Recup: dieses Pfandsystem will das Coffee-to-go Müllproblem lösen

Recup Mehrweg Pfandsystem für Coffee-to-go Becher
Foto: © Recup

Coffee-to-go-Becher verursachen jährlich riesige Müllberge, die der Umwelt massiv schaden. Das Mehrweg-Pfandsystem Recup könnte Abhilfe schaffen. Nach einer erfolgreichen Testphase in Rosenheim, gibt es die Becher nun auch in 50 Cafés und Bäckereien in München. Weitere Städte sollen folgen. 

Ob beim Shopping, zwischen den Lerneinheiten in der Uni Bibliothek oder nach der Mittagspause – ein Coffee-to-go ist praktisch für die kurze Kaffeepause zwischendurch. Für die Umwelt allerdings ist diese Zeit sparende Form des Kaffeekonsums verheerend: 2,8 Milliarden Coffee-to-go Pappbecher werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen, das sind etwa 320.000 Becher pro Stunde – 40.000 Tonnen Müll pro Jahr. Mit einem Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher wollen die zwei Rosenheimer Jungunternehmer Fabian Eckert und Florian Pachaly das Müllproblem jetzt lösen.

Coffee-to-go: Müllvermeidung durch flächendeckendes Pfandsystem

Das Prinzip ist denkbar einfach: Der bis zu 500 mal wiederverwendbare Recup soll in so vielen Cafés, Bäckereien und Restaurants wie möglich zur Verfügung stehen. Kauft man seinen Kaffee im Recup zahlt man einen Euro Pfand. Der Kaffee kostet sogar weniger als im regulären Pappbecher, das soll einen Anreiz zum Kauf schaffen. Bei allen Recup-Partner kann man den leeren Coffee-to-go-Becher dann wieder abgeben und erhält sein Pfand zurück. Die Becher werden vor Ort gereinigt und sofort wieder eingesetzt.

Als Material für den Recup haben sich die beiden Jungunternehmer für den Kunststoff Polypropylen (PP) entschieden. Dieser gilt als  unbedenklicher für die Umwelt als andere Kunststoffe, da er einfacher und mit weniger Energieaufwand recycelt werden kann. Aber Polypropylen ist dennoch problematisch da er – wie die meisten Kunststoffe – auf Erdöl-Basis hergestellt wird.

„Uns von Recup ist vollkommen bewusst, dass PP langfristig gesehen nicht die perfekte Alternative zum Einwegbecher ist. Momentan sind wir aber der Meinung, dass unser Becher zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist“ meint Fabian Eckert, Co Founder von Recup.

Recup Mehrweg Pfandsystem für Coffee-to-go Becher
Der Recup in der München-Edition. (Foto: © Recup)

Besser als Pappbecher, da recyclebar, BPA frei und wiederverwendbar

Die Recups werden in Deutschland produziert, sind BPA frei, recyclebar und können bis zu 500 mal wiederverwendet werden. „Es gibt zwar andere interessante Materialen, die zukünftig vielleicht einen größeren ökologischen Vorteil erzielen können. Für ein flächendeckendes Mehrwegsystem müssen die Becher allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die wir momentan leider bei keinem anderen Material finden“, so Fabian Eckert. So muss das Material stabil, häufig wiederverwendbar, leicht, stapelbar, recyclebar, spülmaschinenfest, lebensmittelecht und gesundheitlich unbedenklich sein.

Geht doch! #recup #coffeetogo #becher #togo #umweltschutz

A post shared by Utopia.de (@utopia.de) on

Die beiden Gründer wählten bewusst ein schlichtes Design, damit Coffee-to-go-Fans den Becher nicht zu Hause behalten. Der Recup kann bis zu 500 mal wiederverwendet werden. Bei Bedarf bekommt man auch einen Deckel dazu – der ist nicht wiederverwendbar, besteht immerhin aus dem Biopolymer PLA und ist somit kompostierbar. Fabian und Florian arbeiten aber bereits an einer Mehrweglösung: „Wir sind uns der ökologischen Vor- und Nachteile unserer Recups absolut bewusst. Definitiv gibt es gerade hier noch einen hohen Entwicklungsbedarf unsererseits.“ Das Ziel von Recup soll zunächst sein, zu beweisen, dass ein Pfandsystem für Coffee-to-go Becher machbar ist und Einwegbecher langfristig ersetzt werden können.

Nach Rosenheim kommt München – weitere Städte sollen folgen

Nach einer erfolgreichen Testphase im November und Dezember 2016 in Rosenheim, gibt es Recup seit 15. Mai auch in München. In den kommenden Monaten sollen weitere Städte folgen, in Berlin hat Recup bereits das Mehrwegbechersystem Just-Swap-It übernommen.

Zum Start in München hat das Unternehmen einen optimierten Recup-Pfandbecher in zwei Größen rausgebracht. Das Design können Städte und Kommunen individuell anpassen, in München gibt es die „Servus-München-Recups“.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Schlagwörter:

(5) Kommentare

  1. Gutes Projekt, viel Erfolg!

    Ein PP Becher, der 500 Spülvorgänge übersteht? Noch viel mehr Erfolg !

    Dann bitte eine Ökobilanz veröffentlichen, wieviele Einweg Becher der Mehrweg Becher ersetzt hat.

    Ich bezweifle, dass privat gekaufte Becher eine höhere Verwendungszahl erreichen, gerade solche mit Deckel Dichtungen dürften ihren üblichen Verschleiß haben. Nachkauf von Dichtungen? Bei den Edelstahl Isolierflaschen bereits ein Problem.

    Wir haben noch unsere alten Mehrweg Becher aus Unizeiten, für die Kakao- bzw. Kaffeemaschinen, die hatten eine Klemm Deckel oben und im Boden unten einen Flaschenöffner, Aufdruck der Uni und des Umweltarbeitskreises, der (wir) die Dinger in Auftrag gegeben hatten. Daher kenne ich den normalen Verschleiß an PP Bechern, das Material zerkratzt und wird unansehnlich, heutzutage wird i.d.R. mit höheren Temperaturen in der Maschine gespült, das setzt dem Material noch mehr zu.

    Aber gut, Mehrweg ist der bessere Weg. Solange die Bilanz stimmt, das weiß man erst hinterher bzw. nach einer aussagekräftigen Feldphase. 😉

  2. Gute Idee,

    ich teile jedoch Tufkars Bedenken.

    Eine sehr sinnvolle Ergänzung sind eigene, mitgebrachte Becher. Hier in Australien ist das erstaunlich weit verbreitet. Man bekommt den Kaffee damit auch meistens etwas günstiger. Ich habe mir vor Kurzem einen KeepCup aus Glas mit Kunstoffdeckel zum Draufklemmen zugelegt. Ich möchte ihn nicht mehr missen.

  3. Ich trinke meinen Kaffee aus einer Tasse oder einem Glas und zwar vor Ort. Das hat Stil und der Kaffee schmeckt sowieso besser, weil ich mir wert bin, den Kaffee zu genießen.
    Das dürfte auf der Straße schwer möglich sein. Daher kann die Lösung nur lauten: Nehmt Euch die Zeit, den Kaffee in entspannter Atmosphäre zu genießen. Ein paar Minuten hat jeder. Macht bei dem blöden „Keine-Zeit-haben“ einfach nicht mit, denn das ist nicht nur blöd, sondern schadet Euch UND der Umwelt.

  4. Meinen eigenen To-Go-Becher habe ich immer dabei. Nur… Viele Bäckereien o.Ä. lehnen es ab, mir den Kaffee darin auszuschenken wegen Hygienevorschriften!! Die vermeide ich dann auch.
    Zum Thema Zeit nehmen zum Kaffee trinken: Das stimmt sicherlich. Da ich aber ein Morgenmuffel bin, trinke ich ihn gerne in Ruhe in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.