Die schlimmsten Inhaltsstoffe in Textilien – und wie du sie meidest

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

In Klamotten und Textilien stecken oft Chemikalien und Allergene, mit denen man wissentlich wohl lieber nicht in Berührung kommen würde. Die Gifte gefährden die Arbeiter und verseuchen die Abwässer im Produktionsprozess – und wir tragen sie auf der Haut. Auch die schönsten neuen Trend-Teile sind so in Wahrheit oft ziemlich hässlich.

Die Bloggerin und Autorin Kirsten Brodde schreibt in ihrem Buch „Saubere Sachen“ aus dem Jahr 2009: „Sicher ist: Ein Drittel aller Chemikalien weltweit landet in der Kleidung – die meisten davon sind allerdings nie für den Hautkontakt vorgesehen gewesen.“ Die ständig wechselnden Kollektionen in den Schaufenstern der Modeketten lassen davon nichts erahnen. Doch egal wie hip sie sind, egal ob billig oder teuer: Oft bringen sie aus der Herstellung gefährliche Gifte, Allergene und einen riesigen ökologischen Fußabdruck mit. Das ist ethisch und ökologisch ein Problem – und durch den Hautkontakt wirken sich dieSchadstoffe auch direkt auf unsere Gesundheit aus.

Wir erklären, was die schlimmsten Inhaltsstoffe in Kleidung sind und zeigen dir, wie du sie meidest.

Krebserregende Motivdrucke

In den auf T-Shirts und Pullover aufgedruckten Motiven stecken nicht selten bedenkliche Schadstofe – etwa verschiedene Weichmacher oder Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die teils als krebserregend, teils als fortpflanzungsschädigend gelten. Gerade bei Kinderkleidung ist das kritisch – doch Tests finden auch hier immer wieder problematische Stoffe (zum Beispiel Öko-Test in Kinderschlafanzügen 2013).

besser:

Natürlich könnte man ganz auf Aufdrucke verzichten. Das wäre aber vielleicht auch ein bisschen langweilig. Wer nicht aufs Motiv verzichten will achtet am besten auf umwelt- und gesundheitsverträgliche Drucktechniken wie etwa Siebdruck. Mittlerweile gibt es zum Glück einige GOTS- oder sogar IVN BEST-zertifizierte Textildruckereien in Deutschland (enfach mal googeln). Auch zertifizierte Fair Fashion-Labels verwenden für ihre Drucke nur unbedenkliche Farben und Methoden.

Bestenliste: Die besten Modelabels für faire Mode

Gifte in der Lederherstellung

Die meisten Schuhe werden noch immer aus Leder gefertigt. Der Großteil des weltweit produzierten Leders wird mit hochgiftigen Chemikalien gegerbt und behandelt. Die meist verwendeten Chrom III-Salze sind vor allem für die Umwelt bedenklich: Die entstehende Schlacke kann dem Wasserkreislauf nicht wieder zugeführt werden und wird noch viel zu selten recycelt. Viel zu häufig landen sie gemeinsam mit gelösten Schwermetallen in der Umwelt. In manchen Fällen wird jedoch nach wie vor die sechswertige Variante Chrom VI benutzt, bei dem sich die Bilanz um einiges verschlimmert. Unter bestimmten Bedingungen können sich auch im Leder Chrom VI-Verbindungen bilden. Chrom VI ist hoch toxisch, wirkt erbgutverändernd und als starkes Allergen. Es gefährdet nicht nur die Arbeiter in der Herstellung sondern kann auch über Hautkontakt in den Körper des Trägers gelangen.

besser:

Ganz einfach: Nur naturgegerbtes (mit pflanzlichen Stoffen) Leder ist ökologisch, ehtisch und gesundheitlich vertretbar. Informiere dich am besten vor dem Kauf über die Herstellungsbedingungen oder achte auf das IVN Naturleder-Label. Wer den Tieren zuliebe ganz auf Leder verzichten will, findet inzwischen einige pflanzliche Alternativen.

Mehr zum Thema Leder: Echtes Leder, pflanzlich gegerbtes Leder, Bio-Leder – das steckt dahinter.

Die Textilindustrie verschmutzt Gewässer
Die Textilindustrie vergiftet vor allem in Asien die Gewässer. Empfehlenswerter Dokumentarfilm: The True Cost. (Foto: © The True Cost )

Beeindruckender und sehr sehenswerter Film zum Thema Modeindustrie: The True Cost.

Schadstoffhaltige Färbung

Das Kleine Schwarze ist in der Frauenwelt seit jeher ein Klassiker. Dumm nur, dass schwarz die mit Abstand am stärksten schadstoffbelastete Färbung in Textilien ist. Ist diese Färbung minderwertig und kann sich, wie es zum Beispiel bei Kunstfaser oft der Fall ist, nicht richtig mit dem Stoff verbinden, wird sie bei Hautkontakt durch Schweiß leicht ausgewaschen und gelangt in den Körper. Dort kann die Farbe Hautreizungen und sogar Allergien hervorrufen.

besser:

Kunstfasern sollte man wenn möglich aus dem Weg gehen – sie sind größtenteils erdölbasiert und enthalten häufig bedenkliche Stoffe. Öko-Modelabels achten dagegen darauf, möglichst umwelt- und gesundheitsverträgliche Farben einzusetzen. Unbedenkliche Färbung enthält auch Cradle to Cradle zertifizierte Kleidung. Gute Alternative: Bei Second Hand-Kleidung haben sich bedenkliche Farb- und sonstige Stoffe meist schon ausgewaschen – und zudem verlängerst du mit dem Gebrauchtkauf das Produktleben.

Bleichstoff Chlor

Chlor ist billig und effektiv. Nicht nur beim Bleichen, sondern auch bei der Zerstörung der Gesundheit der Arbeiter und der Verpestung der Abwässer.

besser:

Bei den wirklich vertrauenswürdigen Bio-Klamotten-Zertifizierungen sind schädliche Chemikalien wie Chlor und oben genannte Schadstoffe wie Chrom, Weichmacher etc. in der Produktion verboten. Der IVN BEST Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. ist dabei das strikteste und verbietet optische Aufheller kategorisch. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist weiter verbreitet und nur minimal durchlässiger, bestimmte optische Aufheller sind erlaubt. Auch Bluesign zertifiziert Textilien, welche schadstoffarm hergestellt wurden – allerdings häufig Kunstfaser-Produkte. Kleider, welche nach den strgnen Standards produziert werden, fidnest du inzwischen in vielen lokalen Fair Fashion-Shops oder in nachhaltigen Mode-Shops online.

Bestenliste: Die besten nachhaltigen Mode-Shops

Formaldehyd in knitterfreien Textilien

Für die Bügelfaulen haben wir leider eine Hiobsbotschaft: Der Stoff, der Hemden knitterfrei macht, ist meist Formaldehyd. Und diese Chemikalie gilt als krebserregend, hautreizend und verursacht Allergien.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) informiert in dieser „Einführung in die Problematik der Bekleidungstextilien“ (PDF) umfassen über bedenkliche Stoffe wie zum Beispiel Formeldehyd.

besser:

Auch hier gilt: Augen auf! Hinweise wie „Vor dem ersten Tragen waschen“ sind Indikatoren für einen erhöhten Formaldehyd- oder sonstigen Chemikalien-Gehalt. Und: Um ehrlich zu sein, sind „knitterfreie“ Textilien ein Luxus, den eigentlich keiner braucht.

Umweltkiller-Import NPE

Das Tensid NPE ist hierzulande verboten, wird in den klassischen Textilproduktions-Ländern (China, Bangladesh, Indien, Taiwan, etc.) teils aber weiterhin verwendet. In der Kleidung gelangt es zu uns und fließt dann beim ersten Waschgang ins Abwasser. Dort bildet sich aus NPE der Umwelt- und Hormonschädling Nonylphenol.

besser:

Auf die Gefahr hin protektionistisch zu klingen: NPE und viele der oben genannten Probleme lassen sich umgehen, indem man in Europa produzierte Kleidung kauft. Außerdem wird durch die verkürzten Transportwege das Klima geschützt und, da die Produzenten oft kleine Betriebe sind, der wirtschaftsnotwendige Mittelstand gestärkt. Allerdings: Es gibt auch mehrere Öko-Modelabels, (z.B. Armedangels, People Tree) die bewusst in Asien produzieren lassen – sie unterstützen dort die lokale Bevölkerung durch faire Arbeitslöhne und den Aufbau fairer Strukturen, halten strenge Umweltauflagen ein und machen ihren Produktionsprozess transparent.

Tödlicher Used-Look

Der Used-Look bei Jeans ist natürlich kein Inhaltsstoff im eigentlichen Sinn. Die Abreibungen auf der Jeans werden jedoch oft durch Sandstrahlung erzeugt und diese gehört zum Schlimmsten, was die Textilindustrie an Verfahren einsetzt. Bei der Bestrahlung der Jeans mit Quarzsand entsteht Feinstaub, der extrem gesundheitsschädlich für die Arbeiter ist. So sehr, dass damit zahlreiche Todesfälle direkt in Verbindung gebracht werden und die Technik zum Beispiel in der Türkei 2009 verboten wurde. Sandstrahl-Used-Look ist ethisch absolut unvertretbar!

Mehr Infos und „gute“ Jeans-Marken findest du hier: Jeans ohne Ausbeutung und Gift: 5 empfehlenswerte Labels.

besser:

Wer auf abgetragen steht, der kauft seine Jeans entweder Second-Hand oder geht mit neuen Hosen einen Monat auf Wanderurlaub. Du wirst sehen: Selbstverdientes Vintage sieht noch viel besser aus als gekauftes! Wenn es unbedingt neue Used Look-Jeans sein sollen, kauf sie am besten bei fairen Jeans-Labels.

Fazit: Welche Klamotten darf ich noch tragen?

So ganz einfach ist die Antwort leider nicht. Selbst das GOTS-Siegel erlaubt optische Aufheller in seiner Produktionskette. Komplette Chemikalienfreiheit ist im Textilgewerbe heute kaum mehr anzutreffen. Dennoch: Die gängigen Öko-Mode-Zertifizierungen (GOTS, IVN, Bluesign) garantieren, dass möglichst wenige bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden, achten auf eine möglichst umweltfreundliche Produktion und stellen zudem sicher, dass soziale Mindeststandards eingehalten werden.

Deshalb: Um gefährliche Inahltsstoffe in der Kleidung zu meiden, achte auf vertrauenswürdige Siegel mit hohem Anspruch oder kaufe Second Hand-Kleidung!

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