Aldi verkauft klimaneutrale Sneaker – warum wir sie nicht empfehlen

Foto: Utopia/ Vipassana Roy

Klimaneutral, zertifiziert und teilweise aus recycelten PET-Flaschen hergestellt: Eigentlich klingt der neue „Crane Pure“-Sneaker von Aldi Süd nach einem umweltfreundlichen Schuh. Eine echte Alternative ist er jedoch nicht.

Am 10. Juni bringt Aldi Süd neue Sneaker der Eigenmarke „Crane Pure“ in die Läden. Das Besondere: Die weißen Turnschuhe werden zum Teil aus PET-Flaschen produziert und sind mit dem Siegel „Global Recycle Standards“ zertifiziert (GRS). Die Sneaker sind laut Aldi Süd außerdem das zweite klimaneutrale Produkt im Sortiment (nach einem Kaffee, den es Anfang Mai zu kaufen gab).

Die Schuhe gibt es in drei Farbkombinationen: weiß-rot für Frauen, weiß-grün für Männer und eine Unisex-Variante ganz in weiß. „Mit dem klimaneutralen Sneaker möchte Aldi Süd ein Zeichen für mehr Klimaschutz und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft setzen“, heißt es auf der Unternehmenswebseite. Die Turnschuhe kosten 12,99 Euro.

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Die Aldi-Sneaker gibt es in drei Designs. (© Aldi Süd)

Klimaneutrale Aldi-Sneaker: Was bedeutet das?

Ein nachhaltiger Schuh für knapp 13 Euro – ist das überhaupt möglich? Bei diesem günstigen Preis ist bereits Skepsis angebracht. Nachhaltige Schuhhersteller verkaufen ihre Sneaker deutlich teurer. Wie umweltfreundlich ist der Aldi-Schuh also?

„Klimaneutral“ bedeutet, dass die Schuhe die Menge an schädlichen Klimagasen in der Atmosphäre insgesamt nicht erhöhen. Das heißt aber nicht, dass bei Produktion und Transport keine Klimagase entstehen. Der Discounter erreicht die Klimaneutralität, indem er die anfallenden CO2-Emissionen ausgleicht. Er spendet hierfür Geld an ein Klimaschutzprojekt in Kambodscha, das entsprechend CO2-Emissionen einspart. Die Herstellung der Crane-Pure-Sneaker an sich ist also nicht klimafreundlicher. Dass Aldi die Emissionen ausgleicht, ist jedoch ein Pluspunkt.

Schwache Zertifizierung

Abgesehen von der Klimaneutralität ist der Sneaker jedoch nur minimal besser als konventionelle Schuhe: Das Zertifikat „Global Recycle Standards“ hat schwache Standards: Hersteller dürfen es verwenden, wenn ihr Produkt zu mindestens 20 Prozent aus Recyclingmaterial besteht. Aldi verrät nicht, wie hoch der Anteil recycelter PET-Flaschen in den Sneakern ist.

Außerdem lässt sich das Siegel „nicht mit Standards vergleichen, deren Anliegen der Schutz der Umwelt oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist“, schreibt die Siegel-Bewertungsplattform „Siegelklarheit“.

Aldi verspricht Umweltschutz zum Billigpreis

Das bedeutet also: Mit Ausnahme der recycelten PET-Flaschen sind die Crane-Pure-Sneaker ganz gewöhnliche Turnschuhe. Alle weiteren Materialen sind nicht umweltfreundlicher als bei konventionellen Marken. Nachhaltige Hersteller hingegen achten darauf, ökologisch angebaute Naturstoffe zu verarbeiten und möglichst fair zu produzieren – davon ist der „Crane Pure“-Schuh von Aldi weit entfernt.

Ebenfalls problematisch ist außerdem der günstige Preis, der geradezu zum Kaufen einlädt. Aldi suggeriert, dass es Umweltschutz zum Billigpreis gibt – und kurbelt so den Konsum weiter an. Dabei ist unser Überkonsum einer der Hauptgründe für Umweltverschmutzung und die Klimakrise.

Utopia meint: Indem Aldi CO2-Emmissionen kompensiert und zumindest teilweise Recyclingmaterial verwendet, macht er einiges besser als viele konventionelle Schuhhersteller. Von einem grünen Schuh zu sprechen – wie Aldi es tut – ist jedoch übertrieben. Wir empfehlen stattdessen Sneaker fairer Labels.

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