Lidl bietet jetzt Bioland-Produkte an

Foto: "Einkaufen" von Thomas Schlosser unter CC BY 2.0

Lidl will künftig Produkte mit Bioland-Zertifizierung anbieten. Der Bioverband Bioland hat deutlich strengere Kriterien, als das reguläre EU-Siegel –war bisher aber noch nicht offiziell in  Discountern vertreten.

Lidl spricht von einem „Meilenstein“ in seinem Engagement für Nachhaltigkeit: Der Discounter kooperiert ab sofort mit Bioland, dem größten ökologischen Anbauverband in Deutschland. Über 18 Monate waren Lidl und Bioland in Gesprächen – die ersten Bioland-Produkte kommen  im November in die Filialen.

Den Anfang machen Äpfel, Kresse und Gartenkräuter. Ab Januar 2019 sollen dann Käse, Milch, Butter und fast alle anderen Milchprodukte der Lidl-Eigenmarke „BioOrganic“ das Bioland-Zertifikat erhalten. Gleiches gilt für Weizen- und Dinkelmehl, Kartoffeln, schrittweise sollen dann weitere Obst- und Gemüsesorten folgen.

Passt Bioland zu Lidl?

Lidl Bioland Bio Discounter
Die ersten Lidl-Produkte mit Bioland-Siegel (© Lidl)

Die Ankündigung von Lidl ist ungewöhnlich: Lange Zeit fand man Produkte der deutschen Bio-Anbauverbände wie Demeter, Naturland oder eben Bioland nur in Reformhäusern, Naturkost-Märkten oder Bioläden. Die billig-Mentalität der Discounter und der Preisdruck widersprechen dem ganzheitlichen Öko-Gedanken der Anbauverbände, weshalb sie lange nicht mit dem konventionellen Handel zusammenarbeiten wollen.

Das scheint sich nun aber langsam zu ändern. Erst vor kurzem kündigte beispielsweise die Drogeriekette dm eine neue Zusammenarbeit mit Demeter an. Jan Plagge, Präsident von Bioland, erklärte mit Blick auf die Lidl-Kooperation: „Lidl hat uns im Laufe der letzten Monate glaubwürdig verdeutlicht, wie ernst es dem Unternehmen mit seiner nachhaltigen Sortimentsentwicklung ist. Für uns, unsere Mitglieder und Partner ist entscheidend, dass wir den strengen Bioland-Standard und unsere Prinzipien ohne Kompromisse umsetzen können.“

Lidl setzt Hauptkonkurrent Aldi unter Druck

Gemeinsam wolle man hochwertige Bio-Produkte aus der Nische holen und mehr Konsumenten Zugang dazu verschaffen. Wichtig sei Lidl und Bioland außerdem, dass die Landwirte und Hersteller faire Preise erhalten.

Für Lidl hat die Partnerschaft mit Bioland einen entscheidenden Vorteil: Der Discounter hebt sich von seinen Konkurrenten – allen voran Aldi – ab. Kein anderer Discounter verkauft Produkte mit Bioland-Siegel.

Bioland-Siegel gibt es nur bei Lidl

Bio-Siegel: Naturland, Bioland, Demeter
Die drei großen Bio-Anbauverbände: Naturland, Bioland und Demeter. (© Naturland, Bioland, Demeter)

Zwar kann es vorkommen, dass Discounter-Bio manchmal nach den strengeren Richtlinien der Anbauverbände erzeugt wird, vor allem Obst und Gemüse. Das liegt daran, dass Landwirte, die nach den Standards der Anbauverbände wirtschaften, ihre Ware im Prinzip verkaufen können, an wen sie möchten. In den verschiedenen Discountern kann es also Bioland-Produkte zu kaufen geben, sie tragen allerdings kein Bioland-Siegel. Das bleibt nun erst mal Lidl vorbehalten.

Damit erreicht Lidl eine neue und stetig wachsende Zielgruppe an Kunden. Wer seinen Einkauf möglichst ökologisch gestalten will, aber zugleich Discounter bevorzugt, wird künftig wahrscheinlich eher bei Lidl als bei Aldi kaufen.

Bioland-Präsident ist optimistisch

Bleibt zu hoffen, dass Bioland tatsächlich kein Opfer der Billigpreis-Kultur der Discounter wird. Der Präsident von Bioland Jan Plagge ist jedoch optimistisch – er sieht die Kooperation mit Lidl auch als Möglichkeit, die streng ökologische Landwirtschaft zu stärken: „Unserer Erzeuger und Herstellerbetriebe erhalten so neue und dauerhaft sichere Absatzmöglichkeiten, zudem schützt jedes verkaufte Bioland-Erzeugnis das Tierwohl, die Umwelt und das Klima. Nur mit einer gesteigerten Nachfrage können weitere Bauern auf ökologischen Landbau umstellen.“

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(4) Kommentare

  1. Bio-zertifizierte pflanzliche Produkte finde ich gut. Von bio-zertifizierten Tierprodukten halte ich nichts, da sich der Konsument damit nur selbst anlügt. Auch Bio-Eier stammen aus der Massentierhaltung und am Ende wird das Tier zum Genuß des Menschens getötet. Das ist die bittere Wahrheit. Von den selbst in Bio-Tierprodukten enthaltenen ungesunden Bestandteilen wie gesättigte Fette und tierisches Eiweiß mal ganz abgesehen (Stichwort z. B. IGF-1).
    Supermärkte wie Lidl und Aldi sollten mehr pflanzliche und natürliche Produkte in guter Qualität zu guten Preisen anbieten. Auch wäre es wünschenswert, wenn diese besser gekennzeichnet werden würden. Mir geht es hierbei weniger um Fleisch-Ersatzprodukte als um vollwertige Gerichte ohne tierische Bestandteile (z. B. vegane Erbsensuppe statt Erbsensuppe mit Mikrobestandteilen von Fleischresten, Ei bzw. Milch).

  2. „Wichtig sei Lidl und Bioland außerdem, dass die Landwirte und Hersteller faire Preise erhalten.“
    Das ist doch jetzt bereits kaum der Fall. Das sind schön klingende Phrasen, die in der Realität einfach nicht umzusetzen sind. Erinnert mich stark an die deutsche Innenpolitik. Ich arbeite selbst als Gärtner und bereits bei der direkten Abgabe an den regionalen Großhändler muss man teils unverschämt niedrige Preise ansetzen. Für die kleine Bio-Gärtnerei in Familienhand nur mit Ach und Krach machbar. Ein Gärtner in so einem Betrieb verdient bereits jetzt meist nicht mehr als 20€ brutto – und zwar ein gelernter Geselle, kein Saison- oder Hilfsarbeiter.

    Die Zukunft heißt mMn Solidarische Landwirtschaft. Daran führt kein Weg vorbei.

  3. Also irgendwie sehe ich das ja ein wenig skeptisch. Zunächst ein mal bin ich ein großer Freund von Bio Lebensmitteln. Und was noch viel wichtiger ist: Nachhaltigkeit – Also nicht nur, wie „sauber“ wurden die Lebensmittel hergestellt, sondern auch unter welchen Umständen handeln die Betriebe etc…. Eigentlich ist es prima, dass einer der größten Discounter Deutschlands auf dieser Schiene fährt. Und auch der aktuelle Prospekt, wie hier https://www.prospektmaschine.de/lidl/ zu sehen, zeigt, dass das Angebot an Bio-Lebensmittel und vegetarische Alternativen mittlerweile sehr breit gefächert ist. Und dennoch: Ich kaufe Lidl den Fair Trade Gedanken nicht ab! Sorry! Aber der Discounter, der zuletzt noch vor 2 Jahren in den Schlagzeilen war, weil er mit einigen Lieferanten so unfaire Konditionen aushandelte soll jetzt „zur Besinnung“ gekommen sein? Ich halte es eher für einen klugen Marketing-Move der das Image ein wenig aufpolieren soll. Nichtsdestotrotz möchte ich aber nochmal klarstellen, wie gut und wichtig diese Schritte sind.

  4. Jo! Zu schön um wahr zu sein!
    Welche Ausreden hätte denn dann ein Glyphosat – Bauer noch für seine Form der Landwirtschaft, wenn nun sogar die Discounter die fairen Preise bezahlen?