Richard David Precht: Was wir Tieren antun, ist moralisch unvertretbar und völlig falsch

Richard David Precht über Tierethik: Was wir mit den Tieren machen ist völlig falsch
Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Avelino Calvar Martinez

Politiker:innen haben aufgehört auf Wissenschaftler:innen und Philosoph:innen zu hören, der Mensch urteilt über den Wert anderer Lebewesen und was müsste passieren, wenn Julia Klöckner sich mit Tierethik auseinandersetzen würde? Darüber schreibt Richard David Precht im Spiegel.

In seinem Gastbeitrag, erschienen im Spiegel, erkennt Richard David Precht, dass die Zeit vorbei ist, in der Politiker:innen auf Philosoph:innen hören – genauso wenig wie auf Wissenschaftler:innen und ihre Erkenntnisse. Die Corona-Pandemie ist eine Ausnahme, von der wir uns in dem Zusammenhang nicht täuschen lassen sollten.

Klimaforscher:innen, Ökolog:innen und Artenschützer:innen können einen Fado davon singen“ (Fado: ein portugiesischer Musikstil) nicht gehört zu werden. Als Grund für die Machtlosigkeit von Philosoph:innen und Wissenschaftler:innen nennt Precht folgenden: In der Politik geht es um das beste Argument und äußerst selten um Moral.

Jedes Lebewesen lebt im eigenen Universum

Precht zitiert das Buch von Christine Korsgaard, die seit Jahren Vegetarierin ist und sich inspirieren lässt von Kant und Aristoteles. Es geht darum, warum Menschen Tiere essen. Laut Korsgaard lebt jedes Lebewesen im eigenen Universum. Der Mensch aber urteilt darüber, was das Leben anderer Lebewesen aus seiner Sicht mehr oder weniger lebenswert macht. Es steht den Menschen aber nicht gut, den Wert der anderen Lebewesen nach menschlichen Wichtigkeitskriterien zu bemessen.

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Precht stellt sich vor, dass Julia Klöckner Korsgaards Buch lesen würde. Denn dann müsste sie doch einsehen, dass „kein ethisches Argument die landwirtschaftliche Intensivhaltung rechtfertigt und dass die Nutztierhaltung in Ställen und auf Weiden einschließlich der Tierfutterproduktion zu den schlimmsten ökologischen Sünden der Menschheit zählt“.

Richard David Precht: Tiere dürfen keine Ware sein.
Richard David Precht: Tiere dürfen keine Ware sein. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - Fred Lehmann)

Tierethiker:innen, so schreibt es Precht, sind sich in einem einig: „Was wir Tieren in der Nutztierhaltung und Wildtieren durch die Zerstörung ihrer Lebensräume antun, ist moralisch unvertretbar und völlig falsch. (…) Tiere dürfen keine Ware sein, jedenfalls dann nicht, wenn man alle Gründe dafür und dagegen sorgfältig abwägt“.

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In der Politik reicht ökonomisches Interesse

Precht sieht kein baldiges Ende der Massentierhaltung, obwohl er der Meinung ist, dass momentan die beste Zeit für eine große Veränderung wäre. Denn zwei Revolutionen prallen aufeinander: die digitale und die Nachhaltigkeitsrevolution. Und zwar in einem Tempo wie niemals zuvor. Dadurch wird sich zum einen die Wirtschaft drastisch verändern, aber auch die Gesellschaft und unsere Lebensweise.

Als Ausblick gibt Precht zu bedenken, dass nicht feststeht, ob die Erde am Ende für alle eine bessere sein wird oder vor einer totalen Zerstörung steht – aber wann, „wenn nicht in der Systemkrise alter Ordnungen? Dass aber zumindest die landwirtschaftliche Intensivhaltung und das milliardenfache Elend in den Ställen enden, ist vorstellbar“.

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„Wie borniert muss man sein, um nicht zu sehen, dass Produkte mit naturidentischem Fleischgeschmack oder im Labor gezüchtetes Fleisch dem industriellen Billigfleisch in durchaus absehbarer Zeit das blutige Handwerk legen werden – und zwar über die Moral und über den Preis?“, so Precht.

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Utopia meint: Bei Fleisch gilt: Weniger ist mehr. Wenn es unbedingt mal ein Fleischgericht sein soll, lieber Bio-Fleisch. Aber auch da leiden Tiere und haben nicht selber beschlossen zu sterben, sondern der Mensch hat darüber entschieden. Daher ist es schön, dass immer mehr Menschen eine vegetarische oder vegane Lebensform einschlagen. Mittlerweile gibt es schließlich so viele Alternativen, für diejenigen, die nicht auf den Geschmack verzichten wollen. Die können für den Umstieg eine Hilfe bieten.

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