Aldi verkauft in Österreich Männer-Putzmittel – und erntet Kritik im Netz

Foto: © Hofer

Beim österreichischen Aldi-Discounter Hofer gibt es diese Woche ein besonderes Angebot: Putzmittel explizit für Männer. Die Mittel sollen viel „Power“ haben – Design und Düfte sollen offenbar besonders „männlich“ sein. Im Netz kommt die Aktion allerdings nicht gut an.

Vollwaschmittel, Spülmittel, Feuchttücher und Badreiniger: Diese Produkte gibt es seit Montag bei Hofer zu kaufen – und zwar speziell für Männer. Entsprechend heißt die Serie „Men’s Stuff“ –Männersachen. Hofer nennt die Produkte im aktuellen Prospekt beispielsweise „Männer-Waschmittel-Cups“ und „Männer-Reinigungsmittel“.

Nicht nur der Name ist anders als bei regulären Reinigungsmitteln, sondern auch das Design: Alle Verpackungen sind komplett schwarz. Außerdem soll der Duft „holzig maskulin“ sein. Hergestellt wird die Mittel von der Aldi-Marke Tandil.

Männer-Putzmittel, Aldi, Hofer, Österreich
Männer-Putzmittel, Aldi, Hofer, Österreich (Foto: Screenshot Hofer-Prospekt)

Wieso braucht es Männer-Putzmittel?

Nun kann man sich die Frage stellen, wie sinnvoll Putzmittel für Männer ist. Spülmittel ist Spülmittel – egal ob Männer oder Frauen es verwenden. Reguläres Reinigungsmittel ist ja auch kein Frauen-Putzmittel, sondern für alle da. Betrachtet man die Statistiken, kann man jedoch davon ausgehen, dass es durchaus mehr von Frauen genutzt wird.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verbringen Frauen ohne Kinder wochentags doppelt so viel Zeit mit Kochen, Putzen und Wäschewaschen als ihre männlichen Partner. Die Studie bezieht sich dabei auf Paare, die zusammen wohnen. Hat das Paar mindestens ein Kind unter sechs Jahren, verbringen Frauen sogar dreimal so viel Zeit mit solchen Tätigkeiten.

Das Aldi-Angebot wird im Netz kontrovers diskutiert

Kann ein spezielles Putzmittel für Männer dieses Ungleichgewicht verändern – und mehr Männer zum Putzen animieren? Diese Frage haben User*innen auf Twitter diskutiert, nachdem eine Nutzerin ein Foto des Prospektes getweetet hatte. „Und ich Dummerchen dachte immer, das Patriachat sei Schuld an ungleicher Lastenverteilung im Haushalt.. Dabei gab es bisher ja überhaupt kein Männerputzmittel, wir sollten sie denn da??“, kommentierte jemand ironisch.

„Ich fühle mich als Mann durch diese Werbung diskriminiert, da sie ein klischeehaftes und falsches Bild von Männern und Männlichkeit verbreitet, mit dem ich mich nicht identifizieren kann“, tweetete ein anderer Nutzer. Ein weiterer Kommentar: „Bei Frauen funktioniert die Marketing-Strategie ja. Rasierer einfach rosa – 20% teurer. Warum also bei Männern nicht?“

Utopia meint: Wahrscheinlich geht es Hofer darum, mit einem vermeintlich originellen neuen Produkt Aufmerksamkeit zu erzeugen – und die Verkaufszahlen anzukurbeln. „Männerputzmittel“ gibt es sonst nirgends zu kaufen, und klingt im ersten Moment nach einem witzigen Gag. Damit Männer und Frauen die Aufgaben im Haushalt gerechter verteilen, wird allerdings mehr nötig sein als gegendertes Reinigungsmittel. Das DIW fordert beispielsweise politische Maßnahmen, damit Frauen und Männer in gleichem Umfang erwerbstätig sein können. Außerdem brauche es einen generellen Kultur- und Normenwandel in Bezug auf Hausarbeit.

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