Kein Glyphosat mehr: Umweltministerium legt Plan zum Ausstieg vor

Foto und Grafik: CC0 Public Domain / Pixabay

In Deutschland soll künftig kein Glyphosat mehr eingesetzt werden – das ist zumindest der Plan des Bundesumweltministeriums. Das Ministerium hat heute Maßnahmen für einen schrittweisen Ausstieg vorgestellt.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid und auch in Deutschland wird es in der konventionellen Landwirtschaft verwendet. Wenn es nach Bundesumweltministerin Svenja Schulze geht, ist damit bald Schluss: „Wir wollen den Ausstieg jetzt schrittweise vorantreiben, inklusive eines Enddatums“, sagte die Ministerin am Dienstag.

Als Enddatum legte Schulze das Jahr 2023 fest. Bis dahin will das Ministerium den Einsatz von Glyphosat zumindest einschränken. Hierfür soll die sogenannte „Pflanzenschutz- und Anwendungsverordnung“ geändert werden.

Glyphosat zu verbieten, ist nicht so einfach

Aber weshalb soll der Glyphosat-Ausstieg so lange dauern? Ein Verbot des Wirkstoffs wäre der einfachste Weg gewesen, erklärte Schulze. Allerdings wurde die Zulassung von Glyphosat im vergangenen Jahr von der EU erneut um fünf Jahre verlängert. „Wir müssen jetzt Umwege gehen, wir müssen deutlich mehr Aufwand betreiben, um den Einsatz von Glyphosat grundsätzlich zu beenden“, sagte die Umweltministerin.

Die wichtigsten Maßnahmen, die das Bundesumweltministerium für die Übergangszeit fordert:

  • Schaffung von „Biodiversitätsflächen“: Landwirte, die „biodiversitätsschädigende Mittel“ nutzen, sollen auf ihren Ackern gewisse Flächen unbehandelt lassen, um Lebensraum und Nahrung für Pflanzen, Tiere und Insekten zu erhalten. Schulze sprach von zehn Prozent der Flächen.
  • Glyphosatfreie Flächen: An ökologisch sensiblen Gebieten und Wasserschutzgebieten soll kein Glyphosat eingesetzt werden.
  • Verbot von Glyphosat bei der „Vorsaat- und Stoppelbehandlung“

Deutschland hat für die längere Zulassung von Glyphosat gestimmt

Glyphosat Roundup
Roundup von Bayer-Monsanto: Das wohl berühmteste Mittel mit Glyphosat (Foto: Foto: "DSC_0313" von Andy Wright unter CC-BY-2.0)

Schulze weiß, dass der Vorstoß des Umweltministeriums Deutschlands Rolle bei der Glyphosat-Zulassung widerspricht: „Wir wollen den Ausstieg von Glyphosat schaffen und das obwohl der frühere Landwirtschaftsminister Schmidt in Brüssel dafür gesorgt hat, dass dieser Wirkstoff europaweit zugelassen bleibt.“

Schmidt hatte vergangenes Jahr als Vertreter Deutschlands für eine Verlängerung der Zulassung in der EU gestimmt. Das sei jedoch ein Alleingang gegen die „Geschäftsordnung der Bundesregierung“ gewesen, sagte Schulze. Die Koalition habe sich darauf geeinigt, den Einsatz von Glyphosat zu beenden.

Wichtig: Nur Glyphosat zu verbieten ist keine Lösung

Schulze geht es um mehr als nur Glyphosat: „Aber wir dürfen an diesem Punkt nicht stehen bleiben und müssen den massenhaften Einsatz von Pestiziden insgesamt drastisch reduzieren. Wenn statt Glyphosat nur andere, vielleicht noch schädlichere Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, ist für die Umwelt nichts gewonnen.“ Darum sollen Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel allgemein strenger werden und Auflagen zum Artenschutz beinhalten.

Als nächstes ist nun das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gefragt. Das BVL erteilt die Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, braucht dafür aber die Zustimmung des Umweltministeriums. Das Ministerium hat dem BVL die neuen Auflagen übermittelt, heißt es in der offiziellen Erklärung.

Die Pläne des Umweltministeriums sind ein „großer Schritt“ zum Erhalt der Biodiversität, schreibt der Bio-Anbauverband Bioland in einer Mitteilung. Ausreichend sei er jedoch noch nicht – der Verband fordert eine Pestizidabgabe, durch die Pestizide und konventionelle Lebensmittel teurer werden würden.

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(6) Kommentare

  1. „Schmidt hatte vergangenes Jahr als Vertreter Deutschlands für eine Verlängerung der Zulassung in der EU gestimmt. Das sei jedoch ein Alleingang gegen die „Geschäftsordnung der Bundesregierung“ gewesen, sagte Schulze. Die Koalition habe sich darauf geeinigt, den Einsatz von Glyphosat zu beenden.“

    Wird die Schuld auf ihn abgewälzt? Wer steckt hinter diesem Schwachsinn?
    Kann mir das bitte wer erklären? Was ist mit dem Typen? Alleingang…?! Weg mit dem…

    Es kann doch nicht so schwer sein in den Kopf zu bekommen, das krebserregende Pestizide für den Menschen nicht von Vorteil sind.

  2. Was der Artikel (wie bei Utopia üblich !!!) mal wieder offen läßt:
    Wie soll denn die Alternative zu Glyphosat aussehen?

    Ich rede nicht von Unkrautbekämpfung im kleinen Maßstab (wie bei Privat-Haushalten), sondern im großen Maßstab wie in der Landwirtschaft oder bei der Vergetations-Kontrolle der Bahn.
    Zu einer seriösen, glaubwürdigen Berichterstattung behört das einfach dazu!

  3. Braucht es wirklich erst eine Alternative um etwas Krebserzeugendem zu entsagen?

    Erinnert mich nur allzu sehr an folgenden Liedtext:
    Hey farmer, farmer, put away your DDT
    I don’t care about spots on my apples,
    Leave me the birds and the bees
    Please
    Don’t it always seem to go
    That you don’t know what you got ‚til it’s gone
    They paved paradise and put up a parking lot
    Hey now, they paved paradise to put up a parking lot
    Why not?

    Die Bedeutung kann sich wohl jeder erschließen.
    DDT verwendet seit Anfang 1940, Song um 1970 veröffentlicht.

    Und wir legen noch immer eine Schüppe drauf und schaufeln das eigene Grab.

  4. Sprach der Optimist zum Pessimisten:
    „Also schlimmer kann es nur wirklich nicht mehr werden!“.
    Worauf der Pessimist meint: „Hast Du ne‘ Ahnung!“.

    Preisfrage:
    Wer von beiden hat die bessere Lebenseinstellung?

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