E-Roller: Faulheit auf zwei Rädern – ein Kommentar

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Am Freitag hat die Länderkammer entscheiden, E-Roller in Zukunft für den Verkehr zuzulassen. Das Urteil ist keine Überraschung – wird der Roller doch als grüne Alternative zum Auto gehypt. Ein Irrtum.

Deutschlands Städte können aufatmen: Die E-Roller kommen – doch die Gehsteige werden verschont. Am Freitag hat die Länderkammer der Verordnung über Elektrokleinstfahrzeuge zugestimmt.

Der Frage, wo Elektroroller bald fahren dürfen, war eine hitzige Debatte vorausgegangen. Was man dabei übersah: Dass der E-Roller an sich eine Schnapsidee ist, die man nicht auf den Verkehr loslassen sollte.

E-Roller: Von wegen grüne Auto-Alternative

Um die Risiken von E-Rollern zu erkennen, reicht ein Blick in die Vereinigten Staaten: In Austin, Texas sind laut einer Studie des Center for Disease Control and Prevention (CDC) in zwei Monaten 190 Tretrollerfahrer verunglückt. 80 davon erlitten schwere Verletzungen wie Knochenbrüche oder Organschäden.

Warum sich dieser Gefahr aussetzen? Weil die Roller eine grüne Alternative zum Auto seien, behauptet Verkehrsminister Scheuer. Fahrzeuge, die mit (Öko-)Strom statt Diesel fahren – so soll die Mobilität der Zukunft aussehen. Die Sache hat nur einen Haken: Auf lange Strecken sind viele E-Roller nicht ausgelegt. So hat der neue X2City von BMW eine Reichweite von etwa 25 bis 35 Kilometern. Liegt die Stelle also weiter als 15 Kilometer entfernt, muss trotzdem das Auto herhalten.

Der Roller soll das Auto also eher auf kurzen Strecken ersetzen – auf dem Weg zum Supermarkt zum Beispiel. Stauraum für Einkäufe bietet der Roller allerdings wenig, da wäre man mit einem Fahrrad mit Korb besser bedient.

Scheuer hat auch einen ganz anderen Zweck im Sinn: Der E-Roller soll auf der „letzten Meile“ von der Wohnung zur U- und S-Bahn zum Einsatz kommen. Doch wer ist so lauffaul, dass er die paar Meter zur U-Bahn nicht zu Fuß schafft? Und selbst absolute Lauf-Verweigerer bräuchten für die Strecke kein teures Elektrogerät – ein Fahrrad täte es auch.

Wer für den Weg zur U-Bahn zu faul ist …

Wie es scheint, würden uns die Roller eher auf den letzten paar Metern kutschieren, die wir täglich noch zu Fuß laufen. „Micro-Mobility“ nennt man das in der Branche. Und davon profitieren: vor allem die Hersteller der E-Roller. Wer hat das Nachsehen? Die Umwelt, die von jedem neuen Elektrogerät im Alltag zusätzlich belastet wird. Und unsere Gesundheit: Denn wer für den Weg zur U-Bahn zu faul ist, der bewegt sich wahrscheinlich auch den restlichen Tag über nicht viel mehr. Dabei ist gehen gut für die Gesundheit.

Mein Rat: Wer diese „letzten Meter“ partout nicht Fuß zu gehen will, der kann sich genauso einen normalen Roller zulegen. Das spart zumindest Strom.

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(6) Kommentare

  1. Menschenliebe steckt schon man nicht hinter dieser Entscheidung!
    Es ist unverantwortlich, dass sogar 14jährige aus lauter Geldgier diese Dinger fahren dürfen.
    Unfassbar, dass dem zugestimmt wurde.
    Die das verbrochen haben, sollte man sofort unschädlich machen, die sehen nur den Wirtschaftsfaktor, nicht den Schaden am Einzelnen, den sie damit vorprogrammiert haben.

  2. Als ich in Singapur war, war ich sehr positiv überrascht, wie leise die Stadt ist. Der Grund ist einfach, viele Menschen waren auf den kleinen E-Rollern unterwegs. Es ist einfach sinnvoller, statt 1.500kg Stahl (Auto) nur 10kg (Roller) zum Transport zu nehmen.

    Wichtig fände ich noch, dass die Infrastruktur Autoverkehr benachteiligt und Räder und Roller bevorzugt

  3. Singapur hat vor allem eine Auto-Obergrenze eingeführt und eine Neuzulassung für ein Auto ist extrem teuer.
    Singapur hat ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrssystem und Fahrräder soll es ja auch noch geben.
    Man braucht keine E- Roller, um eine Stadt nicht in Blechlawinen versinken zu lassen.
    Mir wird ganz anders, wenn ich mir vorstelle, dass demnächst hormongebeutelte 14ährigere durch die Gassen sausen …

  4. Ich verstehe den Sinn eines E-Rollers nicht wirklich. Bei längeren Strecken und größeren Einkäufen ist er leider kein Ersatz für ein Auto.
    Ich fahre fast immer mit dem Fahrrad. Auch zum nächst gelegenen Unverpacktladen (12 km einfache Strecke). Meine zwei großen Fahrradkörbe sind sehr oft voll bepackt. – Das könnte ich mit einem E-Roller nicht transportieren.
    Ein Fahrrad kann sowohl für längere als auch für kurze Strecken verwendet werden.
    Einen E-Roller „nur“ für gelegentliche Kurzstrecken zu kaufen – das ist eine zu große Verschwendung!

  5. sicherlich ist der E-Roller keine Alternative für den Wochen-Einkauf.
    Aber schon einmal darüber nachgedacht, dass es unzählige Menschen gibt, die zu Ihrer Arbeit weiter fahren, und nicht direkt neben einem Bahnhof Arbeiten und Wohnen?
    Fahrrad in Straßenbahn, Bus und Zug ist unpraktisch und teuer. Natürlich kann man auch einen „normalen“ Roller nehmen, aber dann kommt man verschwitzt bei der Arbeit an.

    Vermutlich ist hier die Situation die Gleiche, wie beim E-Bike: wenn anstatt des Fahrrads oder des Zu-Fuß-Gehens der E-Roller benutzt wird, ist es unsinnig – wenn Anstatt des Autos aber der ÖPNV + E-Roller benutzt wird, ist es sinnig.
    Und sicherlich wird es für beide Anwendungsfälle Nutzer geben. Erhebungen zu Zahlen gibt es da nicht, zumindest keine Plausiblen.

    Im Zweifel bin ich da für ‚den Angeklagten‘ und hoffe, dass die Menschheit irgendwann vernünftig wird.
    Vor den 14-jährigen auf E-Rollern habe ich genau so wenig Angst, wie vor Skateboardern oder E-Bike-Rentnern – ich bin eigentlich um jeden froh, der kein Auto fährt oder fliegt. 🙂

  6. Das neueste Beispiel aus der Kategorie „Dinge, die der Mensch nicht braucht.“ Hat einer dem Scheuer wohl ein ordentliches Bakschisch zugesteckt. Im Supermarkt einkaufen mit E-Roller, also wirklich.
    Aber warum regen wir uns eigentlich auf? Wie bei allen Modeerscheinungen ist der Hype spätestens nach ein paar Wochen vorbei. Dann ist auch der Dümmste darauf gekommen, dass die Dinger unpraktisch und überflüssig sind.
    Leider sind bis dahin schon wieder viele Ressourcen vernichtet und Müll produziert worden. Aber unsere Bundesregierung ist ja nicht für ihre vorbildliche Umweltpolitik berühmt.

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