Berührendes Video wird viraler Hit – aber es ist nicht so niedlich, wie es aussieht

Viraler Hit Bärenkind
Foto: Screenshot Youtube

Ein aktuelles Video zeigt, wie sich ein Bärenjunges einen steilen Hang hinaufmüht und schließlich oben ankommt. Ein trauriges Beispiel dafür, dass sich Beharrlichkeit auszahlt – denn ohne die Aufnahmen wäre das Junge gar nicht erst in diese Situation gekommen.

Es ist eine berührende Geschichte, die diese Aufnahmen erzählen: Sie zeigen ein Bärenkind und seine Mutter bei dem Versuch einen schneebedeckten Hang hinaufzuklettern – und wie das Junge dabei immer wieder scheitert, bis es schließlich oben ankommt.

Hier könnt ihr das Video auf YouTube sehen: 

Das Video ist mittlerweile ein viraler Hit. Es wurde am Freitag auf dem YouTube-Kanal ViralHog hochgeladen und am Samstag bei Twitter geteilt – inzwischen zählt es dort schon über 22,1 Mio Aufrufe.

Was lange währt, wird endlich gut?

Im Video sieht man, wie das Bärenkind mühevoll durch den Schnee stapft, halt sucht und immer wieder abrutscht. Als es schon fast ganz oben ankommt – die Mutter scheint mit der Pfote nach dem Kleinen greifen zu wollen – rutscht es erneut ab, viele Meter in die Tiefe bis ganz unten an die Schneekante. Die Mutter läuft oben am Berg unruhig hin und her. Schließlich wagt das Junge einen letzten Anlauf: Es klettert den Berg hoch und kommt schließlich oben an. Die beiden Bären, wieder vereint, jagen durch den Schnee davon.

Kein Wunder, denn es hat alles, was eine gute Geschichte braucht: Bezaubernde Protagonisten, Hoch- und Tiefpunkt, schließlich ein Happy End – und eine Botschaft: Beharrlichkeit zahlt sich aus. Unter dieser Überschrift haben das Video auch viele Medien aufgegriffen.

Hier könnt ihr den Post auf Twitter sehen: 

Experten schlagen Alarm

Doch die Bilder, die uns zu Tränen rühren, lösen bei Biologen und Tierschützern Entsetzen aus. Denn: Das Video wurde von einer Drohne aufgenommen – dabei ist laut Tierschützern deutlich zu erkennen, dass hier ein ziemlicher verantwortungsloser Drohnen-Pilot am Werk war. Durch das Filmen mit der Drohne hat er die Bären in eine extrem bedrohliche Situation gebracht, die das Bärenjunge fast das Leben gekostet hätte.

Sophie Gilbert ist Ökologin an der University of Idaho, wo sie untersucht, welche Ausrikungen Drohnen auf die Tierwelt haben. Sie erklärt gegenüber der amerikanischen Zeitschrift The Atlantic: „Die Aufnahmen zeigen, wie wenig Ahnung der Filmer davon hat, wie sehr seine Drohne das Verhalten der Bären beeinflusst.“ Gilbert

„Es gäbe keinen Grund für die Bären so ein Risiko einzugehen – es sei denn sie wurden gezwungen“

Laut YouTube Beschreibung wurde das Video am 19. Juni 2018 in der russischen Region Oblast Magadan aufgenommen, einem Teil des Ostsibirischen Berglandes. Unbekannt ist, wer das Video aufgenommen hat, welche Drohne dabei benutzt werde oder wie tief diese flog. Das sei aber auch egal, sagt Clayton Lamb von der University of Alberta. „Aufgrund des Verhalten der Bären kann ich sagen, dass die Drohne zu nah war“, wird er in dem Artikel von The Atlantic zitiert. Der Experte beschäftigt sich mit Grizzlybären in den Kanadischen Bergen und kartographiert deren Lebensräume mithilfe von Drohnen.

Schon die Umgebung, in der das Video aufgenommen wurde, sei laut Lamb verdächtig: Es gäbe keinen Grund für ein Weibchen mit seinem Jungen das Risiko aufzunehmen so einen steilen, rutschigen Hang hochzuklettern – es sei denn sie wurden dazu gezwungen. Im Video könne man sehen, wie die Mutter immer wieder zur Drohne schaut, diese also definitiv registriert und als Bedrohung wahrnimmt.

Drohnen in der Tierwelt: Problematisch und nützlich zugleich

Lamb kritisiert, dass Laien die relativ junge Technologie mehr und mehr nutzen ohne sich damit auszukennen – und dabei Tiere unwissentlich in Gefahr bringen.

Wie schlimm das allerdings ist, zeigt eine Playlist, welche die Biologin Gilbert auf YouTube angelegt hat. Hier sieht man, wie stark Tiere von den Drohnen beeinträchtigt werden. Die Geräte bringen Tiere in gefährliche Situationen, stören ihre Jagd, lösen Stress aus und vertreiben Tiere aus ihrem natürlichen Lebensraum.

Bei richtiger Verwendung wiederum, seien die Geräte ein recht nützliches Werkzeug für Biologen, um die Lebensräume von Tieren zu erforschen.

Virale Hits auf Kosten von Tieren

Das Video zeigt aber auch noch ein anderes Problem: Es ist ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie Tiere für ein paar Minuten Berühmtheit im Netz missbraucht werden können.

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(4) Kommentare

  1. Diese Video-Seuche, mit der man andauernd und zu jedem Anlaß angesprungen wird, diese Gier nach den Klicks, denen unendlich viele Tiere zum Opfer fallen, ob sie zu Hause oder in der Natur gedreht werden, all dieser sinnlose, überflüssige Müll seit Jahren.
    Und nun auch noch Drohnen in der Hand von jedem, der sich das leisten will oder kann, noch dazu braucht man nicht mal für alle einen Führerschein.
    Dieser Drohnenhorror! Zu Weihnachten wird er wieder in Massen unter den Bäumen auftauchen, weil armselige Menschen nicht wissen, wie sie sich sonst beschäftigen sollen und so auf Kosten anderer Lebewesen zu Voyeuren werden, die Grenzen immer weiter verletzt werden, wie weit man in das Leben und den Lebensbereich anderer eindringen darf.
    Und alles ganz legal. 🙁

  2. Ich möchte mich pepine aus ganzem -sorgenvollen!- Herzen anschließen und hoffen, dass immer mehr Menschen zu der Einsicht kommen, dass nicht alles, was auf den Markt kommt, auch genutzt werden muss.

  3. Ich schließe mich ebenso an. Es ist furchtbar welchen Unsinn manche Menschen machen nur um Aufmerksamkeit zu erhalten ohne darüber nachzudenken was sie damit anrichten. Ich finde es ist ein Armutszeugnis wenn man sich nur noch darüber definiert wieviele Klicks oder Likes man im Netz bekommt.

  4. Das Tiere durch Drohnen gestört oder beläsigt werden können, ist unbestreitbar.
    Der Rest von dem, was die „Expertin“ behauptet scheint mir auf den konkreten Fall bezogen aber doch arg hypothetisch.

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