Wegen Regenwald-Zerstörung: Britische Supermärkte drohen Brasilien zu boykottieren

Fotos: © Tesco Stores Plc (L), CC0 Public Domain / Picography Pixabay –

In Brasilien könnte bald ein neues Gesetz verabschiedet werden, das die Zerstörung des Regenwaldes weiter vorantreibt. Eine Reihe britischer Supermarktketten droht deshalb nun, Produkte aus Brasilien zu boykottieren.

In einem offenen Brief, den 42 Unternehmen unterzeichnet haben, äußern sich führende britische Supermarkt- und Restaurantketten „zutiefst besorgt“ über den Gesetzentwurf.

Sie bitten darin die Mitglieder des brasilianischen Kongresses, den Gesetzentwurf abzulehnen, der in ihren Augen „weiteren Landraub und weitverbreitete Abholzung“ befördern würde.

Gesetz könnte „das Überleben des Amazonasgebiets“ gefährden“

Unterzeichnet haben den Brief anderem die bekannten britischen Supermarktketten Tesco, Marks & Spencer, Sainsbury und Morrisons, aber auch die britischen Niederlassungen von Aldi Süd, Lidl, Rewe und Metro sowie Burger King UK.

In dem Brief heißt es, der Erlass könnte „das Überleben des Amazonasgebiets und der Erreichen der Ziele der Pariser Klimaabkommen gefährden“ und die Rechte indigener Gemeinden aushebeln. Es folgt eine indirekte Drohung: „Wir glauben, dass er auch die Fähigkeit von Organisationen wie unseren gefährdet, in Zukunft weiterhin Waren aus Brasilien zu beziehen.“

Die Unternehmen „fordern die brasilianische Regierung auf, ihre Haltung zu überdenken und hoffen, weiterhin mit unseren Partnern in Brasilien zusammenarbeiten zu können.“

Legalisierung von Landraub und Abholzung

Der Erlass liegt dem brasilianischen Kongress zur Abstimmung vor und muss erst noch gebilligt werden. Er könnte die illegale Abholzung und Aneignung von öffentlichem Land vor 2018 nachträglich legalisieren. Spiegel Online zufolge beträfe das insgesamt rund 570.000 Quadratkilometer, mehr als die Fläche Spaniens.

Amazonas Regenwald
Der Amazonas-Regenwald ist die „grüne Lunge“ der Erde – seine Zerstörung trifft uns alle. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay – Rosa Maria)

In Brasilien ist das Gesetz höchst umstritten. Befürworter*innen führen an, dass die Legalisierung der Landnutzung wichtig sei, um die Besitzer*innen zur Einhaltung von Umweltgesetzen zu zwingen.

Umweltschützer*innen dagegen kritisieren, das Gesetz belohne Landspekulation und illegale Abholzung und lade quasi dazu ein, noch mehr Wald abzuholzen und öffentliches Land zu besiedeln.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die brasilianische NGO Imazon, dass der Erlass die Abholzung von 11.000 bis 16.000 Quadratkilometern beschleunigen würde. Das würde grob der Fläche Thüringens entsprechen.

Im Schatten der Corona-Krise hat sich die (größtenteils illegale) Abholzung im Amazonasgebiet bereits drastisch verschlimmert. Laut Reuters wurden allein im April 64 Prozent mehr Wald abgeholzt als im Vorjahresmonat. 2020 seien damit bereits 1.202 Quadratkilometer Amazonasregenwald verloren gegangen.

Brasilien-Boykott: Reicht das?

Utopia meint: Bereits während der verheerenden Amazons-Brände 2019 boykottierten einige bekannte Mode-Marken Leder aus Brasilien. Dass Handelsketten auf so massive Umweltbedrohungen reagieren und ihre Macht nutzen, um Verbesserungen zu fordern, ist grundsätzlich begrüßenswert.

Allerdings würde es den großen Supermarktketten gut stehen, wenn sie auch sonst ihre Produktauswahl und Bezugsquellen nachhaltiger gestalten würden – gerade wenn es um Marken geht, die bekanntermaßen mit Ausbeutung und Umweltzerstörung in Verbindung stehen. Erst, wenn die großen Konzerne insgesamt nachhaltiger wirtschaften, kann sich auch langfristig etwas ändern.

Zudem ist fraglich, ob ein genereller Boykott von Waren aus Brasilien der Bevölkerung dort wirklich hilft oder besser auf diejenigen Unternehmen gerichtet sein sollte, die tatsächlich mit Landraub und Abholzung in Verbindung stehen.

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