Echtes Leder, pflanzlich gegerbtes Leder, Bio Leder – das steckt dahinter

Planzlich gegerbtes Leder, Bio-Leder, Echtes Leder – was steckt dahinter?
Foto: © andrey-fo / photocase.de

Leder gilt als hochwertiger Naturstoff und als langlebiges Material für Schuhe, Kleidung und Möbel. Doch die Herstellung von konventionellem Leder ist problematisch – und die Endprodukte oft giftig. Pflanzlich gegerbtes Leder und Bio-Leder sind darum die bessere Wahl.

Leder ist längst kein unschuldiges Naturprodukt mehr  – diese Tatsache ist in den vergangenen Jahren dank diverser Reportagen und Tests verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Heute wird Leder zum Großteil in asiatischen Billiglohn-Ländern hergestellt, wirft Bedenken bezüglich des Tierschutzes auf und ist allzu oft mit giftigen Chemikalien belastet.

Auf eindrucksvolle Weise stellt die ZDF-Reportage „Gift auf unserer Haut“ schockierende Zustände und diverse Probleme der Lederherstellung dar. Wer die Doku gesehen hat oder sich sonstwie näher mit der Thematik befasst, wird verstehen, weshalb wir nur pflanzlich gegerbtes Leder und Bio-Leder (eingeschränkt) empfehlen können.

Leder stammt von toten Tieren

Echtes Leder stammt bekanntlich von Tieren – darum ist es per se kein harmloses Produkt. Traditionell handelt es sich bei Leder um ein Abfallprodukt der Schlachtindustrie und man kann es daher durchaus als nachhaltige Verwertung von sowieso Vorhandenem betrachten. Doch aufgrund der hohen Nachfrage und Billig-Preisen ist heute nicht mehr jede verarbeitete Tierhaut ein Nebenprodukt. Und dass sogenannte Nutztiere häufig unter miserablen Bedingungen gehalten werden, ist kein Geheimnis.

Herkömmliches Leder vergiftet Umwelt und Arbeiter

Die Lederherstellung ist heutzutage ein giftiges Geschäft: Leder aus industrieller Massenfertigung wird zum größten Teil mit giftigen Chemikalien gegerbt und behandelt. Das meiste Billig-Leder stammt aus Asien – effektive Umwelt- und Arbeitsschutzstandards gibt es in beliebten Produktionsländern wie Bangladesch und China kaum.

Der Gerbungsprozess alleine kann enorme Mengen an Giftstoffen freisetzen: Meist werden heute für die Gerbung sogenannte Chrom III-Salze eingesetzt. Durch die Chromgerbung gelangen häufig schädliche Salze zusammen mit hochgiftigen gelösten Schwermetallen über das Abwasser in die Umwelt und auch in die Körper der ungeschützten Arbeiter.

Chrom III-Salze können auch im fertigen Leder-Produkt Allergien bei seinen Trägern auslösen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich im Leder außerdem die deutlich giftigeren Chrom VI-Verbindungen bilden; diese haben ein hohes Allergiepotenzial und gelten als krebserregend.

Pflanzlich gegerbtes Leder ist gesünder

Eigentlich braucht man kein Gift und keine Chemie, um Leder zu gerben. Nur ist die pflanzliche Gerbung etwas langwieriger und damit teurer als die chemische. Pflanzlich gegerbtes Leder (auch: vegetabil gegerbtes Leder) wird mit verschiedenen Gerbstoffen behandelt, die zum Beispiel aus Eichenrinde, Rhabarberwurzeln, Mimosarinde, Quebrachoholz oder Tara-Schoten gewonnen werden. Das ist deutlich schonender für die Umwelt und sicherer für den Verbraucher, denn die pflanzliche Gerbung hinterlässt keine Giftstoffe im fertigen Lederprodukt.

Dinge, die ewig halten: Ledertasche
Leder ist robust und alnglebig – kaufen solltest du allerdings am besten nur pflanzlich gegerbtes Leder, Bio-Leder, recyceltes Leder oder gebrauchte Lederprodukte. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.com – Snufkin)

Echtes Leder, Bio-Leder: Das steckt dahinter

Mit „Echtes Leder“ kann jedes Lederprodukt gekennzeichnet werden – über die Art der Herstellung und die Qualität sagt dieser Begriff rein gar nichts aus.

Die Bezeichnung „Bio-Leder“ ist nicht geschützt und wird daher nicht einheitlich verwendet. So bezeichnen manche Lederhersteller ganz einfach vegetabil gegerbtes Leder als Bio-Leder. Andere gehen in ihren Produktionsstandards weiter und gestalten alle Schritte der Lederherstellung möglichst umweltschonend.

Die strengsten Richtlinien hat der Verband IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) entwickelt. Für IVN-zertifiziertes Naturleder sollen beispielweise nur als Nebenprodukt der Fleischgewinnung anfallende Tierhäute verarbeitet werden, die verarbeitenden Betriebe müssen ihr Abwasser gründlich reinigen, Chromgerbung ist nicht erlaubt, Farbstoffe müssen schwermetallfrei und möglichst pflanzlich sein. Zudem müssen strenge Sozialstandards in der Produktion eingehalten werden. Nur, wer diese Richtlinien bei der Lederherstellung einhält, darf sich mit der IVN Zertifizierung für Naturleder schmücken.

Der einzige uns derzeit bekannte Händler von Bio-Leder mit Bio-Zertifikat ist Waschbär: Das Leder der Eigenmarke enna** ist nach Biokreis-Richtlinien zertifiziert und stammt von Rindern aus der Mecklenburgischen Schweiz.

Diese Hersteller verwenden pflanzlich gegerbtes Leder

Einige Unternehmen verwenden für ihre Lederprodukte ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder. Dazu gehören Schuhhersteller wie beispielsweise Ekin Footwear und Veja. In unserer Bestenliste findest du einige weitere empfehlenswerte Schuh-Marken.

Auch nachhaltige Mode-Hersteller achten darauf, möglichst nur pflanzlich gegerbtes Leder, Bio-Leder oder sogar recyceltes Leder für ihre Kleidungsstücke zu verwenden. Hin und wieder kommen auch Abfälle der Lederindustrie zum Einsatz, beispielsweise für die Leder-Patches, die an vielen Jeans angebracht werden. Recyceltes Leder ist sogar noch umweltfreundlicher als pflanzlich gegerbtes, weil kein „neues“ Leder produziert werden muss. Die entsprechenden Modelabels findest du in vielen nachhaltigen Mode-Shops – in deiner Stadt oder im Internet.

Wer eine Lederjacke oder eine Ledercouch sucht, schaut sich am besten erstmal auf Flohmärkten, in Second-Hand-Läden oder auf Gebrauchtkauf-Portalen um. Denn bei Leder lohnt der Gebraucht-Kauf: Das Material ist extrem langlebig und robust und daher oft auch gebraucht in guten Zustand zu finden – für deutlich weniger Geld. Wer Lederprodukte Second Hand kauft, trägt aktiv dazu bei, dass durch weniger Neuproduktion Tiere geschützt und die Ressourcen geschont werden.

Wer lieber ganz auf Leder verzichten will, muss deshalb nicht barfuß gehen: Die besten veganen Schuhe

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(2) Kommentare

  1. Hat hier jemand Erfahrungen mit Alwo-Schuh aus Hannover? Sollen pflanzlich gegerbt und Made in Germany (wieviel davon habe ich noch nicht recherchiert) sein.

    Ansonsten habe ich gerade einen Halbstiefel und ein schlupfschuh bei Schuhwerk.de bestellt. Die haben Modelle von Erz-konservativ bis ökolatschenoptik und die verwendeten Leder sind in Europa hergestellt und pflanzlich gegerbt (wobei sie selber schreiben, dass auch pflanzliche gerbung nicht immer 100% ökologisch ist, aber daran gearbeitet wird). Die Schuhe haben verschiedene Sohlen (von Vibram bis Korkkrepp) -je nach „Einsatzgebiet“ und Fussbetten und werden in Deutschland in einer ehemaligen „Schuhregion“ (dort gab es vor der Flucht in Billiglohnländer wohl viele mittelständische Schuhfabriken) hergestellt.
    Ich finde die Preise für die gelieferte Qualität echt gut und auch, wenn ich normalerweise nichts online bestelle (übrigens ist deren System noch etwas holperig für Zalando-verwöhnte Mainstream-Konsumenten -zu denen ich aber ja nicht gehöre…), bin ich sehr zufrieden.
    On Top bieten sie (wie Trippen glaube ich auch) die Reparatur eingesendeter Schuhe zu recht moderaten Preisen. Da meine Stiefel doppelt rahmengenäht sind, hoffe ich, dass nur irgendwann mal eine neue Sohle fällig wird, aber ich ansonsten diesen Service nicht nutzen werde (je nach Schaden schafft’s sicher auch einer der hier ansässigen Schumacher – die aber leider nicht in meinem Preissegment und nicht ansatzweise ökologisch fertigen).

  2. Update: Veja bietet inzwischen leider Schuhe mit Leder an, das mit wenig Chrom gegerbt wurde. Dem Leder wird die Eigenschaft „low chrome“ zugeschrieben. Für mich persönlich ist das nicht akzeptabel.

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