Warum wir uns endgültig von Aquarien verabschieden sollten

Fische Aquarium
Foto: CCO / Pixabay

Bunte Zierfische in Aquarien sind schön anzuschauen – sie haben jedoch oft einen langen Leidensweg hinter sich. Die meisten Meeres-Fische werden nämlich wild gefangen, nur die wenigsten überleben den Transport. Das trägt dazu bei, dass viele Fischarten vom Aussterben bedroht sind.

In Arztpraxen, Restaurants, Kindergärten, Zoos oder im heimischen Wohnzimmer: Allein in deutschen Aquarien schwimmen Millionen kleiner Fische. Spätestens seit dem Film „Findet Nemo“ sind nicht nur Süßwasserfische, sondern auch Meeresfische sehr beliebt.

Diese werden in der Regel nicht gezüchtet, sondern aus den Meeren gefischt. Die wichtigsten Herkunftsländer: die Philippinen, Indonesien, die Solomoninseln, Sri Lanka, Australien, Fidschi, die Malediven und Palau.

99 Prozent der Fische werden wild gefangen

Wie der SWR online berichtet, werden 99 Prozent der Meeresfische wild gefangen. Der Großteil der gefangenen Fische erreiche jedoch das Aquarium gar nicht, sondern sterbe während des Transports.

Fische Aquarium
Die Aquarien-Fische werden zum größten Teil wild gefangen. (Foto: CCO / Pixabay )

Ein Teil der Fische werde bereits im Fangnetz verletzt und noch auf dem Fangboot aussortiert. Die überlebenden Fische werden verladen und weiter transportiert. Die Meeresfische kommen dabei laut SWR oft in Plastiksäcke, die mit Wasser befüllt sind – Bakterien vermehren sich dort besonders gut.

80 Prozent der Fische sterben beim Transport

Auf dem Weg in die neue „Heimat“ seien die Fische eng zusammengepfercht, oft bekommen sie nicht ausreichend Nahrung und der Transportweg setze sie starkem Stress aus. Die Welternährungsorganisation FAO und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzen, dass bis zu 80 Prozent der wild gefangenen Fische beim Fang und Transport bis ins Aquarium sterben.

Trotz allem werden die Fische aus dem Meer geholt und nicht gezüchtet. Nicht weil Züchten nicht möglich wäre – bei den meisten Fischsorten ist es einfach zu teuer. Viele Meeresfische haben eine lange Brutzeit oder produzieren wenige Nachkommen. Es ist also billiger und einfacher, wilde Fische aus dem Meer zu fangen.

Fische Aquarium Clownfisch
Der Clownfish (Bild) gehört zu den Fischarten, die auch kommerziell gezüchtet werden. (Foto: CCO / Pixabay )

Viele Zierfische sind vom Aussterben bedroht

Die Nachfrage nach den bunten Aquarienfischen ist groß. Wie Zeit online berichtet, werden jedes Jahr schätzungsweise 500 bis 600 Millionen Zierfische gefangen. Allein in deutschen Aquarien sollen 80 Millionen Fische schwimmen.

Die hohe Nachfrage hat dazu beigetragen, dass viele Fischsorten inzwischen vom Aussterben bedroht sind. Ein Beispiel ist der Banggai-Kardinalbarsch, ein kleiner schillernder Fisch mit schwarzen Streifen und langen auffälligen Flossen.

Banggai-Fische werden wild gefangen

Der Banggai-Kardinalbarsch ist ein beliebter Aquarien-Fisch. (© Joubin 1969 - Fotolia.de)

Der Fisch ist im Indischen Ozean nahe Indonesien zu Hause und wird laut SWR etwa seit 1994 für Aquarien gefangen. Ihn zu züchten ist nicht rentabel genug, er gehört zu den Fischen, die meist wild gefangen werden. Seit 1994 seien über 90 Prozent der Banggai-Kardinalbarsche verschwunden – heute ist er als „stark gefährdet“ eingestuft.

Der Banggai-Kardinalbarsch steht deswegen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Organisation fordert, dass die Fische nicht mehr wild gefangen werden. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt den Kauf und Betrieb von Meerwasseraquarien grundsätzlich ab.

Süßwasserfische stammen aus Massenzucht

Aber selbst Süßwasserfische sind problematisch, auch wenn sie meist aus Nachzuchten stammen. Sie haben oft ebenfalls lange Transportwege hinter sich, viele der Fische stammen aus Massenzuchtanlagen in Südostasien.

Von den Fang- und Zuchtmethoden einmal abgesehen: Wir halten es grundsätzlich für mindestens fragwürdig, Wildtiere wie Fische auf so engen Raum zu halten, wie ihn Aquarien üblicherweise bieten.

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(8) Kommentare

  1. Die Aussagen sind sicherlich für Meerwasseraquarien richtig. Die allermeisten Heimaquarien in Deutschland sind aber immer noch Süßwasseraquarien und die darin gehaltenen Fische sind nur selten Wildfänge, schon aus Kostengründen. Die Buntbarsche in meinem Aquarium stammen von einem Züchter im Nachbarort und haben eine Reise von gerade einmal 7km hinter sich. Die Haltungsbedingungen sind auf die Bedürfnisse der Fische abgestimmt. Eng wird es nur manchmal, weil die Tierchen nichts von Familienplanung halten. Was bitte soll daran problematisch sein?

  2. Die Tiere sind nicht wegen der Aquaristik vom aussterben bedroht auch wenn sie zum Teil für die Riffaquaristik gefangen werden. In manchen Ländern werden Korallenriffe wegen des Kalks zerstört womit die dortigen Korallenfische ihren notwendigen Lebensraum verlieren. Viele Riffe werden durch Schiffahrt zerstört und andere Riffe haben wegen der Erderwärmung zu kämpfen. Es gibt viele Gründe für das Aussterben der Fische aber garantiert ist die Aquaristik nicht der Hauptgrund. Haben die Verfasser des Textes sich mal vor Ort die Situation angeschaut. Garantiert nicht! Viele der Fische (Doktorfische, Lippfische, Papageifische und verschiedene Riff asche liegen auf den Fischmärkten für unsere Verhältnisse zu Centspreisen ls Speisefisch. Viele Menschen dort leben vom Fang der lebenden Fische für die es auch mehr Geld gibt als für den selben toten Fisch auf dem Markt. Wenn man sich dort mit den Menschen unterhält haben sie nicht viel Möglichkeiten Geld zu verdienen und werden die Fische nicht leben gefangen oder würde es so kommen das der Markt dafür fällt werden dort leider nicht weniger Fische gefangen. Sie kommen dann nicht für die Aquaristik in den Handeln sondern für den Esstisch. Der Fehler ist nicht allein die Aquaristik. Die Riffaquaristik kommt bei Korallen durch die Nachzuchten schon fast ohne den Import aus und was die Rifffische. angeht werden mittlerweile wenn auch zu hohen Preisen immer mehr Groß- und Zwerg-Kaiserfische angeboten. Clownfische werden zu weit über 90% durch Nachzuchten angeboten. Genauso gibt es schon bei anderen Arten erste Erfolge. Viele Tierarten sind auch nur noch dank Privater Nachzuchten oder durch Zoos nicht ausgestorben. Wieso soll der Banzai Kardinal nicht lohnenswert zu züchten sein. So ein Müll wenn man das hört. Dieser Fisch bringt als Nachzucht gut 10€-15€ ein. So viel bekommt man in der Süßwasseraquaristik für kaum einen Fisch. Der Bangai Kardinal ist genauso leicht zu züchten wie ein Malawi oder Tanganjika Cichlide. Und leichter als ein Diskus. Bei guter Haltung vermehrt sich dieser Fisch sogar im Riffaquarium trotz Beifische.

  3. Aus pädagogischer Sicht sind Aquarien eine ganz sinnvolle Sache, weil man damit Kinder und Jugendliche für Ökosysteme sensibilisieren kann. Was passiert zum Beispiel, wenn sich der PH-Wert im Wasser ändert? Über so e

  4. Ich selbst habe schon Bangai-Kardinalbarsche gezüchtet. Meine Zuchttiere stammten schon aus Nachzucht und bei Arthaltung hatte ich pro Quartal bei einer Menge von 8Paaren wenn es schlecht lief um die 40 Jungtiere und wenn es gut lief Richtung 100Stück. Da es Maulbrüter sind werden relativ große Jungfische ausgespuckt. Diese kann man sogar kostengünstig mit aufgetauten Rotatorien (Rädertierchen) (Frost Schokotafel) oder mit ein wenig Aufwand durch Artemianauplien füttern. Dies war für maximal die ersten ein bis zwei Wochen notwendig. Da die Tiere dann schon anfingen größeres Frostfutter und auch schon feines Trockenfutter zu fressen. Da der Markt der Riffaquaristik in Deutschland auch nicht so hoch ist, kann man hier locker über Nachzuchten dieser Art auskommen. Ich habe zwecks Erfahrungsaustausch etliche Züchter kennengelernt und wir haben auch Zoofachgeschäfte wie auch Privathalter über die Haltung aufgeklärt und mit Nachzucht versorgt. Wo ich mir allerdings Sorgen mache ist wieder der Amerikanische Markt. Dort sind z.B Clownfische nicht mehr Wert wie hier ein Guppy und teils schon für unter 1US$ zu kaufen. Auch seltene empfindliche Korallen wie Gorgonien liegen wie in einer Wühlkiste für wenige Dollar in Aquarien und anderen Behältern. Dort ist teilweise die Achtung für diese Wunder der Natur verloren. Dort ist auch die Riffaquaristik der starke und die Süßwasseraquaristik der schwächere Markt.

  5. Ich finde den Artikel gut gemeint, aber verdammt schlecht gemacht. Da werden irgendwelche angeblichen Fakten zusammengewürfelt (SWR ist nicht gerade eine seriöse Quelle für Naturschutzfragen..), Äpfel mit Birnen verglichen (Süß- und Salzwasser) und dann gleich eine radikale Forderung daraus gezogen (Aquarien abschaffen), die sonst nur radikale Tierrechtler äußern würden. Bitte, wenn schon jemand mit einem ARtikel die Welt verbessern möchte (was ich begrüße), dann doch erstmal unabhängig und nicht aus zweiter und dritter Hand recherchieren und ausgewogen berichten.

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