Sternekoch: „Avocados sind die Blutdiamanten Mexikos“

Avocado vegan
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.com

Avocados haben lange Transportwege hinter sich und ihr Anbau benötigt viel Wasser – aber nicht nur deswegen sind sie problematisch: In Mexiko kontrollieren Drogenkartelle den Handel mit der Frucht. Ein Sternekoch ruft deshalb zum Boykott der „Blutdiamanten“ auf.

Der irische Koch JP McMahon betreibt zwei Sternerestaurants in West-Irland. Avocados hat er dort von der Speisekarte gestrichen: „Ich verwende sie nicht, wegen dem Effekt, den sie in den Ländern haben, aus denen sie stammen – Abholzung in Chile, Gewalt in Mexiko“, sagte McMahon dem Online-Portal „Irish Independent“.

Der Sternekoch bezeichnete Avocados aus Mexiko außerdem als „Blutdiamanten“. Der Grund: In Mexiko sind Drogenhändler in das Geschäft mit Avocados verwickelt. Sie führen den Handel mit Waffengewalt und terrorisieren ganze Nachbarschaften.

„Avocado-Polizei“ sorgt für Sicherheit

Besonders schlimm war es lange in der Stadt Tancítaro im Bundesstaat Michoacán, laut Guardian die „Welthauptstadt der Avocadoproduktion“. Drogenbosse und Gangs forderten dort Schutzgeld von Bauern und Landbesitzern oder übernahmen deren Avocadoplantagen mit Gewalt. Immer wieder kam es zu Entführungen und Ermordungen. Zwischen 2006 und 2015 verzeichnete die offizielle Statistik 8.258 Morde im Bundesstaat, so der Guardian.

Um sich gegen die gewalttätigen Gangs zu schützen, griffen die Einwohner ebenfalls zu Waffen und bildeten freiwillige Bürgerpatrouillen. Die ‚Gesellschaft der Avocado-Anbauer‘ gründete außerdem die ‚Tancítaro Public Security Force‘, eine Art Sondereinsatztruppe.

Die Truppe bezeichnet sich auch als „Avocado-Polizei“. Sie kämpft gegen bewaffnete Gruppen, patrouilliert die Straßen und sorgt für Sicherheit. Tancítaro hat dank der Patrouillen zumindest dem Anschein nach Stabilität erreicht, berichtet der Guardian. Drogenkartelle sind aber weiter in den Avocadohandel verwickelt – und Zivilisten tragen Waffen. Sicherheit sieht anders aus.

Problematischer Avocado-Anbau

eine reife Avocado
Ökosünde Avocado. (Foto: © nata_vkusidey - Fotolia.com)

Der irische Sternekoch will solche Zustände nicht unterstützen, weshalb er dazu auffordert, keine Avocados mehr zu verwenden – oder zumindest weniger. Auch aus ökologischer Perspektive ist das empfehlenswert.

Ein Avocadobaum benötigt pro Tag rund 50 Liter Wasser. Schätzungen gehen von fast 1.000 Litern Wasser aus, die für ein Kilo Avocado verbraucht werden – was oft nur drei Früchten entspricht. Die Anbaugebiete liegen oft in heißen, trockenen Gegenden, in denen das Wasser ohnehin knapp ist. Speziell in Mexiko werden außerdem illegal Wälder gerodet, um Platz für Avocadoplantagen zu schaffen. Wer nicht auf Avocados verzichten will, sollte darauf achten, Früchte aus Spanien zu kaufen. Bei ihnen sind zumindest die Transportwege kürzer. Wichtig außerdem: Bio-Qualität.

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(1) Kommentar

  1. Und für diejenigen, denen das irgendwie egal ist möchte ich gerne mal anmerken, dass die Avocados, die man noch vor ca 20 Jahren kaufen konnte sowohl von der Konsistenz wie auch vom Geschmack her einfach anders waren. Sie schmeckten!
    Spätestens seit sie unter dem zweifelhaften Attribut „Superfood“ mit aufgeführt werden, sind sie wie grün-gelbes schnittfestes Wasser.
    Wie kommt es überhaupt zu dieser Schwemme von Avocados, die Bäume brauchen doch ihre Zeit bis sie Früchte tragen oder gibts da einen Super-Turbo-Avocado-Baum-Beschleuniger?
    Man weiß also gar nicht, was man da wirklich ißt, denn was heute unter Avocado läuft hat scheinbar nicht mehr viel mit den Früchten zu tun, die man sich vor ein paar Jahren hin und wieder und dann auch nur in der Saison leistete.

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