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Fair Wear Foundation – faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion

Fair Wear Foundation
Siegel: © Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation setzt sich für faire Arbeitsbedingungen bei der Textilproduktion u. a. in Asien und Afrika ein. Wie verlässlich ist das Siegel, mit dem viele renommierte Marken werben?

Im Frühjahr 2013 stürzte während eines Großbrands eine Textilfabrik in Bangladesch in sich zusammen. 1.100 Menschen wurden dabei getötet, rund 2.500 verletzt. Unglücksursache war die schlechte Statik des Fabrikgebäudes, das aufgrund der hohen Nachfrage nach billig produzierter Kleidung unkontrolliert erweitert worden war. Die Gefährdung der Näherinnen (es sind großteils Frauen) durch die Zubauten interessierte niemanden.

Genau das möchte die 1999 gegründete Initiative Fair Wear Foundation ändern. Sie setzt sich für faire, sichere Arbeitsbedingung in der Textilproduktion ein. In elf Staaten in Südostasien, Südosteuropa und Afrika ist die Organisation tätig. Ihre Mitgliedsunternehmen, zu denen so bekannte Marken wie Jack Wolfskin oder Schöffel zählen, produzieren in zahlreichen Ländern in Europa, Asien, Afrika und Südamerika. Die Fair Wear Foundation trägt so mit ihren Sozialstandards maßgeblich dazu bei, das Leben von Textilarbeiterinnen weltweit zu verbessern.

Fair Wear Foundation im Überblick

Die Fair Wear Foundation ist ein Zusammenschluss aus unterschiedlichen Stakeholdern, darunter Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Durch ihren Beitritt verpflichten sich Unternehmen, die Richtlinien der Fair Wear Foundation umzusetzen und die Arbeitsbedingungen der Näherinnen kontinuierlich zu verbessern. Hier sind die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Gegründet 1999 in den Niederlanden, Hauptsitz Amsterdam. Eine Niederlassung in Deutschland sowie feste Mitarbeiter in allen Projektländern.
  • Tätig in elf Ländern in Südosteuropa, Südostasien und Afrika.
  • Ziel der Organisation ist die Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen für Textilarbeiterinnen. Es geht unter anderem um angemessene Bezahlung, keine Kinder- oder Zwangsarbeit und keine übertrieben langen Arbeitszeiten.
  • 123 Mitglieder aus allen Bereichen der Textilbranche im Dezember 2016, darunter bekannte Marken wie Jack Wolfskin, Vaude, Schöffel oder Takko.
  • Jährliche Performance-Checks sollen die Einhaltung der Richtlinien des Labels sicherstellen.
  • Betrachtet wird die gesamte Produktionskette vom Hersteller bis zum Endkunden.

Die Kriterien der Fair Wear Foundation

In Billiglohnländern ist oft nicht nur die Bezahlung extrem niedrig: Auch die Arbeitssicherheit ist oft schlecht, die Arbeitszeiten sind lang. Hier möchte die Fair Wear Foundation die Marken in die Pflicht nehmen, bei ihren Produzenten für faire Bedingungen für die Näherinnen zu sorgen. Der Kriterienkatalog dieser Bedingungen beruht auf der Menschenrechtserklärung und den Richtlinien der ILO (internationale Arbeitsorganisation). Er umfasst:

Fair Wear Foundation
Fair clothing should be simple… (Foto: © Fair Wear Foundation)
  • Freie Wahl des Arbeitsplatzes, keine Zwangsarbeit.
  • Keine Diskriminierung von Arbeitskräften.
  • Keine Kinderarbeit. Arbeiterinnen müssen mindestens das Pflichtschulalter überschreiten und dürfen in keinem Fall jünger als 15 sein.
  • Die Möglichkeit zur Gründung und zum Beitritt von Gewerkschaften sowie die Durchführung von Kollektivvertragsverhandlungen.
  • Bezahlung eines existenzsichernden Lohns. Die Mitarbeiter sollen in der Lage sein, von ihrer Arbeit leben zu können, die Bezahlung darf nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.
  • Angemessene Arbeitszeiten. Wöchentliche Arbeitszeit von maximal 48 Stunden und ein freier Tag pro Woche.
  • Sichere Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit nicht gefährden. Physische oder sexuelle Gewalt in jeder Form ist streng verboten.
  • Rechtlich bindende Arbeitsverträge, in denen alle wichtigen Punkte des Arbeitsverhältnisses geregelt sind.

Die Kontrollen der Fair Wear Foundation

Der Kontrollprozess der unabhängigen Organisation ist dreigeteilt. Er besteht aus Kontrollen in den Fabriken vor Ort, der Einrichtung eines Beschwerdemanagements in den Produktionsländern sowie einer Prüfung des Mitgliedsunternehmens selbst.

Die Kontrollen finden routinemäßig einmal jährlich als Performance-Checks statt. Wenn ein Unternehmen die Mindeststandards nicht erfüllt oder zwei Jahre in Folge „Verbesserungsbedarf“ bescheinigt bekommt, wird es suspendiert. Schneidet es im Jahr darauf nicht besser ab, wird die Marke aus der Fair Wear Foundation ausgeschlossen.

Spontane Inspektionen in den Produktionsbetrieben werden jederzeit nach Beschwerden oder bei Verdacht durchgeführt. Zudem werden regelmäßig anonyme Interviews mit den Arbeiterinnen außerhalb der Fabriken geführt, um ein unverfälschtes Bild zu bekommen.

Fair Wear Foundation
Auf der Brands-Seite der Website kannst du für jede der Marken den aktuellen Prüfbericht einsetzen. (Foto: © Fair Wear Foundation / Screenshot: Utopia.de)

Kritik an der Fair Wear Foundation

Kritik am Siegel der Fair Wear Foundation betrifft hauptsächlich die mögliche Irreführung der Konsumenten. Die Kennzeichnung eines Kleidungsstücks mit dem Label ist ein gutes Zeichen, allerdings keine Garantie für fair produzierte Ware. Die Mitglieder verpflichten sich lediglich dazu, auf die Umsetzung der Fair-Wear-Standards hinzuarbeiten. Manche sind dabei sehr weit fortgeschritten, andere stehen erst am Anfang.

In welchem Stadium sich die Marken befinden, kann ein Konsument anhand des Siegels nicht erkennen. Zudem gibt die Initiative selbst zu, dass viele Bereiche immer noch intransparent und daher schwer zu prüfen sind.

Alternativen zur Fair Wear Foundation

Organisationen, die sich wie die Initiative aus Amsterdam für faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion einsetzen, sind die Fair Labor Association sowie die Ethical Trade Initiative.

Utopia-Fazit zur Fair Wear Foundation

Die Initiative ist mit Sicherheit eine der aktivsten Organisationen für faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion. Doch die Kontrollen sind nicht engmaschig genug, die Produktion ist in vielen Bereichen undurchsichtig, und es gibt keine einheitliche Regelung für faire Textilproduktion.

Zudem zeigen Ereignisse wie der Takko-Skandal 2012, dass eine Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation noch lange nicht die Einhaltung der Richtlinien bedeutet (Takko hatte in chinesischen Gefängnissen produzieren lassen).

Statt dich blind auf das Siegel zu verlassen, liest du besser den Bericht zum Performance-Check der jeweiligen Marke bei der Fair Wear Foundation nach.

Utopia.de-Bestenlisten:

Mehr Labels im Siegel-Guide von Utopia.

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