Regionaler Trend: Kaffeeröstereien aus deiner Stadt

Foto: © Unsplash

Von Berlin über Hamburg bis München: Regional gerösteten Kaffee bekommt man neuerdings fast überall. Doch was ist dran am Trend mit den Kaffeeröstereien?

Mit Kaffee verhält es sich mittlerweile schon beinahe wie mit Wein: Kaffee machen und trinken ist zu einer Kunst geworden. Kenner sind heute Barista-Experten, die den Porzellan-Filter aus Omas Keller holen, im Sommer stundenlang kalten Kaffee brauen und über verschiedenste Aromen, Mahlgrade, Röstungen und Aufguss-Temperaturen philosophieren.

Die Rückkehr zum einfachen Filterkaffee zeichnet sich schon seit ein paar Jahren ab. In hippen Cafés von Berlin bis München nennt man diesen Aufguss per Hand heute „Pour Over“. Letzten Sommer schwappte dann der Trend des kaltgebrühten Kaffees aus New York nach Deutschland: Cold Brew. Das ist natürlich nicht einfach nur kalter Kaffee, sondern dahinter steckt ein stundenlanges Verfahren: Gemahlener Kaffee wird Tropfen für Tropfen extrahiert – mindestens zwölf Stunden dauert dieser Prozess.

Neuer Trend: Kaffeeröstereien

Aus den Regalen sämtlicher Cafés lachen einen nun seit geraumer Zeit Kaffeesorten von regionalen Röstereien an. Der neue Trend ist es also, Kaffee vor Ort zu rösten – und diese Röstereien schießen vor allem in Großstädten geradezu aus dem Boden. Dutzende Röstereien finden sich mittlerweile in Berlin und Hamburg, um die zehn Stück sind es in München.

kaffee-rösterei-trend-regional-filter-stadt-us-unsplash-160217-1280x853
Der Filterkaffee ist zurück, heißt heute nur anders: „Pour Over“ (Foto: © Unsplash)

Die Röstereien vor der Haustüre haben oft auch ein Café, in dem die selbst gerösteten Sorten probiert und gekauft werden können. Zudem bieten manche Röstereien auch Kurse an – von Kaffeekunde über Brüh-und Mahlseminare bis hin zum Verkosten.

Gegenbewegung zum Kapsel-Kult

Der Gedanke hinter den regionalen Kaffeeröstereien und wahrscheinlich auch ihr Erfolgsrezept: Kaffee als Genussmittel, für dessen Konsum man sich Zeit nimmt. Ebenso sollte man sich auch für die Zubereitung Zeit nehmen – vor allem für das Rösten, denn hier entscheidet sich der Geschmack des Kaffees. Sozusagen eine Gegenbewegung zum schnellen Kapsel-Kult und Coffee-To-Go-Trend.

Während herkömmlicher Supermarkt-Kaffee meist nur zwei bis drei Minuten in einem Heißluftröster bei 600 bis 800 Grad schockgeröstet wird, um möglichst schnell braun zu werden, nimmt man sich beim Rösten per Hand viel Zeit: bis zu zwanzig Minuten. Das Ziel: bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen den richtigen Braunton aus einer Bohne herausholen, deren Aroma zur Entfaltung bringen und gleichzeitig die Gerbsäuren schonend abzubauen.

Rösten per Hand: Gut für den Magen

Gerbsäuren sind nämlich der Grund für Magenprobleme nach dem Kaffeetrinken – daran lässt sich oft billiger Kaffee erkennen, der nur wenige Minuten geröstet wurde. Die Fruchtsäuren im Kaffee, die die Magenschleimhaut angreifen können, werden erst im Laufe der Röstzeit weniger. Bei der Röstung von Supermarkt-Kaffee werden die Bohnen allerdings meist nur außen verbrannt, die Fruchtsäuren im Inneren können dann nicht hinreichend abgebaut werden.

Der Trend des Röstens: Kaffeeröstereien aus deiner Stadt
Beim Rösten per Hand nimmt sich der Röster viel Zeit – bis zu zwanzig Minuten. (Foto: © Unsplash)

Die Röstereien bieten verschiedenste Sorten an: hell geröstet, wie Kaffee in Skandinavien oft getrunken wird, mitteldunkle Röstungen für das Zubereiten mit Filter oder sehr lange und daher auch am dunkelsten geröstete Espresso-Sorten. Das Rösten per Hand ist nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst, so hat jeder Röster eine eigene Handschrift.

Woher kommt der Kaffee?

Bei der Herkunft des Kaffees hat jede Rösterei natürlich auch ihre eigenen Bezugsquellen. Oft wird Fairtrade oder Bio-Kaffee verwendet, allerdings ist nicht immer klar, wo der Kaffee herkommt. So gut die Röstung vor der Haustüre auch ist, es lohnt sich beim Kauf ein genauerer Blick. Um zu wissen, auf welche Siegel du achten kannst, schau dir unseren Beitrag „Hier gibt’s überall Fair-Trade-Kaffee“ und unsere Bestenliste mit Bio-Kaffee aus fairem Handel an.

Wenn du dir beim Kauf nicht sicher bist, frag vorsichtshalber einmal bei deiner Rösterei nach, woher der Kaffee kommt und wie er angebaut wurde. Auf dieser Karte sind nicht alle, aber zumindest ein Großteil der deutschen Kaffeeröstereien gelistet.

Weiterlesen auf Utopia:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(4) Kommentare

  1. Zur Herkunft des Kaffees: Bei den „guten“ Röstereien kann man sogar die Kooperative bzw. die Farm erfragen, die den verwendeten Kaffee angebaut hat. Das ist imho transparenter als Fairtrade.

  2. Hallo,
    ich beschäftige mich oft und gerne mit Kaffee und wollte noch ein paar Ergänzungen zum Artikel bringen, da ich finde, dass sie gesagt werden sollten. Im Zusammenhang mit den neuen, kleinen (Mikro-)Röstereien (wie Mikro-Brauereien/Craft Beer im Bier-Bereich), die auf hohe Qualität, schonende Röstung und die Herkunft des Rohkaffees achten und zur Zubereitung häufig verschiedene Filter-Methoden anwenden wird auch oft der Begriff „Third Wave Coffee“ genannt. Er bezieht sich hauptsächlich auf die USA. Grob gesehen soll in der ersten Welle der Kaffee-Verbreitung (im 19.Jh., Kaffee kommt bei der gesamten Bevölkerung auf den heimischen Tisch) bei der Herkunft gerade mal das Land von Bedeutung gewesen sein, in einer zweiten Welle ab den 1960ern (Café-Ketten wie Starbucks usw.) dann auch die genauen Herkunfts-Regionen, bevor heute ähnlich wie beim Wein die einzelnen Farmen und teilweise sogar Lagen betrachtet und beim handwerklichen Rösten unterschiedlich behandelt werden.
    Wichtig wäre auch vielleicht zu nennen, dass die neuen Röstereien und Kaffee-Bars sich auch untereinander organisieren, so gibt es z.B. die Deutsche Röstergilde (www.deutsche-roestergilde.de) und die Specialty Coffee Association Europe (www.scae-deutschland.de). Bei der zweiten sind auch einige Café-Bars, einzelne Baristi und Seminar-Anbieter dabei…
    Und noch etwas zur Herkunft des Kaffees:
    Die neuen, kleinen Röster beziehen häufig den Rohkaffee aus (ziemlich/fast/richtig) direktem Handel mit keinem oder nur wenigen Vermittlern zwischen Erzeuger und Röster. Da die gezahlten Preise teilweise deutlich über dem Fairtrade-Mindestpreis liegen, sind die Bedingungen für die Erzeuger auch besonders nachhaltig. Aber es gibt nicht wie bei Fairtrade unabhängige Kontrollen, sondern Vertrauensverhältnisse, auf die man aufbaut. Ich persönlich halte beide Wege für sinnvoll und gut. Und es gibt bei „direct trade“ und „fair trade“, wie es tatsächlich gehandhabt wird, auch jeweils Kritikpunkte und verbesserungswürdiges. Das wichtigste ist in meinen Augen, möglichst genau nach der Herkunft der Kaffeebohnen sowie den sozialen UND ökologischen Bedingungen zu fragen, wenn man seinen Kaffee kauft – egal ob für zu Hause oder zum gleich trinken im Café oder togo (möglichst ohne Pappbecher 😉
    Und: don’t let the fruityness scare you!

  3. Ich fände schön, wenn für solche Themen, der utopia-cityguide wieder aktiviert ist (dzt. nur unten in der Leiste als letzter Link bei „Kaufberatung“ aufzufinden): http://city.utopia.de/suche?fc=1&q=r%C3%B6sterei&o=

    Damit könnte utopia leicht – mit Hilfe der Utopisten – Karten wie die Zeit bauen und dauerhaft anbieten, z.B. http://www.zeit.de/zeit-magazin/essen-trinken/2014-11/baeckerei-brot-backen-handwerk-deutschland-karte

    Bitte auch gleich mit einer Übersicht (Kategorie im Magazin, in der Navi anwählbar), das habe ich bei der Zeit auch nicht gefunden.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.