Kokosnuss: Wundermittel oder Öko-Sünde

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Die Kokosnuss: der neue Stern am Superfood-Himmel? Angeblich sind Erzeugnisse aus Kokos wahre Alleskönner – vom Butterersatz für Veganer bis hin zum Hautpflegemittel und Anti-Alzheimer-Wirkstoff. Utopia macht den Fakten-Check.

Kokosmilch ist ein veganer Ersatz für Sahne, Kokoswasser gilt als extrem gesundes Fitnessgetränk, Kokosblütenzucker soll der perfekte Ersatz für herkömmlichen Zucker sein. Und Kokosöl preist man neuerdings ohnehin als Wundermittel an: Es soll beim Abnehmen helfen, Haut und Haare pflegen und sogar gegen Alzheimer wirken.

Fakt ist: Kokos in allen möglichen Formen boomt und ist längst kein Geheimtipp mehr. Doch was können die Kokosnuss und ihre Erzeugnisse wirklich? Und was ist nur ein schöner Traum – wie die Tropenstrände, an denen sie wächst? Ist in der Nuss eventuell sogar der Wurm drin? Utopia hat sich schlau gemacht.

Botanisches zur Kokospalme

Die Kokosnuss ist eigentlich gar keine Nuss, sondern die Steinfrucht der bis zu 25 Meter hohen Kokospalme. Über die Herkunft der Pflanze ist wenig bekannt, da Kokosnüsse lange Zeit im Meer treiben können, ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. Heute ist die Palme im gesamten Tropengürtel beheimatet; Indonesien, die Philippinen und Indien sind die Hauptanbaugebiete.

Kokos: So wächst die Kokosnuss auf der Kokospalme.
Kokosnuss-Palmen wachsen im gesamten Tropengürtel. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Pexels)

Nicht nur die Frucht, auch die Palme ist etwas Besonderes: Trotz seiner enormen Höhe hat der Stamm nur einen Durchmesser von 20 bis 30 Zentimetern und ist dadurch flexibel genug, um Tropenstürmen zu widerstehen. Kokospalmen können über 100 Jahre alt werden und erreichen die volle Produktionsleistung von 30 bis 40 Nüssen im Jahr mit etwa 12 Jahren. Mit spätestens 80 Jahren stellen sie die Produktion ein.

In der produktiven Phase brauchen Kokospalmen relativ viel Süßwasser und Nährstoffe, beim kommerziellen Anbau wird daher teilweise durch Düngung ein Defizit im Boden ausgeglichen.

Ernte und Nutzung der Kokosnuss

Die Kokosnüsse selbst sind die Kerne (Steine) der eigentlichen Frucht, die bis zu 2,5 Kilo schwer werden kann. Da sich die Nüsse am Baum in unterschiedlichen Reifestadien befinden, wird ganzjährig geerntet, sobald die Frucht die gewünschte Größe erreicht hat.

Kokosnuss nach der Ernte
Kokosnüsse werden ganzjährig geerntet. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com - Sebastien Gabriel)

Die Ernte der grünen, noch unreifen Nüsse erfolgt per Hand, entweder vom Boden mit Messern an langen Bambusstäben oder durch Hochklettern an den Stämmen. In manchen Regionen gibt es auch dressierte Affen als Erntehelfer, welche die reifen Kokosnüsse pflücken und zu Boden fallen lassen.

Praktisch jeder Bestandteil der Kokosnuss wird verarbeitet, entfernt wird nur die äußere Schicht. Zuerst gewinnt man das Kokoswasser aus dem Inneren der Kokosnuss über eines der drei Keimlöcher. Danach öffnet man die braune, von Fasern umgebene Schale und entnimmt das Fruchtfleisch. Die Schale wird später oft zu Gefäßen, Kunsthandwerk oder Löffeln verarbeitet.

Das Fruchtfleisch kann roh verzehrt werden und gilt in einigen Herkunftsländern als Hauptnahrungsmittel. Üblicherweise wird das Fruchtfleisch aber zu so genannter Kopra getrocknet und weiterverarbeitet. Aus der Kopra lassen sich über verschiedene Methoden Kokosöl, Kokosmilch, Kokosmehl und Kokosflocken bzw. Kokosraspeln gewinnen. Eventuelle Überreste sind ein wertvolles Tierfutter.

Kokosraspeln werden aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss hergestellt
Kokosraspeln sind bei uns beliebter Bestandteil von Süßem, Müsli und Gebäck. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Vijayanarasimha)

Die Kokosnuss bringt Exotik in die Küchen

Neben Kokosflocken oder Kokosraspeln, die bei uns in allerlei Gebäck, Süßigkeiten und Müsli vorkommen, haben inzwischen noch weitere Kokosnuss-Produkte den Weg in unsere Küchen gefunden. Kokosmehl entsteht durch ein feines Vermahlen und Entölen der Kopra, für Kokosmilch vermahlt man die Kopra mit Wasser und presst sie anschließend durch einen Filter.

Beide Kokosnuss-Produkte sind in den Herkunftsländern unverzichtbarer Bestandteil der alltäglichen Küche. Kokosmehl wird bei uns eher als glutenfreier Ersatz für Getreidemehl oder zur Ergänzung beim Backen genutzt.

Kokosmilch dagegen ist auch bei uns zum festen Teil der kulinarischen Genüsse geworden. Zum einen als Bestandteil exotischer Rezepte, zum anderen eignet sich Kokosmilch wegen des hohen Fettgehalts hervorragend als veganer Ersatz für Sahne oder Creme fraîche.

Kokosmehl enthält mehr Ballaststoffe als Getreidemehl. Schlankmacher sind die Kokosnuss-Produkte trotzdem keine, hier gilt wie immer: Die Menge macht den Unterschied.

Die „Neuen“: Kokosblütenzucker und Kokoswasser

Kokosnusswasser und Kokosblütenzucker sind bei uns noch nicht so lange bekannt. Erst Stars und Sternchen, die mit den angeblich super-gesunden Kokosnuss-Produkten zum Traumkörper kamen, sorgten für den derzeitigen Hype.

Hype-Produkt aus der Kokosnuss: Kokoswasser
Kokoswasser ist ein In-Getränk – dabei bringt es wenig gesundheitlichen Nutzen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Gadini)

Besonders Kokoswasser, die sterile, isotonische, beinahe kalorienfreie Flüssigkeit aus dem Inneren der unreifen, frischen Kokosnuss gilt als In-Getränk. Dabei ist die Wirkung nicht viel besser als die einer Apfelschorle. In Gegenden ohne Süßwasserquellen kann Kokosnuss-Wasser jedoch helfen, den Trinkwasserbedarf der Einwohner zu decken.

Kokosblütenzucker wird aus dem Nektar der Kokosblüte gewonnen und schmeckt nach Karamell. Auch wenn der Kokoszucker noch ein paar zusätzliche Nährstoffe enthält, ist er in erster Linie Zucker – genauso wie Rohr- oder Rübenzucker auch.

Wundermittel Kokosfett

Kokosfett oder Kokosöl gilt seit einiger Zeit als Wundermittel. Die besondere Zusammensetzung der Fette (mittelkettige Fettsäuren) und sein hoher Rauchpunkt (177°C) machen das aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresste Fett zum idealen Küchenhelfer: Zum Braten, Backen und als veganer Butterersatz macht das Kokosöl von sich reden. Durch den hohen Rauchpunkt bleiben die Fettsäuren erhalten und wirken angeblich antibakteriell.

Kokosöl
Kokosöl gilt als Wundermittel zum Kochen, Backen, Braten, für Haut, Haare und Zähne. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - greekfood-tamystika)

Die desinfizierende Wirkung soll auch auftreten, wenn das Kokosöl in festem oder flüssigem Zustand (ab etwa 25° C) auf kleine Wunden aufgetragen wird. Auch auf die Zähne soll Kokosöl angeblich positiv wirken und Karies bekämpfen. Das aufsehenerregendste Ergebnis lieferte jedoch eine Studie, laut der Kokosöl sogar gegen Demenz und Alzheimer helfen und die Gehirnleistung verbessern soll.

Kokosöl soll für ein schönes Hautbild und glänzendes Haar sorgen.

Kokosöl und andere Produkte aus der Kokosnuss kaufen

Die Zeiten, in denen man lediglich Kokosraspeln und vielleicht raffiniertes Kokosfett zum Kochen in den Supermärkten fand, sind längst vorüber. Kokosmilch, Kokoswasser und Kokosöl kannst du beinahe überall kaufen. Kokosmehl und Kokosblütenzucker bekommst du in Reformhäusern, Bio-Läden oder Drogeriemärkten. Selbstverständlich findest du alles von der Kokosnuss auch in diversen Onlineshops.

Bestenliste: Die besten grünen Onlineshops

Du solltest beim Kauf allerdings immer genau hinsehen und nur Produkte aus biologischem Anbau kaufen, Kokosöl sollte zudem nativ (kaltgepresst aus der Kopra) sein. Nur so kannst du sicher sein, dass die möglichen positiven Effekte nicht durch eine Verunreinigung zunichtegemacht werden. Zudem bessert der biologische Anbau die Ökobilanz der Kokosnuss ein wenig auf (s. unten).

Wie gesund ist die Kokosnuss nun wirklich?

Glaubt man dem aktuellen Hype um die Kokosnuss, scheint sie extrem gesund zu sein. Tatsächlich enthält das Fruchtfleisch viele Ballaststoffe, mittelkettige gesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Natrium, Kupfer, Eisen und Phosphor. Letztere finden sich auch im Wasser der Kokosnuss wieder.

Beliebtes Kokos-Produkt: Kokosmilch
Kokosmilch: lecker, aber fettig (Foto: "Coconut Milk" von S Sepp unter CC-BY-SA-3.0)

Aber: Die Früchte der Kokospalme sind auch sehr fettreich und daher nicht wirklich die Abnehmhelfer, als die sie verkauft werden. Kokosmilch hat rund 20 Prozent Fettgehalt, Kokosöl etwa 850 Kilokalorien pro 100 Milliliter. In Kokosflocken, die gerne als Snack geknabbert werden, ist der Fettgehalt ähnlich dem der Kokosmilch.

Damit ist die Kokosnuss zwar nicht ungesund, aber auch nicht das Gesundheitswunder, als das sie angepriesen wird. Kokosnuss-Produkte können nur beim Abnehmen helfen, wenn du deine gesamte Ernährung umstellst, der Einsatz von Kokosöl, Kokosmehl und Kokosfett alleine reicht nicht aus.

Auch beim Thema Alzheimer und Kokosöl ist Vorsicht angebracht: Es existiert nur eine einzige Studie, die noch dazu noch eher fragwürdig ist. Derzeit gilt: Alles ist möglich, aber nichts bewiesen.

Eine harte Nuss für die Nachhaltigkeit

Kokosnüsse sind exotisch. Sie wachsen auf Palmen an weißen Sandstränden in den Tropen, diese Vorstellung haben wir alle im Kopf. Und das ist auch der erste große Minuspunkt der Kokosnuss-Produkte: Sie haben einen sehr langen Transportweg mit entsprechend hohem CO2-Ausstoß hinter sich, bevor sie bei uns in den Läden landen.

Kokosnuss: lange Transportwege, problematische Anbaubedingungen
Wenn Kokosnüsse bei uns im Laden ankommen, haben sie bereits eine lange Reise hinter sich. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - PIRO4D)

Dann sind da die Anbaubedingungen, die sich immer mehr denen von Palmöl annähern, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Soll heißen: mehr Fläche, mehr Dünger, mehr Trinkwasser zum Wässern der Kokospalme, Monokulturen statt der althergebrachten Mischkulturen. Noch sind die Bedingungen nicht so dramatisch wie im Palmöl-Anbau, doch mit jedem gekauften Kokosöl oder Kokoswasser steigt die Wahrscheinlichkeit dafür.

Dazu kommt noch, dass eine Kokospalme relativ langsam wächst und nicht besonders ertragreich ist – eine steigende Nachfrage bedeutet einen wesentlich steigenden Flächenbedarf.

Nicht vergessen darf man auch den sozialen Aspekt der Kokosnuss. Zwar wird oft damit geworben, dass Kokosnüsse von Kleinbauern angebaut und geerntet werden. Dabei „übersehen“ die Anbieter gerne, dass die Kleinbauern von dem Hype um Kokosöl und Co. nur wenig profitieren und noch immer oft in Armut leben. Und eine Produktion speziell für den Export nimmt den Menschen vor Ort unter Umständen ein Hauptnahrungsmittel weg, um es nach Europa zu verschiffen. Nachhaltig kann man das nun nicht wirklich nennen.

Fazit: Kokosnuss-Produkte nur in Maßen verwenden

Rechnet man das dicke Minus in Sachen Nachhaltigkeit dem unklaren gesundheitlichen Nutzen von Produkten aus der Kokosnuss hinzu, bleibt wenig Positives  vom Kokos-Hype übrig. Kokosnüsse und alle daraus hergestellten Produkte sollte man definitiv nur in Maßen genießen.

Es gibt genug heimische Alternativen zu Kokosöl, Kokoswasser, Kokosmehl oder Kokosblütenzucker. Ersteres lässt sich oft leicht mit Raps- oder Sonnenblumenöl substituieren. Diese Pflanzen wachsen auf heimischen Feldern und sind leicht aus Bio-Anbau zu bekommen; günstiger sind sie außerdem.

Kokoswasser ist ein reines Lifestyle-Getränk – wenn du gerne etwas „mit Geschmack“ trinken willst, tut’s auch eine Apfelschorle oder andere verdünnte Fruchtsäfte. Statt Kokosmehl kannst du zum glutenfreien Kochen und Backen zum Beispiel Mehl aus Ölsaaten wie Hanf oder Leinsamen verwenden. Und Kokosblütenzucker ist auch nur Fruchtzucker. Wer einen hochwertigeren Zucker sucht, greift zu regional produziertem Honig oder veganen Honig-Alternativen – beides steht dem Kokoszucker nämlich in nichts nach. Lediglich der Kokosgeschmack als solcher lässt sich leider nicht ersetzen, und damit weder Kokosmilch noch Kokosflocken.

Angesichts der negativen Umweltauswirkungen des Kokosanbaus finden wir aber: Kokosprodukte sollte man genau wie andere Tropenfrüchte möglichst nur selten und dann bewusst und unbedingt aus Bio-Anbau genießen.

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(3) Kommentare

  1. Ich schätze Kokosprodukte sehr bei der antiviralen Therapie und zur Schwermetallausleitung bei entsprechender Belastung. Die Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema bei der Kokosnuss. Empfehlenswert könnten die Produkte von Dr. Goerg sein.

    Danke für den Artikel.

  2. Der Artikel gibt einen guten Einblick, danke dafür. Ich selbst bin schon lange großer Kokosfan und merke, dass die meisten Produkte tatsächlich gut für meinen Körper sind (allen voran Kokoswasser). Die Produkte von Dr. Goerg kaufe ich aber nicht mehr, der wirbt mir zu aggressiv und dichtet seinen Produkten mehr Vorteile an, als sie in Wirklichkeit haben (können). Verarschen lassen muss man sich auch nicht, man informiert sich ja.

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