Der erste Solar-Radweg Deutschlands wird eröffnet

Solarradweg Solar Fahrrad
Foto: © Solmove

In Erftstadt bei Köln können Fahrradfahrer bald auf dem deutschlandweit ersten und einzigen Solar-Radweg fahren. Der Weg besteht aus stabilen Solarpanels, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen. Sehen so die Straßen der Zukunft aus?

Am Montag ist es soweit – dann wird Deutschlands erster Solar-Radweg eröffnet. Er ist 90 Meter lang und soll so viel Strom produzieren, dass vier Haushalte versorgt werden können. Das funktioniert über die Solarmodule im Inneren des Weges.

Der Weg besteht aus einzelnen Platten, die mit einem speziellen Klicksystem ineinander gesteckt und zusammengeklebt wurden. Jede Platte hat eine robuste Oberfläche aus bruchsicherem Glas, das außerdem rutschfest ist – das ist besonders wichtig, wenn Fahrräder darauf fahren sollen.

Viel Platz für Solar-Radwege

Solarradweg Solar Fahrrad
Der fertige Solarradweg. (Foto: © Solmove)

Die Technologie stammt von dem Potsdamer Start-up „Solmove“. Die Idee für Solarstraßen kam dem Gründer Donald Müller-Judex im Allgäu: Er war dort auf der Suche nach freien Dächern für Solarmodule, die meisten Dächer waren jedoch bereits mit Anlagen ausgestattet. Da fielen ihm die leeren, ungenutzten Straßen auf – viel Platz für Photovoltaik.

In Erftstadt werden die theoretischen Überlegungen nun Realität. Der Solar-Radweg kann Solmove zufolge noch viel mehr, als „nur“ Strom zu produzieren. So soll er Geräusche absorbieren und Stickoxide abbauen. Im Winter lasse er sich außerdem erwärmen, um Eis und Schnee abzutauen. Die Module halten etwa 20 bis 25 Jahre. Anschließend kann der Belag weggefräst werden – das Granulat, das dabei entsteht, ist laut Solarmove zu 95 Prozent recyclebar.

Erfolgreicher Solar-Radweg in den Niederlanden

Solar Fahrradweg
Solarradweg in den Niederlanden. (Foto © SolaRoad Netherlands)

Dass das Konzept funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus den Niederlanden: Schon 2014 wurde in der Nähe von Amsterdam ein Solar-Radweg errichtet. Er erzeugte mehr Strom als erwartet, selbst die beteiligten Ingenieure waren von dem Erfolg überrascht.

Ob der Solarweg in Köln auch so ergiebig wird, muss sich zeigen. Solmove hat aber noch größere Pläne: „Erfolg haben wir dann, wenn wir hunderte Kilometer Straße in Kraftwerke umwandeln, dadurch tausende Tonnen CO2 einsparen, Millionen Menschen nachhaltig mit dem E-PKW darüber fahren und wir perspektivisch Milliarden US-Dollar Rohöleinkäufe überflüssig machen“, sagt Geschäftsführer Müller-Judex.

Intelligente Straßen

Wenn noch mehr Straßen mit Solarmodulen ausgestattet werden, entsteht entlang dem Straßennetz ein Stromnetz – so die Vision von Solmove. Zusätzlich sollen die Panels dann auch mit einer Sensorik ausgestattet werden, die Daten über den Verkehrsfluss verarbeitet. Mithilfe dieser Daten könnten Ampeln gesteuert und der Verkehr intelligent reguliert werden.

Aber es gibt auch Kritik an der Idee: Zum einen ist es relativ teuer, solche Wege zu errichten, da jede Menge Technik mit eingebaut wird. Solmove betont jedoch, dass die jährlichen Instandhaltungskosten von Solarstraßen geringer sind, als die von herkömmlichen Straßen. Ein weiterer Kritikpunkt: Dadurch, dass die Solarmodule horizontal liegen, sind sie weniger effizient, als Solaranlagen auf Dächern oder schrägen Flächen.

Die Idee von Solmove kommt trotzdem gut an. Nach eigenen Angaben erhält das Unternehmen aktuell mehr Nachfragen nach Solarstraßen und -wegen, als es bedienen könnte.

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(2) Kommentare

  1. Finde ich super interessant das Thema. Vor allem wenn man Solartechnik noch jedem zugängig macht, wie es dieses Startup hier tun möchte: http://solario.businessopportuniti.es
    Das Startup „Solario“ entwickelt eine neue Technologie, die Solarstrom sehr viel effizienter herstellen kann als herkömmliche Geräte. Durch Kombinieren verschiedenster Techniken, kann man 24/7 den Strom daraus beziehen. Außerdem sind die Module so klein, dass sie problemlos auf Dachziegeln oder Elektroautos montiert werden können, um diese mit Strom zu versorgen (auch während der Fahrt!).
    Da wird noch was cooles auf uns zukommen..

  2. Ich hätte noch einen Verbesserungsvorschlag falls das Solarkonzept wirklich nachhaltig sein sollte: um den Nachteil der Asphaltstraßen für den Autoverkehr (töten in der Masse der Strassen alle niederen Kriechtiere bzw. -insekten als Nahrungsgrundlage grösserer Tiere) nicht in Kauf zu nehmen, sollten alle 20 > 50 m so etwas wie Kriechtunnel systematisch vorgesehen werden. Dies müsste ohne grösseren Aufwand durch die geringere Last auf den Wegen möglich sein.

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