Responsible Wool Standard (RWS): Siegel für bessere Schafswolle

Foto: © TextileExchange

Der Responsible Wool Standard (RWS) ist ein Siegel für bessere Schafswolle. Es zertifiziert Textilien, die unter Einhaltung spezieller Tierschutz-Kriterien produziert werden. Seit März 2020 gibt es das Siegel auch für Mohair-Wolle.

Der Responsible Wool Standard (RWS) ist ein recht neues Siegel, das auf immer mehr Produkten aus Schafswolle zu finden ist. Es wurde 2016 von der NGO TextileExchange ins Leben gerufen.

Das RWS-Siegel bescheinigt, dass die Schafe für die Wolle nicht leiden mussten, sondern „gut behandelt werden“, wie es in den Richtlinien heißt. Die Vorgaben sind beim Tierschutz beinhalten umfassende Regeln zu Futter, Hygiene und Sauberkeit, zum Stall und zu den Zäunen sowie das Verbot von Mulesing.

Außerdem gibt es auch Richtlinien für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Weideflächen und den Umgang mit Mitarbeiter*innen. In Deutschland sind offiziell neun Händler zertifiziert (Stand: Juli 2020), darunter Tchibo, Vaude, Esprit und Marc O’Polo.

  • Siegel-Name: Responsible Wool Standard (RWS)
  • Kategorie: Textilien
  • Vergeben von: TextileExchange
  • Produkte: Kleidung
  • Verbreitung: mittel
  • Utopia-Bewertung: empfehlenswert

Responsible Wool Standard: Kriterien im Überblick

Das Siegel Responsible Wool Standard zertifiziert Produkte aus Schafswolle und enthält vor allem Kriterien für die Schafsfarmen. Dennoch beziehen sich die Vorgaben auf die gesamte Lieferkette, sodass auch soziale Mindeststandards in Spinnereien und Textilfabriken eingehalten werden müssen. Die wichtigsten Kriterien im Überblick:

  • Die Schafe haben jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser und erhalten ausreichend Futter, das sich an ihren altersentsprechenden Bedürfnissen orientiert.
  • Die körperliche Verfassung der Schafe wird anhand von 25 bis 50 zufällig ausgesuchten Tieren geprüft.
  • Im Stall gibt es einen guten Luftaustausch, weder Hitze noch Kälte, die Schafe haben Zugang zu Schattenplätzen, Elektrozäune und Maschenzäune bieten kein Verletzungsrisiko.
  • Mulesing ist verboten. Spinnereien müssen Wolle von Museling-Farmen separat lagern.
  • Brandmarkierungen (auch am Horn) sind verboten, Ohrmarken nur unter Bedingungen erlaubt.
  • Es gibt strenge Vorgaben zur Kastration und zur Betäubung. Tieren sollen Schmerzen erspart werden – ggf. müssen sie eingeschläfert werden.
  • Die Höfe verpflichten sich dazu, Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität
  • Landwirte müssen den Einsatz von Pestiziden auf den Weideflächen auf ein Minimum reduzieren.
  • Alle Unternehmen in der Produktionskette müssen ihren Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung
  • Ausbeutung und Kinderarbeit sind verboten.

Damit handelt es sich beim Responsible Wool Standard vor allem um ein Tierwohl-Siegel, das nur geringe soziale Mindeststandards setzt. Ökologische Faktoren werden zwar in Ansätzen berücksichtigt, reichen aber nicht an die niedrigsten Bio-Standards (EU-Bio-Siegel) heran.

Neues Siegel: Responsible Mohair Standard

siegel RMS Responsible Mohair Standard
Seit diesem Jahr gibt es neben dem Responsible Wool Standrad ein zweites Siegel – für Mohair-Wolle. (Foto: © Textile Exchange)

Seit 2020 gibt es neben dem RWS-Siegel ein zweites: Den Responsible Mohair Standard. Dieser zeichnet Mohair aus, welches unter artgerechten Bedingungen produziert wurden. Als Mohair wird das Haar der Angoraziege (auch Mohairziege) bezeichnet, aus dem Kleidung, Kissen, Teppiche und viele andere Gebrauchsgegenstände entstehen. Die Wolle ist aber auch umstritten, denn: Die Schur ist für die Tiere oft eine Qual, wie zum Beispiel ein Video von PETA beweist.

Der RMS soll sicherstellen, dass Tierschutzziele erreicht und dass die Ziegen human behandelt, gesund und gut versorgt werden“, schreibt TextileExchange in einer Pressemitteilung. Unter anderem gibt es regelmäßige Audits bei den Betrieben.  Der Responsible Mohair Standrad basiert auf dem RWS-Siegel, beide berücksichtigen die Tierwohlstandards von TextileExchange.

Kontrollen der Betriebe

Die Einhaltung der Kriterien überprüfen unabhängige Zertifizierungsstellen, wie etwa die ControlUnion Certifications Germany GmbH in Deutschland. Sie prüft zum Beispiel auch das GOTS-Siegel.

Wenn sich ein Unternehmen erstmals zertifizieren lässt (Erstaudit), kontrollieren Mitarbeiter*innen der Zertifizierungsstelle die Firma bei einem Betriebsrundgang. Außerdem gibt es ein Interview, um weitere Kriterien abzufragen. Wenn das Unternehmen die Anforderungen für den Responsible Wool Standard erfüllt, erhält es das Siegel und darf es von da an auch auf die Produkte drucken. Das Siegel ist 12 Monate lang gültig.

Den Termin für das Erstaudit bekommt das Unternehmen mitgeteilt, in den folgenden Jahren muss das nicht zwangsläufig so sein. Es können auch sogenannte „semi- announced“ Kontrollen stattfinden, bei denen nur ein ungefährer Zeitraum für die Kontrollen mitgeteilt wird.

Klar ist jedoch: Es gibt jedes Jahr eine neue unabhängige Kontrolle – das gilt auch für den Responsible Mohair Standard. Bei kleinen Verstößen gegen die Kriterien kann das Unternehmen innerhalb einer bestimmten Zeit nachbessern. Bei größeren Verstößen wird das Siegel nicht erteilt bzw. aberkannt.

Kritik am Responsible Wool Standard

Die Tierschutzorganisation PETA kritisiert, dass Schafsfarmen in vielen Regionen der Welt aufgrund des hohen Wasserbedarfs und der Bodenerosion niemals nachhaltig sein können – daran ändere auch ein Siegel nichts. Die Schafsschur findet zudem unter hohem Zeitdruck statt und führt zu viel Stress bei den Tieren.

Für PETA geht der Responsible Wool Standard nicht weit genug: Kontrollen nur einmal im Jahr seien zu wenig und oft seien die Besuche sehr wohl angekündigt, zumindest in einem sehr engen Zeithorizont. Das Siegel sei daher eher „Greenwashing“, so PETA und Verbraucher sollten besser gar kein Produkt aus Schafswolle kaufen. TextileExchange weist die Kritik zurück und betont, dass man eng mit Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten und Wildlife Friendly zusammenarbeite.

Das RWS-Siegel und das RMS-Siegel sind in manchen Punkten nicht so streng wie das EU-Bio-Siegel. Laut dem Responsible Wool Standard muss den Schafen beispielsweise nicht ganz so viel Fläche zur Verfügung stehen wie laut Bio-Verordnung. Alternativ kannst du auch nach Wolle aus „kontrolliert biologischer Tierhaltung“ Ausschau halten. Hier müssen den Schafen unter anderem große Weideflächen zur Verfügung stehen, Mulesing ist ebenfalls verboten. Vorsicht: Der Begriff „Bio“ ist bei Kleidung nicht geschützt.

RWS- und RMS-Siegel: Das sind die Alternativen

Das Responsible Wool Standard ist das einzige Siegel, das den Schwerpunkt auf Schafswolle legt. Auch der Responsible Mohair Standard ist in der Form einzigartig. Es gibt aber auch andere Siegel mit Kriterien für Tierwohl: „Naturtextil“ IVN Best schreibt kontrolliert biologische Tierhaltung vor. Damit ein Produkt das GOTS-Siegel tragen darf, müssen immerhin 70 Prozent der Fasern biologischen Ursprungs sein.

Ein Überblick über weitere strengere Siegel in der Textilbranche:

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