„Hirnprobleme“: Miley Cyrus ist keine Veganerin mehr – das müsst ihr jetzt wissen

Foto: Screenshot Youtube / Joe Regan Experience

Mit drastischen Worten hat die Sängerin Miley Cyrus der veganen Ernährung entsagt. Ein Grund, Veganismus zu verteufeln? Wir haben uns ihre Geschichte genauer angesehen – und geben Entwarnung.

Miley Cyrus ist als Tierschützerin bekannt. Auf ihren Social-Media-Kanälen und bei öffentlichen Auftritten spricht sich die Sängerin häufig für Tierrechte aus. Bereits 2013 wurde Cyrus zur überzeugten Veganerin. Sie ließ sich sogar das Logo der Vegan Society auf ihren Oberarm tätowieren.

Mit der veganen Ernährung ist jetzt Schluss: In einem Podcast des Comedian Joe Regan berichtete Cyrus, dass sie seit einer Weile wieder Fisch esse. Ihr Gehirn habe nicht richtig funktioniert, sie habe Hüftschmerzen gehabt. Um ihrem Körper wertvolle Omega-Fettsäuren zuzuführen, habe sie deshalb angefangen Fisch zu essen. Seitdem gehe es ihr deutlich besser.

Viele Medien berichteten über diese Neuigkeit, ohne Cyrus’ Schilderungen zu hinterfragen – und verbreiteten so ein gängiges Vorurteil: Vegane Ernährung ist ungesund. Wir haben uns die Sache genauer angesehen und geben Entwarnung.

1. Viele vegane Lebensmittel enthalten Omega-3

Cyrus gab an, sie esse wieder Fisch, weil sie die Omega-Fettsäuren brauche. Damit meint sie vor allem die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Diese fördern die Durchblutung und sind notwendig für ein gesundes Herz-Kreislauf-System.

Fisch ist in der Tat eine mögliche Quelle für Omega-3. Aber auch Leinsamen, Walnüsse, Raps- oder Hanföl enthalten den Nährstoff in großen Mengen. Was sich unterscheidet, ist die Art des Omega-3. Während Fisch reich an Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) ist, kommt in pflanzlichen Lebensmitteln fast ausschließlich die α-Linolensäure vor.

Aber auch auf DHA und EPA muss man bei einer veganen Ernährung nicht verzichten. Zum einen kann α-Linolensäure vom Körper zu einem gewissen Anteil in DHA und EPA umgewandelt werden. Zum anderen kann man DHA und EPA aus der gleichen Quelle beziehen wie Fische: aus Algen. Fische fressen Mikroalgen und nehmen so DHA und EPA auf. Warum überspringen wir also nicht einfach den Zwischenwirt und essen die Algen selbst? Laut Bundeszentrum für Ernährung eignet sich Mikroalgenöl genauso gut für die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren wie der Verzehr von Fisch.  

2. Der Grund für die Beschwerden von Miley Cyrus ist unklar

Es gibt viele mögliche Gründe für die beschriebenen neurologischen Beschwerden und Hüftschmerzen. Omega-3-Mangel ist nur einer davon. Auch Schlafmangel, Stress oder Medikamente können eine Rolle gespielt haben. Wir wissen nicht, ob bei Miley Cyrus ein Omega-3-Mangel nachgewiesen wurde oder ob sie zunächst versucht hat, die Omega-3-Zufuhr durch andere Lebensmittel zu steigern. Wir sollten nicht auf Grundlage reiner Vermutungen darüber urteilen, wie (un)gesund eine vegane Ernährung ist.

3. Die Verbesserung von Cyrus’ Gesundheit könnte verschiedene Gründe haben

Wir wissen nicht, ob ein Omega-3-Mangel ein Grund für die Beschwerden von Miley Cyrus war. Genauso wenig wissen wir, ob es wirklich dem Fischkonsum zu verdanken ist, dass sie sich nun „viel klarer“ fühlt. Möglicherweise ist die verbesserte Gesundheit auch auf andere Veränderungen im Leben der 27-Jährigen zurückzuführen.

Vielleicht hat die Verbesserung des Gesundheitszustands der Sängerin auch psychologische Gründe. Kennen wir das nicht alle: Wenn wir von etwas überzeugt sind, lassen wir uns auf eine Weise beeinflussen, die unseren Überzeugungen entspricht. Für uns ist es dann egal, ob die Wirkung der Sache selbst oder einem Placebo-Effekt zu verdanken ist.

4. Wir sollten uns von einem prominenten Einzelfall nicht verrückt machen lassen

Für einige Medien scheinen Meldungen über unterernährte Veganer*innen wie gerufen zu kommen, um eine rein pflanzliche Ernährung zu verurteilen. Was wir dabei nicht vergessen dürfen: Das sind Einzelfälle – und auch wenn sie einflussreiche Stars wie Miley Cyrus betreffen, sollten wir diese nicht überbewerten. Genauso wie es mangelernährte Fleischesser*innen gibt, gibt es eben auch mangelernährte Veganer*innen. Auf diese kommen aber eine Vielzahl Personen, die sich ausgewogen pflanzlich ernähren und bester Gesundheit erfreuen.

5. Eine gesunde vegane Ernährung ist möglich

Es stimmt, Veganer*innen sollten auf eine gesunde Ernährung achten. Aber das sollten alle anderen Menschen auch. Bei Veganer*innen ist das Risiko einiger Mangelerscheinungen höher, sie sollten vor allem auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium, Eisen, essenziellen Fettsäuren und Vitamin D achten. Außerdem sollten sie Vitamin B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen.

Gleichzeitig zeigen Studien aber auch, dass eine vegane Ernährung gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann:

  • Veganer*innen weisen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ein geringeres Risiko für Krankheiten auf, die durch schlechte Ernährung ausgelöst werden. Dazu gehört zum Beispiel Diabetes. Auch das Risiko für Übergewicht ist geringer.
  • Ein rein pflanzliche Ernährung kann Cholesterin senken. Das kann beispielsweise Herzkrankheiten vorbeugen.
  • Eine vegane Ernährung kann zur Therapie von Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten beitragen.
  • Rotes und verarbeitetes Fleisch steigern das Risiko, an Krebs zu erkranken, bestätigte die Weltgesundheitsorganisation. 

Wer sich unsicher ist, wie eine ausgewogene vegane Ernährung aussieht, sollte einen Blick auf die vegane Ernährungspyramide werfen.

Utopia meint: Ob Miley Cyrus’ gesundheitliche Probleme mit ihrer veganen Ernährung zusammenhingen, können wir schlichtweg nicht beurteilen. Dazu waren ihre Schilderung zu schwammig und ihre Argumente zu angreifbar. Es ist besonders beklagenswert, wenn eine bekennende Tierschützerin so undifferenziert über ihre Ernährungsumstellung spricht. Durch ihre Bekanntheit hat die Sängerin eine Vorbildfunktion. Es wäre schade, wenn diese nun zu unbegründeten Zweifeln an der veganen Ernährung führt.

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