Tönnies: Jetzt gibt es erste Konsequenzen bei Aldi, Lidl und Co.

Foto: Utopia und CC0 Public Domain / Pixabay

Mehrere Supermärkte und Discounter haben angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem Schlachtbetrieb Tönnies einzuschränken. Die Kette Lidl greift besonders streng durch.

Im einem Schlachtbetrieb des Konzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück haben sich über 1.500 Menschen mit Corona infiziert. Die meisten von ihnen sind Leiharbeiter*innen, die auf sehr engem Raum in Sammelunterkünften untergebracht wurden. Im Betrieb selbst wurden die Hygienemaßnahmen teils nicht eingehalten, wie ein Video zeigt.

Das hat nun Konsequenzen. Mehrere große Einzelhandelsketten haben angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem Schlachtbetrieb Tönnies einzuschränken – oder gar kein Fleisch mehr von ihm zu beziehen.

Vorerst kein Tönnies-Fleisch mehr bei Lidl

Der Discounter Lidl will vorerst kein Fleisch mehr von Tönnies anbieten – das bestätigte eine Sprecherin dem Handelsblatt. „Um die Warenverfügbarkeit weiterhin zu sichern, bezieht Lidl vorsorglich sein Frischfleisch seit Montag temporär ausschließlich über andere Fleischlieferanten in seinem Lieferantennetzwerk“, erklärte sie. Lidl sei allerdings weiter mit Tönnies im Gespräch.

Tönnies-Fleisch aus Gütersloh nicht mehr bei Aldi, Edeka und Co.

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Aldi Nord und Aldi Süd wollen keine Fleischwaren aus der Tönnies-Niederlassung bei Gütersloh anbieten. (Foto: Utopia/ Vipassana Roy)

Aldi Süd und Nord gehen nicht ganz so weit wie Lidl – sie lassen sich weiterhin mit Fleisch von Tönnies beliefern. Aber mit Einschränkungen: Eine Sprecherin bestätigte, dass Aldi aktuell keine Waren mehr aus Standort Rheda-Wiedenbrück bezieht, wo sich Corona unter den Mitarbeitern verbreitet hatte.

Laut Chip haben auch Rewe und Edeka bekannt gegeben, dass sie vorerst kein Fleisch aus dem betroffenen Schlachthof in der Nähe von Gütersloh beziehen wollen. Dies gelte auch für die Tochterunternehmen Penny und Netto. Tönnies-Fleisch steckt unter anderem in den Marken Tillmann’s, Gutfried und Zimbo. Entsprechende Produkte, welche derzeit in den Märkten angeboten werden, sollen von anderen Tönnies-Betrieben stammen.

Mehr Informationen: Tönnies: Hinter diesen Wurst- und Fleischmarken steckt das Unternehmen

Fleischindustrie: Skandalöse Zustände gibt es nicht nur in Gütersloh

Utopia meint: An den Zuständen in der Fleischindustrie muss sich etwas ändern. Denn sie sind meist miserabel – nicht nur in dem Betrieb in Gütersloh. Auch wenn in den anderen Schlachthöfen kein Corona ausgebrochen ist, herrschen dort genauso schlimme Arbeitsbedingungen: Saisonarbeitskräfte erhalten für schwere physische Arbeit minimale Löhne, auf ihre körperliche und psychische Gesundheit wird keine Rücksicht genommen. Deshalb bleibt zu hoffen, dass Lidl auch in Zukunft bei seinem Entschluss bleibt und auf Tönnies-Fleisch verzichtet – und dass andere Ketten ebenso konsequent nachziehen.

Wenn du Betriebe wie Tönnies nicht unterstützen willst, dann kaufe kein Fleisch und keine tierischen Produkte aus Massentierhaltung. Oder noch besser: Iss weniger davon. Wie dir das gelingt, liest du hier: Weniger Fleisch essen: Die 5 besten Tipps aus unserer Community und 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden

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(5) Kommentare

  1. Frage an die Redaktion: Möchte den Artikelpositiv bewerten, wie auch den Artikel über die fristlose Kündigung der Videobloggerin, die die kriminellen Zustände bei Tönnies dokumentierte. Wieso erscheinen die Buttons blass und sind nicht klickbar? Ich bitte um Antwort, habe aber den Eindruck, dass die Redaktion auf Kommentare grundsätzlich nicht reagiert. Cui bono?????

  2. Hallo jomei,
    Es freut uns, dass dir unser Content gefällt. Wenn die Buttons ausgegraut erscheinen, könnte es daran liegen, dass du den Artikel schon bewertet hast. Mehr als einmal kannst du keine Bewertung abgeben.

  3. Lächerlich, dass die Discounter Fleisch von einem Betrieb nicht mehr beziehen, weil er gerade in den Schlagzeilen ist, aber dafür von anderen kaufen, in denen genau so schlechte Bedingungen herrschen.

  4. Ich persönlich sehe das bei Grosskonzernen wie Lidl, Aldi & Co. recht kritisch. Klar wollen diese Unternehmen aus wirtschaftlichem Interesse und Kundensicht jetzt nicht mit Tonnies in Verbindung gebracht werden. Hier sieht man auch oft wiederkehrende Muster: Es gibt einen Skandal (welcher Art auch immer). Der Kunde wie auch wirtschaftliche Partner und die Politik wenden sich ab. Die Politik und das betroffene Unternehmen versprechen Besserung, der Kunde schimpft über die Zustände und abnehmende Unternehmen stellen die Skandalfirma vorübergehend ins Abseits. Am Ende passiert kaum eine Veränderung, wenn das Thema aus den Medien ist.

    Das Thema ist eigentlich viel umfangreicher: es ist ein gesellschaftliches, wirtschaftliches und politisches Riesenthema.

    Wie kann ein Kunde sich einreden, dass bei diesen Kampfpreisen ums Fleisch (& Lebensmittel im allgemeinen) alles fürs Tierwohl, die Zulieferer und die Angestellten des Unternehmenes getan wird, dass es ihnen gut geht? Ganz einfach, weil Geiz geil ist und Empathie für Tier und Mitmensch an der Kasse keine große Rolle mehr spielt.

    Warum nimmt die Politik die Zügel nicht in die Hand um etwas wirkliches sinnvolles fürs Tierwohl zu tun? Ganz einfach, weil die deutsche Wirtschaft damit viel Geld macht und unser Land Exportweltmeister für Fleisch ist. Laut WWF sind 98% unseres produzierten Fleisches in Deutschland aus der Massentierhaltung.

    Warum sagt ein Chef eines Fleischkonzern nicht, ab heute machen wir es wirklich anders? Weil auch hier die Gier nach dem Geld und des Konkurrenzdenkens Priorität hat.

    Am Ende jedes Skandals hoffe ich darauf, dass sich ein paar Prozent der Kunden dafür entscheiden: Ich ändere jetzt wirklich was daran und nehme einen der wertvollsten Wahlzettel in die Hand, den Kassenzettel und sage mir, dass ich ab heute weniger Fleisch essen, aber dafür hochwertiges Fleisch vom Kleinbetrieb um die Ecke. Dort wo ich auch mal sehen kann, wie ein Tier geschlachtet wird, um zu erkennen, dass es sich hier nicht um ein Produkt mit Kassenzettel im Kühlschrank handelt.
    Bei der Politik und den Unternehmen sehe ich kaum Veränderung. Die Veränderung kommt immer von unten, vom Kunde. Er allein gibt mit seiner Kaufentscheidung vor, wie die Politik oder Unternehmen Fleisch bzw. im allgemeinen Lebensmittel für uns produzieren. Wer nicht bereit ist den wahren Preis für Lebensmittel zu zahlen, darf auch keine Qualität erwarten.