Grüner Strom Label: das strengste deutsche Ökostrom-Siegel

Siegel Grüner Strom
Siegel: © Grüner Strom Label e.V.

Das Grüner Strom Label ist das älteste und zugleich strengste Ökostrom-Siegel in Deutschland. Wer die begehrte Auszeichnung erhalten will, muss den Ökostrom vollständig aus erneuerbaren Energien produzieren.

Und nicht nur auf fossile Energiequellen müssen Ökostrom-Anbieter verzichten: Sie dürfen auch keine Beteiligungen an Atomkraftwerken besitzen, wenn sie das Siegel erhalten wollen. Im Gegenteil: Pro verkaufte Kilowattstunde investiert der Stromanbieter einen hohen Betrag in neue Anlagen, wie Wind- oder Solarkraftwerke. Und selbst hier gibt es anspruchsvolle Vorgaben.

Wer steht hinter dem Grüner Strom Label für Ökostrom?

Hinter dem Ökostrom-Label Grüner Strom stehen sieben Umwelt- und Naturschutzverbände, darunter der NABU und der BUND. Sie legen auch die Kriterien für das Siegel fest und überarbeiten sie regelmäßig.

So gibt es inzwischen genaue Vorgaben für den Bau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen. Solarparks dürfen beispielsweise nicht auf einem landwirtschaftlichen Acker gebaut werden, und Windräder gehören eher ins Gewerbegebiet statt in ein Wohnviertel. Ob die Stromanbieter alle Kriterien einhalten, prüfen unabhängige Wissenschaftler alle zwei Jahre.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: Grüner Strom Label e. V.
  • Kategorie: Ökostrom
  • Produkte: Ökostrom-Tarife
  • Verbreitung: mittel
  • Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert

Grüner Strom: die Kriterien im Überblick

Die Vorgaben für das Label Grüner Strom sind deutlich strenger als bei allen anderen Ökostrom-Siegeln. Der Gedanke dahinter: Will ein Stromanbieter authentisch Ökostrom-Tarife anbieten, muss er auch darüber hinaus mit Verantwortung für die Natur auftreten. Deshalb muss er die genaue Herkunft des Ökostroms belegen und darf neue Anlagen nur mit Rücksicht auf Mensch und Natur bauen.

Grüner Strom - Ökostrom-Siegel
Das Siegel (© Grüner Strom Label e.V.)

Das Ökostrom-Label Grüner Strom bescheinigt, dass…

  • der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt.
  • die Herkunft jeder Kilowattstunde Ökostrom nachweisbar ist.
  • der Stromanbieter keine Anteile an Atomkraftwerken besitzt.
  • zwischen 0,2 und 1 Cent pro Kilowattstunde in neue Anlagen fließen.
  • neue Anlagen immer naturverträglich gebaut werden.

Bei Ökostrom für Privathaushalte (bis 10.000 kWh/Jahr) investiert der Stromanbieter einen Cent pro Kilowattstunde in Erneuerbare-Energien-Anlagen. Bei größeren Unternehmen sind es zwischen 0,2 und 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Dieses Geld kann der Anbieter in den Bau und Ausbau neuer Anlagen, neue Speicher-Technologien und eine effizientere Energieversorgung stecken. Zum Beispiel kann ein Stromanbieter große Batterie-Speicher anschaffen, um die Stromschwankungen von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. Um dem Verbraucher eine möglichst hohe Transparenz zu schaffen, müssen die Stromanbieter genaue Informationen über die geförderten Anlagen veröffentlichen:

  • Wie viel Leistung erbringt die Anlage?
  • Wo steht sie, und seit wann ist sie in Betrieb?
  • Wie viel Geld wird jedes Jahr in weitere Neuanlagen investiert?

Alle Anbieter müssen sich einer nachhaltigen Unternehmenspolitik verpflichten. Dazu gehört, dass sie besonders faire Vertragsbedingungen für Kunden haben und sie auch über Energiespar-Tipps informieren. Zudem dürfen sie nicht an Atomkraftwerken beteiligt sein, wenn sie einen Tarif mit dem Siegel Grüner Strom anbieten. Auch neue Beteiligungen an Kohlekraftwerken dürfen sie nicht mehr erwerben.

Grüner Strom: Kontrollen

Ökostrom-Siegel: Grüner Strom
Gutachter ZSW (Logo: © ZSW)

Lässt ein Energieversorger seinen Ökostrom-Tarif zertifizieren, muss er für jede verkaufte Kilowattstunde Nachweise sammeln. Nach zwei Jahren prüfen unabhängige Wissenschaftler des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), ob der Stromanbieter alle Kriterien erfüllt hat. Fällt das Gutachten der Experten positiv aus, wird das Siegel für zwei weitere Jahre verlängert. Dann findet die nächste Prüfung statt. In den Jahren dazwischen muss der Energieversorger regelmäßig über die Förderung erneuerbarer Energien berichten. Bei einem negativen Gutachten oder fehlenden Berichten drohen Sanktionen bis hin zum Entzug des Ökostrom-Labels.

Kritik am Grüner Strom Label

Das Ökostrom-Siegel Grüner Strom genießt bei Umweltverbänden und dem Umweltministerium einen hohen Stellenwert. Das Portal Label-Online betont, dass Grüner Strom besonders ökologische Aspekte betone und sich für eine generationengerechte Energieversorgung einsetze.

Negative Kritik am Ökostrom-Siegel ist keine bekannt. Allerdings muss immer beachtet werden, dass ein fehlendes Siegel noch keinen schlechten Ökostrom-Anbieter macht. Vor allem kleinere Energieversorger sparen sich das Geld für die Zertifizierung. Deshalb raten wir zu unseren Utopia-Empfehlungen und den Tipps von NGOs und Umweltschutzverbänden.

Alternativen zum Ökostrom-Siegel Grüner Strom

Neben Grüner Strom sind noch weitere Ökostrom-Siegel empfehlenswert. Darunter vor allem ok power und EE02 des TÜV Süd:

  • Das Ökostrom-Label ok power fördert Neuanlagen etwas geringer mit 0,2 bis 0,5 Cent/kWh. Alle Energieversorger verpflichten sich, nicht an Atom- oder Braunkohlekraftwerken beteiligt zu sein. Außerdem sind Verträge zum Nachteil der Verbraucher nicht erlaubt.
  • Beim EE02-Siegel des TÜV Süd verpflichten sich die Stromanbieter, zeitgleich mindestens genau so viel Ökostrom zu produzieren, wie sie verkaufen. Vom Preisaufschlag für Ökostrom müssen die Energieversorger Dreiviertel in neue Anlagen investieren.

Eine Untersuchung des Europäischen Verbraucherverbands BEUC ergab 2017, dass das Grüner-Strom-Label als einziges der in der Untersuchung betrachteten europäischen Ökostromlabel alle fünf untersuchten Kriterien zur vollsten Zufriedenheit erfüllte (BEUC).

Verfügbarkeit des Siegels Grüner Strom: mittel

Wegen der hohen Anforderungen wird das Siegel Grüner Strom nicht so oft vergeben wie andere Ökostrom-Siegel. Nach eigenen Angaben sind mehr als 70 Strom-Tarife mit dem Label zertifiziert worden. Früher vergab Grüner Strom noch sein Siegel in den Kategorien „Silber“ und „Gold“. Inzwischen gibt es aber nur noch das Grüner-Strom-Label, alle anderen sind nicht mehr gültig.

Utopia-Fazit zum Grüner Strom Label

Das Label Grüner Strom zählt mit seinen hohen Standards zu den besten Ökostrom-Siegeln. Nur nachhaltige und ökologisch bewusste Energieversorger erhalten das Zertifikat für ihren Strom-Tarif verliehen. Die relativ hohe Fördersumme pro Kilowattstunde fließt nicht nur in den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern kann auch zur Energieeffizienz und für neue Technologien verwendet werden. So bauen Stromanbieter zum Beispiel Tankstellen für Elektroautos oder Batterie-Speicheranlagen. Damit geht Grüner Strom über die normalen Anforderungen von Ökostrom weit hinaus und setzt neue Maßstäbe für die Energieversorgung der Zukunft.

Wichtige Beiträge zu dem Thema auf Utopia.de:

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(1) Kommentar

  1. Wir sind schon seit einigen Jahren bei Wemio… was haltet ihr davon? Ein Grünes Strom Label hat der Anbieter… worauf sollte man noch achten?

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