Nachhaltige Bademode: Bessere Bikinis und Badeanzüge

Nachhaltige Bademode: Bessere Bikinis und Badeanzüge
Foto: © Unsplash

Aus recycelten Fischernetzen oder handgemacht von Berliner Näherinnen: Nachhaltige Bademode fristet längst kein Schattendasein mehr. Immer mehr Labels produzieren bessere Bikinis und Badeanzüge – und die sehen richtig gut aus.

Noch bis vor ein paar Jahren war nachhaltige Bademode ein Nischenthema, mit dem sich nur wenige Hersteller beschäftigten. Mittlerweile ist die Vielfalt an fairen und nachhaltigen Bikinis und Badeanzügen so groß, dass man wirklich Schwierigkeiten hat, sich zu für ein Modell zu entscheiden. Denn auch das ist ja ein Gedanke von nachhaltiger Swimwear: Nicht mehr zehn H&M-Teile zum kleinen Preis in der Schublade horten, sondern das eine Modell finden, das lange hält und gefällt.

Was ist das Problem an herkömmlicher Bademode?

Obwohl viele Damen bereits unnötige Mengen an Bikinihöschen und Badeanzügen zuhause haben, geht die Suche nach dem perfekten Bikini in der Regel Sommer für Sommer weiter. Da sich die Trends jede Saison ändern und die günstigeren Modelle zudem oft nicht viel aushalten, landen die Teile schnell mal ganz hinten in der Schublade – oder gleich im Müll. Gefertigt werden die Billig-Bikinis oft in Asien in Fabriken mit niedrigen Sozial- und Umweltstandards.

Außerdem sind Bikinis und Badeanzüge in der Regel aus Kunstfasern wie Nylon oder Polyester, die auf Basis von Erdöl gewonnen werden und nicht biologisch abbaubar sind. Viele der „nachhaltigen“ Bademodenlabels haben sich dagegen auf Recycling-Fasern spezialisiert, die aus weggeworfenen PET-Plaschen, alten Teppichen oder herrenlosen Fischernetzen gewonnen werden. Dieser Herstellungsprozess gibt Müll nicht nur ein zweites Leben, sondern spart auch Erdöl, Energie und CO2.

Nachhaltige Bademode: Labels aus Deutschland, Österreich & Dänemark

Vor allem in Australien, den USA und Hawaii scheinen nachhaltige Badelabels zur Norm geworden zu sein – hier findet man sie buchstäblich wie Sand am Meer. Da es uns aber nicht sonderlich nachhaltig erscheint, Bikini & Co. per Air Post zu bestellen, findest du hier nachhaltige Swimwear aus Deutschland, Österreich und Dänemark, die (abgesehen von einer Ausnahme) in Europa produziert wird.

Margaret and Hermione

Das neue Wiener Label Margaret and Hermione hat gerade erst seine erste nachhaltige Bademoden-Kollektion heraus gebracht. Die Bikinis und Badeanzüge des jungen Designerduos werden aus weggeworfenen oder verlorenen Fischernetzen hergestellt, die herrenlos im Meer herumtreiben. Diese Netze werden gesammelt und zu Fasern verarbeitet. Muster und Drucke zeichnet dann eine der Designerinnen, die auch als Illustratorin arbeitet, persönlich. Produziert wird in einer kleinen Manufaktur in Kroatien, die auf Bademoden spezialisiert ist.

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Die Swimwear von Margaret and Hermione ist aus recycelten Fischernetzen. (Foto: © Margaret and Hermione)

Das „Top No. 2“ besteht beispielsweise zu 78 Prozent aus recyceltem Polyamid, das aus den Fischernetzen gewonnen wird. Ebenso die Badehose „No. 1“. Der restliche Anteil ist Elasthan.

Erhältlich im Onlineshop

Mymarini

Der Stoff, den Mymarini für seine Bikinis und Badeanzüge verwendet, wird in Italien gefertigt und ist laut der Designerin einer der hochwertigsten auf dem Markt. Die Produktionsstätte arbeitet nachhaltig, hält die Wasseraufbereitungsanlagen ständig auf dem neusten Stand und hat ein System entwickelt, um die Farbe schwarz mit nur der Hälfte an Wasser färben zu können. Die Bademode von Mymarini ist designed in Hamburg, genäht wird in Stuttgart, die Lieferketten bleiben so möglichst kurz und übersichtlich.

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Das Designer Label Mymarini verwendet hochwertige, italienische Stoffe. (Foto: © Mymarini)

Alle Modelle sind zu 80% aus Polyamid und 20% Elasthan – mit dem Öko-Tex Standard 100 zertifziert. Außerdem kauft man mit einem Teil eigentlich zwei, denn die Modelle können dank doppelter Verarbeitung alle gewendet werden.

Erhältlich im Onlineshop oder im Avocado Store

Frija Omina 

Das Berliner Label fertigt seine Unterwäsche, Bademode und Streetwear in kleiner Auflage in der eigenen Manufaktur in Kreuzberg – mit Ökostrom und aus GOTS-zertifzierten Stoffen. Die Bikinis und Badeanzüge von Frija Omina sind also Made in Germany und größtenteils aus Stoffen kontrolliert biologischer Herkunft, von deutschen Webereien oder aus recycelten Materialien. Das Besondere: Anstatt Kunstfasern kommt überwiegend Baumwolle zum Einsatz. Stoffverschnitte werden übrigens nicht weggeschmissen, sondern als Füllmaterial für Kissen verwendet.

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Die Bademode von Frija Omina entsteht in einer Berliner Manufaktur, die GOTS-zertifziert ist. (Foto: © Frija Omina)

Der Badeanzug „Madri“ besteht zum Beispiel aus 95%  Bio-Baumwolle und nur zu 5% aus Elasthan. Die Bademode von Frija Omina trocknet zwar langsamer als gewöhnliche Polyester-Bikinis, dafür trägt man aber auch weniger Chemie auf der Haut und tut auch der Umwelt noch etwas Gutes.

Erhältlich im Avocado Store und bei DaWanda

Tinka Blu

Auch neu auf dem Markt: Das Label Tinka Blu aus Berlin, das sich auf Surf-Bikinis spezialisiert hat. Diese entstehen aus verloren gegangenen Fischernetzen und alten Teppichen, die auf Mülldeponien und im Meer gesammelt werden. Danach werden sie in Rohmaterial (Fasern) umgewandelt und schließlich zu neuer Bademode, die nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert ist. Dank dieser Produktionsweise kann Müll reduziert bzw. wiederverwendet werden. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch eine Menge CO2. Verschickt werden die Teile übrigens nur in recycelten Verpackungen, klimaneutral mit DHL Go Green. Sowohl die Materialien als auch die Bikinis entstehen allesamt in Europa.

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Bei Tinka Blu werden alte Teppiche und Fischernetze zu Öko-Tex zertifizierter Bademode. (Foto: © Tinka Blu)

Die Bikinis von Tinka Blu bestehen zu 78 % aus recyceltem Polyamid.

Erhältlich im Onlineshop

e.a. seawear

Schade eigentlich, dass der Häkelbikini ein Relikt vergangener Zeiten ist. Das dachten sich auch die Kostümbildnerin Eva Swoboda und die Kommunikations-Designerin Anna Berger aus Berlin. Die Strick- und Häkelbikinis von e.a. seawear werden in einer kleinen Strickerei in Gütersloh produziert. Gehäkelt wird mit einer Gruppe handarbeitsbegeisterter, älterer Damen in Berlin. Einige von ihnen werden auf der Website auch vorgestellt.

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Die Bikinis von e.a. seawear werden von Berliner Näherinnen in liebevolle Handarbeit gefertigt. (Foto: © e.a. seawear)

Nur die Garnsuche gestaltete sich anfangs als schwierig – bis es zu einer Kooperation mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf kam, die das Garn mitentwickelten. Außerdem wird e.a. seawear durch ein Textilforschungsinstitut nahe Stuttgart unterstützt. Hier wird das Garn für die Bikinis gefacht, gezwirnt und anschließend gedämpft. Heraus kommt gestrickte und gehäkelte Bademode, die mit einem neuartigen Polyester-Garn schnell trocknet.

Erhältlich im Onlineshop

Underprotection

Das dänische Label  bezieht seine Materialien von einem indischen Lieferanten, mit dem es schon über Jahre zusammenarbeitet und mittlerweile eine vertraute Beziehung aufgebaut hat. Das Unternehmen ist mindestens zwei Mal im Jahr vor Ort, um sich die Produktion anzusehen und die Qualität zu überprüfen. Den Arbeitern werden faire Arbeitsbedingungen geboten – das alles wird von der Fair Wear Foundation überwacht, bei der das dänische Label Mitglied ist.

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Faire Bademode: Underprotection ist Mitglied der Fair Wear Foundation. (Foto: © Underprotection)

Underprotection verwendet für seine Unterwäsche und Kleidung ausschließlich nachhaltige Materialien wie Bambus, Lyocell, Bio-Baumwolle. Die Bademode ist zu 100% aus recyceltem Polyester, das zudem Öko-Tex zertifiziert ist.

Erhältlich im Laden oder im Onlineshop

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(9) Kommentare

  1. Wie sieht es denn bei den verwendeten Stoffen mit Mikroplastik aus?
    Hier werden doch (wenn auch recycelte) Kunstfasern verwendet, oder? Das würde heißen, mit jeder Wäsche spült man doch wieder kleine Plastikfasern in den Wasserkreislauf…

    • Problem ist hat der Stoff: Badekleidung aus BioBaumwolle, BioHanf, -Leinen, -Seide oder -Wolle klebt im Wasser am Körper, dehnt sich aus und hätte halt nicht die Eigenschaften, die Badekleidung braucht. Da gibts sicherlich utopischen Forschungsbedarf für eine Badeanzugstoff-Faser ohne Plastik. Aber gut wäre doch schon, das Plastik da, wo man es gut ersetzen kann, ganz wegzulassen. Und da, wo man es braucht, wenigstens in Recycling-Zustand zu benutzen.

    • Das ist schade und schwierig. Wenn mehr Leute Bio kaufen, wird auch solch ein Teil billiger, aber kann man es dann noch Bio herstellen? Und Bio nur für Leute mit viel Geld ist auch nicht Sinn von Nachhaltigkeit. Leisten kann man sich schon solch ein Teil, wenn man nicht jedes Jahr einen neuen Bikini möchte nur der Mode wegen.

  2. Ich suche schon lang einen ganz klassischen schwarzen Bikini. Am liebsten sehr ähnlich zu normalen Push up BHs. Weis irgendjemand einen nachhaltigen Hersteller solcher Bikinis?

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