Urban Mining – der verborgene Rohstoffschatz in der Stadt

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Viele der weltweiten Ressourcen werden knapp. Während natürliche Reserven schrumpfen, ist die moderne Stadt längst zu einer riesigen Rohstoffmine geworden. Urban Mining will diese wertvollen Rohstoffe langfristig sichern – und steht dabei vor großen Herausforderungen.

Etwa 50 Milliarden Tonnen Materialien haben wir seit dem zweiten Weltkrieg angehäuft, vieles davon verbaut in Gebäuden, Infrastruktur und langlebigen Konsumgütern wie Autos. Dieses Materiallager ist keine schlechte Basis für das als rohstoffarm geltende Deutschland, das Erze und Metalle komplett importieren muss.

Und nicht nur in den Städten Deutschlands findet sich dieser Rohstoffreichtum: Jede dicht besiedelte industrialisierte Stadt ist eine riesige Rohstoffmine. Denn es sind vor allem die Industrieländer, die mit 15 Prozent Anteil an der weltweiten Bevölkerung rund ein Drittel der globalen Rohstoffe verbrauchen und verbauen. Warum nicht diese städtischen Rohstoffminen sinnvoll nutzen?

Was ist Urban Mining?

Bei diesem Gedanken setzt Urban Mining an und will die in unseren Städten und unserer Umwelt verbauten Rohstoffe aufspüren, sichern und nutzbar machen – ohne sie abzuwerten. Städtische Rohstoffförderung statt klassischer Bergbau also – Urban Mining gewinnt Rohstoffe aus langlebigen Gütern wie Elektrogeräten, Autos, Bahntrassen und Gebäuden zurück.

Verbaute Materialien wie Ziegel, Gips, Beton, Stahl, Metalle wie Kupfer, Aluminium und Cobalt, aber auch Asphalt und Holz werden so als Sekundärrohstoffe wieder nutzbar. Das Potenzial des menschengemachten Lagers ist enorm:

  • Allein auf einer PC-Leiterplatte gibt es 44 unterschiedliche chemische Elemente.
  • In deutschen Bahnhöfen sind rund 32 Millionen Tonnen Materialien langfristig eingebunden.
  • In Japan wird die urbane Silber-Mine auf 24 Prozent der weltweiten Reserven geschätzt.
  • Aus einem durchschnittlichen Altbau mit zehn Wohnungen fallen rund 1.500 Tonnen Material zur Verwertung an, darunter 70 Tonnen Metalle und 30 Tonnen Kunststoffe, Bitumen und Holz, berechnete das Umweltbundesamt (UBA).

Und auch das ist Urban Mining: Die Rückgewinnung des seltenen Phosphors aus städtischem Klärschlamm. In der Schweiz etwa fällt jährlich so viel Phosphor an, wie importiert wird.

Urban Mining ergänzt Abfallwirtschaft

Doch was unterscheidet Urban Mining von der klassischen Abfallwirtschaft? Urban Mining will „möglichst früh künftige Stoffströme prognostizieren, […] noch bevor die Materialien als Abfall anfallen“, so das UBA. Urban Mining ergänze also die Abfallwirtschaft um den Kreislaufgedanken und will vor allem die wertvollen Stoffströme sinnvoll und planbar managen. Nicht zuletzt will Urban Mining die wertvollen Stoffe noch vor Abriss und Entsorgung aufspüren, um sie somit sofort zu sichern und sortenrein voneinander zu trennen.

Eine Sonderform des Urban Mining ist das Landfill Mining – die Förderung von Wertstoffen aus Abfällen, die bereits auf den Mülldeponien liegen. Glas, Metall, Kunststoffe: In alten Mülldeponien liegen Tausende Tonnen wertvoller Materialien.

Urban Mining, Müll auf der Mülldeponie
Auf Mülldeponien verbergen sich ebenfalls viele Materialien-Schätze (Foto: Pixabay, CCO, Public Domain)

Großes Potenzial, schwierige Planung

Das UBA schätzt, dass sich in den vergangenen 50 Jahren rund 42 Milliarden Tonnen in deutschen städtischen Lagern angesammelt haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden weltweit genauso viele Rohstoffe neu gewonnen. Mit jährlich 200 Millionen Tonnen sind Baureste wie Bauschutt, Straßenaufbruch, Steine und Baustellenabfälle die größte Abfallfraktion.

Urban Mining mag lukrativ und nachhaltig erscheinen, doch noch ist die Umsetzung schwierig. Die städtischen „Minen“ zu kennen und zu wissen, wann welche Materialien wieder frei werden – das ist eine der größten Herausforderungen. Nicht zuletzt müssen die wertvollen Materialien richtig gefördert, getrennt und aufbereitet werden.

Um besser zu wissen, welche Materialien etwa in einem Gebäude verbaut wurden, schlägt das UBA vor, dass der Gebäudepass neben dem Energieausweis auch einen Materialpass haben soll. Dabei ist die Idee des Materialpasses nicht neu, er werde jedoch noch nicht überall eingesetzt.

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Die urbane Mine, die jeder hat

Urban Mining mag als Begriff und Idee etwas alltagsfremd erscheinen, dabei haben die meisten von uns mindestens eine kleine städtische Mine in den eigenen vier Wänden: ausgediente Handys und Smartphones.

Und die sind wahre Schatztruhen: Etwa 60 verschiedene Materialien stecken in jedem Handy, ungefähr die Hälfte davon sind Metalle wie Gold, Silber und Platin. Das UBA schätzt, dass 85 Millionen ungenutzte Handys in den deutschen Schubladen liegen.

Zusammengerechnet ergibt das einen großen Schatz: Über 21 Tonnen Silber, 2 Tonnen Gold, 765 Tonnen Kupfer und viele weitere Metalle. Wertvolle Metalle, die in begrenzten Mengen auf der Erde verfügbar sind – und die unter teils großen Belastungen für Umwelt und Mensch abgebaut wurden.

Die Minen der Zukunft?

Fest steht: Die Rohstoffe unserer Erde sind großenteils endlich. Sie zu fördern, greift empfindlich ins Ökosystem ein, nicht selten werden dabei umweltschädliche Substanzen freigesetzt, es kommt zur Ausbeutung von Menschen und zu kriegerischen Auseinandersetzungen im Wettbewerb um die knappen Ressourcen.

Urban Mining nutzt bereits in den Kreislauf gebrachte Rohstoffe und trägt somit dazu bei, die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen. Gleichzeitig erlaubt es anderen, weniger entwickelten Ländern, auf noch verfügbare Ressourcen zuzugreifen und sich somit weiterzuentwickeln.

Urban Mining kann die Rohstoffversorgung von morgen sichern, vorausgesetzt die städtischen Minen werden systematisch erfasst. Und wir können schon jetzt selbst zu städtischen „Minenarbeitern“ werden – indem wir unsere alten Handys aus den Schubladen holen.

Mehr zum Thema: „Urban Mining – Ressourcenschonung im Anthropozän“ vom Umweltbundesamt

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