So krank ist die Modebranche: Markenhersteller vernichtet Neuwaren im Wert von 32 Millionen Euro

Kleidung Muell
Foto CC0 Pixabay

Die Edelmarke Burberry schreddert jedes Jahr Produkte im Wert von mehreren Millionen Euro – aber nicht, weil die Ware irgendwelche Fehler oder Mängel hat. Dahinter steckt vielmehr eine gezielte Strategie, um die Preise hoch zu halten. 

Bei Burberry ist dieses Jahr jede Menge Kleidung und Kosmetik im Müll gelandet – genau genommen waren es 2018 bislang Produkte im Wert von etwa 32,5 Millionen Euro, schreibt das Unternehmen in seinem aktuellen Geschäftsbericht.

Das ist deutlich mehr, als noch in den Vorjahren: 2017 waren es rund 30 Millionen Euro und 2016 etwa 21 Millionen Euro – ebenfalls stolze Summen. Aber warum nimmt Burberry solche Millionenverluste in Kauf? Spiegel Online vermutet dahinter eine Geschäftsstrategie.

Das Image muss bewahrt werden

Wenn Ware übrig bleibt, sei offenbar der beste Weg, sie zu vernichten. Die Alternative wäre, sie durch Rabatte vergünstigt anzubieten und so den Verkauf anzukurbeln. Aber die Rabatte würden das Image der Luxusmarke beschädigen – Kleidung und Kosmetik von Burberry darf nicht billig zu haben sein. Der Schein von Exklusivität müsse bewahrt werden, argumentiert Spiegel Online.

Das sagt Burberry

Einige Aktionäre von Burberry sehen die vielen geschredderten Waren kritisch, berichtet das Nachrichtenportal Bloomberg. Einer von ihnen habe bei der Jahresversammlung gefragt, weshalb die Aktionäre die Produkte nicht abkaufen dürfen, anstatt dass sie zerstört werden.

Die Ware zu zerstören sei „nicht etwas, das wir leichtfertig tun“, heißt es laut Bloomberg bei Burberry. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Außerdem würde man nicht alle überschüssigen Produkte wegwerfen: Übriggebliebenes Leder beispielsweise spende Burberry an ein Modeunternehmen, das ausrangierte Kleidung recycelt und neu verarbeitet.

Nicht nur Burberry schreddert Kleidung und Kosmetik in großem Stil – auch bei anderen Luxusmarken landen massenhaft Produkte in der Tonne. Und nicht nur bei Luxusmarken: Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Amazon Neuware vernichtet, dabei handelt es sich vor allem um Retouren. Vergangenes Jahr machten außerdem H&M und andere Modeketten Schlagzeilen damit, dass sie offenbar tonnenweise neue Kleidung verbrannten.

Die Überschüsse der Modebranche

Dass Burberry, H&M und andere Marken regelmäßig einwandfreie Kleidung oder Kosmetik zerstören, zeigt, was in der Modebranche schiefläuft: Sie produziert so große Überschüsse, dass massenhaft Produkte niemals verwendet werden, sondern im Müll landen.

Die Preise und das Image hoch zu halten ist wichtiger, als ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen. Und offenbar ist es in den meisten Fällen immer noch günstiger, die Ware zu entsorgen und dann einfach wieder neu zu produzieren, als sie anders weiter zu verarbeiten.

Aber es gibt auch Alternativen zu den konventionellen Herstellern – die Zahl an fair produzierenden Labels wächst. Sie versuchen nachhaltig mit der Umwelt, den Ressourcen und den Mitarbeitern umzugehen. Hier findest du empfehlenswerte Anbieter: Fair Fashion: die wichtigsten Marken, die besten Shops 

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(2) Kommentare

  1. Schon alleine die Vorstellung der unzähligen mishandelten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, welche teils wie Sklaven schuften müssen, und dann dieser Bericht über die Vernichtung der Ware aus Image-Gründen, das ist nicht auszuhalten. Vielleicht müssten die Verantwortlichen der genannten Firmen gezwungen werden, sich verdeckt gefilmte Szenen aus den Schneider-Fabrik-Ghettos anzusehen.

  2. Was für eine kranke Welt, hier zählt nur Image, Macht und Geld.
    Die Perversion der Menschen ist scheinbar grenzenlos. Diese Überflussgesellschaft ist doch wirklich zum Kotzen. Was über das gesellschaftlich Notwendige hinausgeht, also keinen Absatz findet, wurde irrational produziert. Warum diese Überproduktion?
    Weil man es sich leisten kann? Als ob die Erde nicht schon im Müll ersticken würde, werden neuwertige Artikel gewissenlos vernichtet und die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung rücksichtslos unnötig belastet. Wir als Verbraucher dürfen diese absurden Methoden nicht unterstützen und sollten daher solche Unternehmen boykottieren, damit sie es sich nicht mehr leisten können. Aber leider ist der Nachhaltigkeitsgedanke in den Köpfen vieler Konsumenten noch nicht angekommen, ebenso wenig wie bei vielen Produzenten.

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