Bei Lanz: Luisa Neubauer nimmt Klima-Ausreden von Merz auseinander

Foto: Screenshot ZDF-Mediathek

Am Dienstag waren in der Talkshow von Markus Lanz unter anderem Luisa Neubauer und Friedrich Merz zu Gast. Der CDU-Politiker lieferte in der Sendung einige altbekannte Argumente gegen eine strengere Klimapolitik. Neubauer ließ keines davon gelten.

Luisa Neubauer würde es Friedrich Merz nicht leicht machen – das wurde in der Sendung von Markus Lanz schnell klar. Merz erklärte zu Beginn der Diskussion, dass ihm das Thema Ökologie wichtig sei und er es nicht den Grünen überlassen wolle. Neubauers Erwiderung: „Ein Jahr vor der Bundestagswahl, in einer Zeit wo so viele Sachfragen … im Raum stehen, und Sie, bei allem Respekt, mandatspolitisch gesprochen überhaupt nichts sind, finde ich diese Farbenspielerei politisch fast unachtsam“

Moderator Markus Lanz unterbrach die Fridays-for-Future-Aktivistin: „Haben Sie gerade gesagt ‚Sie, die Sie mandatsmäßig gar nichts sind‘? […] Nicht schlecht.“ Merz und Lanz lachten, Neubauer ließ sich davon nicht beirren. „Bisher hat weder die CDU noch Sie etwas vorgelegt, wovon man darauf schließen lassen könnte, dass das Klima bei Ihnen in guten Händen ist.“

Während Merz der Aktivistin zu Beginn noch scheinbar amüsiert zuhörte, wurde er im Verlauf der Sendung ernster. Ihm ging es vor allem darum, die aktuelle Klimapolitik zu rechtfertigen – und zu erklären, warum strengere Klimaschutzmaßnahmen nicht möglich seien. Er bediente sich dabei einiger altbewährter Argumente, die in Klima-Debatten immer wieder aufgewärmt werden. Luisa Neubauer ließ aber keine Ausreden gelten:

1. Wir tun schon viel fürs Klima

Markus Lanz, Luisa Neubauer, Friedrich Merz
Markus Lanz, Luisa Neubauer, Friedrich Merz (Foto: Screenshot ZDF-Mediathek)

Klimapolitik sei für die CDU schon lange ein wichtiges Thema, sagte Merz. „Klimapolitik fängt ja nicht erst heute an, sondern hat vor 30 Jahren angefangen. Die CDU hat den ersten Umweltminister gehabt, die CSU den ersten Landesumweltminister.“ Außerdem habe Deutschland viel erreicht, etwa den CO2-Ausstoß in den letzten 30 Jahren deutlich gesenkt. Zudem erfülle Deutschland aktuell die Klimaziele, „wissend, dass die zweite Hälfte des Marathonlaufes die schwierigere ist.“.

„Das ist nett, dass Sie nach gestern blicken und sagen wir haben damals Klimaschutz gemacht“, kommentierte Neubauer. „Das zählt heute in dem Sinne nicht mehr, weil die Herausforderungen vor uns liegen.“ In Bezug auf die Klimaziele widersprach sie Merz:  „Deutsche Klimaziele, wunderbar, die sind nicht Paris-kompatibel. Wenn Sie also sagen, ich möchte Klimaschutz umsetzen, heißt das in erster Instanz, deutsche Klimaziele anheben, damit sie Paris-kompatibel sind.“

2. Klimaschutz schadet der Wirtschaft

Markus Lanz, Luisa Neubauer, Friedrich Merz
Friedrich Merz will die Wirtschaft nicht gefährden. (Foto: Screenshot ZDF-Mediathek)

Zu den Hauptargumenten gegen strengere Klimaschutzmaßnahmen zählen wirtschaftliche Überlegungen – auch bei Friedrich Merz. „Wir müssen natürlich die Klimaforscher ernst nehmen, aber wir müssen auch die Ökonomen ernst nehmen“, sagte der Politiker. „Wir müssen eine möglichst nachhaltige Reduktion des CO2-Ausstoßes erreichen und wir müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass sich normale Familien hier noch ein Auto leisten können, den Job behalten und auch noch Lebensmittel kaufen können.“ Aus diesem Grund sei es beispielsweise schwierig, den CO2-Preis teurer zu machen.

„Jetzt verwechseln Sie aber zwei Sachen“, erwiderte Luisa. Richtig sei, dass die Veränderung zu mehr Nachhaltigkeit gerecht gestaltet werden müsse. Allerdings solle nicht infrage gestellt werden, ob dieser Wandel überhaupt stattfinden muss – lediglich das wie stehe zur Diskussion.

Neubauer hält systemische Änderungen für nötig: „Sie wollen Ihre marktwirtschaftliche Ordnung nicht gestört wissen, das ist ok. Es gibt bisher keine marktwirtschaftliche Ordnung, die innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren kann. Sie ist darauf angelegt, auf einem endlichen Planeten Ausbeutung bei Ökosystemen, Menschen und Tieren zu betreiben.“

3. Arbeitsplätze sind gefährdet

Ebenfalls ein Thema in der Sendung: In umweltschädlichen Industrien wie der fossilen Energiegewinnung arbeiten tausende Menschen. Durch den Ausstieg aus der Kohleenergie verlieren sie ihre Jobs.

Markus Lanz, Luisa Neubauer, Friedrich Merz
Luisa Neubauer bei Markus Lanz. (Foto: Screenshot ZDF-Mediathek)

Für Luisa Neubauer kein Grund, den Wandel weg von klimaschädlicher Kohle hinauszuzögern: „Aber jetzt merken Sie schon, dass Sie ökologisch ausweichen“, sagte sie an Merz gerichtet. „Die Transformation steht ohnehin an.“ Je früher man mit Angestellten dieser Industrien neue Perspektiven erarbeite, desto besser. Die Politik nutze die Arbeitsplatz-Argumentation, weil sie vor den Herausforderungen des Wandels zurückschrecke. Außerdem seien allein in der Windkraft-Branche in den letzten Jahren 100.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

4. Deutschland kann die Welt nicht alleine retten

Merz stimmte Neubauer in der Talkshow immer wieder zu. Allerdings könne Deutschland die Umweltprobleme nicht alleine lösen – ebenfalls ein häufiges Argument gegen mehr Klimaschutz. „Wir machen zwei Prozent der CO2-Emissionen auf dieser Welt aus, 98 Prozent sind nicht in Deutschland. Wir müssen auch ein bisschen ein Auge darauf haben, wie das in Amerika läuft, … was in Russland passiert, was in China passiert, was leider auch in Australien passiert.“

Neubauer stimmte zu, dass Klimaschutz international organisiert werden müsse. Deutschland stehe jedoch in besonderer Verantwortung: „Deutschland ist in Europa der größte Emittent. Sieben der zehn größten CO2-Quellen Europas sind deutsche Kohlekraftwerke.“ Wenn Europa eine Vorbildfunktion einnehmen wolle, sei Deutschland besonders gefragt. „Welchem Land der Welt möchten wir denn gerade bitteschön sagen, dass es das Klima schützen soll, wenn es eines der reichsten Länder – Deutschland – nicht kann?“

Luisa Neubauer: Nicht das Ziel infrage stellen

Die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen zu implementieren, sei keine leichte Aufgabe, sagte Luisa Neubauer bei Lanz. „Aber die größte politische Zumutung ist zu sagen, die Herausforderung ist zu groß und deswegen stellen wir das Ziel infrage.“

Ökonomische Überlegungen dürfen nicht die Priorität sein – langfristig gesehen seien sie außerdem nicht besonders logisch: „Werden wir heute eine Wirtschaft wieder anwerfen, die noch viel mehr Klimaschäden produziert, die noch mehr Zerstörung, noch mehr Kosten anrichtet, damit wir irgendwann das Geld haben, um diese Schäden wieder zu begleichen?“

Die Sendung von Markus Lanz kannst du in der ZDF-Mediathek ansehen.

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(7) Kommentare

  1. Genau, die Kernaussage, nicht das Ziel infrage zu stellen, auch wenn wir vor großen Herausforderungen stehen, ist gold richtig!
    Wir müssen endlich das Übel an der Wurzel packen und zeigen, dass es auch anders geht! Auch ein Herr Merz und alle anderen aus der Oberschicht müssen sich darüber im Klaren sein, dass auch sie eine gesellschaftliche Verantwortung tragen!
    Je mehr angehäuftes Kapital, desto mehr Verantwortung! Dann würde auch viel klarer werden, was wirklich gesamt-wirtschaftlich sinnvoll ist und was nicht.
    Und darauf kann man dann endlich auch eine funktionierende, nachhaltige und gerechte Wirtschaft aufbauen.

  2. Aber bitte, diese junge Dame hat immerhin den Arsch in der Hose sich gegen unsere etablierten, zerstörerischen Strukturen zu stellen.
    Das allein ist ihr schon hoch anzurechnen!
    Man kann sich aber auch weiter im klein-klein verrennen.
    Sicherlich weiß auch Frau Neubauer auch nicht alles im Detail, muss sie auch nicht, denn sie steht ja nicht alleine da 😉

    Die Dinosaurier waren nicht anpassungsfähig genug, so wie viele Menschen heute immer noch ewig rum diskutieren und Schuldige überall suchen, nur um sich selbst nicht ändern zu müssen!

  3. Man muss Hr. Merz nicht mögen, nur frage ich mich, warum man in solch eine Sendung nicht Personen mit (fachlicher) Lebenserfahrung und einem gesunden Selbstbild einlädt, die statt teenagerhaft zu meckern imstande sind, eine sinnvolle voranbringende Diskussion zu führen. Mal eben zur Schule gegangen, Geographie studiert (Muss man sowas studieren, um sich geographisch auszukennen?! Welchen Nutzen hat dieser Studiengang eigentlich für die Allgemeinheit und das Leben?) und sich dann öffentlich so unreif überheblich aufzuführen, sehe ich nicht als Weg in eine verbesserte (Umwelt-) Zukunft.

  4. In den Medien werden einzelne Leute ja gerne publikumswirksam hervorgehoben, siehe Greta. Daher sollte man von Frau Neubauer mit ihren jungen 24 Jahren auch nicht erwarten, alles zu wissen. Das kann sie gar nicht.
    Trotzdem zeigt sie durch ihren Einsatz, gemeinsam mit vielen anderen jungen Leuten, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben und es so nicht weiter gehen kann. Anders als viele Etablierte.
    Von daher und nachdem der Jugend lange Zeit politisches, naturwissenschaftliches und gesellschaftliches Desinteresse nachgesagt wurde, ist das jetzt doch schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung, oder nicht?
    Allerdings kann ich deine Bedenken auch gut nachvollziehen und muss gestehen, der Gedanke kam mir auch des Öfteren während der Sendung. Ich würde mir auch in solch wichtigen Diskussionen mehr Talkgäste mit ausgeprägt breitem und fundiertem Sachverstand wünschen, vor allem da es jetzt darum geht, konkrete, nachhaltige und auch funktionierende Lösungen zu erarbeiten.

    Übrigens, in der Geographie geht es nicht nur um die physikalisch korrekte Lage von Stadt, Land und Fluss.
    Neben der klassischen, naturwissenschaftlich physischen Geographie mit den Teilbereichen Ökologie, Meteorologie, Geologie, u.v.a., ist ein weiterer wesentlicher Teil die anthropologische Geographie, die sich mit vielen wichtigen gesellschaftswissenschaftlichen oder sozialen Fragen beschäftigt, wie:
    Wie verändern sich menschliche Lebensräume im Wandel der Zeit, durch Urbanisierung, Globalisierung, klimatische Veränderungen …
    Welche menschlichen Bedürfnisse stecken dahinter?
    Was ist allgemein notwendig für eine funktionierende Gesellschaft?
    All diese und viele andere wichtige, grundlegenden Fragen behandelt die Geographie und verknüpft so im Prinzip alle anderen Wissenschaften (Natur- und Geisteswissenschaften) miteinander und lässt dadurch Rückschlüsse auf alle wichtigen Wirkprinzipien zu, die uns betreffen.
    Ein Studienfach, das ich nebenbei erwähnt auch vor einigen Jahren mal aus Eigeninteresse studiert habe und das ich allen anderen Menschen, die auch gern wissen wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, besonders ans Herz legen möchte 😉

  5. Die Überheblichkeit hat Frau Neubauer nicht für sich gepachtet. Wenn Friedrich Merz und Markus Lanz in ihrer großen Weisheit gönnerhaft lächeln über die Ernsthaftigkeit der jungen Frau, so kann man das ja wohl kaum anders bezeichnen als überheblich. Im übrigen hat sie ja recht: Pop-up-Merz ist wohl kaum der aussichtsreichste Kandidat für das Kanzleramt. Vor seinen veralteten Ansichten und ewigen Wiederholungen der immer selben (schon lange widerlegten) Argumente möge der Himmel uns verschonen!