Präsentiert von:

Varroamilbe: Warum sie so gefährlich für Bienen ist

Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Die Varroamilbe ist vielen Menschen bekannt, weil sie als größter Feind der Bienen gilt. Es gibt viele Typen der Milbe, die fast auf der ganzen Welt vorkommt. In einigen Ländern haben die Bienen Abwehrmechanismen entwickelt – in Deutschland nicht.

Die Varroamilbe stammt ursprünglich aus Südostasien. Dort haben die Bienen über die Jahrzehnte Abwehrmechanismen gegen den Parasiten entwickelt. Als die westeuropäischen Bienen nach dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn nach Russland kamen, hatten sie gegen die Varroamilbe kaum eine Chance. Die westlichen Bienen sind auf Hochleistung und Sanftmütigkeit gezüchtet und kommen gegen die Varroamilbe nicht an. Nach und nach hat sich die Varroamilbe über den Export von Bienenstöcken auf der ganzen Welt ausgebreitet. Nur in Australien hat noch niemand die Milbe gemeldet.

In Deutschland hat sich die Varroamilbe seit Anfang der 2000er Jahre stark vermehrt. Da Bienen durch den zunehmenden Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ohnehin schon geschwächt sind, haben die Varroamilben ein leichtes Spiel. Laut Imkern stirbt jedes dritte bis vierte Bienenvolk im Jahr an der Varroamilbe. Sie kommt nicht freilebend vor, sondern ausschließlich in Bienenstöcken und an Bienenkörpern.

Varroamilbe: Der Feind der Biene

Varroamilben haken sich an Bienen fest und saugen ihren Körpersaft
Varroamilben haken sich an Bienen fest und saugen ihren Körpersaft (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Die Varroamilbe (Varroa destructor) kommt in unterschiedlichen Typen vor:

Japan-/Thailand-Typ:

  • Vorkommen in Ostasien und Nord- und Südamerika
  • geringe Schäden

Korea-Typ:

  • Vorkommen in Europa, Mittlerer Osten, Südafrika, Nord- und Südamerika
  • schädigt die europäischen Bienen stark

Die Indischen Bienen haben bereits recht erfolgreiche Abwehrmechanismen entwickelt, berichtet das Institut für Bienenkunde: Die Bienen können die Varroamilben riechen und räumen die befallene Brut aus dem Bienenstock aus. Ist der Befall zu groß, schließen sie die Wabe mit einer dicken Wachsschicht, sodass die Brut mit den Parasiten nicht herauskommt. Erst wenn die Milben aufgrund mangelnder Nahrung in der Wabe gestorben sind, räumen die Bienen die Wabe. Außerdem haben sie ein Putzverhalten entwickelt, mit dem sie die Milben vom Rücken ihrer Mitbewohner entfernen können.

Lebensweise der Varroamilbe

Varroamilben setzen sich in die Brutwaben, bevor die Bienen diese verschließen.
Varroamilben setzen sich in die Brutwaben, bevor die Bienen diese verschließen. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Die Varroamilbe ist ein reiner Bienen-Parasit: Er kommt ausschließlich in Bienenstöcken vor oder hakt sich am Körper der Bienen/Bienenlarven fest. Das gelingt ihm mithilfe der Widerhaken an seinen Beinen.

Nahrung: Die Varroamilben schlüpfen in die Brutzellen, bevor die Bienen sie verschließen. Die erwachsenen Milben und ihr Nachwuchs stechen dann durch die Haut der Bienenlarven und saugen an ihrem Körpersaft. Dieser Saft nennt sich Haemolymphe und ist sozusagen das Blut der Biene. Dieses Blut stellt die einzige Nahrungsquelle der Varroamilben dar.

Fortpflanzung: Bis aus einer Varroamilben-Larve eine erwachsene und geschlechtsreife Varroamilbe geworden ist, dauert es nicht lange: Laut Institut für Bienenkunde benötigen Weibchen 6,2 Tage und Männchen 6,2 Tage. Die Varroamilbe pflanzt sich in der Regel noch in der verschlossenen Brutzelle fort. Bienenlarven können meist auch dann schlüpfen, wenn sie bereits von den Parasiten befallen sind. Die Varroamilben haken sich dann an der geschlüpften Biene fest, die sie so unbeabsichtigt im ganzen Bienenstock verbreitet. Dabei verteilen sich die Milben auf andere Bienen und saugen dort Blut. Schließlich dringen sie in eine neue Brutzelle ein, um sich weiter fortzupflanzen.

Lebensdauer: Varroamännchen sterben oft noch in der verschlossenen Brutzelle. Sie werden nur zur Befruchtung benötigt. Dem Institut für Bienenkunde zufolge haben die Weibchen in Sommermonaten eine Lebensdauer von zwei bis drei Monaten. Im Winter können es sogar sechs bis acht Monate sein. Ohne Bienenblut können sie allerdings höchstens eine Woche überleben.

Eine neue Studie gibt Hinweise darauf, dass die Milben wömöglich nicht das Blut, sondern den Fettkörper der Larve anzapft. Er hat eine ähnliche Aufgabe wie die menschliche Leber: Er speichert Nahrung, stärkt das das Immunsystem und entgiftet den Körper.

 

Warum die Varroamilbe eine Gefahr für Bienen ist.

Imkern macht die Varroamilbe viele Probleme
Imkern macht die Varroamilbe viele Probleme (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Die Varroamilbe saugt nicht das ganze Blut der Biene aus, sondern lässt sie überleben. Der Grund: Die Jungbiene soll den Parasiten aus der Wabe nach draußen bringen, sodass die Milben weitere Bienen befallen können. Dennoch schadet die Varroamilbe den Bienen sehr, da sie Viren übertragen kann. Durch die Einstiche in die Bienenhaut gelangen die Viren ins Blut der Bienen. Besonders oft kommen das Akute Paralyse Virus (ähnlich wie die Europäische Faulbrut) und das Flügeldeformationsvirus vor. Diese Viren deformieren die Flügel der Bienen oder verhindern, dass diese sich richtig ausbilden können. Die Bienen sind dann nur eingeschränkt flugfähig oder haben ein geschwächtes Immunsystem.

Besonders problematisch: Während Viren oft harmlos für Bienen sind, birgt die Übertragung durch die Varroamilbe eine besondere Gefahr. Denn die Viren gelangen durch den Parasiten direkt in die Blutbahn, und das bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase. Sie können in alle Organe eindringen und die Biene stark schädigen. Auf diese Weise können sie „Schäden in der einzelnen Biene herbeiführen, die es vorher so nicht gab“, so das Länderinstitut für Bienenkunde.

Laut den Experten vom Länderinstitut für Bienenkunde gehen von der Varroamilbe drei wesentliche Risikofaktoren für Bienen aus. Die Milbe…

  • …überträgt Viren und beschleunigt ihre Ausbreitung im Bienenvolk und zwischen Völkern.
  • …injiziert Viren, sodass vorher harmlose Viren plötzlich tödlich für die Bienen sein können.
  • …schwächt das Immunsystem der Bienen und fördert dadurch den Ausbruch von Viruskrankheiten.

Was tun gegen die Varroamilbe?

Momentan gibt es kein wirksames Medikament gegen die Varroamilbe. Bisher eingesetzte Anti-Milben-Medikamente wie Akarizide zeigen kaum Wirkung, da die Varroamilbe inzwischen resistent dagegen ist. Zudem bleiben Rückstände des Stoffs im Honig zurück. Deshalb probieren Imker verschiedene Mittel aus, um die Milben zu reduzieren:

  • Einige Imker setzen Ameisen-, Milch- und Oxalsäure  ein. Jedoch gehen die Varroamilben dadurch nur langsam und nicht in allen Bienenstöcken zurück.
  • Auch eine Art Bienensauna testen manche Imker. Dabei erhitzen sie den Bienenstock auf 37 Grad. Viele Milben sterben dadurch, den Bienen macht die Wärme nichts aus.
  • Forscher haben im Magazin nature berichtet, dass Lithiumchlorid, ein Antidepressivum, gegen die Milbe hilft. Sie entwickeln ein Präparat, dass tödlich für die Varroamilbe ist und den Bienen nicht schadet. Bisher ist der Wirkstoff aber noch nicht zugelassen und muss noch näher erforscht werden.

Weiterlesen bei Utopia:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(1) Kommentar

  1. Das Problem ist, dass den modernen Hochleistungs-Nutzbienen das Putzverhalten und jede Wehrhaftigkeit gegenüber Parasiten zugunsten der Honigproduktion weggezüchtet wurde.
    Ausserdem bieten moderne Bienenkästen keine guten Bedingungen für ein natürliches Ökosystem, wie man es auch in einem natürlichen Bienenstock vorfindet. So hat man in den gängigen Styropor- oder Holzkästen Probleme aufgrund von Schimmel wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit und ganz wichtig: die kleine Bücherskorpione fehlen, welche sich normalerweise am Boden ansiedeln würden um auf Milbenjagt zu gehen.

    Hierzu empfehlenswert die NDR-Doku: „Unsere Bienen – Rettung in Sicht?“
    Dort erfährt man mehr von den Erkenntnissen eines Bienenforscher, der erst von der gesamten gewinnorientierten Imkerschaft ausgelacht wurde, dann aber doch jede Menge Beifall für seine Forschungen bekam 🙂

    Das Problem mit dem Bienensterben ist wie immer ein hausgemachtes. Wie auch in jeder anderen Massentierhaltung, ließen sich solche Probleme auf natürlichem Wege ganz einfach vermeiden. Aber wenn immer nur auf noch mehr Ertrag und Masse gezüchtet wird, braucht man sich nicht wundern!

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.