Netto verkauft jetzt Zebrafleisch – muss das sein?

Zebra Netto Steak Fleisch
Fotos: CC0 Public Domain / Pixabay und colourbox.de

Netto hat aktuell ein besonderes Angebot: Der Discounter verkauft diese Woche tiefgefrorene Zebra- und Känguru-Steaks. Viele Kunden sind schockiert – andere wiederum finden die Aufregung scheinheilig.

300 Gramm Zebrasteak für 6,99 Euro – ein Angebot, das man so nicht alle Tage im Supermarkt findet. Bei Netto ist das Zebrafleisch Teil der aktuellen Aktionswoche. Es ist nicht die einzige exotische Fleischsorte: Auch Kängurufleisch gibt es zurzeit für 4,95 Euro bei Netto zu kaufen. Zur Vorweihnachtszeit will der Discounter die Kunden mit außergewöhnlichen Produkten locken.

Außergewöhnlich ist auch der Warnhinweis, der auf der Verpackung des Zebrasteaks steht: „Auf mögliche Rückstände von Geschossteilen achten.“ Das klingt so, als ob die Tiere bei der Jagd erlegt wurden.

Woher kommt das Zebrafleisch von Netto?

Zebra Netto Steak Fleisch
Zebrasteak und Kängurusteak von Netto (Foto: gh)

In den sozialen Netzwerken kommt das Zebrafleisch nicht gut an. „Zebrafleisch geht mal gar nicht…Netto…Ihr solltet euch schämen“, schreibt beispielsweise ein User auf Twitter. „Weltweit sind die Wildtierbestände rückläufig. Viele Tierarten sind bedroht und werden bald für immer verschwunden sein. […] Zebras zu Weihnachten zu servieren, ist der falsche Weg“, kommentiert ein weiterer Nutzer.

Zebras gelten tatsächlich als bedroht – allerdings nicht alle drei Arten. Das Bergzebra ist laut der Roten Liste „gefährdet“, das Grevyzebra sogar „stark gefährdet“. Das Steppenzebra hingegen stuft die Liste „nur“ als „potentiell gefährdet“ ein.

Um welche Zebra-Art es sich bei dem tiefgefrorenen Steak bei Netto handelt, steht nicht auf der Verpackung. Man kann jedoch davon ausgehen, dass es das Steppenzebra ist. Der Hersteller importiert das Fleisch aus Südafrika, dort ist diese Art am verbreitetsten. Das Grevyzebra lebt nur in Kenia und Äthiopien.

„Verlogene Debatte“

Nicht alle User in den sozialen Netzwerken sehen das Zebrasteak bei Netto kritisch. So schreibt jemand auf Twitter: „Discounter Netto verkauft Steaks von Zebras. Der Wirbel ist riesengroß und freilich reichlich verlogen. Ist ein Zebra ein besseres Tier als ein Schwein oder ein Rind?“

„Hinterfragt doch lieber, unter welchen Bedingungen Zebras gehalten werden müssen, damit das Fleisch günstig genug ist, um beim netto verscherbelt zu werden“, schreibt ein anderer User.

Zebras aus der freien Wildbahn oder Schweine aus Massentierhaltung?

Schlachthöfe setzen Tierärzte unter Druck
Schwein oder Zebra: Fleisch ist Fleisch? (Foto: CC0 / Pixabay / BlackRiv)

Tatsächlich kann man sich die Frage stellen, wieso wir einen Unterschied etwa zwischen Zebra- und Rindfleisch machen. Das Zebra hatte wahrscheinlich ein besseres Leben als ein Rind aus unserer konventionellen Viehzucht. Zebras brauchen viel Platz und können deshalb nicht gezüchtet werden. Anders als unsere Rinder und Schweine werden sie also nicht qualvoll in Massenbetrieben aufgezogen.

Gleiches gilt für Kängurus: Sie werden ebenfalls nicht gezüchtet, sondern leben in Australien in freier Natur. Australischen Behörden zufolge vermehren sich die Tiere dort so stark, dass sie zur Populationskontrolle von Jägern erlegt werden müssen. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife sagt jedoch, dass das Gegenteil der Fall sei: „Experten warnen vor dem Verschwinden der [Kängurus] in Teilen des Kontinents. Die seit Millionen Jahren in Australien heimischen Tiere wurden seit Ankunft europäischer Siedler vor 200 Jahren erbarmungslos verfolgt und dezimiert, weil sie als Konkurrenten zur Schaf- und Rinderhaltung gelten.“

 Zebra bei Netto – muss nicht sein

Das Sonderangebot von Netto ist also fraglich. Die Steaks wurden um die halbe Welt transportiert, bevor sie in der Tiefkühltruhe von Netto landeten. Der Transport aus Südafrika und Australien verursacht also jede Menge Emissionen.

Außerdem stammt das Zebrasteak von einer Tierart, die als „potentiell gefährdet“ gilt. Falls Kunden in Deutschland auf den Geschmack kommen, könnte die Nachfrage nach dem Fleisch steigen. Wenn mehr Menschen mehr Zebrafleisch essen wollen, ist das Steppenzebra bald wirklich gefährdet. Und  überhaupt, bei Fleisch und anderen tierischen Produkten gilt wie immer: weniger ist mehr.

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(10) Kommentare

  1. Darf ich widersprechen?
    Aus Massentierhaltung kann umweltschonend sein – sofern sie richtig betrieben wird. Leider sieht nur eben die Praxis vielfach ganz anders aus!

  2. Bis auf den Hinweis auf evtl. Geschossteile sehe ich jetzt keinen großen Unterschied zu argentinischem Rindersteak oder japanischem Kobe Rind.
    Alles irgendwie von weit weg eingeflogen unnötiger Weise und was daran besonders weihnachtlich, geschweige denn christlich sein soll ein „exotischeres“ Tier zum Fest zu verspeisen erschließt sich mir zudem überhaupt nicht.
    Soll es ja wohl auch nicht, es geht ja um klingende Kassen im Supermarkt und um übersättigte Kundschaft, die glaubt, sich daheim in der Verwandtschaft einen Stern erkochen zu können, wenn sie mit bedeutsamem Blick darauf verweisen, dass das tote Tier auf dem Teller einst ein gestreiftes Fell trug im lebenden Zustand.
    Dass gefährdete Tierarten auf den Tellern der ewig Fleischhungrigen landen, ist glaube ich auch nicht wirklich neu.
    Und Kängurus … sollen ja angeblich eine Plage sein in Australien, vermutlich weil sie den Rindern irgendwas wegfressen? Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass die Australier ihre Plagegeister selbst aufessen können.

  3. Hm, ich kriege die Assoziationskette nicht hin von ressourcen-schonend und gefroren – kostet doch Unmengen Energie oder nicht?
    Wer oder was wird denn damit geschont?

  4. Aha!
    Und der Fussabdruck wird mit gefrorenem Fleisch dann irgendwie geringer? Hää???
    Auch hier erschließt sich mir der Sinn so gar nicht!

    Vielleicht sagst du einfach mal was in deinen eigenen Worten, anstatt immer Links zu setzen?

  5. Tja geno, und du kannst es offenbar nicht erklären, wieso Fleisch essen etwas mit Umweltbewusstsein und Ressourcen schonen zu tun haben soll, wenn das Fleisch gefroren wird.
    Ganz zu schweigen davon, wie das den ökologischen Fußabdruck des einzelnen verringern soll.
    Ich weiß, wie man diesen Fußabdruck ohne Fleisch essen verringert, du auch?

  6. @ geno @ No-way

    Um den Streit mal etwas aufzulockern und zu lösen:

    Sprach die Frau des Kriminal-Technikers beim Wildfleisch-Essen:
    „Tut mir leid, aber es kann mal passieren, daß in Windfleisch noch ein stecken gebiebenes Schrot-Korn drin ist.“
    Darauf der Kriminal-Techniker:
    „Das ist kein Schrot-Korn – das ist ein Stück Scheinwerferglas von einem VW Golf Baujahr 1998!“

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