Neue Doku über Nestlé: Der weltgrößte Lebensmittelkonzern unter der Lupe

Foto: © ZDF / Willy Weber

Egal ob KitKat, Maggi, Mövenpick oder Buitoni – sie alle gehören zum weltweit größten Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Eine neue ZDFzeit-Doku nimmt den Lebensmittelriesen unter die Lupe.

Insgesamt zählt Nestlé über 2.000 Marken – von Getränken über Süßwaren bis hin zu Kosmetik und Tiernahrung. Am Dienstag zeigte das ZDF die ZDFzeit-Doku „Der große Nestlé-Report – Wie gut sind Süßigkeiten, Fertiggerichte & Co.?“. In der Doku werden die Lebensmittel des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt auf Geschmack, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Fairness getestet.

Geschmackstest: Wie gut schmecken Nestlé-Produkte im Vergleich?

Fernsehkoch Sebastian Lege veranstaltet in der Doku mit 80 Testpersonen eine Blindverkostung – Nestlé-Produkte gegen gleiche Produkte verschiedener Start-Ups. Das Testergebnis ist recht eindeutig: Pizza, Tütensuppe, Kakao und Frühstückscerealien von Nestlé schmeckten den Tester*innen besser. Aber sind sie auch gesünder?

Nein, im Gegenteil: Die Maggi-Tomatensuppe im Test enthielt deutlich weniger Tomaten als der Test-Kontrahent, dafür aber künstliche Aromen. Ähnliches Ergebnis bei den getesteten Cini Minis von Nestlé und der Bio-Variante von Rebelicious: Cini Minis enthalten zehn Prozent Fett, die anderen nur 2,9 Prozent; im Geschmackstest überzeugte das Nestlé-Produkt. Eine mögliche Erklärung: Wir sind an die künstlichen Aroma- und Zusatzstoffe gewöhnt und mögen deren Geschmack.

Sind die Nestlé-Produkte so gesund, wie sie versprechen?

Für die Doku wurde ein Gesundheitsexperiment mit zwei Tester*innen durchgeführt: Eine Testerin verzehrte nur Nestlé-Fertigprodukte, die andere kochte die gleichen Gerichte ausschließlich frisch. Nach zwei Wochen nahm die Nestlé-Testerin ein Kilo zu und ihr Cholesterinwert stieg um neun Prozent. Grund dafür waren vor allem die gesättigten Fettsäuren in den Fertigprodukten. Der Cholesterinwert ihrer Test-Kontrahentin mit den frisch zubereiteten Gerichten sank dagegen um fünf Prozent – und sie nahm ein Kilo ab.

Ein weiteres Ergebnis der Doku: Zwar reduzierte Nestlé vor einiger Zeit den Salzgehalt in Maggi-Produkten um zehn Prozent, gleichzeitig stiegen aber der Anteil von Zucker und Fett deutlich. Bei der Maggi-Spargel-Cremesuppe sogar extrem: 93 Prozent mehr Zucker und 200 Prozent mehr Fett stecken jetzt in der Fertigsuppe. Zumindest ist durch den Nutri-Score auf der Verpackung ersichtlich, welche Nährwerte im Produkt stecken.

Nestlé-Fertigprodukte sind also alles andere als gesund, egal was der Konzern in der Werbung verspricht.

Höchst umstritten: „Nestlé und das Wasser“

Nestlé präsentiert sich gerne als verantwortungsvoller Lebensmittelproduzent, gerät aber immer wieder negativ in die Schlagzeilen. Einer der Aufreger: Die Wasserproduktion im französischen Ort Vittel. Durch das Abpumpen der Grundwasserressourcen fehlt der Gemeinde Wasser, beispielsweise für die Landwirtschaft. Vittel könnte durch die Trinkwasserproduktion bereits 2050 kein Grundwasser mehr haben, warnt eine französische Umweltorganisation in der Doku.

Weiterer Kritikpunkt: Nestlé und andere Wasserhersteller verkaufen das Wasser in Einweg-PET-Flaschen. Das führt zu enormen Mengen an Plastikmüll. Denn selbst recyclebares Plastik wird nur selten zu neuen Wasserflaschen.

Wie fair behandelt Nestlé seine Mitarbeiter*innen?

Die Doku analysiert auch, wie gut Nestlé als Arbeitgeber abschneidet. Hauptkritikpunkt der Sendung: Nestlé hat in Deutschland mehrere Werke geschlossen, um die Gewinne zu maximieren – teilweise ohne die Angestellten rechtzeitig zu informieren. Auch in russischen Vertriebsniederlassungen wie in St. Petersburg wurden Stellen gekürzt. Zwei Ex-Angestellte berichten, dass sie gedrängt und erpresst wurden, bis sie ihre Kündigung unterschrieben. Gerade läuft eine Gerichtsverhandlung zu den Kündigungen. Die Behandlung der Mitarbeiter*innen in weiteren Ländern untersucht die ZDF-Doku nicht.

Utopia meint: Das ZDF attestiert Nestlé Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit und Fairness. Auch das Versprechen von gesunden Lebensmitteln kann der Konzern nicht halten. Faire Produkte in Bio-Qualität bleiben eindeutig die bessere Wahl. Und der Umwelt zuliebe greifst du bei Wasser besser zu Leitungswasser als zu Wasser in Plastikflaschen.

Die Reportage „Der große Nestlé-Report „steht noch bis 03. August 2021 in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.

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(1) Kommentar

  1. Danke für die schöne Zusammenfassung.
    Und auch wenn man durch Nestlé-Produkte abnehmen würde, wäre es noch kein Indiz für eine gehaltvolle und gesunde Zusammensetzung.
    Durch den Einsatz von Aromen und sonstigen billigen Ersatzstoffe kommen diese künstlichen Produkte niemals an natürliche Lebensmittel heran.

    Das, was diesen Produkten fehlt, landet in den Brieftaschen der Nestlé-Chefs.
    …Also eine ganze Menge!