Warum sollte man eigentlich Fair-Trade-Kaffee trinken?

Fairer Kaffee - warum?
Illu: Bjoern-Achim Schmidt

Wir trinken ihn literweise im Büro oder in kleinsten Tässchen beim Italiener: Kaffee ist Kult. Und wer das begehrte Heißgetränk ohne bitteren Beigeschmack genießen will, setzt auf biologisch angebauten Fair-Trade-Kaffee.

Der „bessere Kaffee“ hat inzwischen scheinbar auch den Massenmarkt erobert. Wirklich schon Massenmarkt? Na schön, diesen vielleicht noch nicht, weil viele Deutsche bei der Ernährung gerne sparen. Doch es steigt die Zahl derer, die nicht einfach „irgendwas“ trinken wollen. Und so haben inzwischen nicht nur Weltläden und Bioläden, sondern auch Supermärkte und Discounter fair gehandelten Kaffee im Angebot und der Anteil des fair gehandelten Kaffee ist auf immerhin 8 Prozent gestiegen. Das rettet nicht die ganze Welt, aber es ist ein Schritt. Und jeder kann ihn mitgehen, denn den „besseren“ Kaffee gibt’s inzwischen überall (siehe auch: Keine Ausreden mehr: Hier gibt’s überall Fair-Trade-Kaffee)

5 Gründe für Fair-Trade-Kaffee

Doch warum sollte man überhaupt Fair-Trade-Kaffe anstelle vom herkömmlichem trinken? Es gibt viele Gründe dafür, einige Wichtige seien kurz genannt:

Weil wir es können

Wir leben in einer der reichsten Nationen der Welt. Wenn nicht wir in der Lage sind, unseren Mitmenschen einen gerechten Preis zu zahlen für den Kaffee, den wir ihnen abkaufen und mit Genuss trinken – wer sollte es denn sonst sein?

Das bedeutet ja nicht, dass jeder gleich viel Geld für fair gehandelten Kaffee ausgeben muss. Die verschiedenen Systeme – etwa „Gepa+“ oder „Fairtrade“ – erlauben es dem Markt, sowohl preiswerten als auch teuren Fair-Trade-Kaffee anzubieten. So kann jeder Verbraucher nach seinen Möglichkeiten einkaufen. Hauptsache, es passiert überhaupt.

Fair-Trade-Kaffee ist gesünder

Zu den Fair-Trade-Regeln gehört nicht primär, aber auch der Umweltschutz. Zwar ist ökologische Landwirtschaft ist nicht zwingend vorgeschrieben, doch verschiedene Pestizide sind im Anbau untersagt. Schon damit wäre Kaffee mit Fair-Trade-Siegel theoretisch gesünder als ohne (was sich aber nicht automatisch auf andere Produkte übertragen lässt).

Doch zugleich sind etwa 65 Prozent aller „Fairtrade“-gesiegelten Produkte auch Bio. In der Bio-Landwirtschaft ist Gentechnik verboten und die meisten Pestizide sind nicht erlaubt. Kurz: Bio ist definitiv gesünder. Idealerweise kaufen Sie daher Kaffee, der sowohl Bio-zertifiziert als auch fair gehandelt ist.

Fairer Kaffee: Plantage COMSA in Hondurus
Soziale Aspekte: Die Kaffee-Kooperative COMSA in Honduras erfüllt die Fairtrade-Standards. (Fairtrade Deutschland)

Fair-Trade-Kaffee ist sozialer

Gerechte Handelsbeziehungen und bessere Arbeitsbedingungen für die Kaffeebauern stehen im Mittelpunkt vieler fairen Handelsbemühungen. Stark vereinfacht gesagt geht es darum, dass alle Handelspartner von ihrer Arbeit leben können sollen. Die meisten Kaffeebauern haben aber keinen geregelten Zugang zum Exportmarkt, sehen sich stark schwankenden Weltmarktpreisen ausgesetzt und können immer wieder ihre Produktionskosten nicht decken.

Fair Trade will das ändern. Die Produzenten erhalten garantierte Preise, die Weltmarktschwankungen ausgleichen. Sie erhalten Unterstützung in zahlreichen sozialen Aspekten und bei der Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Fairer Handel stärkt oft den kleinbäuerlichen Anbau und lokale Organisationsstrukturen, sorgt für Mitarbeiterausbildung, stärkt die Verhandlungsposition der Produzenten, verringert Kinderarbeit und vieles mehr.

Fair-Trade-Kaffee bewegt Märkte

Über 100 Millionen Menschen in über 70 Ländern leben von der Kaffeeproduktion. Nach den USA ist Deutschland der zweitgrößte Importeur von Kaffee. Anders gesagt: Wie wir Kaffee trinken, verändert einen großen Teil der Welt.

Darum ist es wichtig, gerade beim Kaffee fair zu kaufen und zu handeln – weil wir damit einen enormen Markt mitgestalten. Wir gestalten ihn so oder so, mit fair gehandeltem Kaffee tun wir es eben fairer.

Fair-Trade-Kaffee ist nachhaltiger

Hier wird es ein bisschen schwammig, denn die Frage ist, was „nachhaltig“ in diesem Fall eigentlich heißt. Gemeint ist damit nicht ausschließlich mehr Umweltschutz, sondern dass man eine „nachhaltige Entwicklung der Produktion“ fördert. Man will selbstzerstörerischen Raubbau verhindern, nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch, um Erträge zu steigern und stabil zu halten. Weil das auch für die Produzenten sinnvoll ist.

Und im Ergebnis führt auch das zu einer nachhaltigeren Produktion. So sehen Fair-Trade-Kriterien meist auch vor, verantwortungsvoll mit der Ressource Wasser umzugehen und wenig Müll zu produzieren. Sie animieren dazu, erneuerbare Energien einzusetzen, verbieten bestimmte Pestizide und sorgen dafür, dass Mitarbeiter in Sachen Umweltschutz geschult werden. Und auch hier ist für uns Kunden Bio + Fair die beste Wahl.

Weitere Gründe: Beim fairen Handel geht es noch um weitaus mehr Detailfragen, etwa um den Zugang zu Märkten, um die ländliche Entwicklung, um die Professionalisierung der Marktteilnehmer und vieles mehr. Ausführliche Informationen bietet die Transfair-Broschüre mit 15 Gründen (PDF) für Fair-Trade-Produkte.

5 Vorurteile gegen Fair-Trade-Kaffee

Cup with the FAIRTRADE Mark being filled by coffee machine.
Fair-Trade-Kaffee: Argumente gegen die Vorurteile (Fairtrade Germany / Miriam Ersch)

So weit, so gut. Aber natürlich finden sich immer wieder auch Meinungen, die Fair Trade kritisieren. Das ist ganz natürlich, denn wo sich ein System als „das Bessere“ präsentiert und dafür auch noch einen Aufpreis verlangt, erregt alles Aufmerksamkeit, was nach Fehlern oder Schwächen aussieht. Doch die Vorurteile gegen Fair-Trade-Kaffee sollte man sich stets genauer ansehen.

„Das Geld kommt nicht bei den Kleinbauern an.“

Das ist leider wahr – zumindest nicht 1:1. Aber das ist nicht wirklich ein Problem von Fairtrade-Kaffee. Denn auch wenn wir im Bioladen einen Euro mehr fürs Gemüse zahlen, kommt dieser Euro nicht 1:1 beim Biolandwirt an. Es ist eher ein Problem unserer oft sachfremden Vorstellungen von Märkten, Handelsbeziehungen und Fair-Trade-Methoden.

Faire Handelsorganisationen zahlen den Herstellern feste Preise und Fair Trade-Prämien. Allerdings ist der fairer Handel ist nicht einfach ein System, das 50 Cent vom Kilopreis an die Produzenten weiterreicht. Es ist ein System, das sich bemüht, an vielen Orten gleichzeitig einen gerechteren Handel zu etablieren. Zwischen uns Kaffeetrinkern und den Kaffeebauern liegen dabei zahlreiche Zwischenstationen. Innerhalb der verschiedenen Fairhandels-Initiativen gibt es verschiedene Wege, die Produzenten zu unterstützen, darunter auch den Bau von Schulen, Brunnen, gesundheitliche Unterstützung, Preisgarantien trotz Weltpreisschwankungen, Vorfinanzierung landwirtschaftlicher Maschinen und so weiter. Dass all dies geschieht ist viel wichtiger, als vorrechnen zu können, wie viel Cent nun ganz genau irgendwo ankommen.

„Die Siegel sind Beschiss, es sind nur 20 Prozent fair enthalten.“

Zweifellos gibt es „bessere“ und „schlechtere“ Siegel. Aber woran bemisst sich das eigentlich? Gut oder schlecht können Siegel nur sein gemessen daran, was für ein Ziel sie erreichen wollen – und die verschiedenen Siegel verfolgen eben unterschiedliche Ziele. Sicher ist aber, dass am Ende die Bauern vom Aufpreis etwas haben, auch wenn sich das nicht einfach in glatten Prozenten ausdrücken lässt.

Speziell das 20-Prozent-Argument kommt aus dem Bereich der Mischprodukte. Ein Produkt muss 20 Prozent fair gehandelte Zutaten enthalten (und alle Zutaten, die fair gehandelt werden können, müssen auch Fairtrade-zertifiziert sein), um das „Fairtrade“-Siegel von Transfair e.V. tragen zu dürfen. Das gefällt auch im Umfeld des fairen Handels nicht jedem, aber dort ist man sich bewusst, verschiedene Wege zu einem gemeinsamen Ziel zu gehen.

Doch Kaffee ist überhaupt kein Mischprodukt: Wenn Fair-Trade-Siegel wie „Gepa+“ oder „Fairtrade“ auf dem Kaffee stehen, dann ist auch definitv nur fair gehandelter Kaffee enthalten.

„Da bezahlen betuchte Gutmenschen für ein gutes Gewissen.“

Ja, und? Was wäre schlecht daran? Um es ganz böse auszudrücken: Geizig sein und dabei ein schlechtes Gewissen haben steht ja weiterhin jedem frei. Und wer lieber spenden möchte, kann das ja tun (sollte aber wenigstens Bio-Kaffee trinken, denn Bio ist gesünder).

„Mit Fair-Trade-Käufen bewegst du nichts.“

Indem wir konventionellen Kaffee trinken erst recht nicht. Doch Umweltzerstörung durch Monokulturen und Pestizide, Kinderarbeit, unfaire Bezahlung unter Existenzminimum und so weiter sind real und eine indirekte Folge unseres Kaffeekonsums.

Fair Trade mag noch nicht, nicht immer, nicht in jedem Fall das perfekte Mittel zu sein, Missstände zu beseitigen. Aber das ist kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und sich den billigsten konventionellen Kaffee zu brühen. Nur, wer gar nichts tut, bewegt auch gar nichts.

„Fair-Trade-Bohnen schmecken schlechter.“

Ein Gerücht, das leider auch von namhaften Medien in die Welt gesetzt wurde. Tatsächlich sehen die Fair-Trade-Handelsbedingungen vor allem eine Verbesserung von Produktionsqualitäten vor, nicht eine besonders „schmackhafte Bohne“.

Doch wie sollte man überhaupt definieren, wann Kaffee besonders gut schmeckt? Und haben nicht Aspekte wie unsere Lagerung und Zubereitung einen viel größeren Einfluss auf den Geschmack? Tests zeigen immer wieder, dass Kaffees, ob mit Bio und Fair oder ohne, geschmacklich unterschiedlich abschneiden. Das liegt auch an unterschiedlichen Geschmäckern und Schwankungen im Naturprodukt.

Unser Rat: Wenn Ihnen der eine Fair-Trade-Kaffee nicht schmeckt, dann probieren Sie einfach einen anderen. Überhaupt mal einen Bio-Fair-Trade-Kaffee zu probieren bringt Sie vielleicht erst auf den Geschmack! Lesen Sie dazu auch: Keine Ausreden mehr: Hier gibt’s überall Fair-Trade-Kaffee

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(8) Kommentare

  1. Ich engagiere mich seit 35 Jahren ehrenamtlich im Fairen Handel und kann nur bestätigen, dass auf die Bedingungen großer Wert gelegt wird, auch auf die Einhaltung der Kriterien.
    Die momentanen Flüchtlingsströme sind zum Teil Ausdruck der ungerechten Wirtschaftsstrukturen. Jede_r Kaffeetrinker_in kann ihren/seinen kleinen Beitrag leisten, dass sich das ändert.

    • Hans, auch im Namen der Bauern hier in Kolumbien, vielen Dank für Dein Engagement!
      Ein Grundproblem bleibt leider auch bei FAIRTRADE-Kaffee bestehen. Die Wertschöpfung im Anbauland ist einfach zu gering. Der Rohkaffee-Indexpreis ist heute bei 1,12 US$ pro Pfund (www.ico.org). Du weißt, was Du im Geschäft zahlst … den Rest zu 1,12$ US$ wird in Europa „verdient“. Nur selten wird der Kaffee im Anbauland auch verarbeitet, aber dann bleibt 3 bis 5 mal so viel im Land. https://www.facebook.com/kanwan.Kaffee/posts/1628940854062400

  2. Sehr guter Artikel! Danke!
    Zum Absatz „Nachhaltigkeit“ ist noch anzumerken: Gerade bei Kaffee wäre nachhaltiger Anbau sinnvoll, weil Kaffee von Natur aus eine Schattenpflanze ist. Im traditionelle Schattenanbau ist die Biodiversität mindestens 10 mal so hoch wie in totgespritzten Monokulturen. Seit etwa 7 Jahren ist der Rohkaffeepreis nicht gestiegen. Will ein Bauer – FAIRTRADE oder nicht – sein Einkommen verbessern, muss er den Flächenertrag steigern. Das gelingt mit Hochertragssorten + mehr Chemie.
    Es ist schade, dass Rainforest- und Bio-Kaffee so wenige Abnehmer finden. Aus 100.000km² öder Monokultur könnte ein wertvoller tropischer Lebensraum werden.
    Mehr dazu: http://www.kanwan.at/umwelt

  3. Noch besser als Fair-Trade-Kaffees sind DIREKT (und damit fair und transparent) gehandelte Kaffees von kleinen Direkt-Import-Röstereien (ein Beispiel ist http://www.quijote-kaffee.de, es gibt aber viele andere Rösterein mit „Direct-Trade“-Kaffee). Solche Kaffees sind außerdem noch frisch geröstet (mit aufgedrucktem Röstdatum), was bei keinem Kaffee aus dem Supermarkt bzw. (Bio-)Discounter der Fall ist. Und der Frischegrad der Röstung (Verbrauch bis maximal 4-6 Wochen nach Röstdatum) haben den größten Einfluss auf Geschmack!

    • ich unterstütze deinen Einwand, wobei ich nicht unbedingt werten möchte, was besser ist. Verschiedene Formen direkten Handels bieten eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Kleinbauern oder die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte beim Kaffeeanbau faire Lebensbedingungen haben, doch auch die Fairtrade Projekte kann man nicht über einen Kamm scheren. Was ich aber mit Bedauern feststellen muss, ist, dass bei den Utopia-Artikeln, -Bestenlisten, u.s.w. meiner Meinung nach viel zu selten auf handwerklich arbeitende Kleinbetriebe hier vor Ort hingewiesen wird, die bei der Auswahl der Rohstoffe für Ihre Produkte hohe Ansprüche an faire und ökologisch unbedenkliche Herkunft haben. Ob das Hersteller von Kosmetika, Kleinst-Bierbrauereien, Teeläden oder eben Kaffee-Röstereien sind. Gerade bei Bier und Kaffee hat es in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren international, aber auch in Deutschland eine richtige Welle von Neugründungen solcher Kleinbetriebe gegeben – die teilweise auch ganz regulär zertifizierte fairtrade oder bio Rohprodukte verwenden – oder aber durch den direkten Kontakt mit den Landwirten sich von der Qualität und Fairness überzeugt haben.

  4. Hallo,

    ich habe mal gehört, dass man, um ein Fairtrade-Bauer zu sein, erstmal einen für dortige Verhältnisse ziemlich hohen Betrag zahlen muss. Stimmt das?

    Liebe Grüße Bettina

    • LIebe Bettina

      bei zertifizierten Kaffees (UTZ; Rain forest, starbucks etc) ist das auf jeden Fall so: Kleinbauern können da aus finanziellen Gründen nicht mitmachen. Fair trade (z.B. Max Havelaar) ist aber traditionellerweise auch oder gerade speziell für Kleinbauern, z.T. mit Projekten begleitet (habe schon tolle Beispiele erlebt). Ich weiss aber nicht, ob das noch immer so ist.. . Meine Einschätzung deshalb: UTZ und co bringen vor allem dem Vermarkter im Westen eine höhere Marge und dem Konsumenten ein besseres Gewissen, sonst aber fast gar nichts..

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