Nachhaltige Bademode: die schönsten fairen Bikinis & Badeanzüge 2017

Nachhaltige Bademode für Frauen 2017, faire Bikinis
Foto: © Margaret and Hermione / Mymarini

Aus recycelten Fischernetzen oder handgemacht von Berliner Näherinnen: Nachhaltige Bademode fristet längst kein Schattendasein mehr. Immer mehr Labels produzieren bessere Bikinis und Badeanzüge – und die sehen richtig gut aus.

Noch bis vor ein paar Jahren war nachhaltige Bademode ein Nischenthema, mit dem sich nur wenige Hersteller beschäftigten. Mittlerweile ist die Vielfalt an fairen und nachhaltigen Bikinis und Badeanzügen so groß, dass man wirklich Schwierigkeiten hat, sich zu für ein Modell zu entscheiden. Denn auch das ist ein Gedanke von nachhaltiger Bademode: Nicht mehr zehn H&M-Teile zum kleinen Preis in der Schublade horten, sondern das eine Modell finden, das lange hält und gefällt.

Was ist das Problem an herkömmlicher Bademode?

Obwohl viele Damen bereits unnötige Mengen an Bikinihöschen und Badeanzügen zuhause haben, geht die Suche nach dem perfekten Bikini in der Regel Sommer für Sommer weiter. Da sich die Trends jede Saison ändern und die günstigeren Modelle zudem oft nicht viel aushalten, landen die Teile schnell mal ganz hinten in der Schublade – oder gleich im Müll. Gefertigt werden die Billig-Bikinis oft in Asien in Fabriken mit niedrigen Sozial- und Umweltstandards.

Außerdem sind Bikinis und Badeanzüge in der Regel aus Kunstfasern wie Nylon oder Polyester, die auf Basis von Erdöl gewonnen werden und nicht biologisch abbaubar sind. Viele der nachhaltigen Bademodenlabels haben sich dagegen auf Recycling-Fasern spezialisiert: Diese stammen aus weggeworfenen PET-Plaschen, alten Teppichen oder herrenlosen Fischernetzen. Dieser Herstellungsprozess gibt Müll nicht nur ein zweites Leben, sondern spart auch Erdöl, Energie und CO2.

Nachhaltige Bademode aus Europa

Vor allem in Australien, den USA und Hawaii scheinen nachhaltige Badelabels zur Norm geworden zu sein – hier findet man sie buchstäblich wie Sand am Meer. Da es uns aber nicht sonderlich nachhaltig erscheint, Bademode per Air Post zu bestellen, findest du hier nachhaltige Swimwear aus Deutschland, Schweden, Österreich, Schweiz und Dänemark, die (abgesehen von einer Ausnahme) in Europa produziert wird.

Bademode für Damen: Margaret and Hermione

Das Wiener Label Margaret and Hermione hat 2015 seine erste nachhaltige Bademoden-Kollektion heraus gebracht. Die Bikinis und Badeanzüge des jungen Designerduos werden aus weggeworfenen oder verlorenen Fischernetzen hergestellt, die herrenlos im Meer herumtreiben. Diese Netze werden gesammelt und zu Fasern verarbeitet. Muster und Drucke zeichnet dann eine der Designerinnen, die auch als Illustratorin arbeitet, persönlich. Produziert wird in einer kleinen Manufaktur in Kroatien, die auf Bademode spezialisiert ist.

Nachhaltige Bademode für Frauen 2017, faire Bikinis
Die Bademode von Margaret and Hermione besteht zum Teil aus recycelten Fischernetzen. (Foto: © Margaret and Hermione)

Das „Top No. 2“ besteht beispielsweise zu 78 Prozent aus recyceltem Polyamid, das aus den Fischernetzen gewonnen wird. Ebenso die Badehose „No. 1“. Der restliche Anteil ist Elasthan.

Erhältlich: online zum Beispiel im Onlineshop des Herstellers

Faire Bademode: Blue Maou

Blue Maou bietet Bikinis, Tankinis sowie „Maternitinis“ (Umstands-Tankinis) an. Sie werden zu 100 Prozent aus Recycling-Fasern hergestellt, die unter anderem aus industriellen Resten oder alten Fischernetzen stammen. Die Materialien für die Bademode werden in Europa produziert und sind Öko-Tex-zertifiziert, genäht wird in Freiburg und der Schweiz. Dabei wird jedes Teil in Handarbeit gefertigt. Die Bademode besteht aus 80 Prozent Polyamid (Nylon) und 20 Prozent Elasthan. Die Bikinis sind einfarbig und eher schlicht, aber in knalligen Farben zu haben; man kann zwischen mehreren Schnitten wählen. Die Höschen gibt es ab ca. 70, Oberteile ab ca. 80 Euro.

Nachhaltige Bademode für Frauen 2017, faire Bikinis, Label Blue Maou
Blue Maou: Produziert wird im eigenen Atelier mit Ökostrom. (Foto: © Blue Maou)

Erhältlich**: online zum Beispiel bei Avocado Store

Bademode 2017: von Mymarini

Der Stoff, den Mymarini für seine Bikinis und Badeanzüge verwendet, wird in Italien gefertigt und ist laut der Designerin einer der hochwertigsten auf dem Markt. Die Produktionsstätte arbeitet nachhaltig, hält die Wasseraufbereitungsanlagen ständig auf dem neuesten Stand und hat ein System entwickelt, um die Farbe Schwarz mit nur der Hälfte an Wasser färben zu können. Die Bademode von Mymarini ist designed in Hamburg, genäht wird in Stuttgart. Die Lieferketten bleiben so möglichst kurz und übersichtlich.

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Das Designer-Label Mymarini verwendet hochwertige, italienische Stoffe. (Foto: © Mymarini)

Alle Modelle sind zu 80 Prozent aus Polyamid und 20 Prozent Elasthan – mit dem Öko-Tex Standard 100 zertifziert. Außerdem kauft man mit einem Teil eigentlich zwei, denn die Modelle können dank doppelter Verarbeitung alle gewendet werden.

Erhältlich**: im Avocado Store

Bademode für Damen: Frija Omina

Das Berliner Label Frija Omina fertigt seine Unterwäsche, Bademode und Streetwear in kleiner Auflage in der eigenen Manufaktur in Kreuzberg – mit Ökostrom und aus GOTS-zertifzierten Stoffen. Die Bikinis und Badeanzüge von Frija Omina sind also Made in Germany und größtenteils aus Stoffen kontrolliert biologischer Herkunft, von deutschen Webereien oder aus recycelten Materialien. Das Besondere dieser Bademode: Anstatt Kunstfasern kommt überwiegend Baumwolle zum Einsatz. Stoffverschnitte werden übrigens nicht weggeschmissen, sondern als Füllmaterial für Kissen verwendet.

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Die Bademode von Frija Omina entsteht in einer Berliner Manufaktur, die GOTS-zertifziert ist. (Foto: © Frija Omina)

Der Badeanzug „Madri“ besteht zum Beispiel aus 95 Prozent Bio-Baumwolle und nur zu 5 Prozent aus Elasthan. Die Bademode von Frija Omina trocknet zwar langsamer als gewöhnliche Polyester-Bikinis, dafür trägt man aber auch weniger Chemie auf der Haut und schadet der Umwelt weniger.

Erhältlich**: online zum Beispiel im Avocado Store, Greenwoodstore oder bei DaWanda

Bademode 2017: Tinka Blu

Relativ neu auf dem Markt: Das Label Tinka Blu aus Berlin, das sich auf Surf-Bikinis spezialisiert hat. Diese entstehen aus verloren gegangenen Fischernetzen und alten Teppichen, die auf Mülldeponien und im Meer gesammelt werden. Danach werden sie in Rohmaterial (Fasern) umgewandelt und schließlich zu neuer Bademode, die nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert ist. Dank dieser Produktionsweise kann Müll reduziert beziehungsweise wiederverwendet werden. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch eine Menge CO2. Verschickt wird die Bademode übrigens nur in recycelten Verpackungen, klimaneutral mit DHL Go Green. Sowohl die Materialien als auch die Bikinis entstehen allesamt in Europa.

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Bei Tinka Blu werden alte Teppiche und Fischernetze zu Öko-Tex zertifizierter Bademode. (Foto: © Tinka Blu)

Die Bikinis von Tinka Blu bestehen zu 78 Prozent aus recyceltem Polyamid.

Erhältlich: im Onlineshop des Herstellers

bleed: nachhaltige Swimwear aus Econyl

Bademode aus dem Meer für das Meer: Das Modelabel bleed nutzt für sein Nylon alte Fischernetze aus dem Meer (vor allem in Kroation und Italien aus dem Mittelmeer) oder kauft diese Fischern ab. Zusammen mit Textilabfällen aus der Teppichindustrie wird aus den Netzen die Faser Econyl und aus dieser schicke Surf- und Bademode. Materialgewinnung, Verarbeitung und Produktion finden in Süd- und Osteuropa statt.

Die Bademode von bleed besteht zum Teil aus recycelten Fischernetzen.
Die Bademode von bleed besteht zum Teil aus recycelten Fischernetzen. (Foto: © bleed)

Erhältlich**: bei najoba oder Greenality

Bademode für Damen: e.a. seawear

Schade eigentlich, dass der Häkelbikini ein Relikt vergangener Zeiten ist. Das dachten sich auch die Kostümbildnerin Eva Swoboda und die Kommunikations-Designerin Anna Berger aus Berlin. Die Strick- und Häkelbikinis von e.a. seawear werden in einer kleinen Strickerei in Gütersloh produziert. Gehäkelt wird mit einer Gruppe handarbeitsbegeisterter, älterer Damen in Berlin. Einige von ihnen werden auf der Website auch vorgestellt.

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Die Bikinis von e.a. seawear werden von Berliner Näherinnen in liebevolle Handarbeit gefertigt. (Foto: © e.a. seawear)

Nur die Garnsuche gestaltete sich anfangs als schwierig – bis es zu einer Kooperation mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf kam, die das Garn mitentwickelten. Außerdem wird e.a. seawear durch ein Textilforschungsinstitut nahe Stuttgart unterstützt. Hier wird das Garn für die Bikinis gefacht, gezwirnt und anschließend gedämpft. Heraus kommt gestrickte und gehäkelte Bademode, die mit einem neuartigen Polyester-Garn schnell trocknet.

Erhältlich: im Onlineshop des Herstellers.

Bikini Fairtrade: Underprotection

Nachhaltige Bademode für Frauen 2017, faire Bikinis, Label Underprotection
Underprotection ist Mitglied der Fair Wear Foundation. (Foto: © Under Protection)

Das dänische Label  bezieht seine Materialien von einem indischen Lieferanten, mit dem es schon über Jahre zusammenarbeitet und mittlerweile eine vertraute Beziehung aufgebaut hat. Das Unternehmen ist mindestens zwei Mal im Jahr vor Ort, um sich die Produktion anzusehen und die Qualität zu überprüfen. Den Arbeitern werden faire Arbeitsbedingungen geboten – das alles wird von der Fair Wear Foundation überwacht, bei der das dänische Label Mitglied ist.

Underprotection verwendet für seine Unterwäsche und Kleidung ausschließlich nachhaltige Materialien wie Bambus, Lyocell, Bio-Baumwolle. Die Bademode ist zu 100 Prozent aus recyceltem Polyester, das zudem Öko-Tex zertifiziert ist.

Erhältlich**: online zum Beispiel bei Glore

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(19) Kommentare

  1. Mein Mann hat seine Bade-Short – oder besser gesagt Board-Short von bleed seit 2 Jahren am Bein – und findet es die beste Badehose die er je hatte. Obwohl eigentlich nur ich bei uns auf Nachhaltigkeit achte.

  2. Wie sieht es denn bei den verwendeten Stoffen mit Mikroplastik aus?
    Hier werden doch (wenn auch recycelte) Kunstfasern verwendet, oder? Das würde heißen, mit jeder Wäsche spült man doch wieder kleine Plastikfasern in den Wasserkreislauf…

  3. Problem ist hat der Stoff: Badekleidung aus BioBaumwolle, BioHanf, -Leinen, -Seide oder -Wolle klebt im Wasser am Körper, dehnt sich aus und hätte halt nicht die Eigenschaften, die Badekleidung braucht. Da gibts sicherlich utopischen Forschungsbedarf für eine Badeanzugstoff-Faser ohne Plastik. Aber gut wäre doch schon, das Plastik da, wo man es gut ersetzen kann, ganz wegzulassen. Und da, wo man es braucht, wenigstens in Recycling-Zustand zu benutzen.

  4. Das ist schade und schwierig. Wenn mehr Leute Bio kaufen, wird auch solch ein Teil billiger, aber kann man es dann noch Bio herstellen? Und Bio nur für Leute mit viel Geld ist auch nicht Sinn von Nachhaltigkeit. Leisten kann man sich schon solch ein Teil, wenn man nicht jedes Jahr einen neuen Bikini möchte nur der Mode wegen.

  5. Hallo Angela,Hallo grüneBine ich denke das hängt auch davon ab, wie lange das Produkt hält. Wenn ich mangels Qualität ständig neue Kleidungsstücke kaufen muss, summieren sich erhebliche Kosten auf. Mittlerweile liegt laut Greenpeace die mittlere Verweildauer von Klamotten beim Kunden bei zwei (!) Jahren. Bei einer Jeans vom Kleider Discounter riss praktisch sofort der Reissverschluss. Ich denke es ist eine Frage welchen Wert hat ein Produkt, welcher Preis ist angemessen – daher der Name Preis-Wert und natürlich gesundheitlich und finanziell „tragbar“. Denn hier offenbart sich ein Problem unseres Wirtschaftssystems, eine durch Gier getriebene Abwärtsspirale von Lohndumping und Preisdumping. Lösung: Mehr Veröffentlichung von Lohnniveau auf der einen Seite und Transparenz über die Produktion von Waren. Ich wäre bereit für eine Badehose 60 Euro zu bezahlen, wenn sie mindestens 10 Jahre intensive Nutzung aushält und ich wäre bereit mehr Verantwortung bei der zu übernehmen für einen angemessen Lohn. Mehr zur Bekleidungsindustrie und ökologischer Bekleidung hier: https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/textilindustrie/kurzes-glueck-hoher-preis

  6. Ich suche schon lang einen ganz klassischen schwarzen Bikini. Am liebsten sehr ähnlich zu normalen Push up BHs. Weis irgendjemand einen nachhaltigen Hersteller solcher Bikinis?

  7. Ich finde es ist ein riesiger Schritt. Die Mode ist schön und eine Investition wert. Der Preis ist hoch aber man sollte es als Investition sehen, da ein gut sitzendes Teil eben über Jahre bleibt!

  8. Gibt es auch Badeanzüge mit Cups für größere Brüste als A oder B-cup? Ich denke nicht, dass ich eine Minderheit mit D/E-cups darstelle… :-/

  9. Danke für die guten Tipps, nur den pauschalisierenden Seitenhieb auf Frauen hätte es nicht gebraucht. „Obwohl viele Damen bereits unnötige Mengen an Bikinihöschen und Badeanzügen zuhause haben…“ ist ganz schöner Mist.

  10. Der Seitenhieb, bei dem die Autorin sich sicher mit eingeschlossen hat, kann nicht auf Männer gemünzt werden, weil die keine Bikinis haben. Davon abgesehen ist das Zuviel-Haben ja nun ein hinreichend dokumentiertes Problem unserer Breiten.

  11. Sehr schöne nachhaltige Bikinis gibt es bei Inaska – ein Label aus Frankfurt von zwei jungen Frauen. Leider für mich mit Konfektionsgröße 40 und etwas mehr Oberweite nicht geeignet …

  12. Hej Martina,
    Inaska möchte, so wie sie auf ihrer Facebookseite schrieben, im nächsten Jahr evtl. ein neues Modell auf den Markt bringen…vielleicht ist dann was für dich dabei!

  13. Ich stolpere immer wieder darüber, dass derartige Mode nur in kleinen Größen angeboten wird. Spätestens bei Gr. 42 oder „L“ (worunter die meisten wohl ca. Gr. 42 verstehen dürften – Avocadostore schweigt sich z. B. hier aus) ist Schluss mit lustig. Will ich als Ökomodenanbieter aber die breite Masse erreichen, dann wäre es sinnvoll auch größere Größen anzubieten und zwar als Standardgröße und nicht als Nischenprodukt mit ein oder zwei Stücken zur „Auswahl“. Denn diese Mode kostet richtig Geld, das die Meisten erst haben, wenn sie schon älter sind und dann tragen sie meistens nicht mehr Größe 38/40. Die Mode scheint aber auf Teeniefiguren abgestellt zu sein, nur welcher junger Mensch um die 20 kann sich schon einen Badeanzug für 200 Euro leisten? Das geht doch alles völlig am Bedarf vorbei!

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