Im Schatten von Corona: Am Amazonas passiert gerade eine große Katastrophe

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Die Welt beschäftigt sich aktuell vor allem mit einem Thema – dem Coronavirus. Dabei geht eine Nachricht unter: Im größten Regenwald der Welt werden im Rekordtempo Bäume abgeholzt. Das ist gerade vor dem Hintergrund der Pandemie fatal.

Als vergangenen Sommer in Südamerika der Amazonas gebrannt hat, ging ein Hashtag viral: #PrayforAmazonia. Auch aktuell gehen riesige Flächen Regenwald verloren, dieses Mal bekommt die Weltöffentlichkeit jedoch deutlich weniger davon mit. Das liegt wohl daran, dass zurzeit das Coronavirus die Schlagzeilen dominiert.

Aktuell ist es kein Feuer, dass den Regenwald zerstört, sondern illegale Abholzungen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits Anfang April berichtete, wurden von Januar bis März diesen Jahres 796 Quadratkilometer Wald vernichtet – eine Fläche ungefähr so groß wie New York. Das sei ein Anstieg von mehr als 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Jetzt hat Reuters neue Zahlen veröffentlicht – die Situation hat sich weiter verschlimmert. Im April wurden nun schon 64 Prozent mehr Wald abgeholzt als im Vorjahresmonat. 2020 sind damit 1.202 Quadratkilometer Amazonas verloren gegangen.

Womöglich gibt es wegen des Coronavirus mehr Abholzung

Durch Rodungen geht kostbarer Regenwald verloren.
Durch Rodungen geht kostbarer Regenwald verloren. (Foto: CC0 / Pixabay / Picography)

Dass zurzeit so viel Regenwald vernichtet wird, liegt wohl auch an der Corona-Krise: Die brasilianische Umweltbehörde „IBAMA“ schickt Reuters zufolge aktuell weniger Kontrolleur*innen in gefährdete Gebiete – eine Vorsichtsmaßnahme gegen das Coronavirus. Die Kontrolleur*innen gehen normalerweise gegen illegale Abholzungen vor, ohne sie sind die Regenwald-Gebiete weniger geschützt.

Außerdem wachse die Angst vor Wirtschaftseinbrüchen und Armut, verursacht durch den Corona-Lockdown. Diese Angst könne mehr Menschen dazu antreiben, auf illegalem Weg Geld zu verdienen – etwa durch Waldrodungen. „Es besteht das Risiko, dass das Coronavirus und Covid-19 die Bedingungen für mehr Abholzung schaffen“, sagt Carlos Souza Jr., ein Wissenschaftler der NGO „Imazon“. Noch sei es jedoch zu früh, um einen Zusammenhang bestätigen zu können.

Schuld ist auch die Politik von Präsident Bolsonaro

Guarana wächst als lianenartiges Gewächs im Amazonasregenwald
Der Amazonas beherbergt zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. (Foto: CC0 / Pixabay / rosinakaiser)

Mitverantwortlich für die erhöhte Regenwaldvernichtung ist Reuters zufolge außerdem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Seit seinem Amtsantritt 2019 sei die Abholzungsrate stark angestiegen.

Bolsonaros Politik ermutige illegale Holzfäller, Viehzüchter und Spekulanten, sich am Regenwald zu bedienen, kritisieren Umweltschützer. „Die Zerstörung hat vergangenes Jahr ein elf-Jahres-Hoch erreicht und wächst 2020 weiter an“, schreibt Reuters.

Regenwaldvernichtung begünstigt Zoonosen

Die Regenwälder im Amazonas gelten als grüne Lunge der Erde. Sie speichern CO2 und produzieren Sauerstoff, beheimaten zahlreiche Tierarten und beeinflussen das Wetter. Die Abholzungen in Brasilien und an anderen Orten vernichten Lebensräume und tragen zur Klimakrise bei.

Sie sind aber noch aus einem weiteren Grund fatal: Die Zerstörung des Regenwalds begünstigt sogenannte „Zoonosen“ – Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Durch die zerstörten Ökosysteme im Wald kommen Tiere miteinander in Kontakt, die sich vorher nicht begegnet sind. Und auch mit Menschen können sich ihre Wege kreuzen. So haben Viren die Möglichkeit, von einer Spezies zur anderen überzuspringen.

Im Falle von Covid-19 geht man davon aus, dass das Virus ursprünglich von Fledermäusen stammte und über das Schuppentier zum Mensch gelangte. Expert*innen gehen davon aus, dass Pandemien häufiger werden, wenn wir weiter riesige Flächen Regenwald abholzen.

So kannst du den Regenwald schützen

Palmöl: Regenwald-Zerstörung
Für Palmöl-Plantagen wird Regenwald abgeholzt. (Foto: © ThKatz / stock.adobe.com)

Um den Regenwald effektiv zu schützen, sind vor allem politische Maßnahmen nötig. Aber auch jede*r Einzelne kann versuchen, etwas dagegen zu tun:

  • Kaufe kein Fleisch, das aus Südamerika importiert wurde.
  • Kaufe kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte aus industrieller Massentierhaltung: Die Tiere werden mit Soja gefüttert, für dessen Anbau womöglich Regenwald abgebrannt wurde. (Der Umwelt zuliebe gilt bei Fleisch ohnehin: Weniger ist mehr.)
  • Vermeide (konventionelles) Palmöl – auch dafür wird Regenwald gerodet.
  • Kaufe keine Möbel aus Tropenholz.
  • Unterstütze Aufforstungsprojekte (Bäume pflanzen fürs Klima: empfehlenswerte Organisationen)

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(1) Kommentar

  1. Kaufe am besten gar keine Tierprodukte, denn kaum ein Bauer füttert seine Tiere ausschliesslich mit Gras von nicht anders nutzbaren Flächen!
    Selbst wenn hier angebauter Mais oder hier angebautes Getreide verfüttert wird, geht das indirekt auf Kosten des Regenwaldes, denn es bleibt dadurch weniger Fläche für die Produktion von Menschennahrung übrig, und wir müssen dafür Kartoffeln, Brotgetreide, Gemüse, Hülsenfrüchte, Früchte, Nüsse usw. importieren. Die Probleme von heute kennen keine Landesgrenzen. Wer vegan lebt, braucht nur ein Viertel der Ackerfläche, und das ist der springende Punkt.