Ist das die neue Konkurrenz für Kik, Primark und H&M? Eine Bewertung

Neue Konkurrenz für Kik, Primark und H&M – warum wir nicht begeistert sind
Foto: Carsten Koall/dpa

Sweatshirts bereits ab sieben Euro: Ein neuer Textildiscounter hat in Berlin seine erste Filiale in Deutschland eröffnet. Die Spottpreise sind jedoch nur einer der Gründe, warum du den neuen Laden besser meiden solltest. Wir nennen dir Alternativen.

Am 28. April eröffnete im Einkaufszentrum Boulevard Berlin die erste Filiale von Pepco – ein Billig-Modeanbieter. Auf fast 500 Quadratmetern finden Konsument:innen bei Pepco auffallend günstige Bekleidung, Schuhe, Spielzeug, Haushaltswaren und Dekoartikel. Damit weist der Discounter Ähnlichkeiten zu Ketten wie Kik, NKD und Primark auf. In ganz Europa gibt es bereits um 2.400 Filialen, die meisten davon in Polen.

Unter anderem bei Chip.de und BildderFrau wurde die neue Filiale in Deutschland für die Vielfalt im stationären Handel und für die Beschaffung neuer Arbeitsplätze gefeiert.

Pepco: Billig, billig, billig

Doch für Umwelt und Menschen in den Produktionsländern ist die Filiale alles andere als erfreulich. Schon jetzt schreit der Discounter: „billig“. Auch die Vision von Pepco lautet: „Unser Ziel ist es, die größte, beste, günstigste und bekannteste Marke für Bekleidungs- und Haushaltsprodukte in Europa zu werden.“ Das Problem: Das kann nicht mit guter Qualität, einer fairen Bezahlung und sicheren Arbeitsbedingungen für die Näher:innen und Arbeiter:innen und in der Lieferkette einhergehen.

Ein Blick auf die Webseite zeigt, dass es Damensweater bereits für sieben Euro gibt, Kinder-T-Shirts für 2,50 Euro. Laut einem Bericht des Unternehmens (liegt der Neuen Züricher Zeitung vor) sei man bestrebt, möglichst günstig einzukaufen und dafür eigene Einkaufsorganisationen in China, Hongkong, Bangladesch, Indien und Pakistan zu nutzen. Das soll die Voraussetzung bieten, um weiter zu wachsen.

Produktionsländer: Ähnlich wie Primark

Zu den Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten von Pepco hat unseres Wissens noch keine Organisation Untersuchungen durchgeführt. Allerdings lässt auch Kleidungsdiscounter Primark in diesen Ländern seine Kleidung produzieren. Was daraus bekannt ist: Die Produktionsbedingungen sind oft prekär, die Löhne und Sicherheitsstandards niedrig – und die Billigpreise der neuen Textildiscounters lassen nicht auf faire Bedingungen schließen. Auch auf der Website sind nur sehr versteckt Hinweise auf eigene Produktionsstandards zu finden, allerdings ohne externe Kontrolle.

Nähen lernen
Die Arbeitsbedingungen in den Nähereien sind meist unmenschlich. (Foto: CC0 / Pixabay / jackmac34)

Die Frauenrechtsorganisation Femnet beschrieb in einem Factsheet die Arbeitsbedingungen von Frauen in den in den oben genannten Ländern folgendermaßen: Näherinnen arbeiten oft bis zu 14 Stunden pro Schicht und das an sechs Tagen die Woche, sind mitunter Körperverletzungen, versuchtem Mord, Beschimpfungen mit obszönen Worten und sexueller Gewalt ausgesetzt. Dafür bekommen sie häufig nur einen Mindestlohn von 55 Euro im Monat. Ob das so auf Pepco zutrifft, ist allerdings (noch) unklar.

Nachhaltige Kleidung? Unwahrscheinlich

Laut Unternehmensangaben sollen manche Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle oder recyceltem Polyester bestehen. Um das zu belegen, sind auf der Webseite unter dem Punkt „Unsere Qualität“ haufenweise Siegel aufgelistet – jedoch ohne Hinweis darauf, ob das Unternehmen den Anforderungen dieser Siegel entspricht und ob es sie überhaupt benutzen darf. Im Shop finden sie sich nirgends. In der Datenbank des Nachhaltigkeitszertifzierers GOTS kann man Pepco jedenfalls nicht finden, zumindest diese Zertifizierung besitzt das Unternehmen also offenbar trotz Verwendung auf der Website nicht.

Der Gesamteindruck ist vor allem: Intransparenz. Wie gut oder schlecht Materialien und Herstellungsbedingungen wirklich sind, ist völlig unklar, die Preise lassen aber nichts allzu Gutes vermuten.

1. Alternative zu Pepco: Faire Modelabels

Auch wenn Pepco vermutlich für einige Menschen die neue Anlaufstelle sein wird, gibt es zum Glück auch Alternativen. Faire Modelabels, also Anbieter von Slow Fashion, produzieren nachweislich fair und sozial. Sie verwenden zertifizierte Bio-Baumwolle oder andere nachhaltigere Materialien und verzichten soweit wie möglich auf umweltschädliche Chemikalien und gesundheitsgefährdende Färbemittel.

Verantwortungsvoll produzierte Kleidung hat, im wahrsten Sinne des Wortes, auch einen Preis. Von dem sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, sondern das Prinzip fahren: Qualität vor Quantität. Und: Auch bei Fair-Fashion-Labels gibt es Sales, bei denen man Kleider deutlich günstiger bekommen kann.

Hier findest du eine Liste mit Labels, bei denen du Basics relativ preiswert findest: T-Shirts, Tops & Co: Günstige Mode-Basics fairer Marken

Hier geht’s zu den besten nachhaltigen Mode-Shops und den besten fairen Modelabels.

2. Alternative zu Pepco: Secondhand

Gebrauchte Kleidung hat nichts mit muffigen oder löchrigen Klamotten zu tun. Der Konsum von Kleidung ist so hoch, dass es auch auf dem Secondhand-Markt haufenweise gut erhaltene und schöne Teile gibt. Die findest du auf dem Flohmarkt, in Second-Hand-Läden, oder auf Online-Portalen wie Vinted.

Dieser Secondhandladen macht einfach Freude: Hilde tanzt.
In Secondhand-Läden kannst du wahre Schätze finden. (Foto: Charlotte Gneupel / Utopia)

Für Secondhand-Kleidung muss nichts Neues produziert werden. Die Waren sind schon da und bleiben in einem Kreislauf. Und die Preise schlagen oft sogar Kleidungsdiscounter.

3. Alternative zu Pepco: Kleidung bewusst kaufen

Auch ein Kleidereinkauf, der fair oder Secondhand betätigt wurde, ist meist schon ein bewusster. Doch sollten wir uns vor jedem Einkauf überlegen: Brauche ich das wirklich? Die meisten von uns werden vor lauter überfüllter Kleiderschränke das meiste daraus überhaupt nicht tragen. Wenn wir also weniger kaufen, schont das Ressourcen wie Wasser, Böden und Anbauflächen, es müssen weniger giftige Chemikalien eingesetzt werden und es landet weniger Kleidung im Müll.

Utopia meint: Noch eine Fast-Fashion-Kette mit billiger Kleidung, die mit einiger Wahrscheinlichkeit unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden, ist nicht das, worauf wir gewartet hatten. Für Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, kann ein solches Kleidungsgeschäft zwar eine Möglichkeit sein, neue Anziehsachen zu bekommen. Das bieten Secondhand-Geschäfte aber auch. Wer kann, sollte immer gut überlegen, welche Unternehmen man mit seinem Einkauf unterstützen möchte – und ob es wirklich noch ein T-Shirt für ein paar Euro braucht, das dann schnell im Müll landet.

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