C&A bringt voll kompostierbares T-Shirt heraus

Cradle to Cradle T-Shirt C&A
Foto: Pixabay/Hans – Unsplash/Parker Burchfield - veröffentlicht unter CC0-Lizenz

Die Modekette C&A bringt ihr erstes Cradle-to-Cradle-T-Shirt auf den Markt. Damit will der Textilriese beweisen, dass Nachhaltigkeit auch in der Massenproduktion möglich ist. Ab Juni kann man das Damen-Shirt europaweit in den C&A-Filialen kaufen.

C&A setzt auf ein neues Konzept: Die Modekette will wegkommen von der Wegwerfmode und bringt mit dem Cradle-to-Cradle Shirt zum ersten Mal ein Produkt heraus, das kompostierbar ist und damit einen vollständigen Stoffkreislauf durchläuft. Teurer werden die Produkte dadurch jedoch nicht: Sieben bis neun Euro sollen die T-Shirts kosten; 400.000 Stück will C&A ab Juni in ganz Europa verkaufen.

Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft

Doch was bedeutet eigentlich „Cradle to Cradle“ ? Wörtlich übersetzt heißt es „von der Wiege zur Wiege“, die Idee dahinter: Produkte sollen nicht nach ihrer Nutzungsdauer auf dem Müll landen (also von der Wiege in die Bahre), sondern entweder biologisch abgebaut und als „Nährstoffe“ wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt oder aber ohne Verluste zu neuen Gütern verarbeitet werden können. Das dazugehörige Siegel zertifiziert Kleidung, Kuscheltiere, Waschmittel und Stühle, die diesem Konzept entsprechen.

Cradle-to-Cradle –  kurz C2C – bedeutet also: Es entsteht kein Abfall. Somit stellt das Konzept einen radikalen Gegenentwurf zu unserer Wegwerfgesellschaft dar.

Das C2C-Shirt von C&A ist biologisch abbaubar und kann laut Hersteller später sogar auf dem Kompost entsorgt werden: Nicht nur das T-Shirt selbst besteht aus Bio-Baumwolle, sondern auch das Label auf der Innenseite. Auch die Nähte werden üblicherweise mit Polyester oder Nylon ausgeführt. Bei den T-Shirts von C&A wurde stattdessen mit extra starkem Baumwollfaden gearbeitet.

C&A T-Shirt erhält Goldstandard

Das T-Shirt von C&A wurde mit dem Goldstandard von C2C ausgezeichnet, der die vollständige Wiederverwertbarkeit des Produkts anstrebt. Nach dem Platinstandard ist das die zweithöchste Zertifizierungsstufe; die meisten Cradle-to-Cradle-Produkte werden mit dem Silberstandard ausgezeichnet.

Um das Cradle-to-Cradle-Zertifikat zu erhalten, musste C&A weitere Standards einhalten: Bei der Produktion des T-Shirts wurde darauf geachtet, dass die Umwelt und auch die Gesundheit der Arbeiterinnen geschützt wurden, etwa durch die Verwendung ungiftiger Farben. Auch der Energieverbrauch und der Umgang mit Wasser bei der Produktion wurde optimiert.

Allerdings schreibt das Cradle-to-Cradle-Siegel sonst kaum soziale Kriterien vor. Experten bemängeln an der Idee von Cradle-to-Cradle außerdem den Aufruf zur Verschwendung: C2C-Produkte soll man bedenkenlos massenweise produzieren können, weil ihre Entsorgung vermeintlich nicht schädlich für die Umwelt ist.

Doch solange Produkte massenhaft neu hergestellt werden, verbrauchen sie auch massenhaft Ressourcen und Energie – unabhängig davon, ob sie gut recycelt werden können. Das heißt: Solange wir weiterhin (von Discount-Preisen gelockt) Unmengen an Kleidung konsumieren und diese nur kurze Zeit tragen, ist der Umwelt wenig geholfen.

Utopia meint: Ein geschlossener Stoffkreislauf ist eine nachhaltige Idee und kann mit Cradle-to-Cradle seriös zertifiziert werden. Zwar macht ein Cradle-to-Cradle-Shirt aus einem Billig-Modekonzern noch lange kein nachhaltiges Unternehmen; C&A geht damit aber einen Schritt in die richtige Richtung, der viele andere Unternehmen inspirieren könnte.

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(7) Kommentare

  1. Wie kommt denn eigentlich so ein T-Shirt auf den Kompost und wer kompostiert das?

    Und zur Utopia-Meinung – Menschen wollen immer mehr. Das muss man nicht fördern und das will C2C auch nicht. Aber wir brauchen doch auch nicht immer ein schlechtes gewissen haben, geboren zu sein. Fast Fashion ist an sich überflüssig. Aber warum machen so viele mit? Sicher nicht noch mehr, wenn es ein „Bio-Shirt“ gibt, oder?

  2. Ein Schritt in die richtige Richtung.

    Das Shirt nicht wegzuwerfen sondern z.B. über die „Braune Tonne“ in die Kompostierung zu geben ist sicher auch für Bio-Muffel kein Problem. Wir brauchen ständig neue Ideen um auch unseren Kindern, Enkeln und……. eine zukunftssichere Welt zu hinterlassen. Man kann nur hoffen, das das T-Shirt auch trendy ist, sich verkauft und so ein Anreiz auch für andere Labels der Modewelt geschaffen wird sich mehr mit der Umweltsituation auseinander zusetzen.

  3. vielen dank, dass utopia hier kritisch bleibt.
    c2c läge eigentlich nur vor, wenn aus dem shirt danach wieder ein shirt produziert werden kann… oder ähnliches.
    ein entsorgen im biomüll ist sinnlos und der wertvolle rohstoff geht verloren. ein recycling system ist hier notwendig, das baumwolle allgemein wiederverwertbar macht.
    wie aber schon ein/e vorredner/in meinte: nachhaltig ist überhaupt zu überlegen, ob ein neues shirt wirklich benötigt wird.
    den film ‚true costs‘ fand ich zu diesem thema auch nicht schlecht um zu sehen, wo die berge unserer klamottensucht letztlich landen.
    bitte weiterhin kritisch sein! vielen dank!

  4. Hallo Friedemann,
    die Werbung wird von einem Dienstleister eingespielt. Wir können die Fälle aber gerne melden und entsprechende Anbieter blocken. Leider kann man diese Firmen nicht generell blocken, da sie immer wieder ein Schlupfloch finden. Danke für den Hinweis!

  5. Typischer Fall von Greenwashing… C&A gibt sich verantwortungsvoll und investiert in die Zertifizierung. Okay, ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle. Das ist ja schon mal was! Dass die Nähte jetzt auch aus Baumwolle sind – noch besser.
    Aber wer würde sein altes T-Shirt auf den Kompost werfen? Und für wen ist das ernsthaft eine Kaufentscheidung? Denke ich in 2 Jahren, wenn ich beim T-Shirts ausmustern bin, noch daran: „Ach, dieses T-Shirt tu ich jetzt nicht mit den anderen in den Kleidersack, sondern auf den Kompost!“??
    Trotzdem – kauft das T-Shirt ruhig, wenn ihr denn unbedingt eine neues haben müsst, es ist wenigstens Bio! Und: Das Engagement von C&A zeigt, dass man mit Nachhaltigkeitsthemen Kunden gewinnt, sonst würden sie es ja nicht so groß rausstellen… Also das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den Kunden wächst und das ist gut so! Ein bisschen mehr Nachdenken und Hintergrundinfos wären noch nötig, damit man Greenwashing erkennt. Und grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr, vorallem bei Klamotten!

  6. „Aber wer würde sein altes T-Shirt auf den Kompost werfen?“
    Das heißt ja nicht, daß D U das T-Shirt auf den Kompost werfen mußt, sondern daß es grundsätzlich bei der Entsorgung keine Probleme macht.
    Und natürlich ist es auch auf der Haut gesünder und für die Umwelt sowieso.
    Natürlich stimme ich Dir zu, daß weniger mehr ist und trage meine t-shirts sehr lange und kaufe selten neue Kleidung.
    Aber ein Anfang ist das Engagement von C&A auf jeden Fall. Und die Cradle to Cradle Zertifizierung eine sehr strenge.
    Das muß ein Hersteller erst mal schaffen.
    Es geht nicht nur um die Bio-Baumwolle, sondern auch Farben ect.

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