Photovoltaik: Kosten, Vorteile und gesetzliche Regelungen von Solaranlagen

Photovoltaik
Foto: CC0/pixabay/RoyBuri

Mit Photovoltaik günstig Strom für den eigenen Verbrauch produzieren – könnte einfach sein, wenn da nicht die Bürokratie wäre. Wir helfen dir durch den Anmeldungs-Marathon.

Rechnet sich bei sinkender EEG-Förderungen eine Solaranlage noch? Und kann eine Technologie wirklich nachhaltig unsere Umwelt schützen, wenn sie auf Subventionen angewiesen ist? Als Anschub-Finanzierung ist eine Förderung richtig, danach muss die Technologie wettbewerbsfähig sein. Sobald die Herstellungskosten für Photovoltaik-Module sinken, müssen daher auch die Förderungen zurück gehen. Genau dies ist im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) verankert.

Grüner Strom mit einer Photovoltaikanlage

Energie aus Sonnenstrahlen.
Energie aus Sonnenstrahlen.
(Foto: CC0/Pixabay/Felix_Broennimann)

Die Stromproduktion einer Photovoltaikanlage ist dezentral – sie erfolgt also in der Nähe der angeschlossenen Verbraucher. Windparks in der Nord- und Ostsee benötigen hingegen neue Stromtrassen, um den Strom zu den Verbrauchern zu transportieren. Solaranlagen sind nicht nur deshalb ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz:

  • Bei der Stromproduktion mit Sonnenenergie fallen keine schädlichen Emissionen an. Sie trägt daher zur Begrenzung der Erderwärmung bei.
  • Mit einer eigenen Energieversorgung wirst du unabhängiger von Energiekonzernen. Denn auch nach der Liberalisierung des Strommarktes, dominieren immer noch vier Großkonzerne (EON, RWE, ENBW und Vattenfall) die Stromproduktion in Deutschland.
  • Es gibt keine versteckten Kosten, wie sie z.B. beim Rückbau von Kohle- und Atomkraftwerken entstehen. Laut Studie von Greenpeace Energy deckt der reguläre Strompreis nicht alle Kosten. Die Bevölkerung zahlt diese zusätzlichen Kosten über Steuern oder ähnliche Abgaben.

Die Kosten für Solaranlagen sinken

Je mehr Photovoltaikanlagen installiert werden, desto weiter sinken die Kosten
Je mehr Photovoltaikanlagen installiert werden, desto weiter sinken die Kosten
(Foto: CC0/pixabay/lucascgouvea0)

Die Herstellungskosten der Photovoltaik-Module sind in den letzten Jahren drastisch gesunken. Das liegt hauptsächlich an dem starken Ausbau von Solaranlagen in China, Indien und Kalifornien. Inzwischen ist die Technologie für Solarmodule nicht nur auf die gängigen Aufdach-Module begrenzt. Ende 2017 stellte Tesla seine innovativen Dachziegel-Module vor. 

Je nach Technologie und Hersteller unterscheiden sich die Preise für die Module. Ist die Preisangabe per (Kilo) Watt-Peak kWp oder MWp pro Modul angegeben, kannst du die Preise am besten vergleichen.

Zu den direkten Anschaffungskosten zählen:

  • Solarmodule mit Wechselrichter und entsprechende Unterkonstruktion zur Dachbefestigung
  • Montage auf dem Dach und Baugerüst
  • Kosten für die Installation und den Anschluss ans Stromnetz

Die jährlichen Betriebskosten danach sind sehr gering:

  • Versicherungsbeiträge für Photovoltaik-Betreiberhaftpflicht und PV-Versicherung, die vor Wetterschäden und Diebstahl schützt.
  • Wenn die Photovoltaikanlage über einen Kredit finanziert wurde, sind die Zinsen sowie Tilgungsraten ebenfalls laufende Kosten.
  • Rücklagen für eventuelle Reparaturen an der Unterkonstruktion oder für Ersatz des Wechselrichters. In der Regel ist der jährliche steuerliche Abschreibungsbetrag dafür ausreichend. Du solltest diesen Betrag auch tatsächlich für diesen Zweck zur Seite legen.

Private Solaranlagen unter 10 kWp sind generell von der EEG-Umlage befreit. Größere Anlagen dagegen zahlen für den selbst verbrauchten Strom auch eine EEG-Abgabe.

Auf der Einnahmenseite stehen:

  • die eingesparten Stromkosten durch den Eigenverbrauch
  • die Einnahmen aus der Einspeisevergütung

Da die Sonne nicht immer gleich stark scheint, schwankt die Strommenge. An sonnigen Tagen wirst du nicht alles verbrauchen können, den Überschuss speist der Wechselrichter ins Stromnetz ein. Dagegen produziert die Anlage nachts keinen Strom und du beziehst Strom zum regulären Preis aus dem Stromnetz.

Eine Anlage ist auf eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren und länger ausgelegt. Die ausgedienten Module nehmen dann spezielle Sammelstellen an und recyceln diese fachgerecht.

Anmeldungen und Fristen bei neuen Photovoltaikanlagen

Die Photovoltakanlage einschalten darst du erst nach dem Zählertausch
Die Photovoltakanlage einschalten darst du erst nach dem Zählertausch
(Foto: CC0/pixabay/chrischesneau)
  1. Bevor mit der Installation angefangen werden darf, muss das Vorhaben bei dem zuständigen Energieversorger mit allen technischen Daten angemeldet werden.
  2. Darum musst du dich als Betreiber nicht selbst kümmern. Der beim Energieversorger zugelassene Elektriker übernimmt das für dich. Du musst ihm dafür allerdings eine Vollmacht geben.
  3. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz sind die Energieversorger angehalten eine neue Photovoltaikanlage zu genehmigen. Mit der Zustimmung zur Anlage macht der Energieversorger die Einspeisezusage. Es kann jedoch vorkommen, dass die Zusage mit Auflagen verbunden ist, die mit dem Elektriker zu klären sind.
  4. Erst nach der Zusage kann der Bau beginnen. Die Montage und Installation nehmen etwa zwei bis drei Tage in Anspruch.
  5. Ist die Anlage installiert und getestet, schickt der Elektriker eine offizielle Fertigmeldung an den Energieversorger.
  6. Spätestens dann erhältst du als Betreiber den Einspeisevertrag vom Energieversorger. Damit erfolgt die Zusage für die Einspeisevergütung für 20 Jahre.
  7. Erst wenn der Vertrag unterschrieben wieder beim Energieversorger ist, tauscht dieser den Stromzähler aus. Er kann sowohl die Entnahme als auch die Einspeisung messen.
  8. Erst danach darfst du die Anlage einschalten und Strom produzieren. Achtung: Die Anlage darf außer für einen kurzen Testbetrieb nicht vorher am Netz sein, weil der Stromzähler rückwärts läuft!
  9. Anmeldung der Anlage bei der Bundesnetzagentur.

Diese Anmeldung musst du als Betreiber innerhalb von vier Wochen nach der Fertigstellung vornehmen. Für die Anmeldung gibst du Daten wie Adresse und Anlagengröße online in das Portal ein.

Wichtig: Stimme das Datum der Fertigstellung mit dem Elektriker ab. Es muss identisch mit dessen Meldung an den Energieversorger sein.

Private Stromproduktion: Die Auswirkungen auf die Umsatzsteuer

Das Betreiben einer Photovoltaikanlage stellt umsatzsteuerlich eine unternehmerische Tätigkeit dar. Dies kann für dich wirtschaftlich vorteilhaft sein, bedeutet aber auch bürokratischen Aufwand.

Sofern deine Gesamteinnahmen aus der PV-Anlage jedoch (wie im Regelfall) unter 17.500 € jährlich liegen, kannst du wählen, ob du als Unternehmer behandelt werden willst oder von der Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG Gebrauch machst. Die Kleinunternehmerregelung kannst du jedoch nur in Anspruch nehmen, wenn du nicht aus einem anderen Grund (andere gewerbliche Tätigkeit) als Unternehmer anzusehen bist.

Nachfolgend haben wir für dich die Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten dargestellt:

Umsatzsteuer: Steuerrechtliche Optionen als Betreiber einer Photovoltaikanlage.
Umsatzsteuer: Steuerrechtliche Optionen als Betreiber einer Photovoltaikanlage.
(Foto: Utopia)

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

  • Je günstiger deine PV-Anlage und je höher dein Eigenverbrauch, desto weniger lohnt sich für dich die umsatzsteuerliche Einstufung als Unternehmer. Du hast zwar zunächst niedrigere Anschaffungskosten (wg. dem Vorsteuerabzug), aber keinen oder kaum einen wirtschaftlichen Vorteil, da du Jahr für Jahr auf deinen Eigenverbrauch Umsatzsteuer abführen musst. Den zusätzlichen bürokratischen Aufwand solltest du dir dann nicht antun, sondern die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.
  • Lohnt sich für dich dagegen aufgrund des Vorsteuerabzugs die Unternehmerreglung oder du erfüllst die Voraussetzungen der Kleinunternehmerreglung nicht, solltest du mit dem Finanzamt abstimmen, möglichst keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben zu müssen. Dann bleibt der bürokratische Aufwand in einem vertretbaren Rahmen.

Photovoltaikanlagen in der Einkommenssteuer

  • Benötigtes Formular: Einnahmen-Überschuss-Rechnung (Elster-Formular EÜR)
  • Als Einnahmen trägst du die Einspeisevergütung und die fiktiven Einnahmen aus dem Eigenverbrauch ein.
  • Dagegen rechnest du alle angefallenen Ausgaben.
  • Abschreibung für die Anschaffungskosten der Anlage werden linear über 20 Jahre aufgeteilt. Für die Gewinnermittlung teilst du den Netto-Kaufpreis durch 20 und rechnest dir jedes Jahr ein Zwanzigstel als Kosten an.
  • Eventuell Zinsen und Reparaturen
  • Versicherungsbeiträge
  • Die Differenz daraus ist das steuerpflichtige Einkommen. Das musst du in der Einkommensteuererklärung in der Anlage G für gewerbliche Tätigkeit eintragen.

In der Regel liegt das Einkommen aus dem Betrieb der privaten Solaranlage unter der Bemessungsgrenze für Gewerbesteuer, so dass hier keine Steuer anfällt.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.