Secondhand kaufen: Alt ist das neue Neu

Secondhand kaufen
Fotos: © Laurent Hamels - Fotolia.com; mi.la / photocase.com

Secondhand-Läden, Flohmärkte, Ebay und Kleiderkreisel – secondhand kaufen ist in und dank Internet unkomplizierter denn je. Finde heraus, welche nachhaltigen Auswirkungen deine Konsumentscheidungen haben und wo du Secondhand Waren findest.

Alt statt neu: Gebraucht-Kauf

Mal ehrlich, wie oft liest du ein und dasselbe Buch? Wie viele kaum getragene Kleider hängen in deinem Schrank? Anstatt immer den neuesten Trends hinterherzulaufen, können wir durch Gebraucht-Kauf Konsumgütern zu einem langen Leben verhelfen. Wer verantwortungsvoll konsumieren möchte, sollte sich vor jeder Anschaffung fragen: Muss es wirklich neu sein? Denn es gibt viele gute Gründe, warum es sich lohnt, gebraucht zu kaufen oder gebrauchte Dinge wieder zu verkaufen.

Konsum jenseits der Konzerne: Secondhand kaufen

Mit dem Geld, das wir für ein neues Produkt ausgeben, unterstützen wir immer auch den Hersteller, dessen Produktionsbedingungen und Geschäftspraktiken. Wer ständig neue Billigware niedriger Qualität kauft, trägt dazu bei, dass Ressourcenverschwendung und Ausbeutung als Geschäftsmodell erfolgreich sind. Natürlich kann und sollte man es beim Neukauf besser machen und sein Geld für langlebige, hochwertige Waren nachhaltiger Hersteller ausgeben. Eine andere Möglichkeit verantwortungsvoll zu konsumieren, ist der Gebraucht-Kauf: Gebrauchtkäufer und –verkäufer organisieren ihren Konsum ein Stück weit selbstständig jenseits der Konzerne – und machen sich damit unabhängig von deren Profistreben.

Secondhand kaufen schont Ressourcen und Klima

Jedes Produkt verbraucht zur Herstellung Ressourcen: Energie, Wasser und Rohstoffe. Viele Ressourcen aber sind knapp oder nur unter großem Risiko nutzbar: Die Förderung von Erdöl zur Herstellung von Kunst- und Treibstoffen richtet weltweit Umweltschäden an. Der Abbau von Bodenschätzen wie Coltan oder Gold für die Produktion von Elektronikartikeln zerstört ganze Landschaften und finanziert bewaffnete Konflikte. Die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung verstärkt den Klimawandel. Durch bewusste Konsumentscheidungen können wir unseren Beitrag zu diesen Problemen reduzieren: Für ein gebrauchtes Produkt, das anstelle eines neuen gekauft wird, werden keine Ressourcen verbraucht. Gebraucht kaufen schont also die natürlichen Ressourcen – und Ressourcenschutz ist auch Klimaschutz.

Wer gebraucht kauft, vermeidet Müll

Gebraucht-Kauf oder –verkauf verlängert das Produktleben und sorgt damit dafür, dass dieses Produkt (noch) nicht auf dem Müll landet. Es ist eigentlich ganz einfach: Je länger die Dinge genutzt werden, desto weniger wird weggeworfen und neugekauft und desto weniger wachsen die Müllberge. Das ist ganz besonders dann wichtig, wenn es um Gegenstände geht, die problematisch in der Entsorgung sind, wie etwa Elektrogeräte oder Kunststoff.

Mehr Wert für weniger Geld: Gebrauchte Bücher, Möbel und Kleidung

Gebrauchte Bücher, Möbel und Kleider sind billiger als neue, das ist klar. Gebraucht kaufen spart also auf jeden Fall Geld. Großes Plus: die Qualität von Gebrauchtware ist oft nicht schlechter als die neuer Produkte – im Gegenteil. Logischerweise sind gerade hochwertige, gut verarbeitete Produkte besonders langlebig und lassen sich immer wieder weitergeben. So kann man sich gebraucht oft Qualität leisten, die neu für viele zu teuer ist: Designerkleidung, Massivholzmöbel oder Marken-Fahrräder zum Beispiel bekommt man häufig Secondhand in einwandfreiem Zustand – zu einem Bruchteil des Neupreises. Und kann sie dann selbst wieder verkaufen, wenn man sie nicht mehr braucht.

Was secondhand kaufen?

Theoretisch kann man fast alles secondhand kaufen. Auf Gebraucht-Kauf-Portalen wie Ebay findet man vom gebrauchten Rasierer bis hin zum Luxus-Wohnmobil so ziemlich jedes Produkt, was man sich vorstellen kann. Empfehlenswert ist der Gebraucht-Kauf zwar generell. Ganz besonders lohnt er sich aber erstens bei Gegenständen, die aufwendig in Herstellung oder Entsorgung sind, wie Elektrogeräte, Möbel, Fahrräder und Kleidung. Er ist zweitens sehr sinnvoll bei Dingen, die man sowieso nur für einen begrenzten Zeitraum nutzt – etwa Kinderspielzeug, Bücher oder Filme. Allerdings sollten wir nicht wahllos alles gebraucht kaufen. Gerade bei Elektrogeräten ist es wichtig, die Energieeffizienz zu beachten und dann abzuwägen: Ist es effizienter, ein altes Gerät weiter zu benutzen und damit Ressourcen für die Neuproduktion zu sparen oder ist ein neues, stromsparendes Gerät womöglich umweltfreundlicher?

Wo secondhand kaufen?

Die Möglichkeiten secondhand zu kaufen sind endlos, sowohl die analogen wie auch die digitalen. In beinahe jeder Kleinstadt – und in Großstädten sowieso – gibt es zahlreiche Läden und Veranstaltungen für den (Ver-)Kauf gebrauchter Waren. Secondhand-Läden bieten längst nicht mehr nur gebrauchte Kleidung an, in vielen kann man auch Möbel, Spielzeug oder Bücher kaufen. Flohmärkte sind oft eine großartige Gelegenheit, Schnäppchen zu machen und ungewöhnliche oder gar antike Stücke zu erstehen. Vielerorts gibt es auch Flohmärkte oder Secondhand-Basare speziell für Kleider, Kindersachen, Skis, Fahrräder oder Bücher; oft organisiert die örtliche Kirchengemeinde solche Veranstaltungen ein bis zweimal im Jahr. In der Regel werden Flohmärkte und Ähnliches in der Tageszeitung oder den kostenlosen Stadtteil-Zeitungen angekündigt. Dort findet man übrigens auch weitere Gelegenheiten zum Gebraucht-Kauf. Und zwar sowohl in den Kleinanzeigen als auch in Ankündigungen für Garagenflohmärkte, Haushaltsauflösungen oder Versteigerungen der Polizei und der Fundbüros.

Wer Samstagmorgen lieber ausschläft, als auf dem Flohmarkt zu stöbern und gerne online shoppt, findet im Netz eine ganze Menge Kleinanzeigenportale sowie größere und kleinere Plattformen für Gebraucht-Käufer und –verkäufer. Und auch mobil kann jeder zum Käufer oder Verkäufer gebrauchter Waren werden; zum Beispiel mit der Flohmarkt-App Stuffle.

Wir werden gebraucht

„Ist das neu?“ – „Nee, Secondhand.“ Wer gebraucht kauft und seinen Freunden davon erzählt, kann vielleicht den einen oder anderen dazu anregen, selbst weniger neu und mehr gebraucht zu kaufen. Noch scheint Neuheit in unserer Gesellschaft einen Wert an sich darzustellen. Aber: Je mehr Menschen secondhand kaufen und dazu stehen, desto mehr gesellschaftliche Akzeptanz wird diese nachhaltige Form des Konsums erlangen.
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(12) Kommentare


  1. Ich kaufe viel gebraucht über verschiedene Wege – aber auch neues.
    Wie im Artikel schon erwähnt finde ich beim Neukauf extrem wichtig, auf Qualität zu achten, wenn man nachhaltig denkt.

    Ich habe im Mobiliar zum Beispiel die sehr stilvollen Echtholz-Möbel, die meine Großmutter zu IHRER Hochzeit geschenkt bekam. Ich bin mir sicher, dass die Ikea-Möbel, die ich während meines Studiums dazu gekauft habe, sich in 10 Jahren von gar niemandem mehr nutzen lassen. 🙁

  2. Gerade bei Klamotten kann man kreativ sein. Verschiedene Kombinationen, flexibel anziehbare Stücke, aufpeppem mit Accessoires etc machen eine große Garderobe überflüssig. Und beim Kauf kompromisslos sein – alles was nicht perfekt passt, nicht super schön ist oder sich nicht gut anfühlt kaufe ich weder gebraucht noch neu sondern überhaupt nicht. Wer nur Lieblingsstücke hat hat einen ganzen Schrank voll anzuziehen und die wenigen Stücke machen die Auswahl am morgen leicht. Den Großteil der Sachen ( vor allem Basics) hab ich schon seit Jahren und bekomme immernoch Komplimente.

  3. Dieses Thema gehört in die Schulen. Sollte in den Lehrplan aufgenommen werden. Damit der Nachwuchs mal darüber nachdenkt, wie uncool es ist ständig den neusten Ramsch zu haben und seine Ressourcen oder die der Familie damit zu vergeuden (und letztlich unser aller).

  4. Uns kommen NIE wieder neue Möbel ins Haus!

    Der Grund dafür war ein neuer Kleiderschrank aus einem Möbelhaus,
    der nach Aufbau monatelang extrem gestunken hat.
    Wir konnten in unserem Schlafzimmer nicht mehr schlafen, bekamen Kopfschmerzen und Übelkeit.
    Jetzt haben wir einen wunderschönen 100 Jahre alten englischen Schrank mit blindem Spiegel und was viel wichtiger ist: einen gesunden Schlaf!

    Von den heute produzierten Möbeln würde mit Sicherheit keines 100 Jahre überstehen…

  5. Meinen Arbeitsklamotten (Anzug) muss ich wohl oder übel neu kaufen. Sonst versuche ich zu tauschen , Trödelmarkt Piggy Bank, und Werkzeuge leihen (Akkuschrauber habe ich 3 Jahre nicht gebraucht). Klappt prima

  6. Ein sehr wichtiges Thema!! Gerade in Zeiten, in denen Geschäfte aus dem Boden wachsen, die kurzlebige Waren zu niegrigsten Preisen anbieten. Die Menschen zahlen, auf vielen Wegen trotzdem drauf.

    Dabei ist es so einfach sich zum Beispiel gut einzurichten. Massivholzmöbel sind unverwüstlich und wandelbar. Man muss kein Handwerker sein, um alten Möbelstücken neuen Glanz zu verleihen. Es ist durchaus möglich sich praktisch und individuell stylisch einzurichten, wenn man Kleinanzeigen durchforstet, zu Wohnungsauflösungen geht und etwas Vorstellungsvermögen hat.
    Auf die gleiche Weise kann mit Kleidung verfahren werden. Kreativität setzt sich durch, oft bekommt man Dinge zum Nulltarif und braucht nur noch etwas Zeit investieren. 😀

    Man sollte also genau abwägen und Alternativen durchdenken, bevor man neu kauft.

  7. Eine sache wurde leider vollständig vergessen, des deutschen liebstes Kind, das Auto 😉
    Auch hier kann man viel sparen und noch mehr für die Umwelt tun. Bei einem kleinwagen z.b, fallen alleine bei der Produktion 4,1 Tonnen co² an. Bei größeren PKW sind es auch schnell mal 7 Tonnen co² die NUR bei der Produktion anfallen.

    Wenn ich dann noch an die Produktonszahlen der großen Autobauer denke wird mir schlecht, wenn ich dann noch an solche stellflächen für vermutliche überproduktion denke könnte ich nur noch k*****…

    https://www.google.de/maps/@48.678732,11.3682586,1464m/data=!3m1!1e3

    Wer das nicht länger unterstützen will und nicht unmengen an Geld für Ersatzteile ausgeben möchte, sollte sich mal in Foren umsehen. Viele Teile können selbst Laien reparieren mit der richtigen anleitung. Wenn es irreparabel ist, kann mann sich immer noch an den Autoverwerter seines Vertrauens wenden oder gleich onlinebestellen. Denn was ist noch besser als Recycling? Richtig, das Reparieren oder Wiederverwerten!
    Denn auch das Herstellen der Original Ersatzteile oder Aftermarket Teile ist ein CO2 Faktor den man in meinen Augen nicht ausser acht lassen kann.

    Portale, Shops etc. gibt es wie Sand am Meer.
    über http://www.ecarsearch.de bin ich bisher im gut gefahren, hier gibt es gebrauchte Ersatzteile nur von Zertifizierten Autoverwertern. Also nur solche die auch alle Umweltauflagen erfüllen, Fachgerecht recyceln und nicht wild auf Hinterhöfen schlachten.

    mfg cap

  8. Guter Artikel. Das Thema Gebrauchtkauf und Gebrauchtverkauf wird immer wichtiger für die Umwelt.
    Gebrauchtverkauf und Kauf von gebrauchten Büchern, CDs, DVDs etc. geht über Portale immer einfacher. Eine echt geniale Möglichkeit, um von den ganzen Portalen die besten Preise für gebrauchte Artikel zu finden ist http://www.bonavendi.de. Die Seite gibt mit dem Preisvergleich einen guten Überblick wo man am besten kaufen oder verkaufen kann. Das Ganze ist absolut kostenlos.

    • Arbeitest du für bonavendi ? Deine Beschreibung liest sich wie ein Werbetext.

      Für mich sind das Zwischenanbieter für Affiliate Marketing, sonst nichts.

      „… wo man am besten kaufen oder verkaufen kann …“ heißt für mich ohne jegliche ökologische Kriterien einzig und allein auf den Preis zu schielen, Unternehmen in Kauf- und Verkaufsprozesse einzubinden, die lediglich von der Gebrauchtware profitieren wollen.

      “ … echt geniale Möglichkeit …“ mitzuverdienen.

      Lasse mich gerne eines Besseres belehren und schaue mir deren Nachhaltigkeitsbericht an. Falls ich nur den Link dazu fände.

      Aus den AGBs …
      http://www.bonavendi.de/agb.html
      „Auch wenn sich Bonavendi um eine Berücksichtigung aller relevanten Anbieter am Markt bemüht, besteht kein Anspruch auf eine Vollständigkeit der angezeigten Anbieter. Bonavendi übernimmt auch keine keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Rechtmäßigkeit und Aktualität der Angaben.“

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