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Kohle ist kein Kompromiss – nutzt jetzt eure Verbrauchermacht!

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - KitzD66

Bis mindestens 2035 sollen deutsche Kohlekraftwerke noch weiter laufen. Klimaaktivist*innen und Umweltschützer*innen ist das zu spät. Und auch wir finden: Es ist Zeit, dass wir den Ausstieg aus der klimaschädliche Kohle selbst in die Hand nehmen.

Der Bund und die Länder mit Braunkohle-Regionen haben sich am Donnerstagmorgen darauf geeinigt, wann die klimaschädliche Kohleverstromung in Deutschland ein Ende haben soll: Im besten Fall im Jahr 2035 – spätestens 2038. Laut Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa), die dem Tagesspiegel vorliegen, sollen Kohleregionen insgesamt 40 Milliarden Euro Hilfe für den Strukturwandel erhalten.

Bereits im Juni 2018 hat die Bundesregierung die „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, kurz: Kohlekommission, einberufen. Sie sollte einen Plan für Deutschlands Kohleausstieg erarbeiten. Dass Kohlekraftwerke bis 2038 abgeschaltet werden sollen, hatte die Komission schon vor rund einem Jahr empfohlen.

Klimaaktivist*innen: 2038 ist zu spät

Dieser Vorschlag ist, genau wie die aktuelle Einigung zwischen Bund und Ländern, ein Kompromiss: Statt so bald wie möglich aus der Kohle auszusteigen, liegt der Termin mindestens 15 Jahre in der Zukunft. Klimaaktivist*innen und Umweltschützer*innen ist das zu spät.

„Große Teile Australiens brennen und zeigen in tragischer Weise die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels“, sagt Olaf Bandt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Aber hierzulande schafft es die Bundesregierung einfach nicht, den drängenden Kohleausstieg auf den Weg zu bringen.“ Er fordert den Ausstieg bis zum Jahr 2030.

Auch der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Mueller-Kraenner, schrieb auf Twitter, ein Ausstieg bis 2035 reiche nicht. Er reichte gestern gemeinsam mit den Aktivist*innen von Fridays for Future eine Verfassungsbeschwerde ein. (Eventuell musst du die Ansicht aktivieren, um den Tweet sehen zu können.)

Kraftwerksbetreiber erhalten Milliardenbeträge

Laut dem Ausstiegsplan würden in den kommenden zehn Jahren 19 Kraftwerke vom Netz gehen. In den 2030ern elf Kraftwerke. Für das vorzeitige Abschalten ihrer Werke sollen die Betreiber Milliardenentschädigungen erhalten. Besonders absurd: Trotz Ausstiegsplan soll laut der dpa das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen seinen Betrieb aufnehmen, schreibt der Tagesspiegel.

Auf Twitter trendet am Donnerstag der Hashtag #Kohleausstieg. Viele Nutzer*innen kritisieren die Entscheidung und die Milliardenhilfen heftig. So twittert Michael Bloss, der für Die Grünen im EU-Parlament sitzt, „Während die Wind- & Solarbranche in DE am Boden liegt, steigen die Aktienkurse derjenigen, die die #Klimakrise anheizen. BRegierung verabschiedet sich vom Pariser Abkommen.“

Vereinbart wurde auch, dass der Hambacher Forst nicht für den Tagebau gerodet werden soll. Das Waldgebiet war bei Protesten vor über einem Jahr zum Symbol im Kampf gegen die klimaschädliche Braunkohle geworden. Umweltschützer*innen hatten verhindert, dass der Wald für weiteren Braunkohleabbau gerodet wird. Die Aktivist*innen von Fridays for Future halten diese Maßnahme für vorgeschoben: Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, vertusche damit die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks Datteln 4.

Schon vor einem Jahr kritisierte die damals 16-jährige Aktivistin Greta Thunberg den Vorschlag der Kohlekomission: „Deutschland will bis 2038 Kohle verbrennen. Das ist absolut absurd. Und die Leute denken, das wäre etwas Gutes“, sagte sie der dpa damals.

Werde selbst aktiv und wechsle jetzt zu Öko-Strom

Der Gesetzentwurf soll bis Mitte des Jahres verabschiedet werden. Im Entwurf heißt es: In den Jahren 2026 und 2029 soll „überprüft“ werden, ob die Kohlekraftwerke bereits im Jahr 2035 anstatt 2038 stillgelegt werden können. Doch auch wenn der Ausstieg möglicherweise vorgezogen werden kann – bis zum Jahr 2035 werden noch 15 Jahre mit klimaschädlichem Kohlestrom vergehen.

Wir als Privatpersonen können aber schon jetzt aktiv werden und den Kohleausstieg selbst in die Hand nehmen. Ein wichtiges Zeichen für den Klimaschutz kannst du ganz einfach setzen, indem du zu Ökostrom wechselst. Denn als Verbraucher haben wir Macht – weil Unternehmen von unserem Konsum abhängig sind. Je weniger Kohlestrom bezogen wird, desto weniger muss produziert werden.

Ökostrom wird im Gegensatz zu Kohlestrom aus erneuerbaren Energien gewonnen. Wir zeigen dir hier Anbieter, die unabhängig sind von den großen Konzernen und den Ausbau erneuerbarer Energien schon lange aktiv fördern – und damit dazu beitragen, dass wir möglichst bald auf klimaschädlichen Strom verzichten können.

Ökostrom: Diese 6 Anbieter empfehlen wir

Folgende Tarife findet Utopia empfehlenswert. Die Liste ist alphabetisch sortiert. Details zeigt ein Klick auf Anbieterlogo oder Anbieternamen.

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  1. Ökostrom Bürgerwerke
    Bürgerwerke (© Bürgerwerke)

    Ökostrom von

    Bürgerwerke

    4,9

    von 154 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    Die Bürgerwerke sind ein Zusammenschluss von über 100 lokalen Energiegenossenschaften und mehr als 40.000 Menschen, die gemeinsam die Energiewende von unten voranbringen. In diesem Verbund versorgen sie bundesweit Menschen mit 100 % Ökostrom.

    • zu 100% im Eigentum von Energiegenossenschaften
    • Transparenz bei der Stromherkunft durch die Veröffentlichung der Strom-Erzeuger
    • Empfehlungen: Utopia-Empfehlung; "sehr gut" bei Öko-Test 4/2022
    • 100% Ökostrom aus deutschen Erneuerbare-Energien-Anlagen
    Wechseln zu**: Die Bürgerwerke
  2. EWS Schönau EWS-Ökostrom
    EWS Schönau EWS-Ökostrom (© EWS Elektrizitätswerke Schönau eG)

    Ökostrom von

    EWS Schönau EWS-Ökostrom

    4,9

    von 143 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    EWS Schönau ist eine Bürgerinitiative, die die Idee einer bürgereigenen und ökologischen Energieversorgung trägt. Der Ökostrom stammt zu 100  % aus erneuerbaren Energien von unabhängigen Anlagen, an denen keine Atom- oder Kohlekonzerne direkt oder indirekt beteiligt sind.

    • 2.600 bürgereigene Rebellenkraftwerke durch Förderung ermöglicht
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    • alle Tarife enthalten den „Sonnencent“ zur Förderung ökologischer Projekte
    • fördert Projekte in wirtschaftlich benachteiligten Regionen
    Wechseln zu**: EWS Schönau
  3. Fair-Trade-Power
    Fair Trade Power (Logo: Fair Trade Power)

    Ökostrom von

    Fair Trade Power

    4,9

    von 64 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    Der Strom von Fair Trade Power Deutschland kommt derzeit zu 100% aus Wasserkraft. Das Unternehmen fördert die Energiewende in besonderem Maße und ist weder an Atom- noch an Kohlekraftwerken beteiligt.

    • 100% Erneuerbare Energie (100% Wasserkraft)
    • Empfehlungen: Utopia-Empfehlung; Robin Wood 2020, "sehr gut" bei Öko-Test 4/2022
    • Grüner-Strom-Label; TÜV Süd EE; Anbieter frei von konventionellem Strom
    • Energieversorger in "Verantwortungseigentum"
    Wechseln zu**: Fair Trade Power
  4. Polarstern
    Polarstern Energie (Logo: Polarstern)

    Ökostrom von

    Polarstern Energie

    4,9

    von 83 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    Polarstern verkauft Ökostrom aus 100 % Wasserkraft, aber auch Ökogas ohne Erdgas-Beimischung und andere Energieprodukte. Es ist der erste Gemeinwohl-bilanzierende Energieversorger Deutschlands. Siegel wie Grüner Strom machen den Anbieter empfehlenswert.

    • 100 % Erneuerbare Energien (100 % Wasserkraft)
    • ökologischer Mehrwert durch Grüner-Strom-Siegel belegt
    • Empfehlungen: Utopia-Empfehlung; Robin Wood 2020; "gut" bei Öko-Test 4/2022
    • GWÖ-bilanzierender Energieversorger; keine konventionellen Stromangebote, viele Spezialtarife
    Wechseln zu**: Polarstern
  5. Ökostrom ProEngeno Naturmix Premium
    ProEngeno Naturmix Premium (Logo: ProEngeno)

    Ökostrom von

    ProEngeno Naturmix Premium

    von ProEngeno

    5,0

    von 5 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    Der Ökostrom kommt bei ProEngeno Naturmix Premium derzeit zu 100% aus Windkraft. Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen ist gemeinwohlbilanziert, weder an Atom- noch an Kohlekraftwerken beteiligt und fördert aktiv den Ausbau von Erzeugungsanlagen.

    • 100% Erneuerbare Energie (100% Windkraft)
    • ökologischer Mehrwert durch Grüner-Strom-Siegel belegt (nur Premium-Tarife!)
    • Empfehlungen: Utopia-Empfehlung; "befriedigend" bei Öko-Test 4/2022 (Naturmix Family Premium)
    • GWÖ-bilanzierender Energieversorger; keine konventionellen Stromangebote, viele Spezialtarife
    Wechseln zu**: ProEngeno
  6. Ökostrom Naturstrom
    Naturstrom AG (© Naturstrom)

    Ökostrom von

    Naturstrom AG

    4,7

    von 219 Bewertungen

    Utopia Empfehlung

    Naturstrom verkauft Strom aus verschiedenen EE-Quellen, vor allem Windkraft, aber auch Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse. Was diesen Anbieter empfehlenswert macht: Der Bau eigener Ökoenergieanlagen, je nach Tarif 1 oder 2 Cent Förderbeitrag für den Neuanlagenbau, Siegel wie Grüner Strom der Umweltverbände, ein rundes Portfolio mit vielfältigen Angeboten, die CO2-Neutralisierung selbst der Emissionen des Anlagenbaus sowie das Engagement für Mieterstromprojekte.

    • 100 % Erneuerbare Energien (Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Biomasse)
    • ökologischer Mehrwert durch Siegel Grüner Strom belegt
    • Empfehlungen: Utopia; Robin Wood 2020; "sehr gut" bei Öko-Test 4/2022
    • AG im Besitz von Kleinanlegern; keine konventionellen Stromangebote, viele Spezialtarife
    Wechseln zu**: Naturstrom

Mehr Infos und Bewertungen der besten Ökogasanbieter findest du in unserer Bestenliste Gasanbieter.

Lies dazu auch: Ökostrom: der Umsteiger-Ratgeber, den Ökostrom-Anbieter Preisvergleich, und den Gasanbieter-Vergleich.

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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