upcycling: Kleidung

Faire Mode ist ein Weg stylishe Kleidung und Nachhaltigkeit zu verbinden – ein anderer ist Upcycling. Gebrauchte Kleidung und Textilreste landen wegen ständig wechselnder Kollektionen in viel zu großen Mengen im Abfall. Diese Verschwendung kann durch Wiederverwendung und Aufwertung gestoppt werden.

Upcycling fashion store berlin
Der Upcycling Fashion Store in Berlin (Foto: © upcycling fashion store)

Oft reichen schon Nadel und Faden, um alte Klamotten zu reparieren und aufzuwerten. Wer eine Nähmaschine besitzt und kreativ ist kann noch mehr aus gebrauchter Kleidung rausholen. Beim Upcycling Fashion Store gibt’s Input rund um das Thema Upcycling und Mode. Im Shop gibt es alles mögliche, von Röcken aus Krawatten bis hin zu Armreifen aus Plastikflaschen. Der ist in Berlin und hält einige Klamotten vom hauseigenen Label aluc bereit. Man findet aber auch weitere Marken, wie ReCLOTHING, Milch,und GlobeHope.

Das Label oldgold fertigt außergewöhnlichen Schmuck aus (Nespresso-)Kaffeekapseln. Eine gute Idee, da der hochwertige Aluminiummüll schwer zu entsorgen ist und auf diese Weise ein zweites Leben bekommt.

Upcycling: Möbel und Taschen

Bauholz Design Upcycling Möbel
Bauholz design fertigt zeitlose Möbel aus alten Gerüstdielen. (Foto: © Bauholz Design)

Wer Lust auf Upcycling-Produkte hat, wird auch im Internet und in verschiedenen Shops fündig. Bauholz design arbeitet mit gebrauchten Gerüstbrettern. Daraus entstehen rustikale Tische, Stühle, Regale und vieles mehr – Gebrauchsspuren wie Farbreste oder Einschlaglöcher von Nägeln, die sich auf den Brettern abzeichnen, machen die Möbel unverwechselbar.

Das Label fertigt in Handharbeit und nachhaltig: benutzt wird ausschließlich Altholz – so muss kein neuer Baum gefällt werden. Zudem befinden sich Produktion und Lager am gleichen Standort, lange Lieferwege fallen damit weg.

Ausgefallenes Design gibt es bei Reditum. Das Sortiment ist eher klein, die Möbel dafür umso schöner. Das Regalsystem „moveo“ besteht aus Einwegpaletten und alten Fahrradschläuchen und lässt sich beliebig erweitern. „Sessio“ ist ein Sitzack, hergestellt aus einem alten Militärseesack, Fahrradschlauch und Autogurt. Das Label verwendet verschiedene Materialien, die ihren ursprünglichen Zweck bereits erfüllt haben und produziert in sozialen Werkstätten in Handarbeit.

Bei Upcycling Deluxe gibt es neben Möbeln noch viele andere Produkte wie Taschen, Gürtel und Portemonnaies. Die Produkte werden ökologisch, sozial und fair in Familienbetrieben in Südamerika, Afrika und Asien gefertigt.

Upcycling Tasche München Kurzzug Ubahn
Das Münchner Label Kurzzug fertigt Taschen aus alten U-Bahn-Sitzbezügen. (Foto: © Kurzzug)

Bei Freitag bekommt man funktionale Upcycling-Taschen – Unikate, die aus alten Lastwagenhüllen gefertigt werden. Auch Feuerwear bietet stabile Taschen an, die aus alten Feuerwehrschläuchen bestehen. Stabile Stoffe zu verarbeiten ist beliebt und wird auch bei Festivals umgesetzt. Das Merchandising vom Open Air St. Gallen fertigt zum Beispiel Portemonnaies an, die aus den Werbebannern des Vorjahres entstehen. Das Münchner Label Kurzzug macht Handtaschen aus gebrauchten U-Bahn-Sitzbezügen.

Upcycling spielt auch in der Minimalismus-Bewegung eine Rolle. Minimalisten reduzieren bestimmte Dinge oder versorgen sich komplett selbst. Das kann unter anderem bedeuten, keinen Müll zu produzieren und ihn stattdessen aufzuwerten.

In unseren Buchtipps zu Upcycling findet ihr zusätzlichen Input zum Thema Wiederverwendung und Aufwertung.

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(10) Kommentare

  1. Hallo,

    ich finde die ganze „Upcycling“-Bewegung wichtig und richtig – keine Frage!

    Hier sollte aber einmal grundsätzlich darüber nachgedacht werden, dass es sich in vielen Fällen lediglich um eine Weiter- bzw. Wiederverwendung von Materialien handelt – nicht weniger, aber eben auch nicht mehr! Und mal ehrlich, bereits unsere Großmütter haben Dinge so lange weiter- bzw. wiederverwendet, weshalb mir nicht klar ist, wieso hier so ein Hype entsteht.

    Vielmehr sollte man sich fragen, ob die Materialien auch für entsprechende Verwendungen konzipiert sind – z.B. ob PET-Flakes, aus denen Fleece-Pullover gemacht werden, überhaupt für Hautkontakt gestaltet sind. Hier gehen die Meinungen nämlich auseinander. Unter Ökobilanz-Gesichtspunkten ist das sicherlich eine gute Sache, aber wirklich zu Ende gedacht, wenn mit jedem Waschgang mehrere Tausend Teile Mikrokunststoff in den Weltmeere enden?

    T

  2. Wir betreiben einen Online-Shop für Upcycling-Produkte (www.recycling-vielfalt.de) und sind daher beruflich permanent mit diesem Thema in Kontakt.
    Ihre kritische Haltung zu beispielsweise Fleece-Pullovern aus PET-Flakes kann ich gut nachvollziehen. Und Sie haben recht: natürlich haben auch unsere Großmütter viele Dinge wiederverwertet.
    Aber für uns geht es darum, gebrauchte Materialien nicht nur für den Eigenverbrauch umzugestalten, sondern sie in größerer Stückzahl, einer größeren Gruppe Menschen zugänglich zu machen. Wir empfinden es als Errungenschaft, Materialien, in denen schon viel „Herstellungs-Energie“ steckt und die – trotz eines langen Lebens – noch in einem guten Zustand sind, nicht in die Mülltonne zu werfen. Es begeistert uns, mit wieviel Kreativität unsere Hersteller-Partner diesen Materialien ein zweites – häufig sehr ungewöhnliches – Leben ermöglichen. Wir versuchen täglich, unsere Kundinnen und Kunden für einen „anderen“ Konsum zu begeistern.
    Taschen aus Teesack, Fahrzeugschlauch oder gebrauchten Plastiktüten halten wir für eine wertvolle und umweltfreundliche Alternative zu Ware aus neuen Materialien.
    Dennoch sollte man – da stimme ich Ihnen ganz klar zu – bei jedem Upcycling-Produkt immer genau hinsehen, ob es wirklich Sinn macht oder ob es sich am Ende nur um eine weitere unsinnige Konsumidee mit Belastung für unsere Umwelt handelt.

  3. Immerhin regt der Artikel zur Müllvermeidung an. Palettenmöbel, Schraubdeckelgläser und Fahrradreifengürtel sind ein alter Hut. Das Problem ist, dass man den ganzen Plunder in der Menge gar nicht braucht, den man aus Müll herstellen könnte.

  4. einfallsreichtum ist sicher notwendig. ebenso wichtig ist die möglichkeit der reinigung von sachen. bloßes hinstellen alter trümmer ist noch kein endziel. ein versuch wird euch den weg weisen. ;)))

  5. Ich denke die upcycling Bewegung ist sehr wichtig, wie ihr alle. Den Hype erkläre ich mir jedoch nicht darüber, dass es jeder haben will oder so, sondern sehe es als Gegenbewegung zu teuren Designermöbeln. Upcycling kann auch etwas kosten, bei vielen Palettenmöbeln zb. wenn es sich um Sideboards handelt.

    Was ich jedoch eigentlich sagen möchte ist, ich sehe eher den Trend in individuellem wohnen Möbel lassen sich aus den Materialien oder Europaletten sehr einfach bauen, ( hier zb. die Bauanleitung für ein Bett http://desmondo.de/palettenbett-bauen/) sie sind innovativ und häufig nicht vergleichbar. Als Individum bringe ich mit den selbstgebauten Möbeln Abwechslung, Farbe und Einzelstücke in eine Wohnungen die überwiegend mit IKEA eingerichtet ist und muss mich nicht über eine Sofa oder ein Designerbett welches viel Geld kostet definieren.

  6. Die von Dir verlinkte Kapp- und Gehrungssäge ist für solche Zwecke völlig ungeeignet. Nimm eine Handkreissäge. Aber Vorsicht, die Dinger sind für Unerfahrene nicht ungefährlich. Unbedingt Bedienungsanleitung mit Warnhinweisen beachten!
    Zur Not bzw. wenn Du nicht allzu viele Schnitte auszuführen hast kommst Du auch mit einer Stichsäge aus oder eben mit dem guten alten Fuchsschwanz.

  7. Upcycling ist obercool 😄😃😀 da ich leider keinerlei Talent habe etwas mit Holz zu machen bleibe ich lieber beim nähen ☺ die T Shirt in Stofftasche verwandel idee ist abgefahren hab ich schon ausprobiert.

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