Fleischverzicht: Tönnies-Schlachter schreiben offenen Brief an Bill Gates

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Fotos: © Tönnies und Screenshot Youtube/Bill Gates

Um das Klima zu schützen sollen Menschen in reichen Ländern kein natürliches Fleisch mehr essen – das schreibt Bill Gates in seinem neuen Buch. Der deutschen Fleischindustrie gefällt diese Forderung gar nicht. In einem offenen Brief werfen Tönnies und Co. dem Multimilliardär indirekt Heuchelei vor.  

Vor zwei Wochen erschien Bill Gates‘ neuestes Buch: „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“. Darin liefert der Microsoft-Gründer Ideen, um die Treibhausgas-Emissionen möglichst schnell auf null zu senken. Einer seiner Vorschläge: Menschen sollen kein natürliches Fleisch mehr essen, sondern nur noch im Labor hergestelltes. Da künstliches Fleisch teurer ist, sollen zunächst einmal die reichen Länder darauf umsteigen.

Mehrere deutsche Großschlachter um Clemens Tönnies halten wenig von der Empfehlung: „Bei Ihrem Vorstoß dürfen Sie nicht verschweigen, dass Sie Millionen von Dollar in die Gründung des Kunstfleischproduzenten Beyond Meat investiert haben“, schrieben die Schlachter laut Spiegel Online in einem Brief an Gates. „Das untergräbt Ihre Glaubwürdigkeit.“

Bill Gates: „Ein reicher Typ mit einer Meinung“

Außerdem sei die Fleischwirtschaft nicht der größte Verursacher von Emissionen. Unter anderem die Luftfahrt würde deutlich mehr Treibhausgas ausstoßen. Mit diesem Argument wiesen die Fleischbetriebe auf Gates eigene Klimabilanz hin: „Ihr persönlicher CO₂-Ausstoß war … aufgrund Ihrer zahlreichen Privatflüge 10.000-mal so hoch wie der einer durchschnittlichen Person.“

Mehr Klimaschutz fordern und zugleich selbst extrem klimaschädlich leben – diesen Widerspruch thematisiert Gates selbst in seinem Buch. „Ich kann nicht verneinen, dass ich ein reicher Typ mit einer Meinung bin“, schreibt er darin. Es stimme, dass sein CO2-Fußabdruck „absurd hoch“ ist. „Ich besitze große Häuser und fliege in Privatjets – tatsächlich bin ich in einem nach Paris zur Klimakonferenz geflogen. Wer bin ich also, um jemanden über die Umwelt zu belehren?“

Wegen seiner Emissionen fühle er sich schon lange schuldig. Durch die Arbeit an seinem neuesten Buch sei er sich seiner Verantwortung noch stärker bewusst geworden.  

Verantwortungen hin- und herschieben ist nicht hilfreich

In einem Punkt haben die Verfasser:innen des Briefs an Gates Recht: Die Landwirtschaft ist nicht der klimaschädlichste Sektor in Deutschland. Energiewirtschaft, Industrie und Verkehr verursachen deutlich mehr Emissionen. Das bedeutet aber nicht, dass der Einfluss der Fleischindustrie gering ist – im Gegenteil.

Fakt ist: Der Klimawandel ist in vollem Gange. Politik, Unternehmen, Technologien und die einzelnen Bürger:innen müssen zusammenarbeiten, um dagegen vorzugehen. Ob nun künstliches Fleisch eine gute Lösung ist, darüber lässt sich diskutieren. Aber das ständige Hin- und Herschieben von Verantwortung ist in den Bemühungen gegen die Klimakrise nicht hilfreich.

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