Waldkindergarten: So funktioniert der Naturkindergarten

Waldkindergarten
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Ein Waldkindergarten bietet Kindern die Möglichkeit, sich intensiv mit der Natur auseinanderzusetzen. Hier erfährst du mehr zu den besonderen pädagogischen Einrichtungen.

Ein Waldkindergarten basiert auf der Vorstellung, dass die Natur den besten Bewegungsraum für Kinder darstellt. Im Wald können sie ihre Kreativität und ihren Erfindungsgeist ausleben, spielen, rennen und toben. Sie erfahren aber auch Grenzen und müssen sich wie in herkömmlichen Kindergärten an grundlegende Regeln des Zusammenlebens halten.

Waldkindergarten: Viel Zeit in der Natur

Waldkindergärten gibt es in Deutschland seit 1993. Mittlerweile verzeichnet der Bundesverband für Natur- und Waldkindergärten (BVNW) etwa 2000 der umweltpädagogischen Einrichtungen, die auf alle Bundesländer verteilt sind. Der auffälligste Unterschied zu Regelkindergärten ist, dass die Kinder in einem Waldkindergarten deutlich mehr Zeit in der Natur (oft im Wald) verbringen – in der Regel etwa vier bis fünf Stunden pro Tag.

Hier können sie mit Eicheln, Blättern, Moos und anderen Naturmaterialien basteln, Hütten bauen, Verstecken spielen oder neue Pflanzen- und Tierarten kennenlernen. Und das bei Wind und Wetter: Auch im Winter und an leicht verregneten Tagen gehen Erzieher:innen mit den Kindern in die Natur. Nur bei besonders starken und gefährlichen Wetterverhältnissen (wie Gewitter, Sturm oder Hagel) bleiben die Kinder drinnen.

Sonst sollen Eltern, Kinder und Erzieher:innen in erster Linie die Kleidung dem Wetter anpassen. Wasserfeste Capes und Matschhosen schützen vor Regen. Schneehosen, mehrere Schichten Kleidung, Mütze und Schal bewahren die Kinder im Winter vor Kälte. Und lange dünne Kleidung, Sonnencreme und eine Kopfbedeckung schützen im Sommer vor UV-Strahlung. Auch robustes Schuhwerk ist im Waldkindergarten besonders wichtig.

Ein Tag im Waldkindergarten

Im Waldkindergarten verbringen Kinder in der Regel etwa vier bis fünf Stunden in der Natur.
Im Waldkindergarten verbringen Kinder in der Regel etwa vier bis fünf Stunden in der Natur. (Foto: CC0 / Pixabay / barbaramatthijs)

Ein typischer Tag in einem Waldkindergarten kann zum Beispiel folgendermaßen ablaufen:

  • Morgens nehmen die Erzieher:innen die Kinder in der Einrichtung oder bereits an einem Treffpunkt im Wald in Empfang. Hier findet der Morgenkreis statt. Anschließend geht die Gruppe gemeinsam zum Frühstücksplatz. Dort können die Kinder die Snacks aus ihren Brotdosen verzehren.
  • Am Vormittag spielt die Gruppe im Wald. Entweder lassen die Erzieher:innen die Kinder grundsätzlich selbst entdecken – sie beobachten dann nur, greifen gegebenenfalls ein und bieten ihre Hilfe an. Oder es gibt ein festes Programm, bei dem die Kinder zum Beispiel neue Tier- und Pflanzenarten kennen lernen oder eine Waldführung durch eine:n Förster:in erhalten.
  • In einem Abschlusskreis verabschiedet sich die Gruppe vom Wald (zum Beispiel mit einem Gedicht oder Lied) und bespricht die besonderen Vorkommnisse des Tages. Anschließend gehen die Kinder entweder in die Einrichtung zurück oder werden bereits von den Eltern abgeholt.

Ob ein Waldkindergarten nur eine Halbtags- (etwa vier bis sechs Stunden) oder eine Ganztagsbetreuung anbietet, variiert von Einrichtung zu Einrichtung. Informiere dich dafür am besten im Kindergarten in deiner Nähe. Für die Nachmittagsbetreuung kooperieren Waldkindergärten oft mit Regelkindergärten, um deren Innenräume mit nutzen zu können. Dies ist auch wichtig, wenn ein Aufenthalt im Freien aufgrund extremer Wetterverhältnisse nicht möglich ist.

Übrigens: Im Wald gibt es in der Regel keine Toilettenhäuschen. Doch die meisten Kinder sind nach einiger Zeit schon geübt darin, ihr Geschäft im Freien zu verrichten. Kinder, die dafür noch Hilfe brauchen, werden von Erzieher:innen unterstützt. Für das große Geschäft graben die Kinder mit einer Schaufel ein etwas tieferes Loch und verscharren es anschließend wieder.

Wie geeignet ist der Wald als Lernumgebung?

Im Wald können Kinder toben, rennen und neue Tier- und Pflanzenarten kennenlernen.
Im Wald können Kinder toben, rennen und neue Tier- und Pflanzenarten kennenlernen. (Foto: CC0 / Pixabay / pixel2013)

Ein Kritikpunkt an Waldkindergärten ist, dass sie nicht angemessen auf die Schule vorbereiten würden. Der Bundesverband für Natur- und Waldkindergärten weist diesen Vorwurf zurück: Gerade die Waldumgebung fördere verschiedene Kompetenzen (wie Motorik, Sprache, Konzentrationsfähigkeit und Kreativität). Auch das Sozialverhalten würde im Waldkindergarten besonders gestärkt werden: Schließlich seien die Kinder stärker auf gegenseitige Hilfe und Teamfähigkeit angewiesen und würden Herausforderungen so besser zusammen meistern.

Die Studienlage zu diesen Thesen ist bislang noch relativ dünn. Eine Dissertation aus dem Jahr 2002 und eine schwedische Studie aus dem Jahr 1997 legen jedoch nahe, dass Kinder aus dem Waldkindergarten über eine bessere Motorik, Konzentrationsfähigkeit und Fantasie verfügen, als dies bei Regelkindergärten der Fall ist. Im ersten Schuljahr nach der Kindergartenzeit waren auch Ausdauer, Sozialverhalten und Motivation besser ausgeprägt.

Einige Eltern fürchten, dass der Wald zu viele Gefahren für Kinder bereithalte. Der BVNW betont auch in diesem Fall, dass sich Kinder mit der Zeit an die Gegebenheiten des Waldes gewöhnen würden: Sie gehen dann sicherer über den unebenen Boden und entwickeln ein besseres Gespür für potenziell gefährliche Situationen und ihre eigenen Grenzen. Und schließlich sind durchgängig Erzieher:innen vor Ort, die die Kinder beaufsichtigen.

Häufiger krank im Waldkindergarten?

Auch im Winter sind Kinder im Waldkindergarten an der frischen Luft.
Auch im Winter sind Kinder im Waldkindergarten an der frischen Luft. (Foto: CC0 / Pixabay / aileino)

Auch dass Kinder, die bei Wind und Wetter draußen sind, häufiger krank sind, ist ein unhaltbares Vorurteil. Im Gegenteil: Laut der schwedischen Studie lag der Krankenstand aller untersuchten Regelkindergärten im Verlauf eines Jahres bei acht Prozent. In Waldkindergärten betrug er hingegen nur 2,8 Prozent.

Dies könnte daran liegen, dass Keime in beheizten Innenräumen leichter übertragen werden. Zudem verbringen Kinder im Waldkindergarten viel Zeit an der frischen Luft, bewegen sich viel und bekommen ausreichend Sonne (und damit Vitamin D) ab. All diese Faktoren wirken sich nach medizinischer Ansicht positiv auf das Immunsystem aus.

Kosten und weitere Informationen zu Waldkindergärten

Die Kosten für einen Platz im Waldkindergarten unterscheiden sich manchmal kaum von denen eines Regelkindergartens. Dies kann jedoch je nach Einrichtung schwanken und hängt auch von den Betreuungsstunden ab. Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten auf 100 bis 150 Euro pro Monat. Informiere dich für genauere Informationen am besten im Waldkindergarten in deiner Nähe.

Auch Kinder mit einer leichten bis mittelgradigen Behinderung, Wahrnehmungs- und Verhaltensauffälligkeiten bekommen im Waldkindergarten einen Platz. Für sie kann der Wald besonders gut als Bewegungs- und Erholungsraum geeignet sein. Das gilt natürlich nicht für alle Menschen mit Behinderung und sollte im Zweifelsfall mit Therapeut:innen oder ärztlichem Rat abgeklärt werden.

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