Lidl Bio, Aldi Bio & Co.: Die Experten über Bio vom Discounter

Discounter Bio: Aldio Bio, Lidl Bio
Foto: © siamphoto - Fotolia.com; Bioland e.V.; Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.; Demeter e.V.

Bio ist längst in den Regalen von Aldi, Lidl & Co. angekommen. Gut ist: Jetzt kann sich jeder Bio leisten. Allerdings bleibt die Frage: Wie nachhaltig ist Lidl Bio, Aldi Bio & Co.? Und ist die Niedrigpreis-Strategie der Lebensmitteldiscounter überhaupt mit den Bio-Idealen vereinbar? Wir haben die Bio-Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter gefragt.

Bio ist gut, Lebensmitteldiscounter sind böse? Ganz so einfach ist es nicht: Aldi, Lidl, Netto, Penny und Norma bieten inzwischen viele Produkte in Bio-Qualität mit ihren Marken Aldi Bio, Lidl Bio, Naturgut und Bio Sonne an. Damit rücken Bio-Waren auch bei Discounter-Kunden ins Blickfeld. Laut Marktforschungsinstitut GfK werden bereits über 20 Prozent der Produkte mit Bio-Siegel in Discountern gekauft.

Das ist gut, denn mehr Bio-Käufe bedeuten mehr umweltschonende(re) Erzeugung. Die Einkaufs- und Preispolitik der Lebensmitteldiscounter bleibt aber problematisch. Denn die „Hauptsache Billig“-Kultur und der daraus folgende ständige Wechsel der Bezugsquellen widersprechen eigentlich dem Nachhaltigkeitsgedanken.

Lidl Bio, Aldi Bio: Wie viel Bio steckt in Discounter-Bio?

Die Bio-Produkte der Discounter-Eigenmarken wie Aldi Bio oder Lidl Bio tragen grundsätzlich das hellgrüne EU-Bio-Siegel. Das garantiert, dass das Produkt die gesetzlichen Mindestanforderungen an biologische Erzeugung erfüllt. Die Siegel der namhaften Bio-Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter dagegen findet man auf Ware vomLebensmitteldiscounter nicht.

Dennoch wird auch Discounter-Bio manchmal nach den strengeren Richtlinien der Anbauverbände erzeugt, vor allem Obst und Gemüse. Das liegt daran, dass Landwirte, die nach den Standards der Anbauverbände wirtschaften, ihre Ware im Prinzip verkaufen können, an wen sie möchten. Ein Bauer, der beispielweise von Bioland zertifiziert ist, kann seine Kartoffeln, wenn er will, an Aldi verkaufen – der sie dann aber „nur“ mit dem EU-Biosiegel kennzeichnet.

Eine Kooperation, die das Auszeichnen mit Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel im Lebensmitteldiscounter erlauben würde, gibt es mit keinem der drei Verbände.

Ist Lidl Bio, Aldi Bio & Co. schwächer als Premium-Bio?

Die gute Nachricht: Wo Bio drauf steht ist auch Bio drin. Du kannst dich auf alle gängigen Bio-Siegel verlassen, denn der Begriff ist für Lebensmittel gesetzlich geschützt und die Erzeuger-Betriebe werden regelmäßig kontrolliert.

Doch die Richtlinien für das EU-Bio-Siegel sind wesentlich schwächer als die der Bio-Anbauverbände. Die EU-Richtlinien lassen beispielsweise in der Tierhaltung deutlich höhere Besatzdichten zu, erlauben es, bei Bedarf konventionelles Futter und konventionellen Dünger zu verwenden und genehmigen in der Verarbeitung deutlich mehr Zusatzstoffe (EU-Bio: 47, Bioland: 23, Naturland: 22, Demeter: 13).

Mehr Informationen zur Frage, wofür „Bio“ eigentlich steht, findest du in unserem Artikel Wann Bio wirklich Bio ist.

Das sagen die Experten der Bio-Verbände zum Bio vom Discounter:

Das Verhältnis der großen deutschen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter zu den Lebensmitteldiscountern ist gespalten. Wir haben die drei wichtigsten deutschen Bio-Verbände gefragt, wie sie zum Thema Discounter-Bio stehen.

„Auf Qualität statt auf Preiskampf setzen“

Bioland über Bio bei Aldi, Lidl, Discounter
Bioland

Gerald Wehde, Pressesprecher Bioland:

„Lieber bio als konventionell – das gilt auch für den Einkauf beim Discounter. Der Beitrag für mehr Tier- und Umweltschutz bleibt schließlich der gleiche – egal, wo Sie Ihre Bio-Lebensmittel einkaufen. Der Beitrag für eine bäuerliche Biolandwirtschaft, heimisches Bio und faire Löhne für Bio-Bauern bleibt beim Discounter allerdings gering.

Was den Kunden hier signalisiert wird, ist: Bio ist billig. Das ist aber genau das falsche Signal: Bio-Bauern haben höhere Kosten, weil sie eben nicht zu Lasten der Natur und der Tiere wirtschaften. Der Discounter bringt diese Wertigkeit von Bio dem Kunden allerdings nicht näher. Das schaffen Direktvermarkter, Biosupermärkte, Naturkostläden und einige Vollsortimenter des Lebensmitteleinzelhandels besser. Deshalb mussten die Discounter im vergangenen Jahr auch zum ersten Mal bei Bio einen Umsatzrückgang hinnehmen. Der Naturkosthandel legte dagegen um 9 Prozent und die Vollsortimenter im Lebensmitteleinzelhandel um 6 Prozent zu.
Trotzdem: 44 Prozent aller Lebensmittel gehen über das Kassenband der Discounter. Sie haben nach wie vor eine hohe Marktmacht und könnten damit einiges bewegen – indem sie ihren Kunden den Mehrwert von Bio näher bringen und auf Qualität statt auf einen unerbittlichen Preiskampf setzen.“

„Mentalität der Discounter widerspricht dem ganzheitlichen Öko-Gedanken.“

Naturland über Bio bei Aldi, Lidl, Discounter
Naturland

Markus Fadl, Pressesprecher von Naturland:

„Der Naturkost-Einzelhandel ist für Naturland als Öko-Verband der natürliche Partner: Hier wird Öko ganzheitlich begriffen, gelebt und weiterentwickelt. Darüber hinaus hat sich Naturland entschieden, auch mit dem qualitätsorientierten Lebensmittel-Einzelhandel (z.B. Rewe) zusammenzuarbeiten. Der LEH hilft uns, deutlich mehr Menschen zu erreichen und auf diese Weise Bio in die Breite zu tragen. Denn nur dann kann der Öko-Landbau als beste und zukunftsfähigste Form der Landwirtschaft aus der Nische heraustreten, in der er trotz des Wachstums der vergangenen Jahre immer noch steckt.

Das Ziel lautet 100 Prozent Öko – und dieses Ziel werden wir nicht erreichen, wenn wir den Verbrauchern vorschreiben, wo sie einkaufen sollen. In diesem Sinne ist Bio vom Discounter besser als kein Bio. Allerdings widerspricht die „Hauptsache billig“-Mentalität der Discounter dem ganzheitlichen Öko-Gedanken, für den das Naturland Zeichen steht. Aus diesem Grund ist eine Zusammenarbeit, wie Naturland sie mit dem qualitätsorientierten LEH pflegt, mit den Discountern ausgeschlossen.“

„Wird Bio zu billig, wird der Verbraucher misstrauisch.“

Demeter über Bio bei Aldi, Lidl, Discounter
Demeter

Renée Herrnkind, Pressesprecherin von Demeter:

„Demeter-Waren sind echte Premiumprodukte – und schon allein von daher passen sie nicht zum Image eines Discounters. Demeter hat sich klar für die Priorität für den Naturkostfachhandel entschieden. Da gibt es 100% Bio und die Kompetenz und Leidenschaft, Demeter zu erklären. Gemeinsam gelingt so die Profilierung als Qualitätsführer.

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass der Ansatz, Bio über den Preis voranzubringen, zu kurz gegriffen ist. Das haben die  Discounter schon vor einigen Jahren selbst durchaus schmerzlich erfahren als über drastische Preissenkungen mehr Absatz generiert werden sollte, was nicht funktioniert. Wird Bio zu billig, wird der Verbraucher eher misstrauisch.“

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(37) Kommentare

  1. Dieses billig-bio vom discounter ist gar nicht preiswert. im gegenteil, wie schon oekoaktivist schrieb, teuerer…und nicht einmal so gut.
    leider aber haben die massen keine ahnung, weil sie keine zeit haben zu recherchieren.
    da werden den leuten x für ein u vorgemacht, dass es nur so kracht. das ist eine lügengesellschaft.
    und wenn niemand oder nur sehr wenige sich ein bisschen auskennen…ist dem betrug tür und tor geöffnet und zwar fortwährend und das schon seit einer langen zeit.
    noch was…frage mich was ein profi discounter einkäufer eigentlich ist…die profis sitzen doch eigentlich auf der anderen seite, nämlich die, die eine menge geld damit machen, die verkäufer, das mangement. wir sind doch leider nur die doofen verbraucher, das volk, brot und spiele…die qualität spielt keine rolle, zumindest tun die lebensmittelchemiker qualität nur vorgaukeln.
    und das ist leider in allen bereichen so. äh…nur nicht im fussball, nun ja nicht ganz so, da wird doping einfach nur totgeschwiegen. was rede ich. die macht der konzerne macht alles kaputt.

  2. Von dieser „Bio Kampagne“ halte ich gar nichts. Hier geht es darum, dem Käufer von GutBio – Produkten vorzugaukeln, dass er ein Bio Produkt kauft. Meiner Ansicht nach, versucht man vielfach Unwissenheit der Kunden auszunutzen, die um jeden Preis auf diesem Tripp sind, sich mit Bio gesünder zu ernähren. Für mich kommt hinzu, dass gute Produkte, die nicht unter dem Biosiegel laufen aus den Regalen langsam verschwinden. Für mich bleibt nur eins übrig, indem ich diesen Trend nicht mitmache zu dem man mich eigentlich zwingt und als Kunde Aldi, die ich bisher immer geschätzt habe zu verlassen. Kampflos möchte ich aber das Feld nicht räumen. Deshalb werde ich einige Aktivitäten starten, um eventuell Licht in das Dunkel zu bringen, da ich empfinde, dass Aldi auf diese Weise nur den Gewinn steigern möchte. Ich würde mich freuen, wenn ich eine Antwort erhielte.
    Mit freundlichen Grüßen
    Achim

  3. Ich sehe Bio aus dem Discounter nicht generell kritisch. Ein Beispiel: Marmelade von GutBio aus dem Aldi wird beim Unternehmen Stute in Paderborn produziert. Stute ist die größte Saftquetsche Europas. das Unternehmen hat drei große Windräder aufgestellt, die Strom liefern. Neben dem Werk befindet sich auf dem Acker eine große Freiflächenphotovoltaikanlage. Produktionshallen und Verwaltungsgebäude sind ebenfalls mit Modulen „verschönert“. Die bei der Fruchtsaftherstellung anfallenden Reststoffe werden in einer Biogasanlage in Strom und Wärme verwandelt.Mehr Nachhaltigkeit geht eigentlich kaum. Nicht anders sieht es mit großen Brauerein aus. Diese produzieren ihren Strom oft mit Kraft Wärme Kopplung selbst, was die wenigsten kleinen Brauerein machen. Was ich damit sagen will ist, dass der ökologische Fußabdruck bei großen Unternehmen nicht schlecht sein muss.

  4. Man darf einfach nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
    Bio-Marmelade vom Discounter ist sicher besser als ein konventionelles Produkt vom Discounter.
    Auch bei Discounter-Bio gelten die Auflagen von EU-Bio und es dürfen keine synthetischen Spritzmittel und Kunstdünger verwendet werden.
    Also ist dieses Produkt alleine schon für die Umwelt besser, als ein konventionelles Produkt.
    Demeter-Marmelade von Nachbars Hofladen ist sicher noch besser, weil es regional ist und – hoffentlich ein fairer Preis – beim Bauern ankommt.
    Man sollte sich das einfach genau ansehen und dann entscheiden.

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