Weihnachts-Kaufrausch: Trick gegen quengelnde Kinder geht viral

Foto: Screenshot Facebook / Kristina Watts

Mit Kindern in der Vorweihnachtszeit einkaufen zu gehen, ist für viele Eltern ein Alptraum. Eine Mutter in den USA wird im Netz für einen einfachen Trick gegen die „Will ich haben“-Wutanfälle gefeiert. Doch die Sache hat einen unangenehmen Beigeschmack.

„Mama/Papa, ich will das haben, bitte!!“ Wer den lieblichen Klang dieser Worte in den Wochen vor Weihnachten ähnlich oft zu hören bekommt wie „Last Christmas“ im Radio, ist damit nicht allein: Viele Eltern sehen sich mit den strategisch geschickt platzierten Spielzeugbergen in den Geschäften konfrontiert – und mit entsprechenden Quengel-Attacken ihrer Kinder.

Kristina Watts aus Washington hat sich für dieses Problem eine Lösung ausgedacht und wird dafür auf Facebook gefeiert: Ihr Beitrag vom 18. November wurde mehr als 30.000 Mal geliked und mehr als 50.000 Mal geteilt (Stand: 3.12.). Der Post besteht aus mehreren Fotos ihrer Tochter Emerson, die lächelnd mit diversen Spielzeugen posiert – warum sie das tut, löst die Mutter in ihrem Erklärungstext auf.

Keine Tränen, keine Trotzanfälle: ein „magischer“ Trick

Hier kannst du den Beitrag bei Facebook sehen (evtl. musst du zuerst die Ansicht aktivieren):

Watts simpler Trick lautet: „Mach ein Foto. So einfach ist es.“ Wenn Emerson etwas von den „glitzernden, tollen Sachen“ unbedingt haben möchte, die ihr zu dieser Jahreszeit überall begegnen, sagt Watts ihrer Tochter nicht: „Nein, stell es zurück.“ Stattdessen schlägt sie vor: „Lass uns ein Foto damit machen und es dem Weihnachtsmann schicken, damit er weiß, dass du es haben willst!“

Das Ergebnis dieser Strategie sei „magisch“: Es gebe keine Tränen, keine Trotzanfälle, stattdessen lächelt die Tochter, sagt „cheese“, bittet darum, das Foto sehen zu dürfen, legt das Spielzeug anschließend zurück, geht weiter. Und das Kind vergesse jedes ihrer Wunschobjekte innerhalb von Minuten. Neben dem Weihnachtsmann eigne sich im Übrigen auch die Großmutter oder ein anderer Empfänger.

„Ich hätte gerne süße Kinder, die nicht habgierig sind“

Die Mutter behauptet, mit ihrem Trick schon jede Menge sogenannte „meltdowns“ verhindert zu haben. So nennt sie die typischen Tobsuchtsanfälle ihrer Tochter. In ihrem Post schreibt Watts: „Natürlich hätte ich gerne süße, wohlerzogene, entspannte Kinder, die nicht habgierig sind und nicht all diese Dinge haben wollen… Aber das habe ich nicht.“

Sie verbittet sich daher ein Urteil von Eltern, die dieses Problem nicht kennen, und motiviert andere „Betroffene“, es ihr nachzutun. Etliche begeisterte Kommentare bei Facebook zeigen, dass sie offenbar einen Nerv getroffen hat: „Wir machen das, es wirkt wie ein Zauber“, schreibt eine Mutter. Eine andere bedauert, dass ihre Kinder schon zu alt sind, um darauf hereinzufallen – inzwischen drehe sich alles um Game-PCS und Apple Watches.

Das Traurige ist, dass wir solche Strategien offenbar brauchen

Utopia meint: Watts „magischer Trick“ ist eigentlich nicht mehr als die 2019er-Version des guten alten Ratschlags: „Schreib es doch auf deinen Wunschzettel.“ Wenn die Strategie für den familiären Frieden sorgt und Quengel-Szenarien beim Einkaufen verhindert, ist das erst einmal schön und gut. In einem bestimmten Alter lässt sich vielen Kindern nicht gut mit Vernunft beikommen und argumentieren, dass das Plastik-Spielzeug unnachhaltig ist und der glitzernde Glibber-Schleim problematische Inhaltsstoffe enthält.

Das eigentlich Traurige ist, dass wir – insbesondere vor Weihnachten – in einem so exorbitanten Ausmaß mit Konsumgütern und Spielwaren konfrontiert werden, dass solche Tricks überhaupt notwendig sind. Die Kinder auf die eine oder andere Art zu überlisten, damit nicht alles davon gekauft werden „muss“, ist letztendlich eine Strategie, bei der wir uns mit dem Überangebot irgendwie arrangieren – anstatt den Kaufrausch aktiv zu boykottieren.

Maßvolle Weihnachten: Es gibt bessere Tricks

Dass die meisten Eltern Watts Beitrag unreflektiert begeistert kommentieren und unter den einzelnen Fotos Sätze schreiben wie: „Ich liebe es, dass sie anscheinend das ganze Regal haben möchte“ ist bezeichnend. Auch wenn es schwer sein mag, Kinder zu einem kritischeren Konsumverhalten zu erziehen – zumindest bei älterem Nachwuchs gibt es einige bessere „Tricks“ für ein maßvolleres Wünschen und Schenken. zum Beispiel:

  • Motiviere dein Kind, nur einen größeren Herzenswunsch zu äußern.
  • Lass das Kind zwei nicht-materielle Wünsche auf die Liste setzen.
  • Zeit-Geschenke wie Gutscheine für gemeinsame Erlebnisse begeistern auch Kinder.

Mehr Tipps findest du am Ende dieses Artikels: 13 Dinge, die du deinem Kind nicht schenken solltest

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(2) Kommentare

  1. Als meine Kinder noch im Haus waren, haben wir im November nach Weihnachtswünschen gefragt, sie haben sich das überlegt ohne jedes Getümmel in den Geschäften und ohne Glitzerfassaden, bis Ende November waren die Wuschzettel fertig, und Anfang Dezember hatten wir alle Weihnachtseinkäufe erledigt und gut verstaut.
    Motto: Wann nächste Weihnacht ist, weiß man in der Regel an 365 Tagen im Jahr.
    Jedoch baut der Handel mit seinem ganzen Blingbling auf die Schusseligkeit der Käufer.

  2. Bitte, wer schreibt denn so einen Artikel?
    Nein Kindern im Alter 3, 4, 5, 6,… kann man nicht mit Zeitgeschenken, oder Diskussionen zu Nachhaltigkeit oder irgendeinem vernünftigen Erwachsenenzeug beeindrucken. Es sind Kinder. Nichts ist schöner als Geschenke für Kinder. Das hat doch nichts mit Habgier zu tun.
    Den Trick wenden wir mit Christkind und Wunschzettel schon beim zweiten Kind mit Erfolg an.
    Ob das traurig ist dass wir in dieser Welt leben kann man diskutieren, Strategien um mit ihr zu recht zu kommen sollte man sich allerdings schon zulegen.

    Vielleicht sollte man Artikel zu manchen Themen einfach ohne persönliche Lebenserfahrung nicht veröffentlichen. Es wirkt schon sehr belehrend.