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Deutsche Firma führt 5-Stunden Tag ein – so gut ist das Fazit nach zwei Jahren

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Feierabend um 13 Uhr? In einer Agentur in Bielefeld ist das seit etwas mehr als zwei Jahren Alltag. Die Angestellten arbeiten nur noch fünf Stunden täglich – bei vollem Gehalt. Zwar gibt es einige Herausforderungen, der Chef ist jedoch überzeugt von dem Konzept.

Was passiert, wenn der Arbeitstag nicht mehr acht Stunden dauert, sondern deutlich kürzer ist? Weniger Krankmeldungen, mehr Produktivität und zufriedenere Mitarbeiter – so lautet zumindest die Theorie. Ein Unternehmer in Bielefeld wollte sich selbst von dem Konzept überzeugen – und führte eine 25-Stunden-Woche ein.

Die Angestellten der Kommunikationsagentur „Rheingans Digital Enabler“ arbeiten seit Oktober 2017 von acht bis 13 Uhr. Sie bekommen weiterhin ihr volles Gehalt, auch am Urlaubsanspruch hat sich nichts geändert.

Während der Arbeitszeit: volle Konzentration

Aber wie schafft man die Arbeit eines regulären Arbeitstags in nur fünf Stunden? Indem man sich nur auf seine Aufgaben konzentriert, sagt Geschäftsführer Lasse Rheingans in einem aktuellen Interview: „Wir haben geschaut, was eigentlich Zeit frisst. Früher wurde intern viel über einen Firmenchat kommuniziert. Heute stellen wir dort nur noch Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen. Braucht es mehr, trifft man sich kurz zur Besprechung“.

Meetings dauern in der Regel nur noch eine Viertelstunde, verriet Rheingans der „Zeit online“. Ohne Smalltalk und mit einer klaren Agenda reiche das aus. „Wir haben uns außerdem darauf geeinigt, E-Mails nur zweimal am Tag zu checken. Wir wollen jede unnötige Ablenkung in Form von Benachrichtigungen oder Pop-up-Nachrichten vermeiden.“

Gesündere Beziehungen zu anderen und zu sich selbst

Der Fünf-Stunden-Tag habe viele Vorteile: „Dass plötzlich auch alleinerziehende Elternteile Vollzeit einen guten Job machen könnten, während ihre Kinder in einer Vormittagsbetreuung sind. Ich glaube, gesündere Beziehungen resultieren daraus, mit dem Partner, der Familie, den Kindern, beruflich und auch zu sich selbst“, sagte Rheingans in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der kürzeren Arbeitszeit: Die Mitarbeiter unternehmen privat mehr miteinander. Freitags koche das Team nach 13 Uhr gemeinsam, erzählt Rheingans Zeit online. Gelegentlich gebe es gemeinsame Events.

Der Fünf-Stunden-Tag war ein Experiment

Nicht immer klappt es allerdings, den Fünf-Stunden-Tag einzuhalten. „In stressigen Zeiten oder personellen Engpässen kommt es schon mal vor, dass auch wir sechs, sieben oder sogar acht Stunden im Büro sitzen“, sagt Rheingans Zeit online. Er selbst arbeite ebenfalls bis 13 Uhr, nachmittags beschäftige er sich mit Presseanfragen und anderen Projekten.

Anfangs hatte der Geschäftsführer den Fünf-Stunden-Tag noch als Experiment bezeichnet – weil er nicht sicher war, ob das Konzept wirklich funktioniert. Inzwischen ist jedoch klar: Die Agentur bekommt genug Aufträge und ist profitabel. Rheingans hat vergangenes Jahr sogar ein Buch zum Thema veröffentlicht. („Die 5-Stunden-Revolution. Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken“). Mit seinem Buch will er andere Unternehmen dazu motivieren, ebenfalls die Arbeitszeit zu verkürzen. Mindestens einen Geschäftsführer hat er bereits inspiriert: Ein Steuerberater aus Schenefeld hat ebenfalls eine Fünf-Stunden-Woche eingeführt.

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(5) Kommentare

  1. Das klingt nach einem sehr interessanten und zukunftsfähigen Konzept!
    Ich hoffe, dass sich noch mehr Unternehmen inspirieren lassen und eine solche Testphase einführen, um zu sehen ob sie davon profitieren. Ich stelle mir einen Trend, dahingehend, als positiven Einfluss auf die Gesellschaft vor. Es wäre zumindest sehr wünschenswert.

    Mehr Berichte solcher Versuche wären interessant (vielleicht noch ein wenig detaillierter?), besonders auch in anderen Bereichen.

  2. Ich hoffe immer mehr Unternehmen führen einen 6 oder 5 Stundentag ein. Vor allem durch die laufende Automatisierung, Digitalisierung und Robotisierung in vielen Bereichen ist es nicht mehr notwendig so viele Stunden zu arbeiten.

    Der österreichische Getränkehersteller MAKAvA hat auch nur eine 30-Stunden-Woche und ist zusätzlich ziemlich nachhaltig 🙂 – http://makava.at/idee.php

  3. Diese wünschenswerte Utopie funzt bloß in Büros!
    Die LeiharbeitnerhmerInnen u.a. Ausgebeutete haben nix davon, bzw. werden NIE bei gleichem Gehalt weniger arbeiten dürfen!

    Was diese neue Arbeitgeberstrategie zeigt, ist, dass in „Bürofirmen“ wohl 2 Stunden pro Tag anscheinend „rumgelungert“, d.h. „nichts“ getan wird, durch Pausen, Schwatzen, Kaffeetrinken, uvm.
    Oder?

    Aber Erholung braucht man doch?
    Man kann sich nicht ewig konzentrieren?
    Soziale Interaktion ist gut fürs Betriebsklima?
    Überarbeitung will doch niemand?
    etc?

    EBEN dies radiert dieses neue Konzept doch aus. o_O
    Da wird man bald merken, wie sich die Billiglöhner am Fließband oder sonstwo fühlen müssen mit permanentem Druck! o_O

    Ja, dieses Konzept macht Effizienz zum Gott.
    Und bald wird durch sogenannte Flexibilität der Arbeitstag wieder 9 Stunden betragen – mit angespartem Arbeitszeitguthaben, abfeierbar oder auszahlbar, wobei letzteres wie immer in DE vorgezogen wird…

    Das wollen wir?

  4. Richtig. Deswegen wird dieser Versuch auch nur ein Versuch bleiben. Herr Spahn und Konsorten sind doch bereits ganz wild darauf, dem Bürger einen 12 Stunden Tag mit sechs Arbeitstagen, das heisst eine 72h Woche aufzuzwingen, um noch mehr Kapital aus den Ausgebeuteten zu schlagen. Die Externen müssen dies auch seit langem. Irgendwann werden Feiertage gekappt, Sonntagsarbeit eingeführt und sämtliche Errungenschaften der Gewerkschaften auf den Sondermüll der Geschichte gekippt. Vorbild: Amerika.

  5. Finde ich einen guten ersten Schritt, allerdings finde ich das auch wieder etwas starr. Manche Leute würde vielleicht lieber von 10-15 Uhr arbeiten oder später, andere länger, andere kürzer. Und wenn das ganze in zu viel anderen Stress ausartet und man nicht mal kurz eine private Nachricht lesen und beantworten darf, finde ich das auch doof. Oder nicht mal ein 3-Minuten-Privatgespräch. Diese strikte Trennung ist nicht förderlich für Glück und Gesundheit. Dann verbucht man halt mal die Minuten als Pause und hängt sie dran. An einem Arbeitsplatz von mir wurde das so gehandhabt und die meisten haben sich eher zu viel für private Interaktionen als zu viel abgezogen.
    Auch wenn der eine gerne 8 und der andere nur 5 Stunden arbeiten will, ist das oft schwer möglich. Natürlich dann bei unterschiedlicher Bezahlung. Aber diese Starrheit und v.a. Gleichmacherei bringt uns doch nicht weiter.

    Diese in Deutschland zwanghafte 40h-oder-mehr-Woche finde ich äußerst bedenklich und ätzend. Aber es herrscht immernoch so ein allg. Glauben, wer nicht viel leistet und sich nicht selbst aussaugt mit vielen Arbeitsstunden, ist ein minderwertiger Mensch.
    Dabei leistet man trotzdem etwas, auch wenn man sich nicht dauernd selbst überlastet. Und Untersuchungen zeigen doch, dass Mensch abgesehen von saisonalen Spitzen nur so ca. 6 Stunden am Tag effektive Arbeit verrichten kann.

    Wobei auch den Jahreszeitveränderungen im menschlichen Biorhythmus fast nirgends Rechnung getragen wird. Es ist doch klar, dass man im Sommer bei mehr Licht etc. man mehr arbeiten kann und will als in der dunklen Jahreszeit. Diese das ganze Jahr gleichbleibende Arbeitspensum ist nicht natürlich und bei mir zB nicht gesund. Aber entsprechende Arbeitsverhältnisse zu finden ist schwierig. Da hilft vielleicht (teil-)selbstständige Arbeit, welche auch schwere Bedinugnen in diesem Land hat, wenn man nicht den großen Reibach damit macht. Jedenfalls sehr schwer in diesem Land so zu arbeiten, dass es einem gut tut und man davon gut leben kann.

    Und ja, Menschen in sehr ungesunden Schichtarbeitsjobs etc. haben auch nix davon. Wenn wir in diesem Land von „Arbeit“ sprechen, denken wir meistens an Bürojobs. Wer aber unsere Produkte herstellt, die Brötchen backt, das Getreide dafür produziert, die Häuser baut und die Drecksarbeit macht und unter welchen Umständen, daran denkt kaum einer, der in seinem mollig warmen Haus sitzt und sich noch über teure Preise im Supermarkt beschwert. Das wäre mal das große & wichtige Thema.