Slow Coffee: Das sind die besten Arten, richtig guten Kaffee zu machen

Kaffeezubereitung
Foto: © Unsplash / CC0

Frisch aufgebrühter Kaffee schmeckt immer noch am besten. Mit einem Espressokocher, der French Press oder dem Handfilter geht das ganz einfach und schafft zudem ein Bewusstsein für besseren Kaffee.

Warum man einen Kaffee aus dem Vollautomaten einem frisch aufgebrühten vorzieht, habe ich noch nie verstanden. Als Nespresso plötzlich in die Haushalte meiner Freunde einzog, bin ich fast vom Glauben abgefallen. Überteuerter Kaffee in Aluminiumkapseln, die ausschließlich in einer überteuerten Kaffeemaschine funktionieren und zudem ein gigantisches Müllproblem verursachen. 5.000 Tonnen Kapselmüll im Jahr 2014, Tendenz steigend.

Wer Kaffee liebt, der sollte mehr Zeit mit der Kaffeezubereitung verbringen. Morgens zehn Minuten früher aufstehen, den Duft ganzer Kaffeebohnen einatmen, Kaffee mahlen und ihn gut portioniert in den Espressokocher füllen. Das hat einen meditativen Charakter – und ist zudem ein wunderbares Morgenritual. Da kann ein stumpfer Druck auf den Kaffeemaschinenknopf nicht mithalten. Vom Geschmack ganz zu schweigen. Der wird umso besser, je hochwertiger die Bohnen sind, die man verwendet.

Guten Bio-Kaffee aus fairem Handel bekommst du oft direkt bei der Rösterei deines Vertrauens – einfach mal nachfragen. Empfehlenswerten Kaffee findest du auch in vielen Supermärkten und Bioläden. Informiere dich einfach in unserer Bestenliste für Fair Trade Kaffee.

Der Espressokocher – ein italienisches Original

Der Espressokocher ist ein Klassiker, den man in jedem italienischen Haushalt findet. Als erste Espresso-Maschine für zu Hause löste seine Erfindung 1933 eine kleine Revolution aus: Bis dahin konnte man das beliebte Heißgetränk in Italien ausschließlich in öffentlichen Kaffee-Bars genießen.

Der Espressokocher – auch Mokkakanne – bringt zwar nicht genügend Druck für einen echten italienischen Espresso mit feiner Crema auf (und darf sich deswegen eigentlich gar nicht Espresso nennen), gut schmeckt der Kaffee trotzdem. Ein klassischer Espressokocher bringt um die 1,5 Bar auf. Die Brikka – eine Weiterentwicklung des klassischen Espressokochers der Marke Bialetti – schafft es auf ganze 6,5 Bar. Zum Vergleich: Eine Siebträgermaschine arbeitet mit bis zu 15 Bar Druck.

Das Ganze funktioniert ganz einfach: Unten Wasser einfüllen, Sieb einsetzen, komplett mit Espressopulver befüllen und das Pulver glatt streichen. Das Kännchen bei mittlerer Hitze auf den Herd stellen, wenn es zischt und brodelt ist der Espresso fertig.

Kaffeezubereitung mit Espressokocher, Bialetti
Ein italienisches Original: der Espressokocher für den heimischen Herd. (Foto: © CC0 / Unsplash - Eric Barbeau)

Kaufen**: Den Espressokocher gibt es in verschiedenen Größen, aus Edelstahl oder Aluminum zum Beispiel bei Galeria Kaufhof, Coffee Circle oder Amazon für etwa 20 – 30 Euro.

French Press ­– für besseren Kaffee

Eine weitere umweltfreundliche Variante Kaffee zu kochen ist die French Press, auch bekannt als Stempelpresskanne, Durchdrückkanne, Bodum-Kanne oder Cafetière. Die manuelle Kaffeemaschine wurde wahrscheinlich Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich erfunden. Patentieren ließ sie im Jahr 1929 der italienische Designer Attilio Calimani, sein Landsmann Faliero Bondanini entwickelte sie weiter. Einen Hype erlebte sie in den Neunziger Jahren bei uns – und das aus gutem Grund.

Der Kaffee aus der French Press schmeckt intensiver, voller und weniger „clean“ als der aus der Filtermaschine. Bei dieser Kaffeezubereitung übernimmt ein Metallsieb die Rolle des Filters. Weil das Kaffeepulver länger mit dem Wasser in Berührung ist, gehen wesentlich mehr Kaffeeöle und -fette in den fertigen Kaffee über.

Die Zubereitung ist auch hier kinderleicht: grob (am besten frisch) gemahlenes Kaffeepulver in die French Press einfüllen, mit heißem Wasser aufgießen, vier Minuten ziehen lassen, Deckel aufsetzen und das Sieb herunterdrücken. Sofort genießen, so schmeckt der Kaffee am besten.

Kaffeezubereitung mit der French Press
Kaffee für Kenner aus der French Press. („French Press“ von Joe King unter CC-BY-2.0)

Kaufen**: Die French Press gibt es zum Beispiel bei Avocado Store, Coffee Circle für etwa 25 – 30 Euro.

Filterkaffee – die einfachste Art der Kaffeezubereitung

Ein Klassiker der Kaffeezubereitung ist ohne Zweifel der Handfilter. Bei den Großeltern findet man ihn meist noch irgendwo im Schrank versteckt, er musste der modernen Filterkaffeemaschine weichen. Baristas schwören auf Filterkaffee – wenn man die richtige Technik verwendet.

Für die Kaffeezubereitung nimmt man etwa 60 Gramm (9 Esslöffel) mittel bis fein gemahlenes Kaffeepulver pro Liter Wasser. Vor der Benutzung kannst du den Papierfilter kurz mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher durchspülen – so beseitigst du eventuellen Papiergeschmack, der Filter erhält außerdem eine gute Temperatur.

Nach dem Aufkochen lässt du das Wasser am besten ein paar Minuten auf 90 Grad abkühlen, so verhinderst du, dass feine Kaffeepartikel verbrennen und dein Kaffee bitter im Geschmack wird. Gieße Zunächst nur soviel Wasser auf das Pulver, dass es bedeckt ist und lass es 60 Sekunden quellen. Danach in 100 Milliliter-Schritten Wasser nachkippen, rät der Experte.

Kaffeezubereitung mit dem Handfilter
In der aktuellen dritten Welle des Kaffees erlebt der Handfilter ein Comeback. (Foto: © CC0 / Unsplash -Thomas Martinsen)

Kaufen**: Handfilter aus Porzellan und Edelstahl gibt zum Beispiel bei Galeria Kaufhof, Coffee Circle für etwa 15 bis 25 Euro oder günstigere für ca. 8 bis 9 Euro bei Rakuten.de oder Tchibo.

Karlsbader Kanne – Kaffeezubereitung mit Tradition

Die Karlsbader Kanne ist ein echter Hingucker. Sie wird ebenfalls zur Zubereitung von Filterkaffee verwendet, ist vollständig aus Porzellan gefertigt und kommt ohne Papierfilter und andere Zusätze aus. Daneben gibt es noch die Bayreuther Kanne, eine Neuauflage der Karlsbader Kanne in modernem Design. Die Karlsbader oder Bayreuther Kanne besteht aus vier Teilen: Der Kanne selbst, einem Filter aus Porzellan, einem Wasserverteiler und dem Deckel.

Die Zubereitung ist sehr simpel, der Kaffee angenehm mild. Das Wasser auf 95 Grad erhitzen, Kaffee grob mahlen (wir empfehlen einen Mahlgrad von 9 oder 10). Kaffee in den Filter geben – pro Tasse rechnet man mit etwa 10 Gramm oder 1,5 Esslöffel Kaffee – und verteilen. Wasserverteiler aufsetzen, Wasser eingießen, 30 Sekunden quellen lassen und dann weiter Wasser nachgießen.

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Kaufen**: Die Karlsbader und Bayreuther Kanne gibt es bei Coffee Circle für etwa 65 Euro oder Amazon.

Kamira – Espressokocher für Liebhaber

Die Kamira kann man fast noch als eine Neuheit bezeichnen. Der italienische Tüftler Nino Santoro entwickelte mit ihr eine recht einfache Maschine, um den klassischen Espresso aus der Siebträgermaschine in die heimische Küche zu bringen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein Espresso der trotz vergleichsweise niedrigem Druck (etwa 3 Bar) eine schöne, etwas grobporige Crema erhält – und schmeckt.

Die Anwendung ist recht einfach. Man füllt bei geschlossenem Ventil Wasser in den Vorlagebehälter, öffnet das Ventil und lässt es nach unten in den Wassertank laufen. Den Siebträger mit Espressopulver befüllen, einsetzen und das Ventil schließen. Dann kommt der Kocher auf den Herd und innerhalb weniger Sekunden fließt Espresso aus dem Siebträger direkt in die Tasse. Ist die gewünschte Menge erreicht, Ventil zum Druckablass langsam öffnen, fertig.

Der Espressokocher wird in Handarbeit in Italien produziert, kostet um die 90 Euro und ist laut Hersteller praktisch unzerstörbar. Espressofans werden damit auf jeden Fall ihren Spaß haben.

Kaffeezubereitung mit der Kamira
Die Kamira wurde in Handarbeit in Italien produziert und macht leckeren Espresso. (Foto: © Kamira)

Kaufen**: Die Kamira gibt es direkt beim Hersteller und bei Amazon.

Wer sich trotz allem nicht von dieser Art der Kaffeezubereitung überzeugen lässt, der findet bei uns auch Empfehlungen für Kaffeemaschinen und Alternativen zu Kaffeekapseln aus Aluminium.

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(21) Kommentare

  1. Ist der Espressokocher nicht eine riesige Energieverschwendung? Wenn er auf einer Elektroherdplatte steht heizt man ja zu 90% ins Leere, bei Gas ist es wahrscheinlich nur etwas besser…

    Es fehlen übrigens Espressopads nach dem offenen und Hersteller-unabhängigen ESE (Easy Serving Espresso) Standard aus Italien, die sehr einfach in der Handhabung habung und trotzdem kompostierbar sind. Ich könnte mir vorstellen, dass die euch gefallen würden… : )

  2. Habe mit kürzlich eine Kamira zugelegt und bin echt total begeistert. Der Espresso ist weich und vollmundig. Man muss allerdings die Handhabung üben und ein bisschen mit dem Mahlgrad testen (nicht zu fein). Empfehlenswert ist es auch, die Erklärvideos des Herstellers anzugucken. Man darf den Kaffee z.B. nicht tampern.

  3. ich benutze einen Espressokocher, früher auch einen aus Aluminium. Aber Achtung, wichtig, das Teil aus Aluminium habe ich längst entsorgt und mir dafür welche aus Edelstahl angeschafft. Denn Aluminium ist giftig und Kaffee säurehaltig, er löst somit ständig etwas von dem Aluminium im Kaffee, das schmeckt man auch.

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